Verzwickte Situation?

Erfahrungen mit Flüchtlingen und Migranten zum Thema Bezness

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Verzwickte Situation?

Beitragvon shockheadedfranzy » 05.03.2018, 22:58

Hallo, nun möchte ich mich auch mal zu Wort melden und eure Meinung hören. Dazu muss ich allerdings etwas ausholen 8)

Wenn man mich beschreiben müsste, würde wohl so etwas wie politisch aktive ( links-grün-versiffter Gutmensch :wink: ) junge Frau herauskommen. Ich habe mich schon immer für Menschen interessiert, egal wie der soziale Status, Religion, Aussehen, Herkunft, usw. war. Daher habe ich auch zwischen Realschule und Fachabitur eine Weile ehrenamtlich in einer Hausaufgabenhilfe für Kinder mit Migrationshintergrund gearbeitet - lange vor der Flüchtlingskrise. Ein Großteil der Kinder hatte türkische Wurzeln und so kam ich das erste Mal mit dieser Kultur in Berührung. Mit den Eltern hatte ich eher weniger zu tun - das hat mein Chef übernommen. Eine Lektion die ich damals von ihm bekommen habe und die sich seitdem eingebrannt hat: "Den meisten ist egal, was du glaubst oder wer du bist solange du einen Glauben und eine Tradition hast, die du überzeugt lebst und vertrittst. Das "Schlimmste" was du tun kannst im Kontext von interkultureller Arbeit ist es, kein Profil zu haben. Grade bei Muslimen ist die Ehre an höchster Stelle. Wie sollen sie dich respektieren und für ehrenvoll halten, wenn du in ihren Augen nicht einmal weisst wer du selbst bist? Wenn du dir ihre Traditionen und Sprache aneignest um einfacher kommunizieren zu können? Ja es ist am Anfang einfacher - langfristig schadet es allen." Mein Chef war ein weiser Mann und guter Menschenkenner, vor allem wenn man bedenkt das es damals in einer kleinen bayrischen Stadt war, in der ein Großteil der Migranten eher aus Osteuropa kam und es nur wenige Moslems gab. Durch die Arbeit dort und sehr einschneidenden privaten Erlebnissen wurde ich schnell Realistin und teilweise leider auch etwas zynisch. Das Klischee von der typischen jungen, naiven Idealistin oder der Frau in mittleren Jahren, deren Kinder aus dem Haus sind und die mit dem Alter und der langweiligen Ehe/Singleleben nicht klar kommt (ja, absichtlich etwas überzogen) treffen also nicht zu.

-Zeitsprung-

Vor gut einem Jahr bin ich für einen beruflichen und privaten Neuanfang nach Hamburg gezogen. So bin ich auch in meinem jetzigen Nebenjob in der Flüchtlingshilfe gelandet. Bezahlt und auf Teilzeit. Hier bin ich in einer Folgeunterkunft und koordiniere die Termine mit Guides, Ämtern, Ärzten und was sonst alles so anfällt. Ein Großteil meiner direkten Kollegen sind Flüchtlinge, die eine Arbeitserlaubnis und vorübergehende Aufenthaltserlaubnis haben und nun unter anderem als Guides und Übersetzer arbeiten. Im Unterschied zu den Kids damals sind das jetzt natürlich Erwachsene und grade durch die extremen Unterschiede zwischen den Geschlechtern und den Umgang damit bin ich dann auf dieses Forum hier gestoßen. Zumal gibt es zu 99% einen Bezness-Fall in meinem Bekanntenkreis. (Hat sich noch nicht bestätigt, aber so lange sind sie noch nicht verheiratet)
Die Arbeit an sich macht Spaß und wir haben uns als Team gut eingearbeitet. Diverse Alltagsprobleme mit den Bewohnern etc. lasse ich hier aus, weil in diesem Kontext nicht wirklich relevant. Wer Interesse hat, kann ja fragen. Es war von Anfang an für mich klar, das ich Arbeit und Privat getrennt halte und nichts mit einem Flüchtling anfange. Daran halte ich mich auch.
Nur - jetzt kommen wir zum eigentlichen Problem: Ich habe dieses Wochenende auf einer Party einer sehr guten Freundin einen jungen Türken/Syrer kennengelernt. Er sieht exakt aus wie meine erste große Liebe (ein waschechter Mittelfranke ;) ) und ich laut seiner Aussage wie seine Ex. Er gehört zu den wenigen Menschen, die in kurzer Zeit sehr gut Deutsch gelernt hat, jede Chance zu arbeiten genutzt hat und inzwischen dabei ist, die deutschen Abschlüsse nachzuholen, die notwendig sind für seinen Wunschberuf. Wie ihr euch vielleicht denken könnt, war und bin ich grade erst mal etwas durch den Wind. Laut seiner Aussage hat er ein unbegrenztes Visum, weil er nicht als Flüchtling gekommen ist. Es gibt allerdings ein paar kleine Ungereimtheiten, die sich auf der einen Seite durch seine Geschichte und Vergangenheit erklären lassen, aber ich bin durch euch noch mehr darauf sensibilisiert/misstrauisch als eh schon. Auf der einen Seite gebe ich jedem Menschen erst mal eine Chance, für seine Geschichte spricht auch so einiges. Die Freunde von mir, darunter eine türkische Trans-Frau hat er überzeugt. Ich war bisher zwar nie ein Bezness-Opfer, habe aber auch keine Lust eins zu werden. Hatte auch so einige ungute Erfahrungen mit Männern. Daher lieber die ersten Gefühle im Keim ersticken, bevor es zu spät ist. (Davon mal abgesehen, selbst wenn er "sauber" ist, steht da noch die Frage im Raum wie viel Einfluss die Ähnlichkeiten mit den jeweiligen Expartnern hat) Auf der anderen Seite - ich will mir mein (Liebes-) Leben nicht von Angst versauen lassen und dem Ganzen eine Chance geben und einfach sehen wie es sich entwickelt. :?

Danke fürs durchlesen! Ich freue mich über jeden konstruktiven Denkanstoß.


PS: Etwas muss ich noch kurz loswerden, weil ich in anderen Threads drüber gestolpert bin:
Ich bin wirklich kein Merkelfan, allerdings ihr oder anderen Menschen die Schuld zu geben, wenn man in einer miesen Beziehung landet ist doch etwas weit hergeholt! Wir erwarten von den Flüchtlingen, das sie eigenverantwortlich die ihnen hier gebotenen Chancen nutzen und sich nicht in der Opferrolle ausruhen und es sich dann selbst so leicht zu machen und die Verantwortung für sein Liebesleben an einen wildfremden Politiker zu schieben ist schon sehr fragwürdig.
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon Nilka » 05.03.2018, 23:15

Hallo shockheadedfranzy,

herzlich willkommen im Forum von 1001 Geschichte.
Das Team wünscht dir einen guten Austausch.
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon Darinka » 06.03.2018, 00:07

Hallo schockheadedfranzy,

viele wirkliche Fakten über ihn hast Du nicht geschrieben, so dass ich mir über ihn kein Bild machen kann.

Nur vielleicht so viel:

Deine Instinkte scheinen anzuschlagen, sonst wärst Du nicht hier? Vermutlich kannst Du das an nichts so wirklich festmachen und suchst nach dem Licht im Dunkeln?

Meine Erfahrung sagt mir: Der tiefe, innere Instinkt hat immer recht. Man versucht ihn nur gerne mal zu ignorieren. Wenn man das Gefühl hat, da stimmt was nicht bzw. der Mensch hat was Ungutes, dann ist das auch meist zu 100% so. Es mögen nur kleine Unstimmigkeiten in Erzählungen von ihm sein... Oder aber irgendwas passt an verbaler und nonverbaler Kommunikation bei ihm nicht zusammen, was Du wahrnimmst. (Vielleicht im Moment auch nur unterbewusst wahrnimmst.) Aber ich meine herauszuhören, dass Deine Alarmglocken schon an sind?

Der Anfang von Amiga wäre, das wegreden zu wollen... Sich einreden zu wollen, alles ist Okay... Obwohl da irgendwo tief in Einem drin was ist, was das Gegenteil erahnt.

Also höre gut in Dich hinein. Ich denke Du kennst die Antwort auf Deine Fragen schon. :wink:

Liebe Grüße
Darinka

Scheint vielleicht ein bisserl viel Spekulation auf einen ersten Post von Dir... Aber das ist es was ich dachte beim Lesen Deiner Zeilen.
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon gadi » 06.03.2018, 09:54

Hallo shockheadedfranzy,

herzlich willkommen auch von mir.

Du schreibst
Er gehört zu den wenigen Menschen, die in kurzer Zeit sehr gut Deutsch gelernt hat, jede Chance zu arbeiten genutzt hat und inzwischen dabei ist, die deutschen Abschlüsse nachzuholen, die notwendig sind für seinen Wunschberuf.


Das ist kein Zeichen von "Kein Bezzie". Es kann genauso gut ein Anzeichen für Bezness sein. Stichworte: Anfänger-Bezzie vs. Fortgeschrittener-Bezzie.
Bitte bedenke, dass die allermeisten Bezness-Opfer sich nicht in den "ungebildeten, primitiven Macho" verliebt haben sondern in den, wie sich nachher herausstellte, hochbegabten Schauspieler.
Auf jeden Fall passt der oben zitierte Satz haargenau zu "AMIGA" (ich weiß, du hast mehr geschrieben was wieder in die andere Richtung geht), wie Darinka schon schrieb.

Ergänzend hast du geschrieben:
Ich bin wirklich kein Merkelfan, allerdings ihr oder anderen Menschen die Schuld zu geben, wenn man in einer miesen Beziehung landet ist doch etwas weit hergeholt! Wir erwarten von den Flüchtlingen, das sie eigenverantwortlich die ihnen hier gebotenen Chancen nutzen und sich nicht in der Opferrolle ausruhen und es sich dann selbst so leicht zu machen und die Verantwortung für sein Liebesleben an einen wildfremden Politiker zu schieben ist schon sehr fragwürdig.


Ich weiß nicht wo jemand die (alleinige) Schuld an einer Bezness-Beziehung Frau Merkel oder anderen Menschen gegeben hätte. Wo steht das denn?
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon shockheadedfranzy » 06.03.2018, 09:59

Danke Nilka!

Ja Darinka, da hast du Recht. Ich bin absichtlich vorerst nicht zu sehr ins Detail gegangen, weil ich nichts Falsches schreiben wollte und ich manche Dinge aus dem Kontext gerissen hätte, ausser ich hätte den kompletten Samstag/Sonntag höchst genau rekapituliert. Das wäre dann doch etwas übertrieben gewesen :wink: Der andere Punkt ist Selbstschutz, ich bin mir noch nicht sicher, wie viel ich gerade veröffentlichen möchte und was mir zu privat ist. Auch wenn es die Einschätzung für euch vereinfachen würde.

Meine Instinkte sind leider nicht immer ganz so zuverlässig, gerade wenn es um meine (Liebes-) Beziehungen geht. Da bin ich inzwischen durch meine Vorgeschichte etwas übervorsichtig (paranoid?) geworden und im Nachhinein kommt immer mal wieder raus das ich zu misstrauisch war und mir eigentlich eher selbst geschadet habe.
Auf der anderen Seite sind meine Menschenkenntnisse eigentlich sehr gut. Vielleicht habe ich auch mit meinem Posting hier überreagiert und mir erst mal in Ruhe ein besseres Bild machen sollen und die nächsten Treffen abgewartet. :?: Fragen über Fragen, bald kommt Rauch aus meinem Kopf und ich gehe mir selbst auf die Nerven. :roll:
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon Anaba » 06.03.2018, 09:59

Guten Morgen schockheadedfranzy,

willkommen auch von mir.
Darinka hat es gut beschrieben, man kann wenig zu deiner Bekanntschaft sagen, weil du ihn nicht weiter beschrieben hast.
Das was du schreibst, reicht nicht, sich ein Bild zu machen.
Du solltest vorsichtig sein, auf dein Bauchgefühl hören und dich vor allem fragen, ob ihm eine Beziehung zu dir nützt.
Ist er wirklich sicher hier oder benötigt er doch noch Hilfe beim Aufenthalt?
Die Frage, wie er zu unbefristetem Aufenthalt gekommen ist, ist nicht unwichtig.
Mehr kann ich dazu nicht schreiben.

Ich möchte aber noch auf die Aussage deines ehemaligen Chefs eingehen.
Der gesagt hat:

"Den meisten ist egal, was du glaubst oder wer du bist solange du einen Glauben und eine Tradition hast, die du überzeugt lebst und vertrittst. Das "Schlimmste" was du tun kannst im Kontext von interkultureller Arbeit ist es, kein Profil zu haben. Grade bei Muslimen ist die Ehre an höchster Stelle. Wie sollen sie dich respektieren und für ehrenvoll halten, wenn du in ihren Augen nicht einmal weisst wer du selbst bist? Wenn du dir ihre Traditionen und Sprache aneignest um einfacher kommunizieren zu können? Ja es ist am Anfang einfacher - langfristig schadet es allen."

Eine kluge Aussage.


Strauß, ein ehemaliger User des Forums, der sich in Nordafrika gut auskannte, hat vor einiger Zeit folgendes geschrieben:


Das "nicht dazugehören" liegt jedenfalls nicht daran, daß man etwa den Koran nicht, oder nicht sorgfältig, gelesen hätte (das haben die meisten Tunesier - oder Muslime insgesamt - auch nicht), sondern daran, daß man nach den Maßstäben der Gesellschaft eben "keiner von uns" ist. Nicht im richtigen Glauben geboren, nicht mit derselben Moral erzogen, nicht dieselbe Sprache sprechend, doch vor allem: nicht durch mannigfaltige familiäre Verbindungen in der Gesellschaft verwurzelt und deshalb nicht überprüfbar und kontrollierbar. Dieser "Makel" ist unheilbar und im schlimmsten Fall macht man sich in seinem Bemühen, die Regeln der Gesellschaft nachzuahmen, lächerlich, im besten nimmt man es wohlwollend, doch niemals als gleichwertig, zur Kenntnis.


Ich fand das so treffend und wichtig, dass ich es mir kopiert hatte.
Das sollten sich die Verliebten und jetzt die vielen Helfer hinter den Spiegel stecken.

Du kennst die Probleme und weißt, wie die meisten der Menschen, die hier angekommen sind, ticken.
Du weißt auch, wie gut sie es verstehen, ihre Vorteile zu nutzen und dabei wenig Rücksicht auf Gefühle nehmen. Das mussten viele Frauen erfahren.
Alles Gute
Liebe Grüße
Anaba

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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon EmilyStrange » 06.03.2018, 11:42

Anaba hat geschrieben:

Das "nicht dazugehören" liegt jedenfalls nicht daran, daß man etwa den Koran nicht, oder nicht sorgfältig, gelesen hätte (das haben die meisten Tunesier - oder Muslime insgesamt - auch nicht), sondern daran, daß man nach den Maßstäben der Gesellschaft eben "keiner von uns" ist. Nicht im richtigen Glauben geboren, nicht mit derselben Moral erzogen, nicht dieselbe Sprache sprechend, doch vor allem: nicht durch mannigfaltige familiäre Verbindungen in der Gesellschaft verwurzelt und deshalb nicht überprüfbar und kontrollierbar. Dieser "Makel" ist unheilbar und im schlimmsten Fall macht man sich in seinem Bemühen, die Regeln der Gesellschaft nachzuahmen, lächerlich, im besten nimmt man es wohlwollend, doch niemals als gleichwertig, zur Kenntnis.




Welch bittere Pille für die 110% Konvertitinnen, die sich mit Bettlaken zuhängen - ihre Mühe ist völlig umsonst. Diese Damen, denen man nur einmal ins Gesicht blicken muss um zu wissen: DAS ist eine urdeutsche Gaby oder Marion (Namen willkürlich gewählt)
Das sollte man ausdrucken, und jeder der Damen an die Stirn tackern (oder besser an ihr Gewand, da kann sie es besser lesen)...
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon EmilyStrange » 06.03.2018, 11:45

Hallo franzy (hoffe es ist ok, wenn ich abkürze*g)

ich kann dir gut nachempfinden, einige Stationen deines Lebenslaufes gibt es auch in meinem (freiwillige Hausaufgabenhilfe mit türkischen Kindern - habe ich auch gemacht, allerdings war ich damals fast selbst noch ein Kind...15 Jahre alt)

Auch die Erfahrung, dass man durch Wissen, Erlebnisse und eigene ERfahrungen nüchterner und auch zynischer wird, kann ich bestätigen. Ich würde es auch nicht unbedingt Zynismus nennen. Es ist einfach die Summe der gemachten Erlebnisse und wenn man viel bitteres und unschönes gesehen hat, ist es logisch, misstrauisch zu sein und bei gewissen Vorzeichen einfach die Tatsachen klar zu bennenen. Das nennt man Lernen. So wie ein Kind lernt, dass es nicht ein zweites mal auf eine heiße Herdplatte fasst, wenn es sich schonmal verbrannt hat - und im idealfall andere Kinder davor warnt. Leider ist diese Fähigkeit Dazuzulernen nicht bei allen gleichermaßen ausgeprägt - zumindest, was zwischenmenschliche Beziehungen betrifft.

Ehrlich gesagt, geht aus deinem Post jetzt nicht viel Hintergrundwissen zu dem Türken/Syrer (was denn nun eigentlichß) hervor. Es ist löblich, dass er sich auf die Hinterbeine gestellt hat, gut Deutsch gelernt hat etc. Aber im Grunde ist es eine Selbstverständlichkeit, die wir nur als Besonderheit wahrnehmen, weil es eben so viele nicht tun. Würdest du bei einem Franzosen, Spanier, Engländer, Griechen etc. auch so freudig überrascht sein, wenn er sich bemüht, Deutsch zu lernen?


Ich persönlich würde eine Beziehung zu einem Moslem generell nicht mehr in Betracht ziehen - egal wie europäisch und aufgeklärt er daherkommen mag. Das kann man natürlich leicht dahersagen,w enn man nicht verliebt ist. Aber halte dir einfach die Probleme vor Augen, die in den allerallermeisten binationalen Beziehungen auftauchen.

Als ganz besonderer Faktor fallen mir da ein

Kinder: (doppelte Staatsbürgerschaft qua Geburt in den meisten muslimischen Ländern - heißt die Kinder sind automatisch Türken, Syrer etc. und der Vater hat entsprechend in diesen Ländern das alleinige Sorgerecht!)

Familie: die Familie hängt immer mit dran - wenn sie nicht in Deutschland lebt, wird regelmäßig finanziell im Heimatland unterstützt - Urlaube gehen auch fast immer ins Heimatland. Die Türkei ist schön, keine Frage - oder Ägypten - aber auf Jahre, immer nur dort hin? Überlege es dir...

Rollenverständnis: die meisten Männer aus diesem Kulturkreis (auch aus christlich geprägten, südländischen Kulturkreisen) haben ein Rollenbild im Kopf, welches ich nur schwer auf Dauer ertragen kann. Es mag kurze Zeit toll und neu sein, als Prinzessin behandelt zu werden, das ist aber nur eine Seite der Medaille. Oft kommen Kontrolle, Eifersucht, Machogehabe dazu. Ist typabhängig - manche Frauen mögen das, ich würde auf Dauer irre werden.

Kurzum: Schau einfach, wie es sich entwickelt. Ich denke, durch deine Erfahrungen hast du gute Antennen, wenn etwas komisch wird. Allein, dass du hier schon vorab um Rat fragst zeigt, dass du nicht so naiv da ran gehst, wie viele andere Frauen

Gib ihm eine Chance - häng dich halt nicht zu sehr rein. Geh mit ihm um, als wäre er ein deutscher Mann - er ist erwachsen, er kann alles alleine machen. Er braucht keine Mutti :wink:
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon EmilyStrange » 06.03.2018, 11:46

Verdammt...ich lerns nicht...bitte die doppelten Posts löschen, ich lass das jetzt mim editieren
--------------------------------------------------
erledigt :wink: , schöne Grüße, gadi
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon Ariadne » 06.03.2018, 14:58

Hallo franzy,
Wenn du erlaubst, nehme ich die Abkürzung auch gerne.
Ich muss auch bestätigen, was Emily geschrieben hat. Eifersucht, Kontrollzwang, Machgehabe sind wirklich Eigenschaften, die schwer zu ertragen sind. Zumindest nicht auf längere Zeit. Am Anfang, wenn nur die Verliebheit die Macht hat, kann man solche Sachen noch akzeptieren, man erkennt auch nicht, wie ernst die Lage werden kann. Aber dann kommt die Zeit, wenn man den Partner so sieht, wie er wirklich ist.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das die o.g. Eigenschaften bei arabisch/türkischstämmigen Männern durch die Religion/Tradition und Erziehung sehr ausgeprägt sind. Meine Toleranzgrenze war erreicht, ich hätte es nicht länger ertragen können.

Jede moderne, mit europäischen Werten erzogene Frau kommt da an ihre Grenze. Ich hätte mir nicht im Traum gedacht, dass so was so höchst unangenehm, nervtötend und auch „Liebe tötend“ sein kann.

Da würde ich mir ernsthafte Gedanken machen, die anderen Aspekte, die dir die User schon erläutert haben, kommen noch dazu.
Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße.
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon gadi » 06.03.2018, 15:31

EmilyStrange hat geschrieben:
Anaba hat geschrieben:

Das "nicht dazugehören" liegt jedenfalls nicht daran, daß man etwa den Koran nicht, oder nicht sorgfältig, gelesen hätte (das haben die meisten Tunesier - oder Muslime insgesamt - auch nicht), sondern daran, daß man nach den Maßstäben der Gesellschaft eben "keiner von uns" ist. Nicht im richtigen Glauben geboren, nicht mit derselben Moral erzogen, nicht dieselbe Sprache sprechend, doch vor allem: nicht durch mannigfaltige familiäre Verbindungen in der Gesellschaft verwurzelt und deshalb nicht überprüfbar und kontrollierbar. Dieser "Makel" ist unheilbar und im schlimmsten Fall macht man sich in seinem Bemühen, die Regeln der Gesellschaft nachzuahmen, lächerlich, im besten nimmt man es wohlwollend, doch niemals als gleichwertig, zur Kenntnis.




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Der Satz von Strauß ist wirklich unheimlich treffend. Der Makel ist unheilbar, genauso ist es. (Ausnahmen bestätigen....)
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon karima66 » 06.03.2018, 16:03

Ja, danke fürs kopieren, welch wahre Worte bzw. Erkenntnis, hab auch lange gebraucht bis ich das ausreichend verinnerlicht hatte, hatte vor zwei Jahren nochmal so einen Anflug von nicht glauben wollen, dass Strauß recht hat damit, in Bezug auf zwei muslimische Frauen, meine Erfahrung dann, bin manchmal bis heute noch verwundert darüber, wird noch mal bestätigt durch diese kopierte Aussage hier heute.
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon Nilka » 06.03.2018, 16:40

Ja, das war ein weiser Beitrag von Strauß, hier in voller Länge :
viewtopic.php?f=2&t=6899&p=203280&hilit=mannigfaltige+famili%C3%A4re+Verbindungen#p203280
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon shockheadedfranzy » 06.03.2018, 17:25

Hui, danke für eure Antworten und die Abkürzung geht klar :wink:

Ich habe mir seit Sonntag den Kopf über die Situation zerbrochen und gestern in der Arbeit waren auch wieder diverse Situationen, die zwar damit nichts zu tun hatten, aber bereits eine Tendenz in mir ausgelöst haben. Was ja zu dem Posting hier gestern Nacht geführt hat. Inzwischen sehe ich das Wochenende mit etwas mehr Abstand und die Puzzleteile haben zwar ein unvollständiges Bild ergeben, aber mir zu einer Entscheidung verholfen - Es wird nichts zwischen uns passieren!

Ich möchte noch etwas mehr auf alles eingehen, evtl. auch einen neuen Thread starten, etwas allgemeiner - denn ich glaube, das mir in der Arbeit zusätzlich noch Dinge aufgefallen sind, die sehr vielen helfen könnten.

Später also eine ausführliche Antwort, wenn ich etwas mehr Zeit habe.

Liebe Grüße
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon Nilka » 06.03.2018, 17:45

shockheadedfranzy hat geschrieben:Hui, danke für eure Antworten und die Abkürzung geht klar :wink:

Inzwischen sehe ich das Wochenende mit etwas mehr Abstand und die Puzzleteile haben zwar ein unvollständiges Bild ergeben, aber mir zu einer Entscheidung verholfen - Es wird nichts zwischen uns passieren!

Gute Entscheidung :D
Ich möchte noch etwas mehr auf alles eingehen, evtl. auch einen neuen Thread starten, etwas allgemeiner - denn ich glaube, das mir in der Arbeit zusätzlich noch Dinge aufgefallen sind, die sehr vielen helfen könnten.

Später also eine ausführliche Antwort, wenn ich etwas mehr Zeit habe.

Liebe Grüße

Gute Idee und bis bald!
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon gadi » 06.03.2018, 18:13

Huhu Franzi, freu mich auch schon auf deinen Mehrerklär-Beitrag :wink:
P.S.: Wer von euch beiden hat eigentlich zuerst gesagt, dass der andere aussieht wie der Ex-Partner?
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Re: Verzwickte Situation?

Beitragvon Efendi II » 07.03.2018, 20:23

shockheadedfranzy hat geschrieben: Ich habe dieses Wochenende auf einer Party einer sehr guten Freundin einen jungen Türken/Syrer kennengelernt.

Was bedeutet "Türke/Syrer"?
Ist er Doppelstaater?
Laut seiner Aussage hat er ein unbegrenztes Visum, weil er nicht als Flüchtling gekommen ist. Es gibt allerdings ein paar kleine Ungereimtheiten,
Die erste Ungereimtheit ist das "unbegrenzte Visum". So etwas gibt es überhaupt nicht, ein Visum ist immer nur (maximal) 90 Tage gültig. Für längeren Aufenthalt ist immer eine "Aufenthaltserlaubnis" erforderlich und die ist ebenfalls befristet. Die "Niederlassungserlaubnis" oder den "Daueraufenthalt-EU" (beide unbefristet) gibt es nicht mal gerade so, dazu müssen schon längere Voraufenthaltszeiten absolviert werden und einige andere Bedingungen erfüllt sein.

Lass Dir doch einfach mal sein eAT-Kärtchen zeigen und achte darauf welcher Paragraf da steht.
Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Immanuel Kant)
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