Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Erfahrungen mit Flüchtlingen und Migranten zum Thema Bezness

Moderator: Moderatoren

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Desert Dancer » 18.02.2017, 13:22

Aral hat geschrieben:
karima66 hat geschrieben:Es wurde ja schon alles geschrieben, @Anaba und andere User haben dir zum nachdenken genug gegeben, aber zu einer Aussage von dir möchte ich noch antworten.
Warum denkst du ein Mensch ändert seine Sozialisation in dem Moment wo er in ein anderes Land, andere Kultur kommt?
Das Gegenteil ist normalerweise, zumindest in der ersten Zeit fern der Heimat, der Fall, man fühlt sich allem Vertrauten noch näher, weil in der neuen Umgebung alles fremd.
Ich war in meiner Tunesienzeit deutscher als ich es hier jemals bin.
Und man legt doch nicht alles Erlernte, seine Identität ab wenn man eine Grenze überschreitet.
Also wenn er Freundschaft zwischen Männern und Frauen nicht kennt, weil es diese in seiner Kultur/Religion nicht gibt, er nicht weiß bzw. erlebt hat, dass das möglich ist, warum sollte er es denn hier plötzlich für normal und gewöhnlich halten und es verstehen?
Du wirfst doch deine elementären Verhaltensweisen, über Jahre verinnerlicht, auch nicht einfach über Bord.
Das ist eines der großen Probleme, dass viele Leute hier denken alle Flüchtlinge sind nun hier und dann verhalten sie sich und denken sie wie wir.


Ja du hast recht, ich habe falsch gedacht und vieles falsch gemacht!
Vielen Dank für dein Geschriebenes, es hat mir wirklich etwas klargemacht!!! Er kann es ja nur so sehen und verstehen wie er es anerzogen bekommen hat und wie er es immer bisher erlebt hat.


Liebe Aral !
Mach Dir diesbezüglich nicht zu grosse Vorwürfe. Es geht praktisch JEDEM so, wenn er das erste Mal mit diesen fremden Menschen, die von ganz anderen Traditionen und Kulturen geprägt sind, zu tun hat. Automatisch geht ein in Deutschland sozialisierter Mensch davon aus, dass das fremde Gegenüber gleich denkt wie wir. Dabei funktionieren sie einfach ganz anders. Sicherlich hast Du ja auch insgesamt jedes Wort für bare Münze genommen, dass er Dir erzählt hat. Zum Beispiel die rührende Geschichte von der Liebe zu dem Mädchen, dass er nicht haben konnte. Du hast sicher die sehr beschönigte und aufgebauschte Version dieser Story gehört. Genauso wie auch sonstige Anekdoten aus seinem Leben. Und das hat Dich alles sehr berührt. Aber es wird immer nur erzählt, was nutzbringend ist und der Stellenwert von Wahrheit und Unwahrheit ist einfach ein anderer. Also eigentlich sind ja die Araber die Erfinder der "alternativen Fakten"...

Wichtig ist, dass Dir jetzt die Augen aufgehen und Du die nötige Distanz wieder bekommst!
Ehemaliges CIB-Vereinsmitglied

Good thoughts, good words, good deeds...
Desert Dancer
 
Beiträge: 683
Registriert: 29.03.2008, 13:30
Wohnort: Schweiz

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Atin » 19.02.2017, 17:05

Hallo Aral

Mein Gedanke ist:

Falls er wirklich die Geschichte mit dem Mädchen hatte... nun ja dann war er wohl für sie ( und ihre Familie) nichts und das sollte dir zu denken geben!! Das hat immer einen Grund und das ist nicht immer nur " harmlos".

:arrow: Als Familie solltet ihr euch auch nur auf Familien beschränken und nicht auf Einzelpersonen. Aber das (warum) wurde hier ja schon gesagt / erläutert.


Lieben Gruß
Tue was richtig ist und wende dann jedem geschmacklosen Kritiker deinen Rücken zu. ( von einem Schriftsteller )

I am not what you want
and you are
just what
I don‘t need

-stacie
Atin
 
Beiträge: 779
Registriert: 15.10.2014, 15:11

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Aral » 19.02.2017, 17:50

Desert Dancer hat geschrieben:
Aral hat geschrieben:
karima66 hat geschrieben:Es wurde ja schon alles geschrieben, @Anaba und andere User haben dir zum nachdenken genug gegeben, aber zu einer Aussage von dir möchte ich noch antworten.
Warum denkst du ein Mensch ändert seine Sozialisation in dem Moment wo er in ein anderes Land, andere Kultur kommt?
Das Gegenteil ist normalerweise, zumindest in der ersten Zeit fern der Heimat, der Fall, man fühlt sich allem Vertrauten noch näher, weil in der neuen Umgebung alles fremd.
Ich war in meiner Tunesienzeit deutscher als ich es hier jemals bin.
Und man legt doch nicht alles Erlernte, seine Identität ab wenn man eine Grenze überschreitet.
Also wenn er Freundschaft zwischen Männern und Frauen nicht kennt, weil es diese in seiner Kultur/Religion nicht gibt, er nicht weiß bzw. erlebt hat, dass das möglich ist, warum sollte er es denn hier plötzlich für normal und gewöhnlich halten und es verstehen?
Du wirfst doch deine elementären Verhaltensweisen, über Jahre verinnerlicht, auch nicht einfach über Bord.
Das ist eines der großen Probleme, dass viele Leute hier denken alle Flüchtlinge sind nun hier und dann verhalten sie sich und denken sie wie wir.


Ja du hast recht, ich habe falsch gedacht und vieles falsch gemacht!
Vielen Dank für dein Geschriebenes, es hat mir wirklich etwas klargemacht!!! Er kann es ja nur so sehen und verstehen wie er es anerzogen bekommen hat und wie er es immer bisher erlebt hat.


Liebe Aral !
Mach Dir diesbezüglich nicht zu grosse Vorwürfe. Es geht praktisch JEDEM so, wenn er das erste Mal mit diesen fremden Menschen, die von ganz anderen Traditionen und Kulturen geprägt sind, zu tun hat. Automatisch geht ein in Deutschland sozialisierter Mensch davon aus, dass das fremde Gegenüber gleich denkt wie wir. Dabei funktionieren sie einfach ganz anders. Sicherlich hast Du ja auch insgesamt jedes Wort für bare Münze genommen, dass er Dir erzählt hat. Zum Beispiel die rührende Geschichte von der Liebe zu dem Mädchen, dass er nicht haben konnte. Du hast sicher die sehr beschönigte und aufgebauschte Version dieser Story gehört. Genauso wie auch sonstige Anekdoten aus seinem Leben. Und das hat Dich alles sehr berührt. Aber es wird immer nur erzählt, was nutzbringend ist und der Stellenwert von Wahrheit und Unwahrheit ist einfach ein anderer. Also eigentlich sind ja die Araber die Erfinder der "alternativen Fakten"...

Wichtig ist, dass Dir jetzt die Augen aufgehen und Du die nötige Distanz wieder bekommst!


Hallo,
in der Tat habe ich alles geglaubt was er sagte. Ich bin halt ein sehr ehrlicher Mensch und denke erstmal natürlich das alles stimmt. Aber mit dem jetzigen Wissen und mit Abstand betrachtet , könntest du recht haben.
Hätte ich bloß alles vorher gewusst.....
Ich hätte alles anders gemacht!!
Nun ist es wie es ist....
Ich bin um einige Erfahrungen reicher, und ich bin sehr froh über eure Erfahrungen zu lesen. Es hilft mir wirklich sehr mich mit euch austauschen zu können.
Was mir im Nachhinein alles einfällt was er mir erzählt hat , meint ihr das war alles nicht echt?
Ich kann mir das nicht vorstellen das es nur Lügen waren...
Dazu kommt ja auch immer noch das Übersetzungsproblem!
Liebe Grüße
Aral
 
Beiträge: 24
Registriert: 30.01.2017, 16:17

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Aral » 19.02.2017, 18:00

[quote="Atin"]Hallo Aral

Mein Gedanke ist:

Falls er wirklich die Geschichte mit dem Mädchen hatte... nun ja dann war er wohl für sie ( und ihre Familie) nichts und das sollte dir zu denken geben!! Das hat immer einen Grund und das ist nicht immer nur " harmlos".

:arrow: Als Familie solltet ihr euch auch nur auf Familien beschränken und nicht auf Einzelpersonen. Aber das (warum) wurde hier ja schon gesagt / erläutert.


Lieben Gruß[/

Hallo,
was für Gründe gibt es einen Mann als Mann für seine Tochter abzulehnen?
Ich kenne mich da so gar nicht aus. Ich denke Geld spielt da eine große Rolle. Ich kann mir bei ihm keinen Grund vorstellen.
Und in der arabischen Welt ist ja eh alles anders ..
Und du hast recht, sich um Familien zu kümmern macht als Familie eher Sinn...
Aber im Moment habe ich keine Lust und keine Energie !!
Ich brauche im Moment Zeit für mich , meinen Mann und meine Kinder! Und unsere Freunde. Die habe ich im letzten Jahr ziemlich vernachlässigt!
Liebe Grüße
Aral
 
Beiträge: 24
Registriert: 30.01.2017, 16:17

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Anaba » 19.02.2017, 19:08

Es gibt viele Gründe gegen eine Verbindung zu sein.
Der Vater könnte z.B. für seine Tochter längst einen anderen Mann im Auge haben.
Er könnte sich mit dem Vater des anderen schon einig sein.
Oder die Familien sind sich nicht so recht grün.
Da kann der junge Mann noch so nett und fleissig sein.
Wenn es der Familie nicht passt läuft gar nichts.
Da hat sich bis heute nichts geändert.
Auch bei Menschen, die lange in Europa leben heiraten die jungen Leute
oft nur, wenn die Familie einverstanden ist.
Man stellt sich nur selten gegen sie.
Liebe Grüße
Anaba

Administratorin
anaba@1001Geschichte.de

Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich offen im Gegensatz zu seiner Zeit
zu befinden und laut zu sagen: Nein
Kurt Tucholski
Anaba
Administration
 
Beiträge: 18632
Registriert: 12.03.2008, 17:36

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Aral » 19.02.2017, 20:43

Anaba hat geschrieben:Es gibt viele Gründe gegen eine Verbindung zu sein.
Der Vater könnte z.B. für seine Tochter längst einen anderen Mann im Auge haben.
Er könnte sich mit dem Vater das anderen schon einig sein.
Oder die Familien sind sich nicht so recht grün.
Da kann der junge Mann noch so nett und fleissig sein.
Wenn es der Familie nicht passt läuft gar nichts.
Da hat sich bis heute nichts geändert.
Auch bei Menschen, die lange in Europa leben heiraten die jungen Leute
oft nur, wenn die Familie einverstanden ist.
Man stellt sich nur selten gegen sie.


Hallo,
ja , so hat er es mir ja auch gesagt. Die Familie der Auerwählten wollte ihn nicht. Er sagte die Traditionen dort sind so. Dieses Mädchen hat im Februar des letzten Jahres ja dann auch einen anderen geheiratet. Das war die Zeit von der ich sagte das es ihm besonders schlecht ging.
Irgendwann im Sommer als es ihm besser ging hat das Mädchen ihm angeblich geschrieben das sie nicht glücklich ist und lieber ihn gehabt hätte.
Das war dann nochmal eine schlechte Phase bei ihm , in der ich versucht habe sein Seelenleben wieder aufzumöbeln. Ich habe mich über das mir Anvertraute damals gefreut, und denke das ich ihm etwas helfen konnte.
Oder meinst du das war alles nur Show? Kann ich mir nicht vorstellen....
Ach ich weiß es nicht, im Nachhinein fallen mir soviele Sachen ein, die ich so ausgelegt habe wie ich dachte. Vielleicht hatte das mit der Realität nicht viel zu tun, ich weiß es nicht!
Liebe Grüße
Aral
 
Beiträge: 24
Registriert: 30.01.2017, 16:17

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Anaba » 19.02.2017, 20:56

Wer weiß schon, ob es die Wahrheit ist?
Es kann durchaus stimmen, er kann die Geschichte aber auch erzählt haben, um
dein Mitgefühl zu erregen.
Ich kann das nicht beurteilen.
Liebe Grüße
Anaba

Administratorin
anaba@1001Geschichte.de

Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich offen im Gegensatz zu seiner Zeit
zu befinden und laut zu sagen: Nein
Kurt Tucholski
Anaba
Administration
 
Beiträge: 18632
Registriert: 12.03.2008, 17:36

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon NGal » 19.02.2017, 20:57

Liebe Aral,

Du bisst ein ehrbare Mensch, deswegen kommt das Dir leicht, anderen und ihren Wörten wahrzunehmen. Leider habe ich gelehrnt, dass mit den Orientalen fasst alles anders ist als es scheint... irgendwie muss man alles zu Frage stellen und nicht emotienell beschäftigt werden.
Ja das mag hart lauten.. aber man muss die gesunde Grenzen halten, egal wie rassistisch und politisch unkorrekt das ausseht :wink:
NGal
 
Beiträge: 66
Registriert: 29.12.2016, 13:40
Wohnort: Finnland

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon happy mind » 19.02.2017, 23:36

Aral hat geschrieben:
Hallo,
ja , so hat er es mir ja auch gesagt. Die Familie der Auerwählten wollte ihn nicht. Er sagte die Traditionen dort sind so. Dieses Mädchen hat im Februar des letzten Jahres ja dann auch einen anderen geheiratet. Das war die Zeit von der ich sagte das es ihm besonders schlecht ging.
Irgendwann im Sommer als es ihm besser ging hat das Mädchen ihm angeblich geschrieben das sie nicht glücklich ist und lieber ihn gehabt hätte.
Das war dann nochmal eine schlechte Phase bei ihm , in der ich versucht habe sein Seelenleben wieder aufzumöbeln. Ich habe mich über das mir Anvertraute damals gefreut, und denke das ich ihm etwas helfen konnte.
Oder meinst du das war alles nur Show? Kann ich mir nicht vorstellen....
Ach ich weiß es nicht, im Nachhinein fallen mir soviele Sachen ein, die ich so ausgelegt habe wie ich dachte. Vielleicht hatte das mit der Realität nicht viel zu tun, ich weiß es nicht!
Liebe Grüße


Hallo Aral,

deinen Zeilen entnimmt man wie mitfühlend und hilfsbereit du bist. Menschen mit einem ausgeprägten Bedürfnis anderen helfen zu wollen sollten allerdings niemals sich selbst aus den Augen verlieren und somit dem Bedürftigen signalisieren, dass nun alle Grenzen überschritten werden dürfen.
Der Syrer hat durch seine Gefühlsduselei bei dir die richtigen Knöpfe gedrückt und gemerkt wie wundervoll du auf ihn anspringst.
Millionen Menschen haben tagtäglich Liebeskummer und kommen damit zurecht.

Wie er selbst aussagt: Es sind die Traditionen seines Landes.
Von Ägypten kenne ich es so, dass sich zwei Menschen sympathisch sind. Der Familienrat beidseitig wird einberufen, die Familie des Mannes stattet der der Frau einen Besuch ab. Man beschnuppert sich gegenseitig und holt offen über alle anderen Informationen ein. Die Familien sind anzahlmäßig groß und alle sind da jetzt involviert das Beste in dieser Verbindung zu suchen. Wenn sie es finden steht ein harter Verhandlungskampf für die Verheiratung an. Es geht um materielle Dinge, Gold und Geschenke für die Braut und die Ausstattung der späteren ehelichen Wohnung. In dieser Zeit gelten Mann und Frau als Verlobte. Im Gegensatz zu unserem partnerschaftlichen Leben hier in Deutschland geht das "Paar" allerdings nicht auf Tuchfühlung miteinander. Es trifft sich nicht alleine, sondern ist begleitet von Familienangehörigen. So, und auf in der Norm ein,- bis zweijährigen Weg zur Eheschließung kann es so viele Gründe für eine Trennung geben. Viele junge Leute sind unter Umständen mehrmals verlobt und das ist nicht anrüchig, da ja sozusagen nie was passiert ist.

Und nun ist dieser Syrer in eine depressive Phase gefallen, extra gut aufbereitet für seine Helferin.

Zudem, Aral, ist es für Männer aus dieser Kultur kaum zu glauben, dass sich fremde Frauen derart intensiv um sie kümmern. Dass diese Frau dazu noch verheiratet ist und ihr Ehemann sein Einverständnis zu dieser Hilfe gibt ist für sie nahezu unverständlich.
Da sind Grenzüberschreitungen und respektloses Verhalten vorprogrammiert.

Es ist wirklich grundsätzlich falsch ausländische Menschen "deutsch" zu interpretieren.

Lieben Gruß, happy mind
happy mind
 
Beiträge: 510
Registriert: 25.05.2008, 21:17
Wohnort: Deutschland

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Pia01 » 20.02.2017, 07:02

happy mind hat geschrieben:Es ist wirklich grundsätzlich falsch ausländische Menschen "deutsch" zu interpretieren.


Kurz und zutreffend. Die Ausgangsfrage nach der Grenze sollte sich so nicht stellen. Wer die eigenen Grenzen nicht selbst
festlegen kann hat schon verloren. Ich finde es wenig mitfühlend den Bestand der eigenen Familie so zu gefährden und das
für eine Illusion.

Wenn du die Grenze nicht jetzt erreicht ist, wirst du deine Familie verlieren und die interessante fremde Kultur wirklich kennenlernen.
Ältere Frauen für die Söhne, nicht vorstellbar. Eine Frau die betrügt, im Islam?

Pia
Pia01
 
Beiträge: 236
Registriert: 28.07.2011, 07:32

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon chandu » 20.02.2017, 09:26

Guten Morgen,

was ich an dieser Geschichte nicht ganz verstehe: Dieser junge Mann hat es aus der Kriegshölle Syrien hierher geschafft, und sein traumatischstes Erlebnis ist, dass er ein bestimmtes Mädchen nicht heiraten durfte ...?

Eine andere Stelle in diesem Thread stößt bei mir ebenfalls auf Nichtverständnis: Es sei besser, wenn man sich als Familie um eine Flüchtlingsfamilie kümmere, nicht um Einzelpersonen? Das heisst also, dass Einzelpersonen, wie der junge Syrer, am besten von einer Einzelperson betreut werden sollten ... Und wie soll da eine Einzelpatin (Betonung auf PatIN) mit so einem"anhänglichen Patenkind" besser zurechtkommen ...

Gruß
chandu
chandu
 
Beiträge: 221
Registriert: 22.09.2010, 13:52

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Blackangel » 20.02.2017, 13:06

Hallo Aral
Das ist keine schöne Erfahrung aus dem Helferbereich.
Es wäre gut wenn jemand ähnliche Erfahrung einbringen würde.
Es gibt viele Helfer und doch wird man damit leicht in einen Strudel hineingezogen.
Hat er denn sonst auch Annäherungsversuche gemacht oder nur diese Smileys?
Durch diesen engen Kontakt vermischen sich leicht die Gefühle.
Ich kann dich gut verstehen.
Alles Gute für Dich.
Lg Blackangel
Die Wahrheit ist leicht zu verstehen wenn sie erst entdeckt ist, das schwierige ist nur sie zu finden
Galileo Galilei
Blackangel
 
Beiträge: 27
Registriert: 07.06.2012, 19:37
Wohnort: Bayern

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Defne » 20.02.2017, 13:58

Hallo Aral,
mein türkischer Exehemann sollte bevor wir geheiratet haben mit einer anderen Frau verheiratet werden.
Er wurde von der Familie abgelehnt. Das hätte mir zu Denken geben müssen.
Der Grund dafür ist mir dann später klar geworden: Sein Lebenswandel (Trinken und Spielen) war der Familie einfach nicht gut genug.
Es kann also sein dass ein anderer Bewerber einfach bessere Eigenschaften hat.
Akıllı başkalarının hatalarından öğrenir, aptal kendisinin.
Der Kluge lernt aus den Fehlern anderer, der Dumme aus seinen eigenen.
Defne
 
Beiträge: 105
Registriert: 16.08.2008, 15:36

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon karima66 » 20.02.2017, 14:45

Ich finde den letzten Beitrag von @happy mind sehr gut erklärt und formuliert!

Gerade hilfsbereite, offene Menschen werden leicht ausgenutzt, wenn dann noch die fremde Kultur dazu kommt, die einem unbekannt ist so dass man als ehrlich erzogener Mensch natürlich glaubt was erzählt wird dann wirds schwierig.
Da wird es so einige Geschichten geben durch die Flüchtlingswelle, die meisten Helfer haben kaum Erfahrungen mit der Kultur/Religion dieser Länder und durch den dann ständigen Kontakt mit einer oder paar Personen udn die dadurch entstehende Nähe mag es noch manchen Helfern so gehen wie dir, @Aral.
Wenn ich daran denke in wie viele "Fettnäpfchen" ich anfangs gelatscht bin, wie oft ich versucht hab mit unserer Denke offen auf diese Menschen zuzugehen und wie oft ich dann völlig überrascht wurde von deren Verhalten, wie viele Jahre es dauerte bis ich ungefähr einschätzen konnte wie sie "ticken" und wie viel, auch negative Erlebnisse, ich lernen musste.

Ich hoffe, dass noch mehr Helfer mit ihren Fragen auf diese Seite finden bevor ihre private/familiäre Welt aus den Fugen gerät.

Ich weiß wie schwierig es ist konsequent Kontakt abzubrechen, sich zu distanzieren wenn man Jemandem über lange Zeit nahe war, sich gebraucht und durch besonderes Vertrauen aufgewertet/geschätzt fühlte.

Eigentlich sollten bei der Betreuung von jungen, männlichen Flüchtlingen auch besser Männer zur Seite gestellt werden oder Frauen mit viel Erfahrung in dem Bereich, leider gibt es da wohl ein Ungleichgewicht, weil eher Frauen ihre Hilfe anbieten.

@Aral, ich wünsche dir, dass du den nötigen Abstand findest und deine Priorität deiner Familie gilt.
karima66
 
Beiträge: 1337
Registriert: 20.03.2009, 13:54

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Aral » 21.02.2017, 00:09

[quote="karima66"]Ich finde den letzten Beitrag von @happy mind sehr gut erklärt und formuliert!

Gerade hilfsbereite, offene Menschen werden leicht ausgenutzt, wenn dann noch die fremde Kultur dazu kommt, die einem unbekannt ist so dass man als ehrlich erzogener Mensch natürlich glaubt was erzählt wird dann wirds schwierig.
Da wird es so einige Geschichten geben durch die Flüchtlingswelle, die meisten Helfer haben kaum Erfahrungen mit der Kultur/Religion dieser Länder und durch den dann ständigen Kontakt mit einer oder paar Personen udn die dadurch entstehende Nähe mag es noch manchen Helfern so gehen wie dir, @Aral.
Wenn ich daran denke in wie viele "Fettnäpfchen" ich anfangs gelatscht bin, wie oft ich versucht hab mit unserer Denke offen auf diese Menschen zuzugehen und wie oft ich dann völlig überrascht wurde von deren Verhalten, wie viele Jahre es dauerte bis ich ungefähr einschätzen konnte wie sie "ticken" und wie viel, auch negative Erlebnisse, ich lernen musste.

Ich hoffe, dass noch mehr Helfer mit ihren Fragen auf diese Seite finden bevor ihre private/familiäre Welt aus den Fugen gerät.

Ich weiß wie schwierig es ist konsequent Kontakt abzubrechen, sich zu distanzieren wenn man Jemandem über lange Zeit nahe war, sich gebraucht und durch besonderes Vertrauen aufgewertet/geschätzt fühlte.

Eigentlich sollten bei der Betreuung von jungen, männlichen Flüchtlingen auch besser Männer zur Seite gestellt werden oder Frauen mit viel Erfahrung in dem Bereich, leider gibt es da wohl ein Ungleichgewicht, weil eher Frauen ihre Hilfe anbieten.

@Aral, ich wünsche dir, dass du den nötigen Abstand findest und deine Priorität deiner Familie gilt.[/

Hallo
Dein Beitrag ist soo super!!!! Ich kann mit jedem Wort zustimmen.
Es wäre wirklich gut wenn sich noch mehrere Helfer melden würden ,wenn es ihnen ähnlich ergangen ist. Denn geteiltes Leid ist halbes Leid.
Würdest du mir dein ein oder anderes "Fettnäpfchen " schildern?
Ich bin so froh das ich durch das Forum, also durch euch alle ,den nötigen Abstand eingeleitet habe. Ich denke alles wird gut.
Den Kontakt ganz abzubrechen halte ich mir als allerletzte Möglichkeit zurück.
Im Moment bin ich ausgebrannt was die Flüchtlingshilfe angeht. Ich habe viele Sachen abgegeben und merke mit dem Wissen aus dem Forum das es gut ist, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Wenn es nämlich wirklich "brennt", dann melden sie sich. Und dann reicht die Hilfe aus.
Ich habe einfach viel Zuviel gemacht, und eigentlich quasi besonders für den "Einen" schon im Voraus gedacht und gehandelt. Habe nicht erst abgewartet bis ich um Hilfe gebeten wurde. Keine Ahnung warum?
Ich bin sonst gar nicht so. Meine Kids sind zur Selbstständigkeit erzogen und sagten selbst zu mir , ich solle mal die Leine länger lassen bei dem jungen Mann um den es hier geht.
Ich denke ich bin jetzt auf einem guten Weg , und verbuche das Ganze als Lebenserfahrung mit einer fremden Kultur.
Und vielen Dank nochmals für deinen tollen Beitrag!!
Liebe Grüße
Aral
 
Beiträge: 24
Registriert: 30.01.2017, 16:17

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Aral » 21.02.2017, 00:44

Blackangel hat geschrieben:Hallo Aral
Das ist keine schöne Erfahrung aus dem Helferbereich.
Es wäre gut wenn jemand ähnliche Erfahrung einbringen würde.
Es gibt viele Helfer und doch wird man damit leicht in einen Strudel hineingezogen.
Hat er denn sonst auch Annäherungsversuche gemacht oder nur diese Smileys?
Durch diesen engen Kontakt vermischen sich leicht die Gefühle.
Ich kann dich gut verstehen.
Alles Gute für Dich.
Lg Blackangel


Hallo,
Danke für dein Mitgefühl!!
Es waren mehr als Smileys. Er hat mir mehrmals gesagt das er mich liebt und ohne mich nicht leben kann. Er schicke auch Videos mit netten Botschaften Lieder usw. und halt immer wieder Dinge wie toll ich bin usw.
Aber nach der " Aussprache " das ich weder Herzchen noch Liebesbekundungen lesen möchte, da ich glücklich verheiratet bin, hat er sich daran gehalten!!!!
Ich werde den nötigen Abstand schaffen!!!!
Alles wird gut!
Liebe Grüße
Aral
 
Beiträge: 24
Registriert: 30.01.2017, 16:17

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Atin » 21.02.2017, 00:50

Ich finde dein Ehemann müsste auch mal kapieren was es bedeutet in der F- Hilfe tätig zu sein. Das er einfach mal eben so dich einspannen lässt und du dich quasi alleine um den jungen Mann kümmerst ist wirklich unglaublich. Da gibt es noch einiges zu tun das das mal aufgeklärt wird!
Das kann nämlich so nicht drin sein!

Diese ganze Sache mit der " Einladung " der "Flüchtlinge " hat uns ganz schön überrollt und das macht zu schaffen.

Irgendwie will man ja nur den Weg ebenen und mehr nicht. Das sich der Typ gleich dermaßen anbiedert damit kann ja niemand rechnen.
Wäre trotzdem zu verhindern gewesen.
Tue was richtig ist und wende dann jedem geschmacklosen Kritiker deinen Rücken zu. ( von einem Schriftsteller )

I am not what you want
and you are
just what
I don‘t need

-stacie
Atin
 
Beiträge: 779
Registriert: 15.10.2014, 15:11

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Aral » 21.02.2017, 00:52

karima66 hat geschrieben:Ich finde den letzten Beitrag von @happy mind sehr gut erklärt und formuliert!

Gerade hilfsbereite, offene Menschen werden leicht ausgenutzt, wenn dann noch die fremde Kultur dazu kommt, die einem unbekannt ist so dass man als ehrlich erzogener Mensch natürlich glaubt was erzählt wird dann wirds schwierig.
Da wird es so einige Geschichten geben durch die Flüchtlingswelle, die meisten Helfer haben kaum Erfahrungen mit der Kultur/Religion dieser Länder und durch den dann ständigen Kontakt mit einer oder paar Personen udn die dadurch entstehende Nähe mag es noch manchen Helfern so gehen wie dir, @Aral.
Wenn ich daran denke in wie viele "Fettnäpfchen" ich anfangs gelatscht bin, wie oft ich versucht hab mit unserer Denke offen auf diese Menschen zuzugehen und wie oft ich dann völlig überrascht wurde von deren Verhalten, wie viele Jahre es dauerte bis ich ungefähr einschätzen konnte wie sie "ticken" und wie viel, auch negative Erlebnisse, ich lernen musste.

Ich hoffe, dass noch mehr Helfer mit ihren Fragen auf diese Seite finden bevor ihre private/familiäre Welt aus den Fugen gerät.

Ich weiß wie schwierig es ist konsequent Kontakt abzubrechen, sich zu distanzieren wenn man Jemandem über lange Zeit nahe war, sich gebraucht und durch besonderes Vertrauen aufgewertet/geschätzt fühlte.

Eigentlich sollten bei der Betreuung von jungen, männlichen Flüchtlingen auch besser Männer zur Seite gestellt werden oder Frauen mit viel Erfahrung in dem Bereich, leider gibt es da wohl ein Ungleichgewicht, weil eher Frauen ihre Hilfe anbieten.

@Aral, ich wünsche dir, dass du den nötigen Abstand findest und deine Priorität deiner Familie gilt.


Danke sehr, ich werde den nötigen Abstand schaffen und meine Familie und meine Freunde wieder an die erste Stelle stellen.
Ich würde es auch begrüßen wenn sich noch mehrere Helferinnen melden würden wenn es ihnen ähnlich ergangen ist.Denn geteiltes Leid ist halbes Leid.
Würdest du mir von dem ein oder anderen Fettnäpfchen deinerseits berichten?
Mir fallen im Nachhinein soviele Sachen ein die ich falsch gemacht habe....
Liebe Grüße
Aral
 
Beiträge: 24
Registriert: 30.01.2017, 16:17

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Aral » 21.02.2017, 01:05

Defne hat geschrieben:Hallo Aral,
mein türkischer Exehemann sollte bevor wir geheiratet haben mit einer anderen Frau verheiratet werden.
Er wurde von der Familie abgelehnt. Das hätte mir zu Denken geben müssen.
Der Grund dafür ist mir dann später klar geworden: Sein Lebenswandel (Trinken und Spielen) war der Familie einfach nicht gut genug.
Es kann also sein dass ein anderer Bewerber einfach bessere Eigenschaften hat.


Hallo,
das die Hochzeit in dieser Kultur nur ein Geschäft ist muss man sich erst mal klar machen. Als ich mit ihm mal darüber redete wie das hier bei uns üblich ist, man zwar heiraten kann ,aber nicht muss, hat er nicht verstanden. Er sagt wenn man seine Freundin nicht heiraten will dann nur deshalb damit man noch andere Frauen haben kann.... So interpretiert er das in Deutschland. Und das die Liebe hier "frei " ist ,war auch ein Thema.
Meine Aufklärung das hier aber auch beide damit einverstanden sein müssen , hat er hoffentlich verinnerlicht!!!!
Er sagte auch das seine Mama nie wieder mit ihm reden würde wenn er hier mit einer Frau....
Unglaublich welche Macht die Familie hat!!!!
Liebe Grüße
Aral
 
Beiträge: 24
Registriert: 30.01.2017, 16:17

Re: Ich helfe einem jungen Syrer, wo ist die Grenze?

Beitragvon Ariadne » 21.02.2017, 08:06

Liebe Aral,
ich freue mich ehrlich für deine Erkenntnisse, wie du sagst, ich glaube auch daran, dass jetzt alles besser wird. Du bist auf dem richtigen Weg.
Eins möchte ich noch sagen, dein letzter Satz beschreibt den echten Zustand der arabischen Welt: die Familie hat die Macht! Wenn man das erkannt hat, kann man damit besser umgehen.
Das wünsche ich mir, dass die Frauen das rechtzeitig erkennen: egal was sie machen, egal ob sie jung, hübsch, intelligent sind, oder was auch immer. Gegen die Familie haben sie keine Chance, in seltestens Fällen kommt es vor, dass der Mann/Frau nicht den Anweisungen der Familie folgt.

Ich wünsche dir alles Gute,
Liebe Grüße Ariadne
Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße.
Franz Kafka
Ariadne
 
Beiträge: 1040
Registriert: 27.05.2014, 14:41

VorherigeNächste

Zurück zu Bezness - Flüchtlinge + Migranten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast