Mein Vater rennt in's Verderben

Erfahrungsaustausch von Angehörigen, wie Eltern, Kinder und Ehemänner von Betroffenen. Auch Freunde & Bekannte kommen hier zu Wort.

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Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Lousitana » 04.06.2013, 12:32

Hallo zusammen,

eure Seite und die Geschichten kenne ich schon seit vielen Jahren und bin darüber sehr dankbar; denn sonst hätte ich wahrscheinlich bis heute nicht erkannt, was da gerade mit meinem Vater geschieht.

Mal kurz von Anfang an:
Als meine Mutter sich nach langem hin und her 2006 endgültig von meinem Vater trennte, war dieser am Boden zerstört. Er konnte und wollte die Trennung nicht akzeptieren und hatte übelste Depressionen. Damals fand ich den Gedanken gut, dass er im Januar 2007 mit einem Marokkaner, den er bei der Arbeit kennen gelernt hatte, einen vierwöchigen Trip mit dem Auto in dessen Land unternehmen wollte.
Ich dachte, Abwechslung würde ihm gut tun und ihn auf andere Gedanken bringen.
Dem war auch tatsächlich so: nach seiner Rückkehr war er das blühende Leben, wie ausgewechselt,

Natürlich dachte ich mir schon damals, dass da möglicherweise eine Frau dahinter stecken könnte. Angesprochen habe ich ihn darauf aber nicht. Als er jedoch gleich im Sommer den nächsten Trip nach Marokko plante und mir nach seiner Rückkehr völlig begeistert von einer ach so schönen, jungen, tollen Frau (nennen wir sie einfach mal "H") aus Fez erzählte, wurde meine Vermutung Gewissheit. Sofort verwies ich ihn auf eure Seite und die Geschichten, versuchte auf ihn einzureden. Aber alles ohne Erfolg: nach der bitteren Erfahrung mit meiner Mutter waren für ihn alle europäischen Frauen nur noch selbstsüchtige Schlampen.

Arabische Frauen seien seine Erfüllung: die seien so schön auf den Mann angewiesen, würden ohne zu klagen putzen, kochen, waschen und ihn als Schöpfer des Universums anerkennen. Nun gut, dass ich bei dieser Äußerung mit den Ohren geschlackert habe, kann man sich wohl denken. Ich habe überhaupt nichts von dieser Liaison mit H gehalten, zumal H mal eben 30 Jahre jünger ist, als er. Andererseits war er wieder voller Tatendrang, die Depression war vergessen. Also habe ich ihn einfach erstmal machen lassen.

Es folgten weitere Aufenthalte in Marokko und 2009 kam H dann zum ersten Mal für vier Wochen nach Deutschland. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: er hatte dort mittlerweile bereits eine Wohnung am Stadtrand von Fez in netter Lage gekauft; dort wohnte, während er in Deutschland saß und monatlich einige hundert Euro dort hinunter schickte, H's Mutter nebst beider Schwestern. Und H selbst, wenn sie nicht in Deutschland war.

Dies verheimlichte er mir aber zunächst (er ist seit jeher ein sehr schwieriger Mensch gewesen!) und ich erfuhr es durch Zufall, als er wieder einmal mit meiner Mutter aneinander geriet: wegen Geld. Sie würde ihn ausnehmen und ihm alles wegnehmen. Damals dachte ich, das sei immer noch ein stinknormaler Rosenkrieg. Heute beginne ich zu verstehen, dass er schon damals nicht so richtig wusste, wie er sein arabisches Liebchen langfristig finanzieren sollte. Durch den Wohnungskauf, die ständigen Fahrten und Flüge nach Marokko (selbstverständlich immer inklusive teurer Handys, Computer und Fernseher für die Familie) und die Instandhaltungsarbeiten an der alten Wohnung der Familie in der Medina von Fez (dort sollte die Mutter wieder einziehen, sobald mein Vater nach Marokko ginge) waren schon einige seiner Ersparnisse draufgegangen.

Noch einmal empfahl ich ihm die Lektüre dieser Seite. es war bereits Dezember 2009. Nein, er brauche keinen Rat. Er hätte das alles im Griff und wäre auch nicht dumm. Den Wohnungskauf hätte er schon abgesichert; es wäre ganz eindeutig, dass die Wohnung ihm gehöre. Nun, auch daran zweifle ich mittlerweile, zumal sein arabisch trotz intensiven Bemühens über ein paar wenige Standard-Sätze nicht hinaus kommt.

Sei es drum. Damals, Ende 2009, festigte sich auch sein Entschluss, mit Eintritt ins Rentenaltern in seine Wohnung in Fez auszuwandern und dort mit H einen schönen Lebensabend zu verbringen. H sollte, um sich selbst zu verwirklichen, dort ein kleines Kosmetikstudio eröffnen und er wollte sein Alter genießen.
H kam zwischen Mitte 2009 und Mitte 2011 dann regelmäßig für 3-6 Monate und war mir gegenüber immer äußerst freundlich, hilfsbereit usw. Das typische Verhaltensmuster eben.

Mir gefiel nicht, dass sie sich nicht integrieren wollte, dass sie abends stundenlang auf seine Kosten nach Frankreich und Marokko telefonierte, dass sie kein Interesse daran hatte, deutsch zu lernen usw. Seit Mitte 2012 ist sie durchgehend hier. Abgesehen von einem achtwöchigen Besuch ihrer Freundin in Frankreich, wo mein Vater sie selbstverständlich hingefahren und abgeholt hat. Inklusive Portokosten, das ist klar.
Nun ja, je länger sie nun hier ist, umso mehr will sie: den deutschen Führerschein, ein neues Handy, ein Ipad, usw. Alle Wünsche werden ihr erfüllt. Gleichzeitig versucht mein Vater, Geld an anderen Stellen einzutreiben: Miete von seinem mittellosen Bruder,der im Haus der verstorbenen Mutter wohnt. Übertriebene Heizkostenbeteiligung an meine Schwester
(die er mittlerweile aus dem Haus geekelt hat). Um es kurz zu machen: er hat nichts mehr.

seit ein paar Wochen eskaliert das ganze scheinbar: H arbeitet nun als Kellnerin. Um dorthin nicht ständig von meinem Vater gefahren werden zu müssen, macht sie jetzt auf seine Kosten den Führerschein und will ein Auto haben. Gleichzeitig möchte sie ihre Mutter nach Deutschland holen und diese braucht neue Zähne. Außerdem, und das ist der Gipfel, hat sie meinen Vater wegen Körperverletzung angezeigt: es gab einen Streit um Geld, in dessen Verlauf sie ihm heißes Wasser über das Gesicht geschüttet hat, woraufhin er hinter ihr hergelaufen ist und sie dumm gegen den Türrahmen kam und dadurch einen blauen Arm hatte.

Daraufhin ging sie mit ihrer marokkanischen Freundin (diese wohnt seit vielen Jahren hier und ist mit einem Landsmann verheiratet) zur Polizei und zeigte ihn an: er würde sie schlagen. Mein Vater ist immer noch nicht aufgewacht, beherbergt dieses falsche Stück noch immer und glaubt immer noch daran, seinen Lebensabend in "seiner" marokkanischen Wohnung zu verbringen. außerdem möchte sie auch noch Kinder, wohlgemerkt, er ist nun über 60!
Mir ist klar, dass hier sowas wie Bezness geschieht: ob H das von Beginn an geplant hatte, weiß ich nicht. Es ist auch irrelevant, denn Fakt ist: seit sie hier lebt, sieht sie, in ihren Augen das Paradies und davon kann mein Vater mit seinen beschränkten Mitteln ihr nur einen Teil bieten. Sie will mehr, mehr, mehr.

Es wird immer weitergehen und schlimmer werden und ich will gar nicht daran denken, was erst passiert, wenn sie auch noch schwanger wird! Ich weiß, dass beide in Marokko verheiratet sind, bin aber nicht sicher, ob sie das auch in Deutschland sind. Wäre dem so, müsste er für sie aufkommen. Wo er doch schon nichts mehr hat. Meine Schwester und ich werden für ihn sorgen müssen. Mal ganz abgesehen von dem psychischen Elend, was diese Geschichte bei ihm hinterlassen wird. Er hat sich schon mit all seinen Freunden überworfen, nun zerstreitet er sich mit seiner engsten Familie.

Mir wird ganz schlecht, wenn ich daran denke, was dort auf uns zurollt. Zumal er nichts davon hören will, dass seine "Beziehung" eine Farce sein könnte.
Ich richte mich daher an dieses Forum, weil ich hoffe, hier Betroffene aus ähnlichen Situationen zu finden, die mir helfen können. Mir Tipps geben können, wie ich mich ihm und ihr gegenüber am Besten verhalte. Ob wir die Möglichkeit haben, irgendwelche rechtlichen Schritte einzuleiten, ihn irgendwie in letzter Sekunde vorm völligen Absturz bewahren zu können?
Letztendlich ist er immer noch mein Vater...

Absätze von Micky
Wo kämen wir hin, wenn alle fragten wo kämen wir hin. Und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge....
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Jakobs_Weg » 04.06.2013, 13:18

*seufz* Es ist natürlich ein Jammer, wenn die engste Familie, besonders die Kinder, hilflos mitansehen müssen, wie ein Elternteil dem so genannten "zweiten Frühling" erliegt, der sie all ihrer Kräfte (und ihres Vermögens) beraubt...

Wenn ich richtig verstanden habe, dann lebt die Frau den größten Teil des Jahres bei deinem Vater in DE (?). Falls ja, dann nehme ich schon an, dass sie standesamtlich verheiratet sind, ansonsten bekäme sie nur Besucher-Visa.

Ratschläge wüsste ich momentan keine, was mich aber interessiert, in welcher Sprache kommunizieren die beiden? Zumal sie auch den deutschen Führerschein machen will?
LG, Jakobs_Weg

Nein, nicht alle Orientalen sind Beznesser!
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Amely » 04.06.2013, 13:39

hallo Lousitana,

eine schlimme Geschichte, und ich fürchte, du kannst nichts tun. Er wird erst aufwachen, wenn ihm nichts mehr geblieben ist.
An die große Liebe ihrerseits glaube ich kein bischen. Sie hat in ihren Augen einen Goldesel gefunden, von dem die ganze Sippschaft
provitiert. Hoffentlich gehört ihm wenigstens die Wohnung wirklich. Ist er im Grundbuch eingetragen ?
Mich würde noch interessieren, welchen Aufenthaltsstatus sie hat. Ohne nachgewiesene deutsche Sprachkenntnisse ist doch ein
Familiennachzug überhaupt nicht möglich.
Liebe Grüße
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Lousitana » 04.06.2013, 14:14

Hallo ihr beiden,

vielen dank für eure Antworten.
Nun, in den Jahren, die sie schon hier ist, hat sie, wenn auch wiederwillig, etwas deutsch sprechen gelernt. Mein Vater und auch ich, alle, kommunizieren mit ihr auf deutsch. Sie versteht auch glaube ich mehr, als sie zugibt und sprechen kann.
Sie hat eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, dafür musste sie vor etwa zwei Jahren einen Kurs besuchen und eine entsprechende Prüfung ablegen. Zuvor hatte sie ein Visum, dass in regelmäßigen Abständen neu verlängert werden musste. dafür mussten sie immer direkt nach Berlin fahren. Wie gesagt, mein Vater lässt sich da auch überhaupt nicht in die Karten schauen und ich habe immer nur nach und nach Fragmente über zehn Ecken oder durch das Internet erfahren. Das macht es nicht unbedingt leichter.
Bezüglich des Grundbucheintrages: den wird er mir sicherlich niemals zeigen. Gibt es eine Möglichkeit, da in Fez beim entsprechenden Amt dranzukommen? Dass er dort eine Wohnung hat, weiß ich ja wie gesagt nur, weil er sich verplappert hat.
Ich hatte schon fast befürchtet, dass ihr mir keine Hoffnung machen könnt, irgendetwas zu tun, was ihn wachrüttelt. Aber dieses untätige Zuschauen macht mich ganz verrückt.
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Canim » 04.06.2013, 14:45

Auch wenn es jetzt hart klingt, du wirst deinen Vater nicht überzeugen können. Er wird auf jeden Fall standesamtlich verheiratet sein, sonst hätte der Zuzug so nicht geklappt. Es sei denn, sie hält sich hier illegal auf. Was zu beweisen wäre. Dein Vater ist ein erwachsener Mann, mündig, geschäftsfähig. So lange wird er tun, was er für richtig hält. Euch als "Restfamilie" sind da schon die Hände gebunden. Wenn er sich bis jetzt bedeckt hält ,wird er - wenn alle gegen ihn sind (das ist sicher seine Meinung) schon gar nichts mehr erzählen. Es bleibt euch letztlich nur, zuzusehen, bis er wirklich nichts mehr hat und dann wird er ganz schnell entsorgt. Evtl. würde ich anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen, um mal abzuchecken, wie weit die Kindessorge von euch tatsächlich greifen müsste, wenn er nichts mehr hat und ob man dem evtl. Einhalt gebieten kann. Vielleicht kann man mit ihm da ja auch einen Vertrag machen.

ich weiß, das will man so nicht hören, aber darauf wird es hinauslaufen.

LG
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Evelyne » 04.06.2013, 15:30

Sie hat eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, dafür musste sie vor etwa zwei Jahren einen Kurs besuchen und eine entsprechende Prüfung ablegen.
Eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis (unbefristete) kann sie nur bekommen haben, wenn Dein Vater die in Marokko geschlossene Ehe hat rechtskräftig in Deutschland eintragen lassen. Anders ist es nicht möglich. Man kann aber nachträglich einen Ehevertrag machen, der die Versorgung und das Vermögen regelt. Vielleicht solltest Du mit Deinem Vater drüber sprechen.
Lieben Gruß
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Micky1244 » 04.06.2013, 15:39

Liebe Lousitana,

ich denke so wie Canim, lass dich beraten, wie weit du für deinen Vater zahlen musst, wenn er völlig verarmt ist.
Ein seltsames Zusammentreffen, der Arbeitskollege, der deinem noch von der Trennung gebeutelten Vater eine Marokkoreise vorschlägt und schon ist eine 30 Jahre jüngere Dame zur Hand, die deinem Vater eine Gehirnwäsche verpasst und ihn für ihre Zwecke benutzt.

Die Marokkanerin ist allerdings für marokkanische Verhältnisse nun auch nicht mehr so jung, seltsam, dass sie noch nicht in Marokko verheiratet war.
Ältere Menschen werden von Beznessern gerne geheiratet, weil sie dann mit der Witwer-Witwenrente in ihrem Heimatland gut leben können.
Ich vermute, dass dein Vater zum Islam konvertiert ist, das ist eigentlich meistens so, wenn ein Europäer eine Muslima heiratet. Das entfremdet ihn zusätzlich von dir.
Immerhin geht die Geschichte jetzt schon ca 6 Jahre.
Liebe Grüße, Micky


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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Lousitana » 04.06.2013, 15:49

Hallo,

danke für eure Beiträge.
Soweit ich weiß, war sie in Marokko schon einmal mit einem Landsmann verheiratet. Allerdings soll sie sich von diesem haben scheiden lassen und das kann ich mir irgendwie nicht so richtig vorstellen (von wegen Stellung der Frau im Islam usw...).Also ist die Ehe hier rechtskräftig, das hatte ich befürchtet.
Zu allem Überfluss kommt ja noch ein Haus dazu, in dem er mit ihr zusammen wohnt, dass zur Hälfte aber noch immer meiner Mutter gehört. Geplant war, dass er mir seine Hälfte überschreibt und ich mit meinem zukünftigen Mann dort einziehe, sobald er nach Marokko geht. Das würde doch heißen, dass H nun auch anteiligen Anspruch auf dieses Haus hat, oder? Mal abgesehen davon, dass wir dort wohl nie einziehen werden: was würde denn auf mich zukommen, würde er mir seinen Teil überschreiben? Hat sie da Möglichkeiten dem entgegenzuwirken? Sollte man es in diesem Fall eher auf eine Zwangsversteigerung hinauslaufen lassen?
In der Tat war das alles sehr merkwürdig und mit Sicherheit fingiert, dass er sie damals sofort kennen gelernt hat. Mein Vater behauptet zwar bis heute, dass die Familie seines ehemaligen Kollegen nichts mit der Familie von H zu tun hätte, aber daran glaube ich nicht.
Schlimm ist halt, dass ich im Moment beiden aus dem Weg gehe: meinem Vater, weil er mir ja ohnehin nicht glaubt, dass er sie vor die Tür setzen muss, selbst nach der Anzeige nicht. Und ihr, weil sie so falsch ist. Hinter meinem Rücken hetzt sie über mich und mir gegenüber tut sie, als wären wir die besten Freundinnen.
Gäbe es denn eine Möglichkeit, diese in Deutschland rechtskräftige Ehe anzufechten? Oder bleibt nur der Weg der Scheidung (wenn er das denn irgendwann einsieht)? Und: gelten für sie dann alle Staatsbürger-Rechte, d.h. er muss im Fall einer Trennung für sie aufkommen?
Oh man, ich bin echt ratlos.
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Elalabed » 04.06.2013, 16:33

Es gilt ganz normales Eherecht (einschl Unterhaltsrecht bei Scheidung) und auch normales Erbrecht.
Warum sollte dies anderes sein, nur weil sie keine Deutsche ist?

Es kann nur anders sein, wenn die beiden einen Ehevertrag abgeschlossen haben.
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Africus » 04.06.2013, 16:54

Man muss seine Ehe nicht in Deutschland eintragen lassen. Sofern man im Ausland nach dortigen gültigem Recht geheiratet hat, gilt man auch in Deutschland als verheiratet.
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Leonessa » 04.06.2013, 18:55

Lousitana hat geschrieben:Zu allem Überfluss kommt ja noch ein Haus dazu, in dem er mit ihr zusammen wohnt, dass zur Hälfte aber noch immer meiner Mutter gehört. Geplant war, dass er mir seine Hälfte überschreibt und ich mit meinem zukünftigen Mann dort einziehe, sobald er nach Marokko geht. Das würde doch heißen, dass H nun auch anteiligen Anspruch auf dieses Haus hat, oder?


Hallo Lousitana,

Dein Vater war zum Zeitpunkt der Heirat bereits hälftiger Eigentümer des Hauses!
Deshalb würde die H - vorausgesetzt es existiert kein Ehevertrag - bei einer Scheidung im Zugewinnausgleich nur dann vom Haus profitieren, wenn während der Ehe eine Wertsteigerung der Immobilie (bereinigt um den Kaufkraftverlust) eingetreten ist.
Die H hätte also vermutlich keine oder höchstens überschaubare Ansprüche.

Gefahr droht aber aus anderer Richtung: Wenn Dein Vater an Geld kommen will oder muss, kann er beim Amtsgericht eine sogenannte Teilungsversteigerung der Immobiie beantragen, wenn Deine Mutter mit einem einvernehmlichen Verkauf nicht einverstanden ist. Deine Mutter könnte sich nicht dagegen wehren.

LG
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Efendi II » 04.06.2013, 19:32

Evelyne hat geschrieben:
Sie hat eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, dafür musste sie vor etwa zwei Jahren einen Kurs besuchen und eine entsprechende Prüfung ablegen.
Eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis (unbefristete) kann sie nur bekommen haben, wenn Dein Vater die in Marokko geschlossene Ehe hat rechtskräftig in Deutschland eintragen lassen. Anders ist es nicht möglich. Man kann aber nachträglich einen Ehevertrag machen, der die Versorgung und das Vermögen regelt. Vielleicht solltest Du mit Deinem Vater drüber sprechen.

Um eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis (=Niederlassungserlaubnis) in Deutschland zu erhalten, ist die Führung einer mehrjährigen ehelichen Gemeinschaft in Deutschland erforderlich. Ein Kursbesuch reicht dafür nicht aus.

Grundbesitz allein reicht für eine Aufenthaltserlaubnis nicht aus, für eine Niederlassungserlaubnis (unbefristet) gleichmal garnicht.

Guckst Du hier: http://www.info4alien.de/gesetze/aufenthg.htm#9
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon No Name » 04.06.2013, 22:34

Africus hat geschrieben:Man muss seine Ehe nicht in Deutschland eintragen lassen. Sofern man im Ausland nach dortigen gültigem Recht geheiratet hat, gilt man auch in Deutschland als verheiratet.


So ist es - in Deutschland gelten alle Ehen als anerkannt, die rechtmäßig nach dem Ritus und Recht eines ausländischen Staates erfolgt ist. Ist die Ehe in Deutschland nicht "eingetragen", hat das in erster Linie steuerliche Konsequenzen. Doch in dem vorliegenden Fall gehe ich davon aus, daß eine Anerkennung vorliegt und die Marokkanerin gemäß den Bestimmungen (Integrationskurs abgeschlossen) eine rechtmäßige Aufenthaltserlaubnis erworben hat, die sie womöglich bald sogar in eine Staatsbürgerschaft wandeln kann, in jedem Falle aber nach wenigen Jahren in eine eigenständige und dauerhafte Aufenthaltserlaubnis.

Mit dem Erben ist das so eine Sache - grundsätzlich kann man es nicht verhindern, wenn ein (mündlich) versprochenes Erbe vom Erblasser anderweitig verwendet wird, der darf im Extremfalle auch sein Vermögen im Spielcasino verlieren, ohn daß man dagegen etwas unternehmen kann. Die einzige Möglichkeit, dies zu unterbinden, wäre eine "Entmündigung", doch die ist nicht leicht zu erwirken, und besonders dann nicht, wenn jemand eine Ehefrau hat und mit der zusammenlebt. Ich kann es, aus eigener Erfahrung, nachvollziehen, wie es sich anfühlt, wenn man meint, um sein Erbe "betrogen" zu werden - doch, und das schrieb ich schon oben, solange der Erblasser noch lebt, ist es eben sein Besitz und sein Vermögen - und ultimativ auch nur alleine seine Sache, was er damit anstellt.

gehen wir davon aus, daß die Ehe rechtmäßig ist, dann wird die Ehefrau im Falle des Todes entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen erben - oder gemäß des Testamentes, welches allerdings noch von den Erben in Bezug auf Pflichtteile angefochten werden kann. In Deutschland - was in Marokko Sache ist, darüber muß man sich kundig machen, wenn man es denn schafft, und dort wird es wahrscheinlich so aussehen, daß die Frau das komplette Erbe erhält; eine Anfechtung in Marokko würde sehr lange dauern, hätte sehr unklare Erfolgsaussichten und würde, wenn es nicht gerade ein Millionen-Palast ist, in vielen Fällen unter dem Strich einen Verlust ergeben.
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Evelyne » 05.06.2013, 09:02

Eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis (unbefristete) kann sie nur bekommen haben, wenn Dein Vater die in Marokko geschlossene Ehe hat rechtskräftig in Deutschland eintragen lassen.
.
Bei mir und vielen anderen war es so: Wir haben in TN geheiratet. Die tunesische Heiratsurkunde reichte hier für den Aufenthaltsstatus nicht aus. Die mußte übersetzt und beglaubigt werden und zusammen mit zahlreichen weiteren Papieren (Abstammungsurkunden, Geburtsurkunden, Ledigkeitsbescheinigung, etc. und Ehevertrag) dem Standesamt vorgelegt werden. Erst sechs Wochen später wurde die Ehe auch in Deutschland rechtskräftig. Danach bekam er seine "Unbefristete" und damit auch Arbeitserlaubnis.
Mag sein, dass sich die Gesetzte inzwischen geändert haben.
Lieben Gruß
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Africus » 05.06.2013, 09:56

Bei uns reicht die Heiratsurkunde (übersetzt und beglaubigt) und die Geburtsurkunde (übersetzt und beglaubigt) für alle Ämter, Formalitäten und Aufenthaltstitel in Deutschland.
Mit dem Standesamt hatte ich bisher noch keinerlei Kontakt (Hochzeit im Ausland 2011).
Africus
 

Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon No Name » 05.06.2013, 10:28

Aus den Informationen des Auswärtigen Amtes:

"...
Die "Registrierung" einer im Ausland geschlossenen Ehe ist durch das deutsche Recht nicht vorgeschrieben. Deutsche Staatsangehörige sind dementsprechend nicht verpflichtet, beim zuständigen Standesamt einen Antrag auf Nachbeurkundung einer im Ausland geschlossenen Ehe im Eheregister (§34 PStG) zu stellen.

Es ist daher möglich, dass jemand - obwohl dies nicht anhand der deutschen Personenstandsregister feststellbar ist - dennoch wirksam verheiratet ist. Eine weitere Eheschließung wäre mit dem Makel der Bigamie behaftet und kann jederzeit - auf Antrag eines der drei Ehegatten oder der zuständigen Verwaltungsbehörde - aufgehoben werden."
-> http://www.konsularinfo.diplo.de/Vertre ... mkeit.html
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon lalala » 05.06.2013, 11:15

liebe louisita, das ist ganz schlimm, was du mit ansehen und durchmachen musst. ich denke, dass es eher kontraproduktiv ist, wenn du weiter an der frau deines vaters rumnörgelst, auch wenn du in der Sache recht hast. vielleicht ist es aber möglich, trotzdem mit deinem vater kontakt zu halten? habt/hattet ihr gemeinsame Aktivitäten, bevor er nach Marokko ging? vielleicht könntet ihr diese wieder aufnehmen? als vater-tochter-ding? es gab mal xxxxx wo jemand Recherchen in Marokko anbot, aber das gibt's glaub ich nicht mehr, vielleicht weiss jemand anders, wie man die Besitzverhältnisse ausfindig machen kann? ich würde halt auch wie die anderen hier raten, dass du für dich rechtliche Beratung in Anspruch nimmst, und dann anschliessen mit deinem vater sprichst, ob vielleicht eine art Erbvertrag oder vorerbbezug oder so möglich wäre. vielleicht ist es auch möglich, dass deine mutter/und/oder du ein lebenslanges wohnrecht in dem haus zugesprochen bekommt?

Bitte keine Links zu Seiten einstellen, die nicht bekannt sind.
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon clarag » 05.06.2013, 11:31

Eine nach Heimartecht im Ausland geschlossene Ehe gilt auch in D als Ehe.

Zur Frage der Registrierung hat Strauss schon auf die richtigen Gesichtspunkte hingewiesen.

Möchte ich aus der Ehe rechtliche Konsequenzen ziehen, wie z.B. steuerrechtliche oder aufenthaltsrechtliche, muß ich "Farbe bekennen" und die Eheschließung "öffentlich" machen.
clarag
 

Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Evelyne » 05.06.2013, 11:57

Möchte ich aus der Ehe rechtliche Konsequenzen ziehen, wie z.B. steuerrechtliche oder aufenthaltsrechtliche, muß ich "Farbe bekennen" und die Eheschließung "öffentlich" machen.
Genau das meinte ich. Ohne Eintragung keine Rechte! Danke Clarag. Wir haben hier ein wenig aneinander vorbei geredet.
Lieben Gruß
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Re: Mein Vater rennt in's Verderben

Beitragvon Efendi II » 05.06.2013, 13:37

Strauss hat geschrieben:Eine weitere Eheschließung wäre mit dem Makel der Bigamie behaftet und kann jederzeit - auf Antrag eines der drei Ehegatten oder der zuständigen Verwaltungsbehörde - aufgehoben werden."

Allerdings sind die Folgen ehelicher Polygamie unter Umständen schützenswert, wenn sie im Ausland rechtmäßig zustande kam.

So entschied das Oberverwaltungsgericht von Rheinland-Pfalz am 12. März 2004 unter dem Aktenzeichen 10 A 11717/03. OVG, dass die Ausländerbehörde der Stadt Ludwigshafen der Zweitfrau eines Irakers, der seit 1996 in der Bundesrepublik lebte, eine Aufenthaltsbefugnis zu erteilen hatte, auch wenn sie sich nicht auf das sog. Ehegattenprivileg berufen kann. Es ist ihr unzumutbar, dass nur sie aus dieser Lebensgemeinschaft herausgelöst würde, während die anderen beiden bleiben dürfen (Revision läuft). Derartige Urteile wurden von Politikern und einigen Medien jedoch heftig kritisiert."
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