"Ich halte das nicht mehr aus...."

Erfahrungen mit Flüchtlingen und Migranten zum Thema Bezness

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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon leva » 03.08.2016, 23:43

Es ist wie es ist.D muss sich ueber kurz o lang zu einem Einwanderungsgesetz aufraffen.....da beisst keine Maus keinen Faden ab....

Asylrecht ist eine andere Baustelle.
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon No Name » 03.08.2016, 23:44

leva hat geschrieben:Was mich hier in den USA immer wieder erstaunt/erfreut ist dass auch Neu Auswanderer/Fluechtlinge(nach Eingewohnung/Sprachkurs/Einweisung fuer Bewerbung-Arbeitsrecht) erstmal jeden Job annehmen.egal zu welcher Schicht/Tag/Wetter und bei minimal Lohn.Aber so baut man sich hier eine "work history" auf ,die bei der naechsten Bewerbung fuer einen besseren Job zu Buche schlaegt.
Da putzen,kochen,Hilfsarbeiter im Bau/Strassenbau auch arabische Maenner um erstmal auf die Fuesse zu kommen.....

Das würde hier wahrscheinlich auch passieren, wenn die Gesetzgebung in Bezug auf Arbeitsrecht, Steuerrecht und Sozialrecht ähnlich wäre und womöglich auch noch die Historie - ob das wünschenswert ist, ist eine andere Frage, die jeder für sich selbst entscheiden muß.
Die EU und die USA haben ganz unterschiedliche Geschichtsverläufe, die zu unterschiedlichen Gesellschaften geführt haben, sowohl die eine, als auch die andere, haben ihre Vor- und Nachteile, doch direkt austauschbar, das sind sie nicht.
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon No Name » 03.08.2016, 23:51

leva hat geschrieben:Es ist wie es ist.D muss sich ueber kurz o lang zu einem Einwanderungsgesetz aufraffen.....da beisst keine Maus keinen Faden ab....

Asylrecht ist eine andere Baustelle.

Hmm - ich glaube, daß es dafür schon zu spät ist, denn Deutschland ist ein kleines Land, das bereits sehr viele Einwanderer hat. Da kann man nicht mehr rückwirkend etwas verstellen, oder das Sozialrecht ändern, und es gibt kaum (Raum)Strukturen, die man vorhalten könnte.

Da müßte Deutschland sich sehr verändern, doch dann wäre es nicht mehr Deutschland. Auf der anderen Seite wird sich Deutschland fraglos auch ohne Einwanderungsgesetz verändern, doch das wäre dann sozusagen eine passive, graduelle Änderung und nicht eine aktive, plötzliche, für die niemand so recht die Verantwortung übernehmen mag.

Es würde so oder so nicht ausgehen. EU-weit, das wäre dagegen eine Möglichkeit, die wohl funktionieren könnte, ob da die anderen Länder mitziehen, das ist natürlich fraglich.
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon leva » 03.08.2016, 23:54

Mein lieber Strauss......
Man waechst mit den Anforderungen.

Die jungen Leute die auch hier ankommen sind auch nicht an der Geschichte des Landes interessiert,vermutlich genausowenig wie in EU/D,sondern sie wollen arbeiten.Egal was.Das sollte doch nach der Anerkenung/legalem Aufenthalt ueberall moeglich sein.
Hier kannst dir kein Vergehen leisten,sonst ist zB der Fuehrerschein weg o du kannst erst keinen machen u zur Arbeitsaufnahme brauchst denn hier unbedingt,da wenige verlaessliche Oeffis.Aber es geht.Aber in D wird immer so ein Gezeter gemacht.
Zuletzt geändert von leva am 04.08.2016, 00:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon leva » 03.08.2016, 23:59

Strauss hat geschrieben:
leva hat geschrieben:Es ist wie es ist.D muss sich ueber kurz o lang zu einem Einwanderungsgesetz aufraffen.....da beisst keine Maus keinen Faden ab....

Asylrecht ist eine andere Baustelle.

Hmm - ich glaube, daß es dafür schon zu spät ist, denn Deutschland ist ein kleines Land, das bereits sehr viele Einwanderer hat. Da kann man nicht mehr rückwirkend etwas verstellen, oder das Sozialrecht ändern, und es gibt kaum (Raum)Strukturen, die man vorhalten könnte.

Da müßte Deutschland sich sehr verändern, doch dann wäre es nicht mehr Deutschland. Auf der anderen Seite wird sich Deutschland fraglos auch ohne Einwanderungsgesetz verändern, doch das wäre dann sozusagen eine passive, graduelle Änderung und nicht eine aktive, plötzliche, für die niemand so recht die Verantwortung übernehmen mag.

Es würde so oder so nicht ausgehen. EU-weit, das wäre dagegen eine Möglichkeit, die wohl funktionieren könnte, ob da die anderen Länder mitziehen, das ist natürlich fraglich.


Es ist nie zu spaet um eine neue Perspektive ins auge zu fassen.so negativ/pessimistisch kenne ich dich ja gar nicht....

Auch morgen fangen wieder 100 Tage an..... :idea:
Zuletzt geändert von leva am 04.08.2016, 00:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon No Name » 04.08.2016, 00:04

leva hat geschrieben:Mein lieber Strauss......
Man waechst mit den Anforderungen.

Die jungen Leute die auch hier ankommen sind auch nicht an der Geschichte des Landes interessiert,vermutlich genausowenig wie in EU/D,sondern sie wollen arbeiten.Egal was.Das sollte doch nach der Anerkenung/legalem Aufendhalt ueberall moeglich sein.
Hier kannst dir kein Vergehen leisten,sonst ist zB der Fuehrerschein weg o du kannst erst keinen machen u zur Arbeitsaufnahme brauchst denn hier unbedingt,da wenige verlaessliche Oeffis.Aber es geht.Aber in D wird immer so ein Gezeter gemacht.

Naja, wenn Du z.B. Kalifornien mit den Neuenglandstaaten und mit Süd-Dakota oder Kansas vergleichst, dann wirst Du auch in den USA ganz erhebliche Unterschiede in der öffentliche Wahrnehmung und Behandlung und hier und da auch "Gezeter" feststellen. Deutschland leidet nicht zuletzt unter seiner Kleinheit, die die Gesellschaft und die LÄnder sehr eng und geformt hält und keine größeren Abweichungen oder Autonomien zuläßt. Da kann sich kaum ein lockerer Umgang durchsetzen. Doch kombiniere einmal, sagen wir Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien und Spanien in 1 Land - das würde dann ganz anders aussehen und eine ganz andere Gesellschat (und Möglichkeiten) bieten. :)
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon Franconia » 04.08.2016, 00:04

leva hat geschrieben:Die jungen Leute die auch hier ankommen sind auch nicht an der Geschichte des Landes interessiert,vermutlich genausowenig wie in EU/D,sondern sie wollen arbeiten.Egal was.Das sollte doch nach der Anerkenung/legalem Aufendhalt ueberall moeglich sein.

Das Problem hier ist, es gilt meist die Vorrangprüfung. Sprich der potentielle Arbeitgeber muss nachweisen das er keinen Deutschen - keinen EU-Bürger oder keinen Altmigranten für diesen Job gefunden hat. Erst wenn er dies nachweislich belegen kann hat jemand der der Vorrangprüfung unterliegt eine Chance auf diesen Job.
Und da ist es auch erst mal egal ob es sich um eine Stelle als Hilfsarbeiter, als Fachkraft oder gar um einen Job für jemanden mit abgeschlossenem Studium handelt.

Die sprachlichen Defizite kommen dann oft noch dazu und bis die ausgeglichen sind (bis jemand einigermaßen Deutsch in Wort und Schrift kann) dauert es, je nach eigener Anstrengung seine Zeit (Plätze in Sprachkursen sind Mangelware).
Liebe Grüße
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon No Name » 04.08.2016, 00:05

leva hat geschrieben:Es ist nie zu spaet um eine neue Perspektive ins auge zu fassen.so negativ/pessimistisch kenne ich dich ja gar nicht....

Du verstehst das falsch ... das ist meine optimistische Prognose gewesen. :)
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon leva » 04.08.2016, 00:07

@ Strauss
Ich lebe im" bible belt" der USA.Und wenn du denkst, dass D die Buerokratie erfunden haette....!? Haha die USA hat sie perfektioniert,Aber das weiss man auch erst,wenn man hier lebt....
Zuletzt geändert von leva am 04.08.2016, 00:11, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon No Name » 04.08.2016, 00:07

Franconia hat geschrieben:Die sprachlichen Defizite kommen dann oft noch dazu und bis die ausgeglichen sind (bis jemand einigermaßen Deutsch in Wort und Schrift kann) dauert es, je nach eigener Anstrengung seine Zeit (Plätze in Sprachkursen sind Mangelware).

Eben - in den USA kann man auch 2000km weiter entfernt einen gleichartigen Job finden, in der EU muß man dazu gleich eine andere Sprache lernen und andere Ausbildungen mitbringen und wird im Extremfall viel weniger verdienen oder viel mehr Steuern zahlen etc.
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon Franconia » 04.08.2016, 00:12

Strauss hat geschrieben:Da müßte Deutschland sich sehr verändern, doch dann wäre es nicht mehr Deutschland. Auf der anderen Seite wird sich Deutschland fraglos auch ohne Einwanderungsgesetz verändern, doch das wäre dann sozusagen eine passive, graduelle Änderung und nicht eine aktive, plötzliche, für die niemand so recht die Verantwortung übernehmen mag.

Es würde so oder so nicht ausgehen. EU-weit, das wäre dagegen eine Möglichkeit, die wohl funktionieren könnte, ob da die anderen Länder mitziehen, das ist natürlich fraglich.

Das andere EU-Länder da mitziehen ist nicht nur fraglich sondern viel mehr unwahrscheinlich.
Orban hat er wieder verlauten lassen das jeder Flüchtling, der in seinem Land Asyl beantragt, ein Flüchtling zuviel ist und das sein Land weder Flüchtlinge will noch auf diese angewiesen ist.
Im Oktober soll es dort ein Referendum in Bezug auf die Flüchtlingspolitik geben und die Stimmungsmache geht in eine eindeutige Richtung - nämlich in die, keine Flüchtlinge aufzunehmen (dazu gibt es große Plakate die damit werben, dass z.B. in den syrischen Anrainerstaaten Millionen von Flüchtlinge in den Startlöchern stehen um in die EU einzufallen).
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon Efendi II » 04.08.2016, 07:11

leva hat geschrieben:Es ist wie es ist.D muss sich ueber kurz o lang zu einem Einwanderungsgesetz aufraffen.....da beisst keine Maus keinen Faden ab.....

Es ist bereits jetzt - ohne Einwanderungsgesetz - möglich nach Deutschland einzuwandern, wenn man über eine berufliche Qualifikation verfügt, die hier gefragt ist.
Was sollte ein Einwanderungsgesetz da verändern/verbessern ?

Der Bedarf an Ziegenhirten und Kamelführern dürfte hier in unseren Breiten nicht allzu groß sein. Somit dürfte sich auch durch ein Einwanderungsgesetz der Zustrom von Arbeitskräften in bescheiden Grenzen bewegen.

Außerdem kann es nicht sinnvoll sein, die (relativ) wenigen gut ausgebildeten Fachkräfte nach Deutschland zu locken, sie werden in ihren Ländern sicher dringender gebraucht.
Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Immanuel Kant)
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon Galadria » 04.08.2016, 08:56

Franconia hat geschrieben:
leva hat geschrieben:Die jungen Leute die auch hier ankommen sind auch nicht an der Geschichte des Landes interessiert,vermutlich genausowenig wie in EU/D,sondern sie wollen arbeiten.Egal was.Das sollte doch nach der Anerkenung/legalem Aufendhalt ueberall moeglich sein.

Das Problem hier ist, es gilt meist die Vorrangprüfung. Sprich der potentielle Arbeitgeber muss nachweisen das er keinen Deutschen - keinen EU-Bürger oder keinen Altmigranten für diesen Job gefunden hat. Erst wenn er dies nachweislich belegen kann hat jemand der der Vorrangprüfung unterliegt eine Chance auf diesen Job.
Und da ist es auch erst mal egal ob es sich um eine Stelle als Hilfsarbeiter, als Fachkraft oder gar um einen Job für jemanden mit abgeschlossenem Studium handelt.

Die sprachlichen Defizite kommen dann oft noch dazu und bis die ausgeglichen sind (bis jemand einigermaßen Deutsch in Wort und Schrift kann) dauert es, je nach eigener Anstrengung seine Zeit (Plätze in Sprachkursen sind Mangelware).


Dies ist nicht mehr der aktuelle Stand. Die Vorrangprüfung ist seit einigen Wochen abgeschafft. LG
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon Lizzie » 04.08.2016, 09:45

Abgesehen davon sind diese Leute ( die Männer vor allem) keineswegs von der Sorte die gewillt ist erst mal jede Arbeit anzunehmen, die sind sich für Vieles "einfach zu gut" und viele auch deshalb gekommen weil sie dachten hier gibt's alles umsonst.
Dazu kommt noch dass sie ihre Fähigkeiten ganz und gar nicht realistisch sehen und viele Angaben die sie darüber machen schlichtweg falsch (gelogen ) sind und es mangelt ihnen an Ausdauer und Durchhaltevermögen. Außerdem haben viele ein Problem damit Anweisungen von einer Frau entgegenzunehmen.
Wer Frauen einstellt, wenn es überhaupt möglich ist, ist besser bedient.
Ich hatte in Ägypten einen Betrieb und habe nach Anfangsschwierigkeiten beschlossen nur noch Frauen zu beschäftigen.
Es wurde mit zu blöd, dass ein Typ, jedesmal wenn er von mir eine Anweisung bekam zu meinem Mann rannte ( der Null Ahnung von der Sache hatte) um zu fragen ob er das auch tatsächlich machen müßte.
ich konnte bald feststellen, dass erstaunlich viele Frauen die Alleinerhalterin der Familie waren (Ehemann arbeitslos, verbringt die Zeit im Cafe und kassiert am Monatsersten ihr Gehalt ab, Ehemann hat Zweitfrau und will Erstfrau mit 4 Kindern aus der Wohnung ekeln, junges Mädchen sorgt für Mutter und Geschwister da Vater uralt ist und Rente nicht für soviele Kinder reicht, Ehemann verprügelt Ehefrau weil er glaubt sie liefert nicht ihr ganzes Gehalt ab,.......Liste kann fortgesetzt werden)
Auf jeden Fall wird sich die Anzahl der Männer die tatsächlich gewillt sind richtig zu arbeiten und sich voranzubringen in sehr überschaubaren DImensionen bewegen. Das ist keine Diskriminierung sondern das sind Erfahrungswerte aus einem langjährien Arbeitsleben.

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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon Fierrabras » 04.08.2016, 10:42

"Drittens halten sie sich nur selten an Absprachen. Ich mache ja auch die Arzttermine für die Flüchtlinge fest. Alle von ihnen müssen eine Grunduntersuchung über sich ergehen lassen, das heißt durchs Röntgen, eine Impfung und einen generellen Check-up durch. Aber viele von ihnen wollen noch zu anderen Ärzten, vor allem zu einem Zahnarzt oder zum Orthopäden. Dann mache ich Termine für sie, aber wenn der Termin da ist, tauchen sie einfach nicht auf. Das passiert so häufig, dass die Ärzte uns mittlerweile schon gebeten haben, nicht mehr so viele Termine festzumachen – aber was soll ich denn da tun? Ich kann ja nicht einfach die Bitte um einen Termin ablehnen, nur weil ich vermute, dass der Bittende dann nicht erscheinen könnte."

vollste Zustimmung!!! wir "überbuchen" jetzt immer die Sprechstunde, wenn wir sehen, dass Flüchtlinge eingetragen sind bzw. sie müssen sich selbst um einen Dolmetscher kümmern, weil wir den Dolmetscher-Etat für das ganze Jahr bereits aufgebraucht haben (und oft genug mit dem Dolmetscher vergeblich auf den Flüchtling warteten...)

sogar mein Chef und die Leiterin der Ambulanz, die beide zunächst voller Elan die Flüchtlinge therapieren wollten, sind inzwischen deutlich desillusioniert.
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon Fierrabras » 04.08.2016, 14:39

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 70438.html

tja und hier heisst es so schön: "Wie für die Bezieher von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) erhalten die Kassen für jeden Asylbewerber einen monatlichen Zuschuss von 90 Euro. Der Betrag reicht mutmaßlich nicht, um die Kosten zu decken. Offensichtlich aus politischen Gründen wollen die Kassen eine Debatte darüber vermeiden, dass Zusatzbeiträge „wegen der Asylbewerber“ steigen. Sie haben stattdessen den Finanzminister aufgerufen, „eine ausgabendeckende Finanzierung zu gewährleisten“.

Ärztekammerfunktionär Montgomery tönte kürzlich sogar, dass die Asylbewerber "überdurchschnittlich" gesund seien. aber hierzu wird er sich vermutlich lieber nicht äußern...

tja, und heute ist wieder ein Flüchtlings-Patient nicht gekommen...nun ist "Saure-Gurken-Zeit", sprich alle Kollegen außer mir sind verreist, so dass ich viel mit Papierkram zu tun habe und nicht die vorgesehene halbe Stunde Däumchen gedreht habe.
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon Franconia » 04.08.2016, 15:16

Fierrabras hat geschrieben:tja, und heute ist wieder ein Flüchtlings-Patient nicht gekommen...

Würde ich es mir als normaler Patient erlauben einen Termin ohne Angabe von Gründen nicht wahr zu nehmen bzw. nicht rechtzeitig abzusagen, dann würde mir der entsprechende Facharzt im Zweifel die Rechnung präsentieren. Denn der hat durchaus das Recht mir die vertane Zeit, in der einen anderen Patienten hätte behandeln können (und damit auch etwas hätte verdienen können), in Rechnung zu stellen.*

Sowas sollte man mMn auch mal bei Flüchtlings einführen.
Termin nicht wahr genommen = Rechnung an besagten Flüchtling wie bei jedem anderen Patienten auch.

*das mag vllt. nicht beim Hausarzt passieren, aber von Fachärzten mit einer reinen Bestell-/Terminpraxis kenne ich dieses Vorgehen durchaus.
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon Fierrabras » 04.08.2016, 15:26

tja, die haben ja leider kein Geld. man könnte vielleicht sagen, die Leistungen werden um je 20 Euro für jeden unentschuldigt versäumten Arzttermin gekürzt...
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon Franconia » 04.08.2016, 19:02

Fierrabras hat geschrieben:tja, die haben ja leider kein Geld. man könnte vielleicht sagen, die Leistungen werden um je 20 Euro für jeden unentschuldigt versäumten Arzttermin gekürzt...

Das wäre z.B. eine erzieherische Maßnahme die sich herum sprechen und sicher auch Früchte tragen würde. Denn eines der wichtigsten Themen ist ja das Geld bzw. das es zu wenig ist.

Und sorry, die Ausrede mit kein Geld... ich kann es nicht mehr hören.
Es gibt genug andere Menschen außer den Flüchtlingen, die auch mit wenig Geld auskommen müssen, die aber bei weitem nicht so viele kostenlose Zugeständnisse vom Staat bekommen - und die, in so einem Fall wie du sie immer wieder schilderst, ggf. auch eine Rechnung präsentiert bekommen ohne das da irgendjemand Rücksicht auf "kein Geld" nimmt.

Sich an Termine zu halten ist auch eine Form der Integration bzw. bei "komm ich heute nicht dann komm ich morgen oder irgendwann" eine Form der Nichtintegration bzw. des nicht integrieren wollens.
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Re: "Ich halte das nicht mehr aus...."

Beitragvon No Name » 05.08.2016, 00:59

Franconia hat geschrieben:
Fierrabras hat geschrieben:tja, und heute ist wieder ein Flüchtlings-Patient nicht gekommen...

Würde ich es mir als normaler Patient erlauben einen Termin ohne Angabe von Gründen nicht wahr zu nehmen bzw. nicht rechtzeitig abzusagen, dann würde mir der entsprechende Facharzt im Zweifel die Rechnung präsentieren.

Und welchen Sinn soll dies in der Realität bei Flüchtlingen machen? Die Rechnung bleibt unbezahlt und kann im Mahnverfahren wegen Einkommen unter der Pfändungsgrenze nicht eingetrieben werden (und je mehr Kinder, desto höher die Pfändungsgrenze). Da treibt ein Arzt dann für 50 oder 100 Euro einen Aufwand, der diese Summe schnell übersteigt - und hat im Extremfall auch nach 10 Jahren sein Geld noch nicht gesehen.

Hier gibt es in der Tat ganz schwerwiegende Probleme, bei allem, was damit zu tun hat. So unterscheiden sich beispielsweise selbst Nachbarstädte darin, wie verfahren wird. Die eine läßt Termine über den Sozialarbeiter machen und zahlt hierfür auch noch einen Dolmetscher (nur das letztere erzeugt Rechnungen von einigen 10.000€ pro MONAT, Dolmetscherkosten liegen zum Teil über den Arztkosten), während die andere Stadt überhaupt keine Dolmetscher stellt und die Sozialarbeiter keine Termine ausmachen.

Weiter - eine gute Anzahl von Flüchtlingen geht bei dem kleinsten Anzeichen von Unwohlsein zum Arzt, oft wird ein Notarztwagen gerufen (weil der Heimleiter in einer Unterkunft nicht abschätzen darf, ob oder ob nicht das notwendig ist), nach Operationen gehen einige so bald als möglich nach Hause und willigen in eine ambulante Nachbetreuung ein - wofür sie dann natürlich die Erstattung der Taxifahrtkosten zum Krankenhaus wollen. Frauen, die entbunden haben, bestehen oftmals darauf, daß ein weibliches Familienmitglied zum "Helfen" mit dem Neugeborenen kommt, natürlich mit kostenloser Unterkunft im Haus oder gar per Hotel (plus Fahrtkosten). Und so weiter...

Ich schreibe nun nicht, daß JEDER sich so verhält, doch diejenigen, die es tun, verursachen bereits ganz erstaunlich hohe Kosten - und Personen, die absolut frei von jedem "vorteilsuchenden" Verhalten sind, sind leider in der Minderheit.

Hinzu kommen dann noch Scharen von Ehrenamtlichen (nein, nicht alle, doch es sind genug), die bei Wehwehchen, Operatonen, Geburten, etc. denjenigen Personen zur Hilfe kommen und sie besuchen, Fahrdienste erledigen, sie mit Kleidungsstücken etc. austatten, und so weiter.

Der Alte, oder der H4-Empfänger im Bett nebenan, der womöglich bis zu seiner Arbeitslosigkeit schon 30 und mehr Jahre gearbeitet hatte, und den kaum einer eines Blickes würdigt, der sieht das ganze mit staunenden Augen...

Nun ist es nicht so, daß ich ehrenamtliche Arbeit verurteile, doch sie ist, und das kritisiere ich, zur Zeit sehr verengt und hat einen kleinen Fokus. Doch was schlimm ist, ist dabei etwas anderes, nämlich daß durch die Behandlung als fast Unmündige die Flüchtlinge in eine Rolle gedrängt werden, die fast jeder Mensch in einer solchen Sitaution einnehmen würde - man wartet darauf, daß aus dem Füllhorn neue Sachen herauskommen und daß ein Wunsch, der ausgesprochen wird, bald erfüllt wird. So gesehen - gibt es da nicht nur eine Schuld, die allein bei "Hilfesuchenden" liegt, sondern eben auch bei den Hilfegewährenden, denn durch die Behandlung als Unmündiger wird jegliche Motivation, jegliches Interesse an Eigenleistung erstickt.
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