Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Erfahrungen mit Flüchtlingen und Migranten zum Thema Bezness

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Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Aral » 15.02.2017, 17:10

Hallo,
ich bin neu hier, diese Geschichten und eure Meinungen hier auf dieser Plattform haben mir sehr sehr geholfen. Speziell für mein Erlebtes würde ich gerne eure Meinungen und Erfahrungen lesen!
Dies ist meine Geschichte!
Im November 2015 übernahm ich eine "Patenschaft " für einen jungen Mann aus Syrien. Wir mochten uns von Anfang an und tauschten schnell Facebook und Handydaten aus. Von diesem Zeitpunkt an schrieben wir uns fast täglich. Ich erfuhr seine ganze Geschichte und er hat mir sein Herz ausgeschüttet über seine Liebe die er eigentlich heiraten sollte und wollte. Die Eltern des Mädchens waren aber dagegen. Somit kam er dann nach Deutschland und als er hier erfuhr das das Mädchen dann mit einem anderen Mann verheiratet wurde , ging es ihm sehr schlecht. Ich habe dann per WhatsApp Aufbauarbeit geleistet so gut ich konnte. Sein Zustand verbesserte sich und er vertraute mir immer mehr Dinge an.
Ich fand und finde es immer noch spannend den anderen Kulturkreis kennenzulernen, und die Unterschiede festzustellen.
Zwischenzeitlich haben meine Familie und ich ihn ab und zu mit zu Veranstaltungen genommen, wo ich ihn das erste Mal lachend gesehen habe.
Er sagte mir das er mit niemanden außer mir über Dinge wie die Liebe, Sex und Freundinnen , Aids usw. unterhalten kann oder jemals hat. Auch über die ewige Verantwortung seine Familie zu unterstützen und der Unterwerfung der Mutter hat er mit mir beredet. Ich fand das Ganze sehr spannend und es war und ist ein schönes Gefühl jemand Besonderes für eine Person zu sein, die hier ohne Familie gestrandet ist.
Doch was hat das Ganze mit mir gemacht?
Ich schlief abends mit dem Gedanken an ihn und sein Erlebtes ein, (durch die Situation in Syrien kamen und kommen ja immer wieder neue , meist schlechte Nachrichten hinzu)und wachte morgens mit diesen Gedanken wieder auf. Ich machte mir Sorgen wenn es ihm schlecht ging und freute mich wenn er gute Tage hatte. Ich fürchte in dieser Zeit habe ich besonders meinen Mann ziemlich vernachlässigt. Ständig waren meine Gedanken woanders. Dieses Gefühl nur körperlich anwesend zu sein, aber mit den Gedanken bei dem Syrer, ist schrecklich und für mich jetzt nicht mehr aushaltbar.
Kurz, ich möchte mein altes Leben zurück! Ich bin fast 25 Jahre verheiratet und war und bin immer glücklich gewesen. Mein Mann hat mich und tut es noch immer unterstützt mit der Patenschaft .Er hilft dem jungen Mann immer wenn er kann und hat Kontakt zu ihm. Nur sieht er alles viel realistischer und hat mich mit seiner Einstellung auch immer wieder aufgefangen.
Ich bewundere diese Einstellung und hätte sie auch gern, aber ich bin halt eine Frau und kann meine Helfergefühle und Anteilnahme nicht einfach ausschalten.
Weiter geht es mit dem täglichen Schreiben , das mittlerweile viele Herzen und ich vermisse dich und ich liebe dich Passagen enthalten. Daraufhin sagte ich ihm das ich das nicht möchte , und ich ja glücklich verheiratet bin. Mehr als meine Freundschaft könne ich ihm nicht anbieten. Er versicherte mir daraufhin auch nur meine Freundschaft zu wollen.
Durch die ganzen Papiere mit dem Jobcenter usw. trafen wir uns öfter allein, immer auf einen Kaffee, manchmal gab er mir ein Essen aus.
Er kam mir niemals zu nah und außer einer Umarmung zur Begrüßung und zum Abschied , war da nichts! Ich empfand diese Treffen immer als schön weil wir immer versuchten über alles mögliche zu reden.
Im Nachhinein muss ich sagen das ich ihm mit seinen Augen betrachtet und meinem Wissen von heute ermutigt habe für was auch immer.
Eine Liebesbeziehung mit ihm mit einem Altersunterschied von 20 Jahren konnte ich mir nicht vorstellen, vielleicht mal ganz kurz , aber mein Verstand sagte immer nein.
Nun zu meiner eigentlichen Frage:
Meint ihr das eine reine freundschaftliche Beziehung zu diesem Mann auf Dauer möglich ist?
Ich habe mir vorgestellt ihn weiter zu begleiten und für Hilfen und fragen zur Verfügung zu stehen. Andererseits merke ich das ich das emotional im Moment nicht schaffe. Wie gesagt , eigentlich möchte ich mein altes Leben zurück.
Wie ihr ja hier alle selber wisst ist das nicht so einfach. Ich verstehe selber nicht warum ich nicht einfach der ganzen Sache ein Ende setzen kann?!
Wäre eine Freundschaft also wirklich möglich? Oder haltet ihr das für ausgeschlossen?
Ich möchte wieder ganz bei meinem Mann und meiner Familie sein, aber wie?
Ich möchte auch nicht das der junge Mann meint er habe etwas falsch gemacht und dann wieder in Depressionen verfällt.
Er wohnt jetzt in seiner eigenen Wohnung die er mit meiner Hilfe gefunden und eingerichtet hat.
Er ist jetzt viel viel selbstständiger als vor einem Jahr, das ist super!
Eigentlich kann ich es jetzt gut sein lassen!
Soll ich weiterhin sein Freund sein und mit ihm über alles Mögliche reden, oder mich jetzt komplett zurück ziehen?
Wie ist eure Meinung?
Ist eine Freundschaft zwischen einem jungen Moslem und einer 20jahre älteren Frau möglich oder nur eine Farce?
Vielen Dank im Voraus für eure Meinungen und Antworten!
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Moppel » 15.02.2017, 17:28

Wer helfen möchte oder möchte, der sollte unter keinen Umständen am Helfersyndrom leiden, denn dann geht ER/Sie seelisch vor die Hunde.
Du hast dich da schon sehr weit hineingesteigert, so das durchaus vermutet werden darf das Deine Ehe bereits in Gefahr ist oder in Gefahr gerät über den Jordan zu gehen.
Btw. Patenschaften, ausser im Familienkreis, ist ein Fall für den Profi und nicht für gutmeinende Amateure.
Gruß
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon leva » 15.02.2017, 17:34

Ich wuerd jetzt auch mit dem taeglichen Kontakt aufhoeren.
Die Herzchen u "ich liebe dich" gingen schon zu weit.Er weiss ja dass du vertheiratet bis.

Ich denke du hast genug getan.Sich abundzu mal zu hoeren finde ich OK,aber das kann ja nur alle paar Wochen sein u neue Ereignisse mitzuteilen.

Ich glaube nicht das eine Freundschaft unter diesen Umtaenden moeglich ist.Du bist eine Helferin gewesen u das koennte jetzt abgeschlossen sein.
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Thelmalouis » 15.02.2017, 17:41

Hallo Aral,

herzlich willkommen bei 1001 Geschichte.
Das Team wünscht dir einen guten und informativen Austausch.
Gruß Thelmalouis

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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon MojaMala » 15.02.2017, 17:49

Dafür, dass er deinen Mann gut kennt, der ihm offenbar auch schon viel geholfen hat, finde ich das Verhalten des Syrers fürs ziemlich fragwürdig. Ist kein feiner Zug von ihm, hinter dem Rücken der helfenden Hand zu versuchen, sich an die Ehefrau ranzumachen. Spricht nicht für seinen Charakter.
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Anaba » 15.02.2017, 18:12

Hallo Aral,

willkommen auch von mir.
Meine Meinung zu dem Thema kennst du.
Sie deckt sich mit der meiner Vorschreiber.

Du bewegst dich auf dünnem Eis und gefährdest deine Ehe, wenn du dich nicht zurückziehst.
Wie MojaMala bereits schreibt, handelt der junge Mann übergriffig.
Herzchen und Liebesbeteuerungen gehen gar nicht.
In seiner Heimat wäre das unmöglich, einer verheirateten Frau so gegenüberzutreten.
Es ist respektlos und deinem Mann gegenüber sehr unfair.
Auf keinen Fall solltest du ihn weiterhin allein treffen.
Zieh dich zurück und setze ihm klare Grenzen.
Täglicher Kontakt ist unnötig. Treffen nur zu dritt, mit deinem Mann.
Nur so kommst du da unbeschadet raus.
Liebe Grüße
Anaba

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zu befinden und laut zu sagen: Nein
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Thelmalouis » 15.02.2017, 18:19

Hallo Aral,

du musst nichts tun, was du nicht auch tun willst, besonders, wenn es dich und deine Familie zu sehr belastet.

Ich weiß ja nicht, was so eine Patenschaft so alles beinhaltet.
Aber ich denke nicht, dass eine so intensive Betreuung gewünscht ist.

Grenze dich ab.
Du bist nicht seine Ersatz-Mutter.
Eigene Kinder lösen sich ja auch irgendwann von den Eltern und gehen ihrer Wege.

Stelle klare Regeln auf und teile ihm mit, dass er jetzt immer selbstständiger wird und du nicht mehr pausenlos für ihn da sein kannst und willst.
Du kannst im ja klar machen, dass du noch im "Hintergrund" für ihn da bist.
Wenn du das auch selber noch möchtest.

An deiner Stelle würde ich den Facebook-Kontakt einstellen.

Diese Herzchengeschichte, etc., hat schon auch was Seltsames an sich.
Vielleicht hat er ja auch im Hinterkopf, dass er versucht, den leichteren Weg über dich zu gehen und du dich von deinem Mann trennst, um ihn zu heiraten.
Das ist ein ziemlich respektloses Verhalten dir und deinem Mann gegenüber.

Aber wie auch immer, du bist nicht darauf eingegangen und willst es auch nicht.
Also sieh zu, dass du dir den notwendigen Abstand zu ihm verschaffst.
Gruß Thelmalouis

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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Aral » 15.02.2017, 19:50

Vielen Dank für eure Kommentare, mir hilft es im Moment wirklich weiter wenn ich Meinungen von außerhalb lese!
Ich werde mich zurückziehen, ja. Aber es fällt mir schwer und die Frage der Freundschaftsmöglichkeit bleibt?!
Aus dem was ihr schreibt leite ich ab das es keine gute Idee mit der Freundschaft ist?! Auch in Bezug auf das Verhalten mit den Ich liebe dich Geschichten?
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon leva » 15.02.2017, 19:56

Was die Freundschaft angeht? Meinst du jetzt platonisch o mit Sex?
Ich halte beides fuer eine schlechte Idee.

Solltet ihr euch aus i-einem Grund nochmal sehen muessen,nimm deinen Mann mit.
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Thelmalouis » 15.02.2017, 20:14

Aral hat geschrieben:Aus dem was ihr schreibt leite ich ab das es keine gute Idee mit der Freundschaft ist?! Auch in Bezug auf das Verhalten mit den Ich liebe dich Geschichten?

Es ist generell schwierig bis unmöglich, eine rein platonische Freundschaft zu haben, wenn ein Part mehr will und dies auch zu verstehen gibt.

Bei ihm kommt aber noch hinzu, zumindest vermute ich das ganz stark, dass er dich weichklopfen will und dir sowieso nur was vorgaukelt.
Das ist schon mal der 1. Schwindel.

Und wie bereits geschrieben, auch ich finde sein Verhalten dir und deinem Mann gegenüber respektlos.
Das der 2. Er fällt deinem Mann in den Rücken.

Ihr wart in der Vergangenheit bereit ihn zu unterstützen, daher finde ich das, was er da abzieht, gleich doppelt unehrlich oder besser gesagt unmöglich.
Gruß Thelmalouis

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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Franconia » 15.02.2017, 20:16

Hallo Aral,

eine unverbindliche Freundschaft halte ich, gerade wegen den Herzchen und dem Liebesgesäusel von ihm, für problematisch bis unmöglich. Du magst den Wunsch nach einer Freundschaft, so wie sie hier durchaus auch zwischen Mann und Frau möglich ist, haben, aber ob er das auch will und kann wage ich zu bezweifeln (auch wenn er das so sagt).
Deswegen kann ich mich den anderen nur anschließen und dir von Treffen mit ihm unter vier Augen nur abraten wenn du Abstand gewinnen willst.

Du musst dir einiges vor Augen halten.
- Er ist ein erwachsener Mann und kein Kind mehr.
- Er hat es ohne dich und deine Hilfe von Syrien bis hier her geschafft.
- Es gibt hier genug offizielle Anlaufstellen an die er sich wenden kann wenn er Hilfe braucht.

Kurz gesagt, deine Hilfe in Form einer "Patenschaft" ist zwar löblich, aber so etwas ist in meinen Augen - nicht nur in Bezug auf deinen Syrer - unnötig. Zu einer Integration die erfolgreich sein soll gehört mMn auch Selbständigkeit und die erreicht keiner wenn er, von wem auch immer, an der Hand genommen wird und alles, was ggf. etwas schwieriger wird/ist, abgenommen bekommt.

Wohin diese, von dir gut gemeinte, persönliche Hilfe führen kann siehst du jetzt. Er überschreitet Grenzen, Grenzen die er in seiner Heimat und seiner Kultur niemals ohne negative Konsequenzen für ihn überschreiten dürfte.
Dazu trägt mMn durchaus auch das Verhalten deines Mannes bei. Es wäre an ihm dem Syrer mal seine Grenzen aufzuzeigen, so wie es in dessen Kultur üblich ist, sprich, es wäre an deinem Mann dem Syrer mal zu sagen das er Grenzen überschreitet und er als dein Mann dies nicht weiter dulden wird. Denn dein Syrer ist in einer Kultur aufgewachsen in der eine Frau und deren Wort weniger zählt und weniger respektiert wird als ein Mann und dessen Ansage und so lange sich dein Mann so passiv verhält, deinen Syrer tun und lassen lässt was er will, wird dieser weder dich (und deinen Wunsch nach deinem alten Leben) noch deinen Mann respektieren.

Was glaubst du wäre los wenn ein anderer Mann (ggf. jünger so wie bei eurer Konstellation) seiner Mutter Herzchenbotschaften und Liebesgesäusel schicken würde, was glaubst du wäre los wenn sich seine Mutter mit einem anderen (jüngeren) Mann alleine treffen würde?
Wenn du dich mit ihm wirklich und ernsthaft über seine Kultur und seine Traditionen unterhalten hättest, dann wüsstest du das dies ein NoGo ist.
Liebe Grüße
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon karima66 » 15.02.2017, 20:20

Ich kann mich auch nur den Anderen anschließen.
Weiß ganz genau wie es dir geht, ich hatte dasselbe Problem mal mit einem Ägypter( ich war auch verheiratet) , allerdings ohne Herzchen usw., aber obwohl ich mich ja gut auskenne mit der Materie ließ ich mich doch reinziehen, es ehrt einen ja das Vertrauen und natürlich entsteht eine besondere Nähe.
Aber es tut nicht gut auf Dauer und bringt wirklich nur alles durcheinander und Probleme für die Ehe.
Bitte distanziere dich, ich hab damals den Kontakt ganz aufgegeben, weil wenig Kontakt von seiner Seite aus nicht ging.
Heute würde ich mich auf so ein Miteinander (ob Patenschaft o.ä. Hilfe) nicht mehr einlassen, nicht für einen männlichen Flüchtling, für eine Frau oder Familie ja.
In seiner Heimat hätte er dich gar nicht alleine treffen dürfen, egal wie alt du bist, er würde sich auch einer Frau nicht so anvertrauen.
Dass er so übergriffig wurde, schade, aber das alleine sollte dir schon reichen es zu lassen denn das ist wirklich respektlos deinem Mann gegenüber.
Treffen würde ich ihn gar nicht mehr,jedenfalls nur zusammen mit deinem Mann, wenn er möchte kann er ja gerne den Kontakt zu deinem Mann aufrecht erhalten, ab und zu mal Info geben wie es ihm weiter geht, aber nicht an dich.
Es gibt keine Freundschaft zwischen Mann und Frau in diesen Kulturen, keine platonische jedenfalls wie wir sie manchmal hier erleben.
Ich dachte früher auch lange Zeit, dass es irgendwie doch möglich ist, vor allem wenn sie hier schon lange leben, quatsch, heute mit jahrzehntelangen Erfahrungen nach damaligen Versuchen (Pakistan, Ägypten, Algerien, Tunesien), allerdings dann als Single, ganz eindeutig - eine Freundschaft ist nicht möglich!

Der Hinweis von @Franconia ist gut, dein Mann ist gefragt eine Ansage zu machen, kein Mann in seinem Land würde das Verhalten seiner Frau gegenüber dulden.
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Luzi68 » 15.02.2017, 20:42

Hallo liebe Aral,

mich würde mal interessieren, wie du an diese Patenschaft gekommen bist. Ist das über die Kirche oder so?

Zum Thema:

Du hast dich hier, vielleicht auch unbewusst, ziemlich geöffnet, und ich denke, deine Gefühle gehen bereits über das Helfen hinaus. Du schreibst:

Eine Liebesbeziehung mit ihm mit einem Altersunterschied von 20 Jahren konnte ich mir nicht vorstellen, vielleicht mal ganz kurz , aber mein Verstand sagte immer nein.


und über diesen Satz bin ich gestolpert. Was hat dein Herz denn da gesagt?

Ich kann dir sagen, dass dein Paten"kind" sehr distanzlos ist und deine Hilfe sehr ausnutzt. Du interessierst dich doch für die Unterschiede der Mentalitäten, dann schau dir einfach mal die Unterschiede der Erziehung von Jungs hier und dort an. Die arabischen Männer bekommen von Mama den Hintern gepudert bis der heiratet, ab dann übernimmt die Ehefrau. Termine werden nicht eingehalten, wenn sie es müssen brauchen die ne Frau, die es erledigt. Komisch nur, dass die den weiten Weg von der Heimat bis hier ganz alleine geschafft haben..... sind die etwa gar nicht so hilflos?

Ich beobachte, dass die sich untereinander sehr wohl weit vernetzen und auch über die Notunterkunft hinaus viele Kontakte haben, allerdings NICHT mit den Familien, die hier gemeinsam ankommen. Es sind also viele junge Männer, die eine Mutter brauchen, die ihren Kram erledigen. Dazu eignen sich am Besten Frauen, die über ihre Grenzen hinaus helfen, d.h. jemanden, den sie IHRE Probleme aufdrücken können. Dafür bekommst du natürlich was wieder : " du bist was ganz besonderes, ich kann nur mit dir reden, ich hab nur dich, springst du mir von der Fahne bekomme ich Depressionen "

Schon mal von emotionaler Erpressung gehört??

Und schwubs sind seine Probleme deine!

Du schläfst mit seinen Problemen ein und wachst damit auf, vergisst darüber dein Leben und deinen Mann und gehst soweit darüber nachzudenken, ob eine Liebesbeziehung möglich wäre?? Gott sei Dank funktioniert dein Verstand, der NEIN sagt.

Das alles meine ich hier nicht böse, ich schreibe bewusst provokativ, damit du verstehst, was ich meine. Ich sehe das Schauspiel ständig!!!

Der Typ ist distanzlos und du bist grenzenlos in eurer "Beziehung", passt für seine Zwecke sehr gut.

Gesundes Helfen bedeutet, dass du begrenzt unterstützt ohne eigenen Schaden zu nehmen und der ist schon da, wenn du durcheinander gerätst.
Grenz dich ab!

Mal allgemein:

Mich wundert es immer wieder, dass diese Jungs ( und das sind ja nicht wenige ) zufällig in dem Ort, in dem sie landen diese eine Frau finden, mit der sie sooo reden können. Und die haben auch ALLE vorher noch nie so mit einer Frau gesprochen. Man man man , welch glücklicher Zufall ;-)

Du willst dein altes Leben wieder, Aral, DANN NIMM ES DIR!!! Der gehörte allerdings nicht dazu........... soviel zu Freundschaft!

Es grüsst dich Luzi, die dich sympathisch findet :-)
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Darinka » 15.02.2017, 20:58

Liebe Aral,

es ist schön, dass Du ihm geholfen hast hier anzukommen. Zu dem Freundschaftsthema habe ich jedoch die gleiche Sicht wie auch meine Vorschreiberinnen.
Mir fällt leider auch sofort auf, dass er sich Dir gegenüber sehr respektlos verhält. Herzchen und ich liebe Dich? Das ginge in seiner Heimat einer verheirateten Frau gegenüber überhaupt gar nicht. Das hat mit Freundschaft oder Dankbarkeit gegenüber einem Helfer von seiner Seite nichts mehr zu tun, egal in welcher Kultur. Er überschreitet da sehr deutlich Grenzen. Auch Deinem Mann gegenüber. Für eine ehrbare Frau scheint er Dich nicht zu halten, sonst würde er so was niemals machen. Vermutlich denkst Du jetzt wir bewerten das über, das denke ich allerdings nicht. Denn Du musst bitte berücksichtigen aus welcher Kultur er kommt und mit welcher Art des Miteinanders zwischen Mann und Frau er aufgewachsen ist.

Ich würde Dir raten Dich mehr zurückzuziehen. Er ist jetzt schon über 1 Jahr hier. Ich denke er sollte auch anfangen hier auf eigenen Füßen zu stehen ohne so umfangreiche Betreuung. Eine Notwendigkeit dafür erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, Du solltest Dir mit Blick auf Deine Ehe überlegen, das ggf. sogar ganz zu beenden. Sofern ich es richtig verstanden habe, hattest Du schon Gedanken an eine Affaire, wenn auch nur ganz kurz und Du Dir das ganze eigentlich nicht so richtig vorstellen kannst. Und auch wenn der Verstand zu diesem kurzen Gedanken nein gesagt hat.... Irgendeine sexuelle Anziehung ist da ja da, sonst hätte es diesen Gedanken nie gegeben. Das halte ich für ein Spiel mit dem Feuer... Zieh besser die Reißleine bevor da doch mehr Begehren entsteht und das dann hinsichtlich Deiner Ehe ins Auge geht.

Du hast ihm über 1 Jahr geholfen und hast ihn unterstützt eine Wohnung zu finden und einzurichten. Das ist doch ein guter Abschluss Deiner Hilfe. Lass ihn auf eigenen Füßen stehen. Ich denke sogar das hilft ihm sich schneller in D einzufinden als ihn unnötig viel in Watte zu packen und ihm viel zu viel abzunehmen. Wenn Du helfen willst: Es gibt doch immer wieder neue Neuankömmlinge. Die brauchen mehr Hilfe als Jemand der schon so lange hier ist. Suche Dir doch einen neues Patenkind. :wink:

Viele Grüße
Darinka
Menschen glauben fest an das, was sie wünschen. - Julius Cäsar
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon karima66 » 15.02.2017, 20:59

Toll geschrieben, @Luzie68, du bist mir sympathisch! :)
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon lunaverde » 15.02.2017, 21:20

Aral hat geschrieben:Aber es fällt mir schwer und die Frage der Freundschaftsmöglichkeit bleibt?!


Ich finde entgegen der Meinungen einiger anderer Foristinnen, dass eine Freundschaft mit einem syrischen Mann grundsätzlich möglich ist. In deren Heimat mag das ein NoGo sein, es gibt aber durchaus Menschen, die hier schnell lernen, dass Freundschaften zwischen Mann und Frau eben doch möglich sind. Ich bin selbst seit etwa sieben Jahren sehr gut mit einem Syrer befreundet, der damals erst ein paar Monate in Deutschland war. Inzwischen ist er Ingenieur und arbeitet Vollzeit. Ich war die ganze Zeit vergeben (mit meinem jetzigen Mann) und es lief auch nie etwas Sexuelles zwischen uns.

In deinem Fall denke ich aber, dass du dennoch erst mal mehr Abstand schaffen musst, da du dich selbst emotional zu stark an ihn bindest. Da kommst du jetzt nur raus, indem du den Kontakt einschränkst. Die Geschichte mit den Herzchen und Liebesbotschaften kommt mir auch etwas komisch vor. Da solltest du ihm deutlich klar machen, dass das überhaupt nicht geht. Herzchen finde ich nicht so schlimm, ich schicke auch vielen Freunden Herzchen. "Ich hab dich lieb" fände ich schon sehr grenzwertig, aber auch das kommt in Freundschaften durchaus vor. "Ich liebe dich" geht aber wirklich gar nicht, das hört sich schon sehr nach einer Anmache an (wobei ich nicht einschätzen kann, wie er das sprachlich differenzieren kann). Jedenfalls kann ich dir auch nur raten, dich wieder auf die ursprüngliche Rolle der Patenschaft zu beschränken. Du schaffst es so offensichtlich nicht, dich innerlich zu distanzieren und hast sogar schon mal irgendwie entfernt an eine Beziehung zu ihm gedacht. Für die Patenschaft reicht es aus, wenn du dich z. B. ein Mal pro Woche mit ihm triffst und dazwischen kein Kontakt stattfindet.
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Aral » 15.02.2017, 21:56

Vielen vielen Dank für die ganzen Beiträge , ich werde sie noch ein paar mal lesen und sie mir zu Herzen nehmen.
Kann ich auf die einzelnen Beiträge nur in dieser Form beantworten.
Kann ich einzelnen Personen nur per Mail antworten?
Sorry bin neu hier...
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Luzi68 » 15.02.2017, 22:07

Danke @ karima66 ;-)

@ Aral,
ich fände es toll, wenn du hier antworten würdest, dann ergibt der Thread hier einen zusammenhängenden Sinn und mag auch für nachfolgende User noch hilfreich sein. Lass dir aber ruhig Zeit!

LG Luzi
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Luzi68 » 15.02.2017, 22:12

Hallo lunaverde

mag sein, dass es möglich ist eine Freundschaft zwischen Mann und Frau auch mit Syrern hinzubekommen, ABER ich finde eine Freundschaft zwischen Mann und Frau mit 20 Jahren Altersunterschied schon ziemlich eng begrenzt. Sei es Lebenserfahrung, Interessen usw, die dürften unterschiedlich sein, egal bei welcher Herkunft.

LG Luzi
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Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Anaba » 15.02.2017, 22:23

Aral, wenn du auf bestimmte Beiträge antworten möchtest, gehst du in den entsprechenden Beitrag, drückst oben rechts auf "Quote", dann kannst du direkt darunter antworten.
Dann natürlich absenden drücken. :wink:

So steht die passende Antwort direkt im richtigen Beitrag.
Liebe Grüße
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