Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Erfahrungsaustausch von Angehörigen, wie Eltern, Kinder und Ehemänner von Betroffenen. Auch Freunde & Bekannte kommen hier zu Wort.

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Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Amaretta » 14.05.2010, 00:14

7.5.2010 Beitrag Amaretta (in Uservorstellungen)
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Amaretta hat geschrieben:Ausgelöst durch Naschkatze's Umfrage, woher der Beznesser kam, habe ich diesen Beitrag geschrieben.
Er passt denn doch besser in "Uservorstellungen" als in die Umfrage.

naschkatze hat geschrieben:Hallo Amaretta,

ich schlage vor, dass jeder nur von seine "leiblichen" Erfahrungen hier einfließen lässt.
Alles andere würde wohl auch das Ergebnis verfälschen.
Danke :D -.

Viele Grüße von Naschkatze

Hallo, Naschkatze
OK. Akzeptiert. Ich möchte trotzdem etwas dazu sagen.
Ich war lange Jahre aktiv in der Tanzszene, orientalischer Tanz und Salsa (Cuba hauptsächlich).
Dabei macht man natürlich viele Bekanntschaften, und macht Beobachtungen, auch wenn man selbst nicht so richtig
in eine Geschichte reinrasselt. Musiker, Tänzer, Dj's egal ob weiblich oder männlich, auf Veranstaltungen, Backstage,
im arabischen Lokal/Restaurant oder Salsa Disco.
Bevor ich das Wort Bezness kannte, fielen mir merkwürdige Paar-Konstellationen und Verhaltensweisen bereits auf,
so das ich "Bescheid" wusste, ohne wirklich in Worten formulierbar "Bescheid" zu wissen.

Da war eine Deutsche aus Süddeutschland, die heiratete einen Tänzer(Cuba). Er betrog sie mit vielen Frauen, und als sie dahinterkam,
und die Ehe beenden wollte, bedrohte er sie massiv. Er hat die AE, sie sind geschieden.

Ein Tänzer (Cuba) heiratete eine Deutsche, hatte diverse Affären. Eine der Frauen wurde schwanger von ihm, machte Druck.
Die Ehefrau trennte sich von ihm, die AE hat er aber dennoch(Baby...)

Ein Mann aus Cuba, homosexuell, spielte einer Deutschen die große Liebe vor: Du, einzig mögliche Mutter meiner Kinder.
Das Baby kam, er konnte bleiben, heute lebt er mit einem Mann zusammen.

Ein Trommler(Cuba) heirate eine Deutsche, ich lernte die beiden in einer Disco kennen.
Später traf ich ihn öfter ohne sie, als ich als DJ in einem Team unterwegs war.
Wir machten auch Tanz-Animation zusammen, er war nett und ich hatte ihn auch bei mir zu Gast, weil ich damals meinen Keller
Musikern zum Proben zur Verfügung stellte. Jahre später traf ich ihn in meinem Stammcafe, geschieden, andere Frau an der Seite.
AE in der Tasche...

Ein ägyptischer Tänzer heiratete eine Deutsche, die professionell orientalischen Tanz betrieb. Sie hatte ein Studio, unterrichtete,
hatte Massen Kontakte in der Szene. Er wurde dann auch für Workshops ausserhalb gebucht, versuchte auch regelmäßig
die Auftraggeberinnen flachzulegen, was ab und zu gelang. Ist ja schon was tolles, von einem echten Ägypter Folklore Schritte
des Saidi, Shimmi-Variationen und Stockschwünge privat zu erlernen...da taut die lernfreudige Frau in gemeinsamer Liebe zur Kunst schnell für
weitere Aktivitäten auf...und bestimmt tanzt sie VIEL besser als seine Gattin. Die Sache mit der "weiblichen Solidarität" (hüstel) ist da schnell
vergessen. AE hat er, die erste Frau braucht er nicht mehr. Arbeit hat er genug, so als Profi, der bei Mahmud Rehda
mal in der Truppe mitgetanzt hat...

Ein Restaurantbesitzer heiratete eine Deutsche. Da hatte er noch kein Restaurant.
Das gründete er dann mit ihr, und als Kinder kamen, leitete er den Betrieb, und sie blieb zu Hause und machte die Buchführung.
Der Herr hatte immer Samstags Bauchtänzerinnen im Lokal. Mit einer ist er nun zusammen, natürlich nachdem er die AE erhalten hat.
Das Restaurant ist das seine, und die Tänzerin hilft, als Kellnerin. Wenn ich mich richtig erinnere, besuchte sie irgendwann einen Buchführungskursus...
das Tanzen lässt sie bleiben, das ist nämlich bäh bäh. Der Herr aus Ägypten wollte seine Freundin nicht mehr vor Gästen tanzen sehen,
da war die Kunst dann nebensächlich...

Eine meiner besten Freundinnen, mit der ich viel gemacht habe, war mit einem Marokkaner verheiratet.
Sie tanzten Shows zusammen, der Herr aus Marokko war ein guter Salsa Tänzer, und sie brachte auf bezaubernde Weise
orientalische Tanzelemente mit Salsa zusammen da rein. Ich sah sie, war hingerissen von ihr und nahm Kontakt auf.
Wir machten tolle Sachen zusammen, sie und ich, tanzten ein Spaß-Duett(ich als Mann in Galabiya), ich machte die Kostüme.
Der Herr aus Marokko versuchte sie zu dominieren, und sie trennte sich, bevor er die AE unter Dach hatte.
Das gab Theater, Drohungen am Telefon, ab und zu stand er vor der Tür-"diskutieren".
Die AE hatte er dann trotzdem noch bekommen. Seine Schulden bei ihr natürlich nicht bezahlt, aber dicken Wagen.
Da lernte sie einen anderen Marokkaner kennen. Der war schon hier und verheiratet, aber getrennt, deutschen Pass hatte er auch.
Sie waren ein Paar, sie zogen zusammen.
Nun...dann sie trennten sich,sie nahm Wohnung alleine, aber anstatt "Cut" zu machen, wie ich es für richtig hielt, pflegte sie noch Kontakt zu ihm.
Er war ein notorischer Zuspät-Kommer, unzuverlässig. Sie tanzte eine große Show, da wollte er mal gucken kommen.
Natürlich kam er erst zur Pause nach erstem Block, sie war enttäuscht.
Er fuhr sie nach Hause...Showdown...Streit, er schlug ihr eine Weinflasche über den Kopf, zertrat den Spiegel
und zerschnitt sie mit den Scherben...Gesicht, Hände und Beine. Trocken gesagt, das wichtigste "Arbeitsmaterial"
einer Tänzerin. Ich rief sie am nächsten Tag an, keiner ging ran. Wir hatten die Gewohnheit, uns zu erkundigen,
wie Auftritte gelaufen waren, ich wunderte mich, versuchte immer wieder sie zu erreichen.
Da stimmte etwas nicht... Ich rief ihn an, er sagte nichts, sagte nur, das er keine Äusserung tun würde und das sie im Krankenhaus sei.
Einen Tag später erfuhr ich, was passiert war.
Ich ereichte sie über Handy im Krankenhaus.
Sie verliess unsere Stadt.
Sie machte Therapie.
Er - bekam zwei Jahre und eine Bewährungstrafe, 2 Jahre nur...
Viel zu wenig !!!- in so einem Fall.
Die Narben im Gesicht sind in Bearbeitung, es sieht micht mehr so schlimm aus wie zu Anfang.
Sie begann wieder zu tanzen- nein, nicht hier. Sie betritt die Stadt fast nie mehr.
Inzwischen hat sie einen Mann. Nordeuropäische Herkunft, aber nicht deutsch, aber : einer von uns.
Die letzte Neuigkeit: es wird ein Baby kommen.
Ich bin froh.
Sehr froh für sie.
Nachdem das alles passiert war, machte ich mich im Internet auf die Suche.
Ich suchte irgendwas...gab Mann/Marokko als Suchwort ein, in der vagen Hoffnung,
es müsse irgendwo eine Erklärung für das Geschehen, die Handlung dieser Männer geben.
Dabei fand ich durch Zufall dieses Forum. Das war Ende 2006.
Anfang 2007 begann ich hier mitzuschreiben.

Was habe ich jetzt?
2 Mal Marokko
4 Mal Cuba ( da weiss ich VIIIEEEL mehr Geschichten...)
2 Mal Ägypten ( auch da weiss ich noch viel mehr...)

Es sind echte Fälle, aber halt nicht "leiblich" .
Wenn sie schon nicht in die Statistik sollen, da eben nicht selbst zu spüren bekommen,
sondern "Mitbetroffen", so wollte ich diese Fälle doch wenigstens mal erzählt haben.
Die Liste könnte noch weit länger sein.

Nach dem Fall meiner Freundin hörte ich mit dem Tanzen auf.
Multi-Kulti stand in Frage, lang vorher schon, das war der Tropfen, der das Fass der Zweifel zum Überlaufen brachte.
Die Liebe zu Musik und Tanz, das Streben nach Verbindung verschiedenster Menschen und Herkunft, das Leben einer Art Mittlerin
zwischen Kulturen wurde von der Realität endgültig überrollt.
Ich bewältige heute ein kleines Event monatlich, als Kassen- und Dekorationsfrau. Zurückgekehrt dahin, wo ich herkam,
die Tänze und Musik der 30er bis 50er Jahre, aus USA bis Deutschland- Swing , Boogie etc.
Zurück zu den eigenen Wurzeln, konfliktfrei: keinerlei Gedanken über Mentalitäten und Religionen, Moralvostellungen
und Ansichten nötig. Meine Leute halt, alles entspannt.

Eine letzte Weihnachtsveranstaltung Ende 2006 mit cubanischer und orientalischer Musik und Entertainment, die bereits lang geplant war,
bewältigte ich noch. Die war ein großer Erfolg. Wir verschmolzen die Kulturen, die eigentlich so verschieden sind, zu einem multikulturellen Spaß.
Meine verletzte Freundin, die verständlicherweise ihren Auftritt nicht machen konnte,
wurde von einer anderen sehr guten Tänzerin vertreten. In einer Ansprache erklärte ich das geänderte Programm, erzählte das Geschehene,
ohne den Abend durch diese schreckliche Geschichte zu zerstören, und machte dann eine Sammlung für die Freundin.
Wir bekamen eine ganze Monatsmiete für sie zusammen- ihre Vermieterin interessierte sich nicht im Geringsten für die Gründe
des Mietausfalles...die interessierte sich nur für das Geld...widerlicher Eiswürfel !
Danach bin ich dann mehr oder weniger zusammengeklappt, hing permanent hier im Forum, zum Teil bis in die Morgenstunden,
und analysierte multikulturelle Beziehungen und die Motivationen dahinter.
Die Motivationen der Beznesser, egal welcher Nation, kannte ich ja bereits, was sie treibt und was sie wollten.
Nur das sie "Beznesser" heissen, war neu für mich. Das die Sache einen Namen hat.
Das war also geklärt...aber...da war etwas anderes, viel WICHTIGERES.
Die Frage nämlich, was es denn sein könnte, das die Frauen in die Arme dieser Typen trieb und treibt.
Der Beznesser in seiner simplen Denkstruktur und woran man ihn erkennen kann, was er in seiner Gier will, das war schnell zu erfassen.
Das "Andere" jedoch, was die Frauen so leicht greifbar macht, das hat viele Facetten und Erklärungsmöglichkeiten,
bei denen man um Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen, am "Zeitgeist" und letzten Endes an Frauen selbst
nicht herumkommt. Das bedeutet tief graben, auch da wo es wehtut, es bedeutet ein sich in Frage stellen,
Dinge anders zu bewerten von denen man ein Leben lang glaubte, das sie das einzig Richtige seien, und das wollen und können
die Meisten nicht.
Es ist einfacher, über einen äusseren Feind aufzuklären und ihn zu bekämpfen, den Feind aber, der in einem Selbst wohnen könnte,
der unbewusste Zerissenheit und damit An-greifbarkeit zur Folge hat, dem möchte man nicht gern ins Auge sehen.

Viele werden sich ja auch in der Konfrontation mit anderen Kulturen erst bewusst, das es Dinge geben könnte, an denen es ihnen mangelt,
ohne das sie es in klare Worte fassen könnten. Man spürt also etwas, was man nicht greifen kann.
Erst in der Analyse nachdem das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, findet man manches über sich selbst heraus,
erhält sozusagen den Schlüssel zum Verstehen im Nachhinein in die Hand gelegt.

LG Amaretta
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Amaretta » 14.05.2010, 00:16

7.5.2010 Beitrag Steckchen
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Amaretta hat geschrieben:Ich war lange Jahre aktiv in der Tanzszene, orientalischer Tanz und Salsa (Cuba hauptsächlich).
Dabei macht man natürlich viele Bekanntschaften, und macht Beobachtungen, auch wenn man selbst nicht so richtig
in eine Geschichte reinrasselt. Musiker, Tänzer, Dj's egal ob weiblich oder männlich, auf Veranstaltungen, Backstage,
im arabischen Lokal/Restaurant oder Salsa Disco.
Bevor ich das Wort Bezness kannte, fielen mir merkwürdige Paar-Konstellationen und Verhaltensweisen bereits auf,
so das ich "Bescheid" wusste, ohne wirklich in Worten formulierbar "Bescheid" zu wissen.


Hallo Amaretta,

erst mal möchte ich Dir für diesen tollen Beitrag danken. Es ist der seit langem erste, wo ich eine richtige Gänsehaut beim Lesen bekommen habe, weil er nicht nur spannend geschrieben ist, sondern gerade so, als hätte ich dasselbe in anderer Konstellation genauso erlebt. Die Salsa-Discoteken, die Bauchtanzszene. Letztere kenne ich nicht so gut, kann aber lebhaft nachvollziehen, was du beschreibst. Mit diesen merkwürdigen Paaren meinst du vielleicht das, was in der Berliner Zeitschrift "Tip" als "Scheppe Paare" bezeichnet wird? Solche Paare mit entweder großem Altersunterschied oder sie extrem häßlich, er extrem schön, dick und dünn - solche gegensätzlichen Extreme eben, die zusammenkommen.

Amaretta hat geschrieben:Ein Trommler(Cuba) heirate eine Deutsche, ich lernte die beiden in einer Disco kennen.
Später traf ich ihn öfter ohne sie, als ich als DJ in einem Team unterwegs war.
Wir machten auch Tanz-Animation zusammen, er war nett und ich hatte ihn auch bei mir zu Gast, weil ich damals meinen Keller
Musikern zum Proben zur Verfügung stellte. Jahre später traf ich ihn in meinem Stammcafe, geschieden, andere Frau an der Seite.
AE in der Tasche...

Apropos Trommler: Kennst du die Geschichte: "My dear Drumsmaster" von Pedro Juan Gutièrrez aus seiner "Schmutzigen Havanna-Trilogie"?

Amaretta hat geschrieben:Ein Restaurantbesitzer heiratete eine Deutsche. Da hatte er noch kein Restaurant.
Das gründete er dann mit ihr, und als Kinder kamen, leitete er den Betrieb, und sie blieb zu Hause und machte die Buchführung.
Der Herr hatte immer Samstags Bauchtänzerinnen im Lokal. Mit einer ist er nun zusammen, natürlich nachdem er die AE erhalten hat.
Das Restaurant ist das seine, und die Tänzerin hilft, als Kellnerin. Wenn ich mich richtig erinnere, besuchte sie irgendwann einen Buchführungskursus...
das Tanzen lässt sie bleiben, das ist nämlich bäh bäh. Der Herr aus Ägypten wollte seine Freundin nicht mehr vor Gästen tanzen sehen,
da war die Kunst dann nebensächlich...

Tja, vom Bauchtanz zur Buchführung. Welch eine Karriere! Da werden ihr sicherlich die Augen übergegangen sein ob der vielen oder wenigen Rechnungen.

Amaretta hat geschrieben:Nach dem Fall meiner Freundin [die mit dem Marokkaner, der sie mit Glasscherben zerschnitt] hörte ich mit dem Tanzen auf.
Multi-Kulti stand in Frage, lang vorher schon, das war der Tropfen, der das Fass der Zweifel zum Überlaufen brachte.
Die Liebe zu Musik und Tanz, das Streben nach Verbindung verschiedenster Menschen und Herkunft, das Leben einer Art Mittlerin
zwischen Kulturen wurde von der Realität endgültig überrollt.


Ja, Amaretta, auch ich habe eine zeitlang unbedarft einen auf Multi-Kulti gemacht, bis ich dann im ausgehenden Jahrtausend ein Jahr in Kuwait verbrachte, wo ich dann die gelebte Realität in einem Stammland des Islams kennenlernte. Ziellos umherfahrende, durch Zwangsheirat schwer gestörte junge Frauen, die ihre Ausbildung nicht beenden durften, ständige gegenseitige Kontrolle der arabischen Frauen untereinander, damit keine aus dem Moralkodex ausschert, ständige Lügereien, um sozial und materiell zu überleben, was dort zeitweilig sogar auf mich abfärbte. Und als ich bei einer Privatparty mit einem jungen kuwaitischen Mann zu einem Song der Sängerin Fatoum tanzte, da fragte ich mich plötzlich, was ich hier eigentlich will. Und mir war schlagartig klar, daß keiner dieser netten gutaussehenden Jungen jemals bei mir würde eine Chance haben. Aber dieser Moment der Klarheit hielt vorerst nur eine gewisse Zeit.

Zurückgekehrt nach Deutschland hatte ich im Rahmen meines Studiums der Islamwissenschaften im Sommer 2000 einen Text von Sayyid Qutb (Ma'alim fi-t-Tariq مَعالِم في الطَّريق - Wegzeichen) während meines Studiums zu übersetzen und hielt über diesen auch noch ein Referat. Während der Übersetzung des Textes zu Hause wurde mir der faschistoide Charakter des politischen radikalen Islams erst einmal so richtig vor Augen geführt, so daß meine Tränen auf diese kopierten Seiten tropften und ich meine Übersetzungsarbeit erst einmal für einige Stunden unterbrechen mußte. Da war bei mir mit dem Verständnis endgültig Schluß. Das Referat hielt ich später noch. Aber ich war nicht mehr dieselbe wie vorher. Deshalb kann ich Dich sehr gut verstehen.

Amaretta hat geschrieben:Viele werden sich ja auch in der Konfrontation mit anderen Kulturen erst bewusst, das es Dinge geben könnte, an denen es ihnen mangelt,
ohne das sie es in klare Worte fassen könnten. Man spürt also etwas, was man nicht greifen kann.
Erst in der Analyse nachdem das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, findet man manches über sich selbst heraus,
erhält sozusagen den Schlüssel zum Verstehen im Nachhinein in die Hand gelegt.

Ich glaube, schöner kann man das nicht beschreiben. Bei mir waren es die Bewertung von den Beziehungen zu anderen Kulturen und mein Selbstverständnis als Frau, welches sich in Kuwait ziemlich verändert hat. So bekam auch ich einen Schlüssel in die Hand gelegt. Deshalb hatte ich im übrigen auch in Kikis Familie S.-Thread eine etwas andere Meinung als die meisten Userinnen dort.

LG
Steckchen
Amaretta
 
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Amaretta » 14.05.2010, 00:17

7.5.2010 Beitrag Amaretta
_____________________
steckchen hat geschrieben:
Zurückgekehrt nach Deutschland hatte ich im Rahmen meines Studiums der Islamwissenschaften im Sommer 2000 einen Text von Sayyid Qutb (Ma'alim fi-t-Tariq مَعالِم في الطَّريق - Wegzeichen) während meines Studiums zu übersetzen und hielt über diesen auch noch ein Referat. Während der Übersetzung des Textes zu Hause wurde mir der faschistoide Charakter des politischen radikalen Islams erst einmal so richtig vor Augen geführt, so daß meine Tränen auf diese kopierten Seiten tropften und ich meine Übersetzungsarbeit erst einmal für einige Stunden unterbrechen mußte. Da war bei mir mit dem Verständnis endgültig Schluß. Das Referat hielt ich später noch. Aber ich war nicht mehr dieselbe wie vorher. Deshalb kann ich Dich sehr gut verstehen.

LG
Steckchen

Was du da schreibst...
"Aber ich war nicht mehr dieselbe wie vorher." Das habe ich genauso empfunden.
Dies hier ist mein "Motto" Stück gewesen: Compay Segundo und Cheb Khaled im Duett. Saludo a Chango.
Es beginnt langsam und ruhig, dann folgt ein Wechsel ab der dritten Minute und es steigert sich das Tempo bis zum Finale.
Mein Tanzmeister aus Cuba (seit über 15 Jahren mit einer Deutschen verheiratet- no Bezness und damit fast die einizige
gute Ehe derart, von der 100% weiß) und ich haben es oft getanzt und wurden immer wieder darum gebeten.
Danach starteten wir Party für alle, und wir erwischten auch alle: Junge und Alte, schüchterne und lockere Leute,
auch Leute die selten tanzten standen mit auf.
Ich hatte das Gefühl zu leuchten, wenn ich für die Leute tanzte und sie mitriss.
Nach der Katastrophe mit der Freundin war das Leuchten fort- wir wurden gebeten, unsere Fusionsshow auf einer große Bühne
zu zeigen, mit meinen Geschichten zur Entwicklung der Tänze Cubas und Ägyptens und den Anekdoten dazu.
Ich sagte das zu, und je näher der Termin rückte und ich wusste, wir müssen die Vorbereitungen beginnen, desto schlechter ging es mir.
Ich hatte es doch versprochen! und ich wusste überhaupt nicht was mit mir los ist.
Ich rief eine andere Tänzerin an, die eine Gruppe hatte, und bat sie, irgendwie mit einem veränderten Konzept
meinen Part zu übernehmen, obwohl sie kein Salsa konnte. Man müsse eben einiges umstellen.
Sie sagte zu.
Dann rief ich meinen Partner an, und beichtete meine unbegreifliche Unfähigkeit, begann ununterbrochen zu heulen,
und schluchzte ins Telefon, ich könne nicht mehr auf einer Bühne stehen, mir käme alles wie eine Lüge vor,
wie sollte ich denn einem Publikum eine heile Multi-Kulti Welt, einen schönen Schein vormachen, die mir glaubten,
weil ich daran glaubte,
das an Musik und Tanz die Welt genesen würde und alle gut miteinander sein würden.
Es dauerte nicht einmal eine Stunde, da standen Tanzmeister und Frau vor meiner Tür, und ich ließ mich widerstandslos
zum Arzt fahren. Seine Frau ging nicht weg, wartete bis ich durch war, und die Tränen liefen und liefen die ganze Zeit.
Die Ärztin wollte mich stilllegen, erstmal einweisen. Depression. Du meine Güte. Die war richtig entsetzt,
so ein Häuflein plärrendes zitterndes Elend da auf dem Stuhl vor ihr :mrgreen:
Na ja, da war er halt endgültig aus, der Multi-Kulti-Tanz-Traum. :(
Die Show ist dann übrigens sehr nett geworden, Publikum und Veranstalter zufrieden, mein Lehrer war
glücklich mit der anderen Tänzerin, er meinte, sie hätte die Idee auf ihre Weise gut umgesetzt.
Dann drückte er mich und sagte, mit mir wäre das Tanzen "unserer" Stücke doch anders,
diese innere Bindung, die das Wissen der Träume und Ideale des Tanzpartners mit sich bringt,
die unsere Art zu Tanzen eben möglich gemacht hat und dann zu diesem Strahlen führt, sei unkopierbar.

Die Frau meines Lehrers sagte dann als sie mich nach Hause brachte, ich solle mich erstmal beruhigen,
mir um die Show keine Sorgen machen, und später langsam lernen, die Tanzsachen von den Beznesser-Sachen wieder zu trennen.
Sie haben mir sehr geholfen, die Beiden.
Ich habe jetzt zugesagt, auf des Meisters Geburtstag das Stück mit ihm zu tanzen.
Einfach so, ohne Kostüm (passt eh nicht mehr, 10 kg + :wink: ), zu unserer eigenen Freude.
http://www.youtube.com/watch?v=KJEE6tAusc0
Ich habs probiert, es geht wieder. :) Die Alte bin ich nicht mehr, aber ...da geht noch wieder was, so für mich privat
und im vertrauten Kreis.

Hier ist noch einer unserer Favoriten: Hanine y Son Cubano
http://www.youtube.com/watch?v=A9xC0fBMdx4

Ich habe darüber eigentlich fast nix geschrieben, weil es mir so albern, so klein vorkommt im Vergleich zu den anderen Geschichten hier,
mit entführten Kindern, verlorenen Häusern, jahrelangen Liebes-und Lebens-Lügen.

LG Amaretta
Amaretta
 
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Amaretta » 14.05.2010, 00:18

7.5.2010 Beitrag Steckchen
______________________

Hallo Amaretta,

dieses Post hat mich jetzt wieder umgehauen. Ich glaube, es gibt so einige Menschen, die nicht direkt von Bezness betroffen sind, und die ähnliches erlebt haben wir Du. Ich habe zwar Arabistik studiert, aber habe mich da eigentlich nie so richtig zu Hause gefühlt, wie ich das anfangs gerne wollte. Du jedoch warst das Herz- und Glanzstück einer Szene, die sich um Dich und deinen Partner drehte und du bist durch persönliche Tiefschläge dir Nahestehender aus dieser Szene herausgerissen wurde, weil man Dir etwas aus dem Herzen herausgerissen hat. Und das ist schon tragisch. Du hast geschrieben, dir käme deine Geschichte im Vergleich zum Verlust mancher Schreiberinnen hier klein und eher lächerlich vor. Aber kann man einen Lebenstraum, der ja in deinem Falle auch etwas mit Geldverdienen zu tun hatte, nicht mit dem Verlust einer Liebe plus dem Verlust eines Vermögens vergleichen? Es ist ja wirklich die Frage, ob einem eben mal von einem Wildfremden 10000 Euro geklaut werden, oder das Vertrauen in die Menschheit oder die Liebe an sich flöten geht. Viele Frauen hier haben ja auch geschrieben, daß die materiellen Verluste eigentlich nicht so schwer wogen wie der Verlust an Lebensmut, Lust und eben Liebesfähigkeit. Und wenn man Ideale verliert, die man verkörpert, ja, gelebt hat, dann ist das mindestens genauso schlimm, finde ich. Du schriebst, vielleicht könntest Du irgendwann einmal die Bezness-Erlebnisse und das Tanzen wieder trennen. Aber genau diese Verführung ist es ja, diese Deine Animation, die viele Frauen in die Armen von Beznessern treibt, ohne daß du das eigentlich wolltest, aber vielfach erleben mußtest. Du bist eben nicht wie die Kesse Lola, der Blaue Engel Marlene Dietrich, der einst sang: Männer umschwärmen mich wie die Motten das Licht. Und wenn sie verbrennen - dafür kann ich nichts.

Ich habe nun mit meinen Referaten und Islam- und Arabistikstudien niemanden verführt oder unglücklich gemacht. Aber ich hatte das Gefühl, daß diese Kultur irgendwie mein Denken und Fühlen vergiftet. Ich habe deshalb auch Salsa- und Tangokurse besucht nach meinem Kuwait-Aufenthalt. Einfach, weil ich etwas neues machen wollte, was so gar nichts mit der arabischen Welt zu tun hat. Und da in den Salsa-Salons sah ich sie wieder: Schmierige arabische und türkische Männer, die versuchten, von Salsarhythmen und Multi-Kulti-Romantik enthemmte Mädels anzugraben. Fur unerfahrene Leute fallen sie dort ja auch nicht sonderlich auf unter Latinos oder Schwarzen, aber gerade das schätzen diese Männer wahrscheinlich, dort im Trüben zu fischen. Mir scheint, als ob sich mehr und mehr muslimische Männer dort herumtreiben, weil sie von dem Latino-Bonus profitieren wollen, der hierzulande immer mehr Leute in den Spanisch-Unterricht und die Salsa-Kurse treibt. Aber die Musik interessiert diese Männer in keinster Weise. Aber sie können sich mit ihrem Verweilen dort einen liberalen Anstrich geben.

Ich kenne Dich nicht, habe aber das Gefühl, Dir hin und wieder über den Weg gelaufen zu sein. :) Die Videos habe ich mir angesehen aber ich werde nie die Gefühle dabei haben, die dein Strahlen dabei erst ermöglichen würden. Ich danke Dir für Deine offenen Zeilen und wünsche Dir, daß du wenigstens im privaten Kreis bald wieder tanzen mögest.

LG
Steckchen
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Amaretta » 14.05.2010, 00:19

8.5.2010 Beitrag Frei
________________-

Hallo Amaretta. Die ganze Video die du gepostet hast, waren von arabo-islamischen Authoren, die in Kuba gespielt haben. Willst du damit etwas uns sagen?
"Ist es nicht so, wie man es meint (wie die Kritikerinnen meinen)"? Vielleicht habe ich dein erstes Beitrag nicht verstanden:
hast du gelernt, die beide Kulture und Mentalitäte zu lieben (lateinische und arabische, und diejenige aus Afrika) oder eine mehr als die andere,
oder beide im Gegenteil von unsere westliche, weisse, europäische, ... kälter Kultur?
Entschldigung, vielleicht passen diese Gedanke mit deiner Erzählung nicht.
Aber ich möchte tiefer verstanden, was du innerlich meinst. Danke und herzlichste Grüsse.
Amaretta
 
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Amaretta » 14.05.2010, 00:20

9.5.2010 Beitrag Amaretta
_____________________

Frei hat geschrieben:Hallo Amaretta. Die ganze Video die du gepostet hast, waren von arabo-islamischen Authoren, die in Kuba gespielt haben. Willst du damit etwas uns sagen? "Ist es nicht so, wie man es meint (wie die Kritikerinnen meinen)"?

Hallo, Frei
die Videos sind wie ein klingendes Symbol für das, woran ich einmal geglaubt habe und nun nicht mehr so glaube.


Frei hat geschrieben: Vielleicht habe ich dein erstes Beitrag nicht verstanden: hast du gelernt, die beide Kulture und Mentalitäte zu lieben (lateinische und arabische, und diejenige aus Afrika) oder eine mehr als die andere, oder beide im Gegenteil von unsere westliche, weisse, europäische, ... kälter Kultur? Entschldigung, vielleicht passen diese Gedanke mit deiner Erzählung nicht. Aber ich möchte tiefer verstanden, was du innerlich meinst. Danke und herzlichste Grüsse.


Das befürchte ich auch: du hast den Beitrag, die Beiträge nicht verstanden. Da nutzt das beste Übersetzungsprogramm nichts.
Ich weiss worauf du mit deiner Frage hinaus willst, du möchtest es verstehen, sagst du, und da ist die einzige Möglichkeit,
das ich es in italienisch zu schreiben versuche und in den anderen Strang setze.

Wir müssten da anfangen...wo wir vierzehn Jahre alt waren, um unsere Lebenswege zu analysieren.
Vierzehn Jahre ist auch nur eine Symbolzahl: Für mich bedeutet sie den Beginn
der Entwicklung vom Kind zur Frau, vom Kind zum Mann.
Warum sind wir dann die Wege gegangen, die wir gingen?
Was haben wir geträumt?
Was war die Sehnsucht?
Was glaubten wir über uns und die Welt? Man muss ganz unten anfangen(gestern) und sich nach oben durcharbeiten(heute),
um zu finden, wo die Entscheidungen für das eigene Leben getroffen wurden, wo die Weichen gestellt wurden.
WARUM.

Es nützt wenig, die Geschichte des Beznessers und sich selbst zu erzählen, man müsste vorher anfangen,
bei den eigenen Idealen und Wünschen, bei dem was man hatte und - noch wichtiger: was man nicht hatte,
um zu sehen warum der Beznesser überhaupt Erfolg haben konnte.
LG Amaretta
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Amaretta » 14.05.2010, 00:21

9.5.2010 Beitrag Frei
_________________

Liebe Amaretta, danke für die Antwort. Ich nütze keinen Übersetzungsprogramm und habe deine Video gesehen, nicht dein ganzes Beitrag gelesen (aber ich habe verstanden, dass du uns über deine beobachtete Beznessbeziehungen erzähltest?).

Da habe ich zufallig direkte (oder fast direkte) Erfahrung mit dem (sicheren) arabischen Bezness und dem (möglichen) spanischen Bezness, bestimmt mit dem (sicheren) ägyptischen und dem (möglichen) kubanischen,

und ich die beide Kulture (politische Strukture) kritizieren,

wollte ich wissen, ob du das Gegenteil von mir glaubst, und wolltest uns darüber erzählen.

Natürlich habe ich dein Beitrag nicht verstanden, dafür habe ich dir Frage gestellt. Mein Zweck ist zu verstehen, was du meintest, und Nichts anders. (Wenn ich etwas dagegen zu sagen haben, dann sage/schreibe ich es ... mir scheint, dass ich es - fast immer - gemacht habe. Nicht?

Und das werde ich auch mit dir, mit deinen Beiträgen, machen!)

*

Ich habe vielleicht es schon gesagt, dass die Regierung den Kubanern lehrt, ihren Leader zu bewundern. "Che" wird als ... ein perfektes Lebensbeispiel ... betrachtet (ich würde sagen: wie ein Prophete).

Kritike gegen die Regierung (die von "dem Prophete" inspiriert wurde - und Kastro auch, selbstvertändlich -), sind dort unmöglich,

und jetzt wird auch ... die Stragegie des Bewunderns ... ausgeübt (Ergebnis: gehirngewäschte Leute).

*

Dafür schöne Video wie diejenige, die du gepostet hast, sehe ich als gefährlich: alles ist schön, die beide Bevölkerungen, Kulturen sind herzlich, schön, freundlich, ....

Was ich "nicht kritisch genug" finde (das könntet eine Beznesserfahrung erleichtern) - sowhol wenn es zur islamo-arabischen Kultur/Mentalität/Politik als auch zur kubano-spanischen Kultur/Mentalität/Politik kommt -. [Selbstvertändlich sind Beznesserfahrungen etwas, das nicht nur unser privates Leben beeinflusst, sondern beinflüssen sie das ganze Leben der/unserer Gesellschaft, also, beinflüssen sie auch das Leben der Andere.]

(...)

*

[ Thread geöffnet "14 Jahre alt und später, bis zum Bezness" viewtopic.php?f=14&t=4324 ]

*

Ist das verständlich? Wie habt ihr ... euere frühere Zeit erlebt? (...)

Herzlichste Grüsse und alles Gute ... und wahre ... Liebe.
Amaretta
 
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Amaretta » 14.05.2010, 00:24

______________________________________________________________________________________________

13.5.2010 Beitrag Ines
__________________

Liebe Amaretta!
Vielen Dank für Deinen tollen Beiträge, Du hast eine tolle Art das auszudrücken, wie Du fühlst, wie es Dir ergangen ist
u. was Du für Dich daraus gelernt bzw. gemacht hast.
Und ich liebe Cheb Khaled u. den leider mittlerweile verstorbenen Segundo Compay, ich kann sogar sagen, dass auf der CD von Segundo Compay
dieses Lied mein Lieblingslied ist. Ich war so ca. 2003 (weiß aber nicht mehr genau) auf einem Konzert von Cheb Khaled, klasse Sänger, klasse Konzert.
Diese ganzen traurigen Geschichten, was im eigenen Umfeld passiert, was man evtl. auch selbst erlebt hat, da macht man sich Gedanken darüber.
Vor allem denkt man, ist es das, was ich wollte und erwartet habe von meinem Leben?
Multi-kulti ist der Tanz, die Musik, die Show, das Land, die Exotik, das Aufregende, aber es gibt wie von allem natürlich 2 Seiten.
Wie weit lebe ich multi-kulti aus? Muss ich immer einen entsprechenden Partner dazu haben? Kann man nicht einfach träumen?
Ich liebe immer noch die Musik, aber ich liebe den Kubaner nicht mehr, ich fliege immer noch nach Ägypten, heirate aber keinen.
Multi-kulti verzaubert natürlich auch, es ist fremd, vielleicht nicht wirklich erreichbar für uns. Natürlich können wir Bauchtanz erlernen,
aber ich habe Bauchtanz in Marokko innerhalb einer Frauengemeinde erlebt, das ist nicht zu vergleichen, mit dem, was wir hier sehen u. tun,
trotzdem wir wollen es lernen, wir wollen ein Teil sein davon, von dieser aufregenden Welt.
Nun ist die Frage, wie weit wollen wir ein Teil sein oder wie weit wollen wir diesen Teil des Anderen mit uns verschmelzen.

Ich lebe selbst in einer binationalen Beziehung seit 20 Jahren, wie ich schon schrieb u. von der Liebe her ist mein Liebster mein Ein und Alles,
ich fühle mich wahnsinnig geliebt von ihm u. er läßt mich vor allem so sein wie ich bin, natürlich umgekehrt genauso.
Es war nicht einfach 2 Kulturen unter einen Hut zu bekommen, das haben wir Beide damals in unserer Jugend gar nicht bedacht.
Wir sind blindlings in diese Beziehung gegangen u. nur unsere Liebe hat so manchen Sturm überstanden.
Aber heute würde ich mit meinen 42 Jahren über vieles anders denken u. anders machen. Es ist doch letzten Endes so, dass wir möchten,
dass der Partner hier integriert ist u. damit fängt die Schwierigkeit an. Mein Liebster u. ich hatten einen ganz anderen Start ins Leben,
er hatte eine schwere Kindheit, ich dagegen eine schöne, natürlich auch mit gravierenden Schicksalsschlägen, aber ich bin immer aufgefangen
worden von meiner Mutter u. sie hat mir alles ermöglicht für einen guten Start ins Leben. Mein Liebster hatte diesen Start nicht.
Die Folge davon ist, dass ich mir beruflich etwas aufgebaut habe, während er immer wieder arbeitsmäßig ums Überleben kämpft.
Natürlich ist das dann natürlich so, dass er sich vieles nicht leisten kann u. auch nicht möchte. Nehmen wir z. B. den Urlaub, viele sagen,
warum ich ihn nicht mit bezahle für ihn, da kann ich nur sagen, soviel Geld habe ich nicht u. er möchte das überhaupt auch nicht.
Er möchte nur in den Urlaub, wenn er es sich leisten kann. Aber ich möchte auch nicht auf meine Reisen verzichten, sie sind mir wichtig
und dafür liebe ich ihn ganz besonders, dass er dann sagt, natürlich, dass ich fahren kann mit meinen Freundinnen u. er gönnt es mir von Herzen.
Vielleicht führen wir nicht immer eine Beziehung auf Augenhöhe, aber das ist mir auch nicht sooo wichtig, für mich ist wichtig das Herz
und unsere Liebe hat Berge versetzt. Ich fühle mich einfach bei ihm geborgen.

Aber eine binationale Beziehung ist nicht einfach zu führen, vor allem dann nicht, wenn man den Mann aus dem Ausland hierher holt.
Da sind die Kulturunterschiede noch gravierender, weil der Mann hier in eine ganz fremde Welt kommt. Denn wer Arbeit heutzutage hat,
der arbeitet für 3 u. oft arbeiten wir alle 10 Stunden etc. u. man hat immer den Druck, dass man seine Arbeit u. damit seine Existenz behält.
So ist das in unserer "reichen Welt" u. schon alleine damit zurechtzukommen, ist ja bekanntermaßen sehr schwer. Hinzu kommt,
dass wir Frauen ja es auch erwarten, dass der Mann im Haushalt mit anpackt, das kennen diese Männer aus ihrem Kulturkreis gar nicht.
Das sollte man bedenken, bevor man aus dem Urlaub oder dem Chat heraus, sich auf eine multi-kulti Beziehung einläßt. Hinzu kommt,
dass wir Deutschen (leider, vielleicht aber auch nicht leider) gar nicht so spontan sind, meist wird sich verabredet, bevor man sich trifft bzw.
bevor man jemanden nach Hause zu sich einlädt, da wird geplant, wir Deutschen verplanen unser halbes Leben, wie man so schön sagt.
Die Ausländer sind spontan, d.h., es kommt Hinz und Kunz so einfach mal hereingeschneit u. frau muss sie dann bewirten,
das ist in ihren Ländern so üblich, sie kennen es nicht anders. Wir Frauen sind dann genervt.

Ich habe das Glück, dass mein Liebster eher ein Einzelgänger ist u. wir unsere Ruhe haben. Aber ich habe schon von einer Bekannten gehört,
dass ihr Mann ständig Besuch nach Hause einlädt, sie geht zwar nicht arbeiten, aber sie hat 3 kleine Kinder....

Das alles sollte man bedenken, selbst, wenn kein Bezness vorhanden ist, ich habe jetzt einen kleinen Teil des Lebens genommen,
es gibt noch viele andere Teile im Alltagsleben, die man bedenken sollte. Und man muss für sich gucken, ob man damit klar kommt.
Denn eine Urlaubs-Liebe, wo die SMS immer nur lauten I love u, I miss u, das macht nicht das Leben bzw. den Alltag aus.

LG Ines
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Amaretta » 14.05.2010, 00:27

Beitrag Anaba 13.5.2010
Ich war so ca. 2003 (weiß aber nicht mehr genau) auf einem Konzert von Cheb Khaled, klasse Sänger, klasse Konzert.


Ostern war er wieder in Berlin. :wink:
......und ich habe sogar 2 Karten bei einer Zeitung gewonnen. :D :D
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Amaretta » 14.05.2010, 00:43

Beitrag Ines 13.5.2010
__________________
Echt? Schade, ich war bei meiner lieben Freundin, der ich doch immer noch helfe, nicht nur wegen Bezness, sondern auch in anderen Belangen. Ich wäre garantiert wieder hingegangen. Ich liebe seine Musik, natürlich am meisten das Lied "Aisha", aber ich wußte auch gar nicht, dass er noch andere tolle Lieder singt, die ich zwar kannte, aber nicht den Interpreten wußte.
Mustafa Amar ist auch toll, den liebe ich auch, tolle Musik.
Und natürlich Sezen Aksu, eine tolle türkische Sängerin, sie hat mal mit Udo Lindenberg gesungen.
Ich war übrigens bei Lady GaGa im Konzert mit meiner Mutter vorgestern. In welche Konzert-Halle kam denn Khaled?
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Beitrag Anaba 13.5.2010
____________________
In welche Konzert-Halle kam denn Khaled?


Khaled war diesmal in "Huxleys Neue Welt" in der Hasenheide.
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Beitrag Ines 13.5.2010
__________________

Die Halle kenn ich nicht, hab ich noch nie was von gehört. Kommt er denn mal wieder? Kennst Du die Sängerin Ishtar - the voice of Alabina? Die CD hab ich mir beim Karneval der Kulturen gekauft, schade, dass man von der Sängerin nichts mehr hört.
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Beitrag Anaba 13.5.2010

Ich habe keine Ahnung wann er wieder in Berlin ist.
Soweit ich weiß hat er doch bisher hier immer nur in kleinen Hallen gespielt.
Ich war auch schon am Flughafen Tempelhof in einer kleinen Halle als er hier war.
Das Huxleys ist aber ziemlich bekannt.
Die anderen Sänger kenne ich nicht.

Außer Khaled und Cheb Mami interessiert mich diese Musik nicht so.

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Beitrag Ines 13.5.2010
__________________

Mustafa Amar kannst Du ja mal im Internet bei You Tube reinhören, der hat eine schöne Stimme u. auch gute Musik. Ich wußte ja seinen Namen nicht, weil ich nur Kassetten habe,die arabisch beschriftet sind, da gibts eine lustige Geschichte.
Von unserem Kumpel lernte ich die neue Freundin kennen, sie macht u. a. orientalischen Tanz u. sie zeigte mir eine CD u. meinte, dass sie diesen Sänger ganz toll findet, ich meinte, kenn ich nicht, spiel doch mal vor, hi, hi u. weißte, wen sie mir vorgespielt hat? Na Mustafa Amar. Ich hätte ihn weder auf dem Bild erkannt u. wie gesagt der Name ist ja immer bei mir auf arabisch auf der Kassette. Könnte mir vorstellen, dass Dir diese Musik auch gefällt.
Ich liebe alles an Musik von Sharukhan (oh Gott, wahrscheinlich falsch geschrieben) bis hin zu Sezen Aksu, bis hin Katie Melua oder irischer Musik, Julio Iglesias find ich auch toll, aber nur, wenn er spanisch singt, auf deutsch kann ich ihn nicht ertragen. Meist ist es so, dass ich, wenn ich irgendwo bin u. tolle Musik höre, ich da hinmarschiere u. frage, was das für Musik ist, daher hab ich tolle Musik. Griechische Musik find ich auch ganz gut. Ich höre einfach alles gerne.

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Beitrag Anaba

Julio Iglesias find ich auch toll,


Mit dem kannst du mich jagen...... :lol:
Das ist alles nicht meine Musik.
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Beitrag Amely

Anaba hat geschrieben:
Julio Iglesias find ich auch toll,


Mit dem kannst du mich jagen...... :lol:
Das ist alles nicht meine Musik.


...wenn ein Schiff vorrrrrrüber fährrrt, kommt bei mirrrr die Sehnsucht..... :lol:
________________________________________________________________________________________________

Beitrag Karima66
______________

War grad in der Hasenheide im Konzert,schade,Khaled hab ich irgendwie verpasst :(

Amaretta,tolle Beiträge,wie schon Jemand schrieb,Gänsehaut,ist wirklich nicht einfach alles,war früher auch nur positiv für MultiKulti,muss heute oft mich bemühen die negative seite nicht Vorrang bekommen zu lassen,ich denke einfach immer noch optimistisch,dass ein Miteinander der Kulturen möglich sein muss,beurteile Menschen einfach nach ihrem Menschsein,unabhängig von Nationalität,Religion,Hautfarbe,aber manchmal fällt mir das auch schwer,aber ich versuche weiter so zu leben,positives auch positiv sein zu lassen und negatives nicht überzubewerten oder zu pauschalisieren,man geht nicht mehr so unbefangen mit MultiKulti um,aber ich will es eben zweiseitg sehen.
Im persönlichen Bereich kenne ich heute aber meinen Platz und Weg,näher wieder zur deutschen Kultur und zusammen mit meinem deutschen Partner.
Hat aber Jahrzehnte gebraucht um mir dessen sicher zu sein und nicht doch wieder auszuwandern.

LG Karima66

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Beitrag Ines
_________

Liebe Karima66!
Das find ich auch. Aber ich denke mit zunehmendem Alter denkt man auch ganz anders. Wie ich schon schrieb hab ich anfangs mit meinem Freund zwar Vorurteile gehabt (ich mochte eigentlich keine Türken, hi, hi), aber ich kannte natürlich auch nicht deren Kultur, wie denn auch, in der ehemaligen DDR hatte man ja nicht so viele Berührungspunkte, zumindest ich nicht. Aber man ging lockerer an die Sache heran, überhaupt, wenn man über die Partnerschaften im Allgemeinen nachdenkt, früher hat es mich z. B. nicht gestört, wenn mein Partner geraucht oder was getrunken hätte, heute gucke ich da schon. Ich denke, man weiß einfach irgendwann genauer, was man überhaupt will u. da geht man nicht mehr so blauäugig an die Sache heran. Das hat nicht nur mit einem multi-kulti-Partner zu tun. Für mich wäre es heute unvorstellbar mir einen Partner aus dem Ausland hierherzuholen u. das war es eigentlich schon als ich 30 war u. in Marokko verliebt war. Echt, mich haben schon allein die Behördengänge abgeschreckt u. dann kam noch hinzu, dass ich damals schon überlegt habe, ob da alles paßt, wie wird es hier sein, er rauchte z B., er trank auch gerne mal Alkohol, da hab ich mir schon Gedanken gemacht drüber u. hab das dann gelassen. Und er hat mir Geschenke gemacht, schöne Briefe etc. geschrieben. Heute ist das für mich eine schöne Erinnerung.
Ein No go ist für mich, wenn der Typ wesentlich jünger ist als ich, also einen Anfang 20jährigen würde ich mir niemals nehmen, da hätte ich echt Probleme, das war aber immer schon so. Das heißt aber nicht, dass ich jetzt andere Frauen/Männer verurteile, die sich auf jemanden einlassen, der jünger ist. Es ist nur meine eigene Einstellung.
Amaretta
 
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Amaretta » 30.05.2010, 01:05

Hallo, Steckchen (und alle sonst die mitlesen)
ich wollte dir noch auf einige bestimmte Sätze aus deinen Beiträgen antworten,
aber heute ging ich durch eine Straße, durch die ich seit einiger Zeit (1-2 Jahre) wieder recht unbefangen gehen kann.
Das war einige Zeit überhaupt nicht so.
Darum noch ein Nachtrag zu der "Fallsammlung".

Ich habe eine Geschichte in meiner Sammlung multikultureller Beziehungsdramen nicht aufgeführt.
Jetzt habe ich nochmal die Berichte dazu zusammengesucht, leider finde ich keinen abschliessenden Artikel
mit dem Urteil des Gerichtes.

Es war einer der Sommer nach der Jahrtausendwende.
Wer runter an die Landungsbrücken geht, kann dort gegenüber das große Theaterzelt sehen, in dem das Musical
"König der Löwen" läuft. Er war in der Salsa-Szene eine Gesprächsthema bei vielen: Kennst du L? Er tanzt
bei König der Löwen. Hochachtung von allen Seiten, Stolz bei Cubanern auf einen der Ihren,
der- das lässt sich nicht leugnen- eine sehr gute Tanzausbildung und Erfolg hatte, bis zu dem grössten
Traum, ein festes Engagement.
Ich beachtete den Hype um L. nicht weiter, war mit meinen eigenen Projekten beschäftigt,
und war mir zudem sicher, würde ich diesen Typ kennenlernen, er würde sich wie leider so viele
als aufgeblasener, arroganter Frauenflachleger herausstellen, und die hatte ich gründlich satt.
Wie jeden Sommer fuhr das Salsa-Schiff. Es wurde angekündigt, das während der Elbe-Tour
der Musical Anleger angelaufen würde, um nach Showschluss einige aus der Tanztruppe an Bord zu nehmen,
Ehrengäste. Er war auch darunter. Hauptperson, umschmeichelt, einige der Gäste klebten an der Reling
auf den Oberdecks, um die tollen Tänzer zu sehen. Sie wurden mit Applaus begrüßt,
die Leute machten Platz, viele Frauen klebten mit den Augen an ihm.
Später hatte mein Meister Geburtstag, er kam in die Schule und schenkte eine Solo-Performance.
Ich war neugierig, ihn tanzen zu sehen: war der Hype um ihn nun gerechtfertigt oder nicht?
Er tanzte gut, voller Einsatz eines trainierten, geschmeidigen Mannes, der seine Musik kennt
und körperlich darin zu Hause ist, nur- es berührte mich nicht. Es war, so schien es mir, eine
Demonstration körperlicher Fitness und Eleganz ohne liebevolle Botschaft.
Es schien mir wie ein getanztes Selbstlob.
Es war kalt, und ich sehnte mich nach der Innigkeit eines knarschenden alten Sons oder Charangas
mit meinen Lehrer anstelle dieser Vorstellung maschinenmannartiger Modern-Dance-Schulung
mit cubanischen Einschlägen.
Dennoch, der Meister war stolz auf seinen fähigen Landsmann und ich hielt meine unbegründete Antipathie
bedeckt.
Ein anderer Tag, gleicher Ort. Er war zufällig da, seltener Besuch, wir gingen von der Tanzfläche
zur Bar, ich voran, er hinter mir, dahinter mein Meister. Er schlug mir die flache Hand auf den Hintern
und deftige Komplimente in cubanischen Slang dazu. Ich blieb stehen und sah ihn eisig an,
er hatte mir bestätigt was ich dachte, ich sagte, du kannst tanzen, die passenden Manieren dazu
fehlen dir, da nützt dir das Tanzen-Können nichts. Er rief "Ich steh auf große schöne mächtige Frauen wie dich,
dein herrlicher Arsch ist eine Provokation" und machte ein theatralisch geiles Gesicht inclusiv rollender Augen.
Ah ja, aha. Die Nummer kennt man, die-Frau-ist-Schuld-wenn-blöde-Typen-sich-nicht-kontrollieren-können.
Mein Lehrer fand das Geschehen überhaupt nicht witzig und schimpfte auf spanisch mit dem Idioten.

Ich sagte ihm später noch, das ich den Kerl von Anfang an nicht mochte aus mehreren Gründen:
Extrem körperorientiert, darum fehlt immer das Tüpfelchen auf dem i im Tanz, nämlich
seelenvoller Ausdruck und Hingabe.
Ich-Bezogenheit.
Sieht einem nicht richtig in die Augen, selbst wenn du mit ihm sprichst, und die Augen auf ihn richtest,
fühlst es sich an, als würde er durch dich hindurchsehen oder an deiner Seite vorbei.
Er ist nicht dir zugewandt, er ist da und doch nicht da, sondern nur bei sich.
Und - bitte nicht das Wort löschen, es ist das einzige das genau passt: verfickt.

Dann kam der dritte November. Bitte Link öffnen.

http://www.presseportal.de/polizeipress ... ei_hamburg

Hier sind die Artikel die ich noch fand in chronologischer Reihenfolge.
Vieles was darin zu lesen ist, ist richtig, vieles hätte ich als "Insiderin" anders geschrieben.
Eine meiner besten Freundinnen war mit dem Mordopfer sehr eng befreundet
und war auch bei der Beerdigung, kennt die Familie.

Der Ort des Geschehens ist ein Ort, den ich seit Kindertagen kannte, mindestens einmal die Woche dort vorbeiging.
Aus einer Straße, hinter der sich die Grundschule meiner Schwester befand, wo die Fischfabrik ihre Dünste verbreitete,
aus der türkische Frauen beim Schichtwechsel kamen , eine Straße die ich oft auf dem Weg zu einem Konzert
voll Vorfreude durchrannte, war ein Tatort geworden. Ein Mordort.
Dort wo mein Onkel mit mir im Hinterhof nicht weit weg den Weihnachtsbaum verbrannte, wo meine Tante mir
mangels Bonbons Kakao mit Zucker in einer Schüssel zum Naschen gab, lag dann eine lebenslustige
Tänzerin in ihrem Blut und das Bewusstsein machte die Straße zu einer anderen Straße als vorher.

_________________________________________________________________________________________________
ARCHIV Hamburger Morgenpost: OTTENSEN
Mord in der Tanzschule

WIEBKE STREHLOW, OLAF WUNDER

Frauenleiche gefunden / Ex-Darsteller des Musicals »König der Löwen« von Polizei gesucht

Er spielte beim Musical "König der Löwen" mit, bekam dutzende Auszeichnungen und hat seine eigene Tanzschule.

Lesme G. (35) ist einer der erfolgreichsten kubanischen Tänzer.

Jetzt sucht ihn die Polizei - in seiner Tanzschule "Ile Shango" an der Völckersstraße (Ottensen)
wurde die Leiche einer Frau gefunden.
Es ist kurz nach 15.30 Uhr, als die Polizei alarmiert wird. Zeugen melden einen Einbruch in der Tanzschule.
Als die Ermittler eintreffen, flüchtet Lesme G. aus einem Fenster. Kurze Zeit später finden die Ermittler eine tote Frau -
in eine Folie eingewickelt. Schnell wird vermutet: Der vermeintliche Einbrecher ist Lesme G.
- der Leiter des "Art Event Theaters".
Hat er etwas mit dem Frauenmord zu tun? ist die Tote seine Ex-Freundin, die seit gestern Abend vermisst wird?

Tanzschüler berichten, dass Lesme G. gedroht habe, sich umzubringen und dann mit dem Auto des Opfers geflüchtet sei.
Sofort nehmen dutzende Streifenwagen die Verfolgung auf. Spürhunde durchsuchen jeden Winkel der Schule.
Der Polizeihubschrauber fliegt immer wieder über Ottensen. Obwohl der gesuchte Tänzer mehrfach gesehen wird,
ist die Polizei erfolglos. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe wurde der Tatverdächtige nicht gefasst.

Auf der Internet-Seite der Tanzschule wird der Mann mit den Rasta-Locken als Ausnahmetalent gefeiert.
"Seine Karriere wird von Stärke, vielfältigem Ausdruck, emotionaler Leidenschaft, Unabhängigkeit
und Kreativität charakterisiert." Auch während Lesme G. anderen Gruppen und Ensembles angehört habe,
"wie dem National Ballett of Cuba, hat er seine eigenen Projekte weitergeführt.
Außerdem werden seine Choreographien durch seine kubanischen Wurzeln beeinflusst, und drücken Ängste,
das Verlangen nach Gefahr und das Streben, seine eigene Grenzen durch Akrobatik zu erreichen, aus."
___________________________________________________________________________________________
ARCHIV: MORD IN DER TANZSCHULE 5.11.2006

»Ex-Freund hing wie eine Klette an ihr«

OLAF WUNDER

Ehemaliger Musical-Darsteller hat gestanden / Er soll Maren H. (39) bestohlen und betrogen haben

Ihr Vater sagt »Ein furchtbares Eifersuchtsdrama«
Für Dr. Günther Hovers ist die Welt zusammengebrochen. Maren, die Tochter des pensionierten Ministerialrats
aus dem Bundesverkehrsministerium, wurde Opfer eines Mordes (MOPO berichtete).
Hovers spricht mit tränenerstickter Stimme von einem "furchtbaren Eifersuchtsdrama":
Lesme G., der mehrjährige Freund, habe nicht begreifen wollen, dass die Beziehung zu Ende war
und dass seine Tochter einen anderen Mann liebte. "Wie eine Klette hing er an ihr.

Als er dann auch noch bei ihr einbrach und Geld stahl, hat sie ihn zur Rede gestellt. Da hat er zugestochen."

Tatort: die Samba-Schule "Ilè Shango" an der Völckersstraße (Ottensen), wo Lesme G. südamerikanischen Tanz lehrte.
Das Geständnis des Kubaners deckt sich mit der Schilderung des Vaters: Nach Ende des Streitgesprächs sei seine Ex-Freundin
die Treppe hinuntergegangen. Er sei ihr gefolgt und habe ihr von hinten ein Messer in die Brust gerammt.

Später zerstückelte er die Leiche, wickelte sie in Folie ein, um sie zu "entsorgen". Das blutige Ende einer Beziehung,
die schon lange nicht harmonisch war.
Maren Hover lernte ihren späteren Mörder in Hamburgs Samba-Kreisen kennen, in denen sie - selbst eine leidenschaftliche Tänzerin -
seit Jahren verkehrte. In Marens Wohnung an der Schmalkaldener Straße (Bahrenfeld) ging es oftmals heiß her,
wie Hausmeister Esmeraldo Francisco (42) schildert. "Die haben sich immer wieder lautstark gestritten.
Mehrfach hat sie ihn aus der Wohnung geworfen. Es ging meist darum, dass er immerzu auf ihre Kosten lebte
und ihr das dankte, indem er fremdging."

Anfangs folgte auf jeden Streit eine Versöhnung. Maren H. soll gesagt haben: "Ich weiß nicht, was Lesme hat,
ich komme einfach nicht von ihm los." Das änderte sich wohl erst, als ein anderer Mann in ihr Leben trat.
Zuletzt fühlte sie sich von ihrem Ex regelrecht verfolgt.
Die Nachricht vom Tod der 40-Jährigen hat Entsetzen ausgelöst - bei den Angehörigen, aber auch unter der
Belegschaft von DMG, einem Unternehmen der Dentalindustrie in Lurup.
Dort war Maren Hover seit 2001 als Verkaufsleiterin für den Bereich Südamerika tätig.

Zuvor hatte sie beim Klavierhersteller "Steinway & Sons" gearbeitet.
Steinway-Chef Thomas Kurrer: "Wir sind fassungslos. Wir haben sie immer sehr geschätzt."
_____________________________________________________________________________
22.04.2006
ARCHIV: VOR GERICHT

Warum tötete er die schöne Samba-Tänzerin?

STEPHANIE LAMPRECHT

Tod in der Tanzschule Prozess gegen Lesme G. (37)

Der Mord an der schönen Samba-Lehrerin schockte die Hamburger Tanzszene:
Am 3. November 2005 erstach Profi-Tänzer Lesme G. (37) seine Ex-Freundin Maren H. (40) in seiner
Ottenser Tanzschule "Ile Shango". Gestern begann der Prozess gegen den gebürtigen Kubaner.
Er räumt die Todesstiche ein.
Der kleine, durchtrainierte Mann mit den kurzen Rastalocken hat Erfolg bei Frauen.

Auch während er mit Maren H. in deren Wohnung zusammenlebte, schlief er mit anderen FRauen."Maren wusste das",
sagte der frühere Musical-Tänzer ("König der Löwen"), "sie nahm mir den
Wohnungsschlüssel weg, ich musste auf dem Dachboden schlafen."

Trotz vieler auf Spanisch geführter Streitereien schien das Paar nicht richtig voneinander loszukommen.
Maren H. gab weiterhin Samba-Stunden in der Schule ihres untreuen Freundes, auch als sie bereits
eine neue Beziehung hatte. Zwar soll sie ihren Ex-Freund vor Schülern "heruntergeputzt",
andererseits aber auch Eifersucht gezeigt haben.

Auch bei dem letzten Streit soll es um seine Sex-Abenteuer gegangen sein:
"Sie fragte mich, ob ich mit einer Schülerin schlafen würde", sagte Lesme G. gestern, "ich sagte ja."
Wie es schließlich zu den Todesstichen auf der Treppe kam, bleibt in der Aussage des Angeklagten seltsam unklar.
Laut Anklage soll der Tänzer seiner Ex-Freundin nach Ende des Streits gefolgt sein, sie von oben über die Schulter
hinweg in Brust und Hals gestochen haben.
Den Leichnam fand die Polizei später mit Spanngurten verschnürt und in eine Plastikplane gewickelt im Badezimmer
der Tanzschule: "Ich habe sie so hingelegt, wie sie gerne geschlafen hat", erklärte Lesme G.

Er fuhr nach der Bluttat mit dem Auto des Opfers zu einer Tankstelle, kaufte Holzkohle:
"Ich wollte sie verbrennen."
Er tat es nicht, vertraute sich stattdessen am folgenden Tag zwei Freundinnen an. Anna H., Ballerina aus England,
erfuhr als Erste von dem Mord.: "Er sagte ,I killed Maren'", schilderte die hübsche Tänzerin mit dem hüftlangen Haar gestern.
Anna H. rief Iris M. (38) an, Geldgeberin für die Tanzschule und Ex-Geliebte von Lesme.
Beide Frauen begleiteten ihn zur Polizei.
Seine Geliebten brachten Lesme G. ein erstaunliches Maß an Langmut entgegen: "Ich bin davon ausgegangen,
dass ich auf absehbare Zeit nicht die Nummer eins sein werde", sagte Iris M. gestern. Ob er die Getötete geliebt hat,
fragt der Gutachter Ballerina Anna H. Langes Schweigen, dann die Antwort: "Manchmal hatte ich schon den Eindruck."
Fortsetzung 9. Mai.
Profi-Tänzer Lesme G. (37, r.) räumte gestern vor Gericht ein, seine Ex-Freundin Maren H. (40) erstochen zu haben.
Die Tat ereignete sich im November vergangenen Jahres in seiner Ottenser Tanzschule "Ile Shango" (l.)


http://www.welt.de/print-welt/article21 ... richt.html
Tanzschulen-Mord vor Gericht
Von Martin Jenssen 22. April 2006, 00:00 Uhr

Angeklagter Musical-Tänzer soll seine Freundin erstochen haben

Er tanzte anderthalb Jahre beim "König der Löwen". Seit gestern sitzt er auf der Anklagebank des Landgerichts.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet Mord. Am 3. November vergangenen Jahres soll der Tanzlehrer Lesme
G. (36) seine ehemalige Lebensgefährtin Maren H. (40) mit drei Messerstichen getötet haben.
Das Drama ereignete sich gegen Mitternacht in der Tanzschule "Ile Shango" in der Völckerstraße in Ottensen.
Das Motiv wurde am ersten Verhandlungstag nicht ganz klar. Es ist eine Mischung aus Eifersucht, Neid und Demütigung.

"Ein Alptraum, daß ich hier sitze. Ich empfinde große Traurigkeit und Schmerzen über das, was passiert ist", beginnt der Angeklagte zögerlich,
aber sehr detailliert sein Geständnis. Durch das Engagement bei dem bekannten Musical kam er
im Jahre 2000 nach Hamburg. Seinen Vertrag, der über zwei Jahre lief, kündigte er nach 18 Monaten.
Der international bekannte Tänzer fühlte sich mit seiner Nebenrolle beim "König der Löwen" nicht gefordert.
Nach seiner Kündigung hatte er die Tanzlehrerin Maren H. kennengelernt. Er zog in ihre Wohnung.
Aber bald kamen Spannungen auf, beide hatten weitere sexuelle Beziehungen.
Im Januar 2004 konnte Lesme G. durch die Hilfe von Iris M. (36), einer Kauffrau aus Buchholz, seine eigene Tanzschule
in Ottensen eröffnen. Auch Maren H. gab dort Unterricht. Am Tag vor der Tat vermutete der Angeklagte seine Freundin in Frankreich.
Doch durch eine Bekannte erfuhr Lesme G., daß sich Maren H. doch in Hamburg aufhielt.
Er fuhr zu ihrer Wohnung und entdeckte dort vor der Tür die Schuhe eines fremden Mannes.
Er rief sie an, und sie erklärte ihm, daß sie sich nach dem abendlichen Tanzunterricht mit ihm in der Tanzschule
aussprechen wollte.
Zur Tat selbst sind die Angaben des Angeklagten nicht präzise. Sie seien die Treppe der Schule hinuntergegangen,
dabei habe sie plötzlich ein Messer in der Hand gehabt.
Anderseits soll das Klappmesser, mit dem das Opfer die tödlichen Stiche erlitt, auf einem Tresen gelegen haben.
Lesme G.: "Plötzlich war alles voller Blut." Wie es zu den Stichen gekommen ist, daran kann er sich nicht erinnern.
Der Prozeß wird fortgesetzt.

_________________________________________________________________________________________________

Wenn es wenigstens ein Fim wäre...
Es gab eine Episode von "Adelheid und ihre Mörder", da habe ich als Tänzerin in einer Gruppe mitgemacht.
Es war ein Mord in einer Tanzschule...
Wir tanzten unten unsere Choreografie, und währenddessen fiel von der Balustrade ein Mann mitten in unsere Gruppe vor meine Füsse.
Tot. Viel Blut, Filmblut.
Die Leiche war nur ein Stuntman, der auf einen Sack fiel, und die Leiche und ich saßen später mit heissem Kaffee
auf einer Bank und guckten den Dreharbeiten zu. Die Rolle der Leiche wurde von einem älteren Italiener gespielt,
der ein Ristorante hier hatte und äusserst lebhaft zu erzählen verstand.
Ach, wäre doch die Geschichte von Maren H. auch nur ein Film. Ihr Blut auf der Treppe wäre Filmblut,
Lesme hätte eine Rolle gespielt und wäre gar kein Mörder, Maren würde bei uns sitzen, wir würden Kaffee trinken
und alles wäre nur ein Spiel.



LG Amaretta
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Hülya » 30.05.2010, 11:53

Guten Morgen Amaretta,

nun habe ich mir den ganzen interessanten Thread durchgelesen. Ich bin schockiert, was so hinter den Kulissen passiert.

Mensch Amaretta hst Du ein aufregendes Leben geführt.


Ich kann mir gut vorstellen, das oft die Künstler in einer Scheinwelt leben.

Ich habe eine Frage, wieviel Jahre hast Du auf der Bühne gestanden, also getanzt.
Liebe Grüße
H ü l y a
Gemeinsam sind wir stark!

Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland.
Deutsche Nationalhymne nach August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Jakobs_Weg » 30.05.2010, 12:42

Liebe Amaretta,

ich weiß keine Worte, die trösten könnten.

Stattdessen möchte ich dir eine virtuelle freundschaftliche Umarmung schicken.
LG, Jakobs_Weg

Nein, nicht alle Orientalen sind Beznesser!
Jakobs_Weg
 
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Amaretta » 27.06.2010, 20:26

Steckchen hat geschrieben:
Hallo Amaretta,
dieses Post hat mich jetzt wieder umgehauen. Ich glaube, es gibt so einige Menschen, die nicht direkt von Bezness betroffen sind, und die ähnliches erlebt haben wir Du. Ich habe zwar Arabistik studiert, aber habe mich da eigentlich nie so richtig zu Hause gefühlt, wie ich das anfangs gerne wollte.

Hallo, Steckchen
Könntest du genauer beschreiben, was du mit dem Wunsch nach "sich zu Hause fühlen" meintest?
Was hast dir vorgestellt, was war dein Ziel ?
Steckchen hat geschrieben: Du schriebst, vielleicht könntest Du irgendwann einmal die Bezness-Erlebnisse und das Tanzen wieder trennen.
Aber genau diese Verführung ist es ja, diese Deine Animation, die viele Frauen in die Armen von Beznessern treibt, ohne daß du das eigentlich wolltest,
aber vielfach erleben mußtest.

So habe ich das noch nie gesehen, das ich irgend jemand in die Arme von Beznessern getrieben haben könnte.
Darüber habe ich jetzt länger grübeln müssen, ob ich mich an irgendjemand erinnere, der durch mich in so etwas reingezogen
oder angezogen wurde.
Der Großteil der Leute (die beschriebenen Fälle und die Schüler/Gäste) hatte dieses Interesse an orientalischer und/oder
cubanischer Musik vorher schon, unabhängig von meiner Person.
Was die Frauen betrifft, die meine paar Workshops, die ich dann und wann gab, besuchten, war mein Ziel für mich klar.
Ich wollte ihnen helfen, ein Körpergefühl zu entwickeln, Haltung, einen aufrechten (stolzen)Gang, eine Bewusstheit für Weiblichkeit.
Da liegt bei vielen so viel brach, und das aufzubrechen und ans Licht zu holen mittels Tanz und mit Spaß lag mir am Herzen.

Mit dem Trennen-Können von Bezness und den entsprechenden Kulturen meinte die Freundin etwas anderes...ich war ja extrem
runter mit den Nerven und habe allerhand bösartige Äusserungen von mir gegeben über Araber, Türken und Cubaner,
die zwar wohlbegründet waren, aber der Freundin sehr einseitig erschienen sein müssen. Sie befürchtete "rechte" Tendenzen bei mir,
vermute ich. Das Wieder-Trennen ist eher so gemeint, die schlechten Begebenheiten, die Untaten der Männer und Frauen
und die Musik, Tanz, Kultur und die anständigen Männer und Frauen nicht in einem Topf zu verrühren und wütend alles abzulehnen,
ohne Gutes von Schlechtem trennen zu können.
Nicht, so bald bestimmte Musik läuft, bestimmte Erinnerungen und Gedanken zu haben, sondern die Musik unabhängig davon
zu genießen, ohne das sie negative Gefühle auslöst. Nicht in jeder nicht-deutschen Person, die mit mir spricht
oder mich zum Tanzen auffordert, einen Beznesser zu sehen. Der Punkt ist allerdings schwierig:
Jeder ausländische Mensch, dem ich begegne, sei es nur daran vorbeilaufen oder in einem Cafe sitzen, löst in meinem
Hirn den Satz aus "Und wie bist DU hierhergekommen?!? Hast DU auch dafür gelogen und betrogen?!?"

Steckchen hat geschrieben: Ich habe nun mit meinen Referaten und Islam- und Arabistikstudien niemanden verführt oder unglücklich gemacht.
Aber ich hatte das Gefühl, daß diese Kultur irgendwie mein Denken und Fühlen vergiftet.

Das ist interessant... auf welche Weise vergiftet? Womöglich habe ich ähnliche Gedanken dazu.

Steckchen hat geschrieben: Ich habe deshalb auch Salsa- und Tangokurse besucht nach meinem Kuwait-Aufenthalt. Einfach, weil ich etwas neues machen wollte,
was so gar nichts mit der arabischen Welt zu tun hat. Und da in den Salsa-Salons sah ich sie wieder: Schmierige arabische und türkische Männer,
die versuchten, von Salsarhythmen und Multi-Kulti-Romantik enthemmte Mädels anzugraben. Fur unerfahrene Leute fallen sie dort ja auch nicht sonderlich
auf unter Latinos oder Schwarzen, aber gerade das schätzen diese Männer wahrscheinlich, dort im Trüben zu fischen. Mir scheint, als ob sich mehr und mehr muslimische Männer dort herumtreiben, weil sie von dem Latino-Bonus profitieren wollen, der hierzulande immer mehr Leute in den Spanisch-Unterricht und die Salsa-Kurse treibt. Aber die Musik interessiert diese Männer in keinster Weise. Aber sie können sich mit ihrem Verweilen dort einen liberalen Anstrich geben.
LG
Steckchen

Ja, die Typen fielen mir auch des öfteren auf. Ich will nun nicht JEDEM unterstellen, aus niederen Beweggründen :wink: in die Salsa-Discos zu gehen,
einige von ihnen besuchten Kurse, tanzten sehr gut und mit viel Spaß und ehrlicher Freude daran.
Aber andere waren da, auf die traf das von dir Beschriebene zu. Sie kennen aus ihrer Herkunftskultur nur das immer getrennt tanzen,
maximal im Kreis oder gegenüberstehend ohne Berührung. Das man hierzulande in eine relativ nahe Tanzhaltung geht und dabei der Frau den Arm
um Taille/Rücken legt,bietet ja eine herrliche Möglichkeit, Frauen berühren zu dürfen, ohne das es wie Anmache wirken würde.
Viele von diesen arabischen und türkischen Männern konnten kein Salsa, sondern forderten nur bei Merengue auf.
Da ist die Tanzhaltung noch enger, der Schritt ist total einfach zu lernen, und Mann schiebt dabei gern das Bein zwischen die Beine der
Tänzerin und geht in Beckenkontakt. :twisted: Ich habe nach kurzer Zeit jede Aufforderung zum Merengue abgelehnt,
es war immer klar, das es denen nicht um Tanzspaß ging, sondern um auf-die-Pelle-rücken.

"Liberaleren Anstrich geben" :x gute Formulierung, ins Schwarze treffend.

LG Amaretta
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Amaretta » 27.06.2010, 21:15

Hülya hat geschrieben:Guten Morgen Amaretta,

nun habe ich mir den ganzen interessanten Thread durchgelesen. Ich bin schockiert, was so hinter den Kulissen passiert.

Ich frag mich grad, ob sowas auch hinter den Kulissen einer bayrischen Bauernbühne oder bei Ohnsorg abgeht :P

Hülya hat geschrieben:Mensch Amaretta hst Du ein aufregendes Leben geführt.

Naja...langweilig war mir eigentlich nie. Meine Biografie wird von anderen recht "bunt" genannt. :mrgreen:

Hülya hat geschrieben:Ich kann mir gut vorstellen, das oft die Künstler in einer Scheinwelt leben.

Hm...wenn sie richtige Profis sind, lernen die die Bühnenarbeit und das Privatleben sauber zu trennen.
Ich glaube, Amateure wie ich verzetteln sich da leichter zwischen Schein und Sein.
Hülya hat geschrieben:Ich habe eine Frage, wieviel Jahre hast Du auf der Bühne gestanden, also getanzt.

Nicht soooo lang. Ich bin in der Hauptsache Schneiderin, das ist immer die Basis gewesen.
Das andere kam als Hobby dazu und das habe ich dann ausgebaut. So waren es auch fliessende Übergänge,
da könnte ich keine Jahreszahl nennen. So pi mal Daumen ab 1996/97 bis 2006, da dann Bumm-Krach-Schluss, Schnitt, Ende.
Mit dem Tanzen angefangen hatte ich aber schon lang vorher nur zum Spaß, ich konnte es schon als Jugendliche
ohne Musik schlecht aushalten :wink:
LG Amaretta
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Hülya » 27.06.2010, 21:34

Danke Amaretta für Deine Antworten.

So kann ich mir noch ein besseres Bild von Deinem Leben machen.


Als ich vor 21 Jahren nach München kam, war ich in vielen Sendungen, mal als Statist, mal als Zuschauer. Diese Medienwelt hatte mich so im Bann, das ich sogar meinen Cheffe angesteckt hatte. Ich besitze viele Videos und Fotos mit bekannten Menschen. Einmal spielte ich sogar einen Mann, ohne Sprechrolle in einem Krimi.

Es war schon sehr aufregent.
Liebe Grüße
H ü l y a
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon Hülya » 27.06.2010, 21:37

PS. Liebe Amaretta,

ich bewundere Deine ausführlichen Beiträge und Themen.

Du kannst doch umsatteln und Schriftstellerin werden.
Liebe Grüße
H ü l y a
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon steckchen » 15.07.2010, 10:08

Liebe Amaretta,

habe mir die Lesme G.-Geschichte durchgelesen und kann nur sagen, der Mann ist letztlich hin- und hergerissen gewesen zwischen seinem eigenen Größenwahn, aufgepäppelt durch zahllose weibliche Bewundererinnen, die nichts hinterfragten, und seiner eigenen inneren Unfähigkeit. Du schreibst ja, er habe eigentlich bloße kraftstrotzende roboterhafte Körperlichkeit ohne zärtliche Botschaft seiner Seele getanzt und ausgestrahlt. So etwas ist in meinen Augen auch immer etwas ordinär und ordinär hat umsonst im Englischen den falschen Freund ordinary (gewöhnlich). Wahrscheinlich hat dieses Fehlen des seelisch-botschaftlichen Überbaus in seinem Tanz seine Schreckenstat erst ermöglicht. Deswegen morden Psychopathen kaltblütig, weil sie keine Empathie für andere haben, kein inneres Schamgefühl. Deshalb haute er Dir auf den Popo, deshalb tötete er Deine Tanzkollegin Maren, als sie ihm nicht mehr zuwillen war.

Aber es gab und gibt ja leider genug Frauen, die diese fehlende Scham und seine Unverschämtheit als sehr erotisch empfinden und sie genau mit dem Selbstbewußtsein verwechseln, welches sie selbst gerne hätten und sich mittels Sex bei Lesme G. holen wollten. Natürlich würde keine dieser Frauen einen Menschen umbringen, aber indem sie mit Lesme schliefen, glaubten sie, selbst mutiger und ungehemmter sein zu dürfen. Und nahmen dafür in Kauf, nicht die Nummer 1 in seinem Bett zu sein wie Iris, und Anne wollte nur zögerlich wahrhaben, daß ihr vergötterter Lesme einen Menschen getötet haben könnte. Daß sie potentiell dieser Mensch hätte sein können, kam ihr dabei gar nicht in den Sinn. (Sie tanzte ja sicherlich auch viel besser als Maren :twisted: )

Hier in Berlin gibt es die afroamerikanische Sängerin Jocelyne B. Smith. Ich hörte sie einst bei einem Open-Air-Klassik-Event singen und fand es wunderschön. Dann sagte mir eine Bekannte, daß Jocelyne B. Smith sehr unbeliebt sei. Ich registrierte das und merkte es mir. Und dann traf ich Jocelyne B. Smith wieder und sah sie wieder singen. Diesmal war ich hautnah an ihr dran, weil wir beide auf der Einweihungsparty des Lifestyles-Einkaufszentrums Stilwerk in der Kantstraße bestimmte Aufgaben zu erfüllen hatten. Sie sollte singen und ich - ich durfte kostenlos Kartoffelchips der Marke Kettle-Chips verteilen, die man heute noch bei Kaufhof bekommt und für die ich von meinem damaligen Chef gerne als Promoterin hier und da eingesetzt wurde. Und da stand ich nur einen Meter von Jocelyne B. Smith entfernt und hörte sie nicht nur sondern sah sie auch. Sie stand da, schmetterte ihre Soulstimme in die Welt, hörte sich nach wie vor großartig an, aber ihr Blick, der ging ebenso verloren ins Nirgendwo hin wie bei Lesme G. Sie schien eigentlich nur für sich zu singen und das einzige, was sie mit ihrem Publikum verband, war ihre innere Frage an dieses: "Na Baby, bin ich nicht gut?" Und da begriff ich, warum Jocelyne B. Smith bei einigen Leuten nicht beliebt war. Aber sie hat zumindest noch niemanden umgebracht.

Es ist nun nicht jedem gegeben, gut zu singen und gleichzeigtig durch ein zauberhaftes Charisma sämtliche Umstehenden in einen unwiderstehlichen Bann zu ziehen. Wahrscheinlich ist das Geheimnis von Charisma gerade die von Dir beschriebene zärtliche Botschaft der Seele, die durch offenen Blickkontakt möglichst vielen Leuten gleichzeitig vermittelt wird. Lesme G. hat wohl tief in seinem Inneren von seinem Charismamangel gewußt. Und von seinem daraus resultierenden Unvermögen, Frauen dauerhaft in echter Liebe an sich zu binden. Maren hat ihm den Spiegel vorgehalten, dessen Bild Lesme G. nicht ertrug. Deshalb mußte Maren sterben.

LG
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon steckchen » 15.07.2010, 17:12

Ich möchte an dieser Stelle noch an die senegalesische Tänzerin Khady Gueye erinnern, die Anfang August 2006 von ihrem ebenfalls senegalesischen Ex-Mann getötet wurde. Auch bei ihm spielte wohl die Mischung aus Neid und Eifersucht eine Rolle.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/traue ... 36748.html
Und hier noch ein Kochbuch-Link dazu, wen es interessiert:
http://www.sandammeer.at/rezensionen/afrikakochbuch.htm

Ja, dies ist der Glanz und das Elend in der Multi-Kulti-Tanzszene.

Hülya hat geschrieben:Ich kann mir gut vorstellen, das oft die Künstler in einer Scheinwelt leben.
Ich denke, daß die richtig guten Künstler wohl Bodenhaftung haben und Menschen sind, mit denen man Schönes auf die Beine stellen und den Erfolg unbeschwert genießen kann. Aber zum Problem wird es, wenn weniger talentierte Trittbrettfahrer, die dazu noch Blender sind, sich an die wirklich Großen dranhängen und so tun, als wären sie genauso gut und werden dann gelegentlich durchschaut. Dann kommt es zu Intrigen, Neid und, gottseidank eher selten, eben auch Mord. Die ganze Künstlerwelt ist doch voll von gescheiterten Existenzen und Psychopathen, die glauben, mit dem Nimbus als Künstler quasi unter Naturschutz zu stehen und sich alles erlauben zu können, da man sie ja ansonsten in ihrer künstlerischen Freiheit und Kreativität beschränken würde. :twisted:

Im übrigen gibt es auch in der Tangoszene Faule Eier unter Musikern und Tangolehrer. Viele Argentinier machten sich in den vergangenen Jahren auf nach Europa, um den hiesigen Tangofreunden die richtigen Schritte beizubringen. Ich sollte einst ein Musikevent in dieser Richtung organisieren und eine Tangoband buchen und mein Tangolehrer warnte mich eindringlich vor bestimmten Leuten. Und neulich habe ich in der Zeitung einen Beitrag über Tangotanzen in Argentinien gelesen, wo ein Tangolehrer, den man im übrigen auch als festen Tanzpartner für ein paar Tage mieten kann, vor bestimmten halbseidenen Kollegen gewarnt hat, die unbedarfte Tango-Touristinnen emotional an sich binden und dann ausnehmen würden wie eine Weihnachtsgans. Ich sah zwischen den Zeilen das Bezness buchstäblich trappsen.

LG
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Re: Multi-Kulti-Tanz-Welten- trügerische Ideale ?

Beitragvon steckchen » 16.07.2010, 10:33

Amaretta hat geschrieben:
Steckchen hat geschrieben:
Hallo Amaretta,
dieses Post hat mich jetzt wieder umgehauen. Ich glaube, es gibt so einige Menschen, die nicht direkt von Bezness betroffen sind, und die ähnliches erlebt haben wir Du. Ich habe zwar Arabistik studiert, aber habe mich da eigentlich nie so richtig zu Hause gefühlt, wie ich das anfangs gerne wollte.

Hallo, Steckchen
Könntest du genauer beschreiben, was du mit dem Wunsch nach "sich zu Hause fühlen" meintest? Was hast dir vorgestellt, was war dein Ziel ?

Hallo Amarette,

ich hatte Arabistik studiert, weil ich aus meiner Herkunftskultur ausbrechen wollte, weil ich mir zu diesem Zeitpunkt mit einem Deutschen keine Beziehung vorstellen konnte. Denn ich war erstens von der Schule traumatisiert, wo ich viel gemobbt wurde und zweitens gefielen mir die deutschen Männer auch nicht so gut wie die Araber, die auch meist gut angezogen, frisiert und gelaunt waren. Und sie waren immer in Gruppen unterwegs und mein Unterbewußtsein sagte mir damals: 'Wenn Du in so eine Gruppe gerätst, dann kann Dir gar nichts mehr passieren.' Ich hatte mir gewünscht, während des Studiums in eine Gruppe von Gleichgesinnten zu kommen, mit denen ich über all das reden konnte, was ich mit Arabern erlebt hatte oder gerne erleben wollte. Mit denen ich auch mal was außerhalb des Studiums erleben könnte, auch mal gemeinsam in diese Länder fahren. Und ich hätte damals auch gerne einen netten Araber kennengelernt. Aber all dies ist nicht passiert, weil es eine informelle Einteilung der Studenten gibt als da wären:

1. Nichtmuslimische, zumeist deutsche Frauen, die mit Arabern liiert sind
2. Frauen, die zum Islam konvertiert sind, wegen einem Typen oder auch aus Sinnsuche (die waren meist älter und, verzeiht, auch
etwas spinnert)
3. Die Abenteurer (alles Männer)
4. Gebürtige Araber, die sich einfach ein einfaches Studium suchten, wo sie der King waren und nicht so viel lernen mußten, weil sie die Sprache ja schon konnten (zumindest einen Dialekt)

Da ich zu keiner dieser Gruppen gehörte, war ich für diese Studenten kein passender Umgang. Dadurch fehlten mir auch bestimmte Informationen und einfach das soziale Netzwerk, welches man zum Studieren meiner Meinung nach unbedingt braucht. Heutzutage lege ich auf so eine Rudelzugehörigkeit keinen Wert mehr, weil ich festgestellt habe, daß ich es eigentlich nie gebraucht habe. Ich gehöre eher zu denen, die viele Bekannte oder Freunde haben, die weit voneinander wegwohnen bzw. sich nicht kennen, als daß ich mich in einem engen Dunstkreis bewege, wo jeder jeden kennt und beobachtet.

Amaretta hat geschrieben:
Steckchen hat geschrieben: Du schriebst, vielleicht könntest Du irgendwann einmal die Bezness-Erlebnisse und das Tanzen wieder trennen. Aber genau diese Verführung ist es ja, diese Deine Animation, die viele Frauen in die Armen von Beznessern treibt, ohne daß du das eigentlich wolltest, aber vielfach erleben mußtest.

So habe ich das noch nie gesehen, das ich irgend jemand in die Arme von Beznessern getrieben haben könnte. Darüber habe ich jetzt länger grübeln müssen, ob ich mich an irgendjemand erinnere, der durch mich in so etwas reingezogen oder angezogen wurde. Der Großteil der Leute (die beschriebenen Fälle und die Schüler/Gäste) hatte dieses Interesse an orientalischer und/oder cubanischer Musik vorher schon, unabhängig von meiner Person. Was die Frauen betrifft, die meine paar Workshops, die ich dann und wann gab, besuchten, war mein Ziel für mich klar. Ich wollte ihnen helfen, ein Körpergefühl zu entwickeln, Haltung, einen aufrechten (stolzen) Gang, eine Bewusstheit für Weiblichkeit. Da liegt bei vielen so viel brach, und das aufzubrechen und ans Licht zu holen mittels Tanz und mit Spaß lag mir am Herzen.

Ja, das ist klar, daß Du das nicht wolltest. Ich dachte auch eher an diese Deine Zeilen:
Amaretta hat geschrieben:Multi-Kulti stand in Frage, lang vorher schon, das war der Tropfen, der das Fass der Zweifel zum Überlaufen brachte. Die Liebe zu Musik und Tanz, das Streben nach Verbindung verschiedenster Menschen und Herkunft, das Leben einer Art Mittlerin zwischen Kulturen wurde von der Realität endgültig überrollt....Wir verschmolzen die Kulturen, die eigentlich so verschieden sind, zu einem multikulturellen Spaß.
Für viele Frauen war euer schönes Tanzen aber nicht nur Spaß, sondern gleichzeitig eine verlockende Verheißung, die letztendlich für einige zu einer eine verhängnisvollen Falle wurde. Es trifft ja auch nicht auf alle Frauen zu, Aber die Frauen, die es betrifft, werden Dir häufig auch nie genau gesagt haben, was ihre wirklichen Beweggründe für eine Kursanmeldung waren, ob es wirklich nur das Entdecken von Körpergefühl war, oder etwas anderes. Dafür schämen sich viele zu sehr. Auch wenn die Frauen dieses Interesse schon vor der Begegnung mit Dir hatten, verkörpertest Du für sie erfolgreiches Multikulti. Und sie wollten davon etwas abhaben, eintauchen in diese Welt, um ihrem bisherigen trostlosen Dasein zu entfliehen. Und eventuell durch gute Tanzschritte ihren Traummann aus einer bestimmten Kultur besser auf sich aumerksam machen zu können.

Amaretta hat geschrieben: Mit dem Trennen-Können von Bezness und den entsprechenden Kulturen meinte die Freundin etwas anderes...ich war ja extrem runter mit den Nerven und habe allerhand bösartige Äusserungen von mir gegeben über Araber, Türken und Cubaner,
...Das Wieder-Trennen ist eher so gemeint, die schlechten Begebenheiten, die Untaten der Männer und Frauen und die Musik, Tanz, Kultur und die anständigen Männer und Frauen nicht in einem Topf zu verrühren und wütend alles abzulehnen, ohne Gutes von Schlechtem trennen zu können....Der Punkt ist allerdings schwierig: Jeder ausländische Mensch, dem ich begegne, sei es nur daran vorbeilaufen oder in einem Cafe sitzen, löst in meinem Hirn den Satz aus "Und wie bist DU hierhergekommen?!? Hast DU auch dafür gelogen und betrogen?!?"

Ja, dieses Gefühl kenne ich nur zu gut. Und auch wenn ich bi-nationale Paare sehe, dann denke ich immer: Liebt er sie wirklich? Und bei einigen kann ich auf den ersten Blick sagen: Nein, tut er nicht. :x

Amaretta hat geschrieben:
Steckchen hat geschrieben: Ich habe nun mit meinen Referaten und Islam- und Arabistikstudien niemanden verführt oder unglücklich gemacht. Aber ich hatte das Gefühl, daß diese Kultur irgendwie mein Denken und Fühlen vergiftet.

Das ist interessant... auf welche Weise vergiftet? Womöglich habe ich ähnliche Gedanken dazu.

Es war so, daß man mit bei meinem Kuwaitaufenthalt bestimmte Sachen erklärt hatte, z.B. daß die Frau im Taxi immer hinten sitzt oder, daß man Männern nie zu viel von sich erzählen soll. Da Kuwait ein kleines Land ist, muß man noch mehr darauf achten, weil sich viel zu viele Leute untereinander kennen. Man sitzt also permanent im Glashaus. Einmal hatte ich mit einer omanischen Freundin ein Interview auf dem Markt zu führen. Sie wurde von einem Mann nach ihrem Namen gefragt. Sie antwortete mit einem falschen Namen. Da habe ich sie gefragt, wieso sie das macht. Sie meinte, daß es Selbstschutz sei. Mann könne ihre Familie über diesen Kontakt mit einem fremden Mann informieren und sie habe davor Angst. Und später habe auch ich gelogen. Als mich ein Kuwaiti zu einem Kaffee einlud und nach meinem Wohnort in Kuwait fragte. Ich hatte im Gespräch herausgefunden, daß er in derselben Firma arbeitete wie ein kuwaitischer Mann, den ich gut kannte. Ich wollte vor diesem Mann nicht als schlechte Frau dastehen. Aber wahrscheinlich hat es mir nichts genützt. Er rief nie wieder an. Hatte den Unbekannten wahrscheinlich auf mich angesetzt, um mich zu testen. Ich fand später heraus, daß die Mitarbeiter seiner Firma alle an demselben Ort abhingen, wenn sie Feierabend hatten. Das hätte ich vorher wissen sollen.

Es ist einfach so: Weil es so viele Verbote gab und so viele ungeschriebene Regeln, die einem das Atmen schier abschnüren, muß man lügen und verschleiern, um einigermaßen unbehelligt (über)leben zu können. Sonst fragen sie (die Araber und andere Muslime) einen tot mit immer bohrenderen unverschämteren Fragen und das zielt letztlich auf Vernichtung ab, auch wenn es mit einem freundlichen Lächeln geschieht. Diese Leute haben häufig nicht gelernt, sich sinnvoll und erfüllend zu beschäftigen, dafür haben sie viel Freizeit, die sie nutzen, um Intrigen zu spinnen, andere ins Unglück zu stürzen, weil sie selbst nie gelernt haben, glücklich zu werden, mit Partner oder ohne. Genau aus diesem Grund wollen übrigens z.B. bestimmte Saudis im Urlaub auch nicht auf andere Saudis treffen, weil sie im Urlaub nämlich genau dieser sozialen Kontrolle ihrer frustrierten Landsleute entfliehen wollen.

Ich hoffe, ich konnte Deine Fragen einigermaßen ausführlich beantworten.

LG
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