Verlorene Kindheit

Gibt es Probleme in der Erziehung? Droht Kindesentzug oder -entführung? Wie kann man sich davor schützen? Hier könnt Ihr Euch austauschen!

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Verlorene Kindheit

Beitragvon Arche Noah » 18.05.2008, 22:18

Die Geschichte von Adel , hatten wir schon im alten Forum stehen.
Ich persönlich bin der Meinung , das sie auch hier ein Platz verdient.

LG
Arche Noah

Verlorene Kindheit

Als Zehnjähriger wurde Adel* vom Vater nach Tunesien entführt, als Erwachsener ist er erstmals wieder in der Schweiz zu Besuch.
Mutter Carol* schwankt zwischen Glücksgefühlen und Trauer.


Aufgewühlt und den Tränen nahe stand Carol vor zwei Wochen am Flughafen Zürich-Kloten.
Mit den Augen suchte sie hinter der Scheibe des Ankunftsterminals die Passagiere der aus Tunesien ankommenden Maschine ab.
Welches der Kinder war nun ihr Sohn Adel?
«Ich hielt nach einem zehnjährigen Jungen Ausschau, instinktiv», sagt sie, «dabei ist aus ihm in der Zwischenzeit ein junger Mann geworden.»

Neun Jahre, neun verzweifelte Jahre lang hatte sie auf diesen Moment gewartet, nachdem ihr Exmann ihre beiden Söhne Adel, damals zehn, und Samir, damals sieben, mit in seine Heimat Tunesien in die Ferien genommen – und nicht mehr zurückgebracht hatte.

Kindsentführung – kein Mensch kann sich vorstellen, welches Drama sich bei den Betroffenen abspielt.
Was hatte sie nicht alles versucht, um die Kinder zurückzubekommen: verzweifeltes Betteln, mehrere Vorstösse vor Gericht in Tunis, mit Unterstützung der Opferhilfe engagierte Anwälte, um wenigstens das Besuchsrecht zu bekommen.

Sie suchte sogar einen Rückentführer, bekam zwei Angebote, liess es dann aber bleiben, weil sie fürchten musste, am Ende weder die Kinder noch das enorme Honorar je wieder zu sehen.

Dreimal war sie nach Tunesien gereist, bezahlte dem Exmann fast unerschwingliche Summen, nur um die Kinder für einige Stunden und unter strenger Aufsicht sehen zu können.
Aber hilflos musste sie mit ansehen, wie diese fremd wurden.

Der Jüngere spricht kein Wort Schweizerdeutsch mehr, kann oder will sich nicht mehr erinnern.
Die Schmerzen sind zu gross.
Jetzt, nach neun Jahren, hat der Vater auf Zureden eines Freundes hin erlaubt, dass wenigstens der Ältere für ein paar Wochen zu seiner Mutter in die Schweiz reisen konnte.

Cool sitzt der heute 19-jährige Adel auf dem Sofa neben seiner Mutter, schüchtern bewundert von seinem sechsjährigen Halbbruder Simon.
Er trägt ein perlmuttfarbenes schimmerndes T-Shirt der tunesischen Nationalmannschaft, strömt die Kraft und die Zuversicht des jungen Helden aus, wortkarg, männlich, und hört doch vorsichtig interessiert zu, wenn seine Mutter ihre Sicht der vergangenen 19 Jahre erzählt.

Jung war sie gewesen, als sie mit Adel schwanger war,
gerade mal 17.

Von zerstrittenen Eltern verlassen war sie einsam in einem Kinderheim aufgewachsen und hatte sich geschworen, selber mal eine grosse Familie zu gründen.
«Ich wollte einen Mann haben, viele Kinder, jedes Jahr eines!»
Das erste kam dann aber so früh, dass sie die Erlaubnis ihrer Eltern gebraucht hätte, um zu heiraten.
Aber die Eltern aufsuchen und demütig betteln?

Im Nachtzug fuhr sie mit ihrem jungen tunesischen Freund Ben und dem Baby im Bauch nach Kopenhagen.
Dort konnten Minderjährige ohne elterliche Zustimmung heiraten.
In der tunesischen Einwandererszene fanden sie zwei Trauzeugen, in der nächsten Nacht fuhren sie zurück. Verheiratet. Das Glück schien gemacht.

Trotzig suchte sie ihre Mutter auf, überraschte sie mit der Nachricht: Ich bin verheiratet, da drin ist mein Baby.
«Die Mutter brauchte einen doppelten Whisky.
Sie war schockiert, ich befriedigt.
Ich wollte tun, was sie nicht wollte.»

Der Fanatismus hält Einzug

Die Ernüchterung kam im verflixten siebten Jahr oder auch früher, so genau will Carol sich gar nicht mehr erinnern.
Inzwischen war sie mit Samir * zum zweiten Mal Mutter geworden.
Aber ihr Mann Ben hatte sich bald nach der Hochzeit radikal verändert.

Er war mit einem Freund ins Wochenende gefahren und völlig verändert nach Hause gekommen, zum strengen Islam bekehrt.
Fortan forderte er von ihr ein Leben in muslimischen Ehrbegriffen.
«Ich musste auf der Strasse lange Kleider tragen, durfte mit den Kindern nicht mehr in die Badi, sollte Kopftuch tragen, durfte kein Schweinefleisch essen.»
Sie hat sich ganz nach ihm gerichtet, alles getan, der Kinder wegen.
Manchmal hat sie sich aber auch heimlich ein wenig aufgelehnt.

«Einmal kaufte ich diese Mini-Pic-Würstchen aus Schweinefleisch.
Die assen wir dann auf dem Heimweg.
Vater durfte nichts davon erfahren.»

Ben war seinerzeit als ungelernter junger Mann aus Tunis in die Schweiz gekommen,
hatte zum Schein eine viel ältere Ungarin geheiratet,
um bleiben zu können, hatte sich zum Betonlaboranten hochgearbeitet und sah in der neuen Heirat die Möglichkeit, endgültig zu bleiben.

Nach der Bekehrung musste er aber seine Seele reinigen und alle Sünden bekennen.
Er erzählte seiner Frau, dass da noch eine andere war, eine Frau als Reserve, falls sie ihn nicht geheiratet hätte.

Für Carol war das «fast ein Todesstoss».
Nun sollte sie also eine ehrbare Muslimin werden.
«Dabei hatte er mich doch als Europäerin kennen gelernt, und ich wollte es bleiben.

Natürlich war ich gern zu Hause bei den Kindern, ich bin noch heute eine Glucke und arbeite begeistert als Tagesmutter, aber ich war ja auch jung und wollte tanzen gehen!
» Am Anfang war es wirtschaftlich eng, und sie musste arbeiten.
Ben beorderte seine Schwester aus Tunesien nach Zürich.
Carol musste mitansehen, wie der kleine Adel eng in Tücher gewickelt wurde, sich nicht mehr bewegen konnte.
Er sollte später einen geraden Rücken bekommen.

Zum endgültigen Bruch war es vermutlich gekommen, als Ben seiner Frau und den Kindern verbot, Weihnachten zu feiern.
Immer kurz vor dem Fest flogen Teller, Möbel gingen in Brüche.

Einmal zersprang dabei eine gläserne Tischplatte, Ben nahm eine Scherbe in die Hand, setzte sie seinem kleinen Buben Adel an die Kehle und schrie: «Wenn du zu Oma zur Weihnachtsfeier gehst, schneide ich dir den Kopf ab.
» Noch heute kann Carol keine Weihnachtslieder singen, es schnürt ihr die Kehle zu.
Sie wollte sich scheiden lassen, hatte aber Angst; auch wegen Kindsentführung.
Mancheiner hätte ihr alles prophezeien können.
Aber wer richtet sich schon nach Ratschlägen, wild und jung, wenn die Liebe alles wegwischt?

Carol, ernüchtert, begann nach einem Ausweg aus der Falle zu suchen, in die sie geraten war.
Die Chance kam, als Ben eine Reise in seine Heimat antrat.
Seine Freunde hatten ihn gewarnt, er würde zu Hause bestimmt als Extremist verdächtigt und ins Gefängnis geworfen.

Und prompt erhielt Carol die Nachricht, ihr Mann sei verhaftet worden, worauf sie sofort die Scheidung einreichte.
Sie wollte dem Albtraum ein Ende setzen.

Doch der begann jetzt erst richtig.
Ben wurde überraschend aus der Haft entlassen, flog nach Zürich.
Carol packte in Panik ihre Koffer und floh mit den Kindern zu Freunden in die Türkei.
Nach 14 Tagen musste sie zurück, versteckte sich bei einer Freundin in deren Einzimmerwohnung.
Der Mann fand sie, tauchte auf und blockierte die Wohnung.

Die beiden Buben wurden zur Sicherheit in ein Kinderheim gewiesen – ausgerechnet in ein Kinderheim, für Carol das Schlimmste.
«Ich durfte sie nur alle 14 Tage besuchen.

Auf der Zugfahrt hin und zurück habe ich nur geweint. Ich hatte mir doch geschworen, meine Kinder müssten nie ins Heim.»

Nach der Scheidung nahm Carol die beiden Kinder wieder zu sich.
Die Behörden hatten das Besuchsrecht des Vaters so eingerichtet, dass er sie regelmässig unter Aufsicht besuchen konnte.
«Aber ich wollte sie ihm ja nicht wegnehmen.

Ich liess zu, dass sie auch mal übers Wochenende bei ihm blieben.
» Was er ihr negativ auslegte, sie wolle bloss das Wochenende frei haben.
Nach gründlicher fünfjähriger Abklärung durch das Jugendamt,
erlaubte das Schweizer Gericht dem Exmann, die Kinder für 14 Tage nach Tunesien mitzunehmen.
Sie sollten dessen Heimat kennen lernen. Carol war hilflos, fühlte sich vom Staat rücklings erstochen.

Vorsichtshalber rief sie beim Arbeitgeber an – Bens Stelle war ungekündigt.
Bei seinem Vermieter – die Wohnung war ungekündigt.
Er schien keine bösen Absichten zu hegen.

Nie wird sie vergesssen, wie ihr Exmann ihre Kinder ins Auto packte, die Scheiben herunterliess, grinste und sagte:
«Also Kinder, nun sagt mal schön tschüss zu eurem Mami»
und wegfuhr.
Tunesien hat das so genannte Hager Abkommen nicht unterzeichnet, das die Rechte der Kinder international regelt.
In Tunesien hat der Vater alle Rechte.

Adel hat die Geschichte seiner Mutter schweigend mitangehört.
Ob er alles verstanden hat?
Neun Jahre hat er nicht mehr Schweizerdeutsch geredet, die Vergangenheit wurde ausgeblendet – auch die Mutter

Erinnert er sich an die Schweiz? «Ja», sagt er, die Strassen hat er erkannt, ein paar Schulfreunde von damals will er besuchen.
Und die neue Familie? Mit den Halbgeschwistern Simon und der zweijährigen Nina spielte er gestern Lego, hat die alte Lego-Polizeistation, die ihm die Mutter seit neun Jahren aufbewahrt, mit ins Spiel eingebaut.

Zu Hause hat er auch zwei neue Halbgeschwister.
Es gehe ihm gut in der Familie.
Der Vater hat wieder geheiratet und im Haus seiner Frau einen kleinen Laden eröffnet.
In drei Wochen will Adel wieder zurück, das Gymnasium anfangen.

Er will Ingenieur werden. Tunesischer Ingenieur. «Ich denke, es geht ihm gut in Tunesien», sagt seine Mutter.
«Er will jedenfalls sein ganzes Sackgeld dazu verwenden, für seine Leute zu Hause Geschenke zu kaufen.»
Sie ist stolz, neben einem so hübschen jungen Mann durch die Läden zu bummeln, auch wenn es doch sehr ungewohnt ist.

Adel selber fühlt sich sichtlich wohl in Carols Familie.
Neugierig schaut er sich die Fotoalben an.
Nur einmal ist er bis jetzt aus seiner jugendlich abgeklärten Haltung herausgefallen und wieder Kind geworden: Damals, bevor sie mit dem Vater nach Tunesien fuhren, übergaben die Buben Carol beim Abschied je ein Stofftier, Samir ein Kamel, Adel einen Maulwurf.
Sie sollte gut auf die beiden aufpassen.
Als nun Adel seinen Maulwurf wiedererkannte, war er sichtlich froh, das Tier heil vorzufinden.

Ob auch Samir eines Tages sein Kamel wiedersehen wird?
Ob er die Mutter besuchen darf – und will?
Aber jetzt geniesst Carol erst mal ihren Ältesten.
Sie will ihren eigenen Vater dazu bringen, ihren Sohn zu empfangen.
Wäre doch schön, wenn der Grossvater seinen Enkel zum ersten Mal sehen würde. Und sich die vielen Risse in dieser Familie endlich schliessen könnten.


Quelle : Kinder ohne Rechte
Zuletzt geändert von Arche Noah am 22.08.2008, 19:33, insgesamt 3-mal geändert.
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Beitragvon Renate » 18.05.2008, 23:27

Ohne Worte!!!!!


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Beitragvon leah_neu » 18.05.2008, 23:36

:cry:
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Beitragvon Tabiba » 21.05.2008, 19:10

Hallo, was ich so erschreckend finde, daß ein Kind, das mit 10 Jahren in ein anderes Land entführt wird, 9 Jahre später so wenig Erinnerungen hat.

Ich lebe jetzt seit fast 10 Jahren intensiv Tag für Tag mit meiner fast 10jährigen Tochter zusammen. Man hat ja irgendwie das Gefühl, daß sie ihre Mutter nun endlich kennt und auch das bisher gelebte Leben.

Es ist ja bekannt, daß das Gedächtnis erst ab 3 Jahren richtig funktioniert, alles was vorher geschehen ist, weiß man (meistens) nicht.

Also meine Tochter hat 2 Jahre in Ägypten gelebt und war knapp 3 Jahre, als sie zurück nach Deutschland kam.
Sie kann sich an das Leben in Ägypten nicht erinnern und kennt es eigentlich nur durch Photos.

Aber wenn ich mir vorstelle, sie würde mit fast 10 entführt und ich sehe sie in 9 Jahren wieder, da erwartet man doch irgendwie mehr.

Aber wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, da ist auch vieles weg,
als Erwachsener bekommt man die Entwicklung der Kinder vom 1. Tag an mit, und kann sich an fast alles erinnern.
Deshalb kann man sich nicht vorstellen, daß ein Kind irgendwann seine Mutter vergessen kann. Meine Tochter kommt mir auch so "erwachsen " vor, wahrscheinlich weil sie keine Geschwister hat und ich auch nie in "Babysprache" mit ihr geredet habe, nur eben ganz normal und sie hat auch ein grßes Allgemeinwissen.
Wir haben so viele gleiche Interessen, lesen die gleichen Bücher (oft), undhaben gleiche Hobbys (Lesen, Malen, Pferde, Katzen).
Vielleicht kommt es auch darauf an, wie eng der Kontakt zum Kind vor der Trennung war, also ich stelle mir so etwas ganz schlimm vor.

Da habe zumindest ich, 10 Jahre vor allem für und mit meiner Tochter gelebt, und dann bin ich für sie fast eine Fremde?

Ich weiß, daß Hülya ähnliches erlebt hat und ihre Beziehung zu ihren Kindern immer noch nicht "normal" ist.

Trotzdem ist es für mich sehr schwer vorstellbar. Ich hoffe ja immer, mit jedem Jahr, daß meine Tochter älter wird, daß sie mich nicht vergessen wird für den Fall, daß sie doch eines Tages entführt wird.

Wer leidet eigentlich mehr , die Kinder oder die Mutter?

Ich habe das Gefühl, daß Kinder am Anfang trauern sich aber dann der
Situation anpassen. Mütter vergessen aber nie.

LG Tabiba
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Beitragvon Amely » 21.05.2008, 19:26

Hallo Tabiba,

ich kann mich an sehr vieles aus der Kindheit von ca. ab 4 Jahre erinnern.
Allerdings braucht das Gedächtnis manchmal auch einen kleinen Schubs,
indem man durch Erzählungen anderer an Erlebnisse und Situationen
erinnert wird, und dann fällt es einem wieder ein.

Gerade bei Kindern, die durch schlimme Erlebnisse z.B. Entführung
sicher einen Schock erleiden,
streikt das Erinnerungsvermögen und muss mühsam evtl. durch Therapie
wieder hervorgeholt werden.

LG
Amely
Liebe Grüße
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Beitragvon Tabiba » 21.05.2008, 20:38

Hallo Amely, ich kann mich auch an vieles erinnern, da helfen auch oft Photos und wie Du gesagt hast, Erzählungen von den Angehörigen.

Aber das sind immer nur Bruchstücke, manche Dinge weiß man noch genau, hat die Bilder noch genau im Kopf. Das sind aber immer nur betimmte Ereignisse.

Ich wundere mich oft, wenn Leute (ob berühmt oder nicht) ihre Biographie schreiben, und sich an komplette Tagesabläufe, Gespräche und Ereignisse erinnern. Da hat man oft den Eindruck, als würden sie sich an jeden Tag genau erinnern. Dann denke ich oft : Mein Gott, hast Du ein schlechtes
Langzeitgedächtnis.
So ganz glauben kann ich solche Geschichten nicht, da ist sicher vieles dazugedichtet und viele Informationen stammen von Freunden, Eltern und Bekannten.

Ich habe mir immer wieder vorgenommen, Tagebuch zu führen, schaffe es aber nie.

Aber später, wenn ich an Alzheimer erkranke, dann kommen alle Erinnerungen an früher wieder :lol:

LG Tabiba
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Beitragvon Amely » 21.05.2008, 20:47

Tabiba hat geschrieben:Aber später, wenn ich an Alzheimer erkranke, dann kommen alle Erinnerungen an früher wieder :lol:

LG Tabiba


Ja, und lernst jeden Tag neue Leute kennen :lol:

Na ja, bei den Memoaren von Prominenten kommt viel Dichtung und
Wahrheit zusammen. Muss ja interessant klingen, sonst kauft es ja
keiner.

LG
Amely
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Amnesie durch Trauma/ta

Beitragvon brighterstar007 » 02.12.2008, 16:58

Ihr Lieben,

vielleicht ist es euch nicht bewusst, aber man/frau kann kompette/bruchstückhafte
Gedächtnislücken - bei schwerer chronischer frühkindlicher Traumatisierung sogar in Einzelfällen viele Jahre umfassend, haben.
Dies dient dem Überleben.

Liebe Grüße

Brighterstar
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Beitragvon Frei » 02.12.2008, 18:12

:cry: :cry: :cry:

Es schmerz das Herz.

Es tut mir sehr leid, und ehrlich gesagt, möchte diesen Mann einen Fusstritt geben.

Mit den Erinnerungen des Kinds/Menschens: vielleicht ist es ein Fall von "umbewusstem Vergessen".

Wenn die Erinnerung von etwas zu viel schmerzt, dann vergiss man es.

[Ich kann mich immer nicht vorstellen, wie es möglich ist, die Kinder von der eigenen Mutter zu entführen. Man muss wirklich ein Monster sein, um so etwas zu machen]

Ich wünsche Freude zu Carol, und zu ihren Kindern (Menschen)!

:) :) :)
Frei
 
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Antwort an Frei

Beitragvon brighterstar007 » 04.12.2008, 14:27

Liebe Frei,

leider gibt es so etwas wie "unbewusstes Vergessen" nicht oder nur im Märchen.
Jede Lebenserfahrung, sei sie "gut" oder "schlecht" (sprich: traumatisch ) wird im Nervensystem des Körpers gespeichert. Deshalb haben ja manche schwer traumatisierten Menschen nach Jahren oder Jahrzehnten
durch einen Auslöser (trigger) plötzlich überflutende schmerzhafte
Erinnerungen/flasbacks.

Liebe Grüße

Brighterstar
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Beitragvon Frei » 04.12.2008, 18:30

Liebe BrightStar, ich bin dafür, das alles gespeichert ist.

Auf jeden Fall braucht man eine wahre Therapie, um alles in bewusster Weise zu erinnern.

Dafür sage ich, dass das Kind alles vergessen gemusst hat. [Die Trennung mit der (geliebte) Mutter war unerträglich]
Frei
 
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Re: Verlorene Kindheit

Beitragvon leah_neu » 30.12.2009, 20:37

Nach gründlicher fünfjähriger Abklärung durch das Jugendamt,
erlaubte das Schweizer Gericht dem Exmann, die Kinder für 14 Tage nach Tunesien mitzunehmen.
Sie sollten dessen Heimat kennen lernen. Carol war hilflos, fühlte sich vom Staat rücklings erstochen.


Ich frage mich, ob so eine Entmündigung rechtens sein kann, und ob die Mutter und ihre Söhne nicht wenigstens Anspruch auf Schmerzensgeld gegenüber dem Jugendamt haben. Ich habe vor diesem Moment so eine unbeschreibliche Angst.

Wie ist denn das rechtlich? Warum muss ich zustimmen, meine Kinder in ein Land zu geben, in dem ich sämtliche Rechte verliere. Ich verstehe das nicht :cry:
Herzliche Grüße
von Leah
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Re: Verlorene Kindheit

Beitragvon Moppel » 30.12.2009, 21:39

Hallo (Zitat gekürzt)
Nach gründlicher fünfjähriger Abklärung durch das Jugendamt,
erlaubte das Schweizer Gericht dem Exmann, die Kinder für 14 Tage nach Tunesien mitzunehmen.
Sie sollten dessen Heimat kennen lernen. Carol war hilflos, fühlte sich vom Staat rücklings erstochen.


Ich frage mich, ob so eine Entmündigung rechtens sein kann, und ob die Mutter und ihre Söhne nicht wenigstens Anspruch auf Schmerzensgeld gegenüber dem Jugendamt haben. Ich habe vor diesem Moment so eine unbeschreibliche Angst.

Es ist keine Entmündigung, sondern angewandtes Sorgerecht.
Bei gemeinsamen Sorgerecht, hat eben auch der Vater das Recht die Kleinen seiner Familie zu "zeigen", auch wenn das im Einzelfall sehr heikel werden kann.

Wie ist denn das rechtlich? Warum muss ich zustimmen, meine Kinder in ein Land zu geben, in dem ich sämtliche Rechte verliere. Ich verstehe das nicht :cry:

Ich bin mir gar nicht sicher ob Frau dem zustimmen muss, egal wie viel Druck von Seiten des Jugendamtes kommt. Erschwerend ist, das das Jugendamt in solchen Fällen MEISTENS den Vater unterstützt, obwohl es neutral bleiben sollte. Es ist darin begründet das das Amt den Vorwurf des Rassismus auf jeden Fall vermeiden will, was dann natürlich zu Lasten der Mutter geht.
Btw.
IMHO
Die Jugendämter sind bei binationalen Ehen für die Belange der Mutter schlicht nutzlos, da sie so gut wie keine Möglichkeit haben den ausländischen Elternteil bei einem Verstoss gegen die Auflagen zu belangen. Im Gegenzug kann aber der ausländische Elternteil das Jugendamt sehr effizient gegen die meist einheimische Mutter einsetzen.
Gruss
Rene
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Re: Verlorene Kindheit

Beitragvon leah_neu » 30.12.2009, 21:55

Es ist keine Entmündigung, sondern angewandtes Sorgerecht.
Das ist in meinen Augen absurd, denn somit hebelt das Gesetz sich ja selbst aus :?

Die Jugendämter sind bei binationalen Ehen für die Belange der Mutter schlicht nutzlos, da sie so gut wie keine Möglichkeit haben den ausländischen Elternteil bei einem Verstoss gegen die Auflagen zu belangen. Im Gegenzug kann aber der ausländische Elternteil das Jugendamt sehr effizient gegen die meist einheimische Mutter einsetzen.

Das verstehe ich nicht. Wie meinst du das? Das Jugendamt kann doch weder den einen noch den anderen belangen, höchstens Empfehlungen für einen Richter aussprechen, oder irre ich mich da?
Herzliche Grüße
von Leah
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