Auf der Straße angesprochen worden, seitdem ungutes Gefühl

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Auf der Straße angesprochen worden, seitdem ungutes Gefühl

Beitragvon Sonnenklar » 28.10.2017, 00:05

Liebe Forumsmitglieder,

ich hatte heute ein Erlebnis, das mich beschäftigt und von dem ich euch gerne berichten möchte. Als ich heute auf dem Weg nach Hause war, sprach mich ein jüngerer Mann auf Englisch an und fragte mich nach dem Weg. Ich erklärte es ihm und er fing ein Gespräch mit mir an. Er sei Inder und sei hier in Deutschland, weil er Deutsch lernen wolle. Er habe ein Touristenvisum für drei Monate und wohne bei einer Gastfamilie. Sehr gerne würde er in Deutschland arbeiten, aber er kenne sich überhaupt nicht aus, wohin er sich wenden solle und er habe hier überhaupt keine Kontakte. Ich ging ein Stück des Weges mit ihm und sagte ihm, wo er abbiegen muss. Er lief aber weiter mit mir geradeaus mit und fragte mich über persönliche Dinge aus, was ich für einen Beruf habe, ob ich verheiratet sei, wo genau ich wohne, wie alt ich sei. Ich habe nicht auf alles geantwortet, aber gesagt, dass ich allein lebe und auch die ungefähre Gegend genannt. Angeblich hat er studiert, einen "Master of Business" erworben, wolle aber hier als Yogalehrer arbeiten. Die Adresse, die er suchte, war ein Yoga-Institut. Es lief dann darauf hinaus, dass ich ihm meine private E-Mail-Adresse gegeben habe. Er tat unglaublich verzweifelt, er bräuchte so dringend Unterstützung, um eine Arbeit in Deutschland zu finden und hier bleiben zu können. Ich befürchtete, dass er bis zu meiner Wohnung mitkommt, aber zum Glück bog er dann doch ab in die Richtung zu diesem Yoga-Institut. Ich bin dann schnell mit meinem Fahrrad davongefahren. Da er zu Fuß unterwegs war, halte ich es für unwahrscheinlich, dass er mir gefolgt sein kann.

Erst im Nachhinein wurde es mir bewusst, wie blöd ich wieder mal war. Der hat mich doch nach Strich und Faden verarscht. Wenn er tatsächlich Akademiker wäre, wüsste er doch selbst, wie die Voraussetzungen für ein Arbeitsvisum sind. Kontakte finden kann er doch über seine Gastfamilie oder den Sprachkurs, zumal hier in der Großstadt. Und die ganzen persönlichen Fragen, das ist doch einfach nur dreist und aufdringlich. Ich habe so ein ungutes Gefühl, wenn ich daran denke, dass mich dieser Typ anschreiben wird. Ich werde einfach nicht darauf reagieren. Er kennt zum Glück nur meinen Vornamen. Was meint ihr dazu?
Sonnenklar
 
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Re: Auf der Straße angesprochen worden, seitdem ungutes Gefü

Beitragvon Nilka » 28.10.2017, 00:17

Hallo Sonnenklar,

Du sollst genau das tun, was du in dem letztem Absatz geschrieben hast!
Wenn du eine oder 1000 Mail bekommst nicht beantworten!
Wenn er dich irgendwo abpasst alle Versuche dich in ein Gespräch zu verwickeln abblocken.
Es ist Zeit "Unhöfligkeit" in Deutschland zu üben und auszuüben, um eigene Haut zu retten!
LG ♥ Nilka
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Re: Auf der Straße angesprochen worden, seitdem ungutes Gefü

Beitragvon Laura Marie » 28.10.2017, 01:45

Hallo Sonnenklar,

Du hast es sonnen klar erkannt: :D
Der hat mich doch nach Strich und Faden verarscht. Wenn er tatsächlich Akademiker wäre, wüsste er doch selbst, wie die Voraussetzungen für ein Arbeitsvisum sind. Kontakte finden kann er doch über seine Gastfamilie oder den Sprachkurs, zumal hier in der Großstadt. Und die ganzen persönlichen Fragen, das ist doch einfach nur dreist und aufdringlich. Ich habe so ein ungutes Gefühl, wenn ich daran denke, dass mich dieser Typ anschreiben wird. Ich werde einfach nicht darauf reagieren. Er kennt zum Glück nur meinen Vornamen. Was meint ihr dazu?


Du hast alles richtig erkannt, schütze Dich und mute ihm die wohlverdiente Ablehnung zu wie @Nilka auch schrieb.

LG Laura
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Re: Auf der Straße angesprochen worden, seitdem ungutes Gefü

Beitragvon Anaba » 28.10.2017, 07:06

Liebe Sonnenklar,

wie Nilka bereits geschrieben hat, es wird Zeit, dass wir lernen Klartext zu reden.
Dazu gehört natürlich auch einem Wildfremden keine privaten Fragen zu beantworten.
Da steht uns leider unsere Erziehung im Weg.
Wir müssen lernen uns zu schützen und unsere eigene Haut zu retten.
Für dich heißt das, jeden weiteren Kontakt vermeiden.
Sollte er dich anschreiben, nicht zu antworten.
Dann gibt er hoffentlich von selbst auf.
Liebe Grüße
Anaba

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Re: Auf der Straße angesprochen worden, seitdem ungutes Gefü

Beitragvon gadi » 28.10.2017, 09:56

Hallo Sonnenklar,

du warst eben überrumpelt. Aber jetzt bist du besser vorbereitet. Beantworte auf keinen Fall irgendwelche E-Mails von ihm. Wäre ich an deiner Stelle und käme wirklich in die Situation, dass ich ihm nochmals begegne und er mich anspricht, würde ich mir folgenden Satz zurechtlegen "Bitte fragen Sie doch einen Mann."
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Re: Auf der Straße angesprochen worden, seitdem ungutes Gefü

Beitragvon Julija » 28.10.2017, 10:52

Hallo sonnenklar,

ich habe etwas sehr ähnliches erlebt. Auch ein Inder, der fast genau die gleichen Fragen stellte. Nur ein Unterschied: Angeblich arbeitet er schon hier, als Betriebsleiter bei einem Telefonanbieter. "Betriebsleiter" war auch das einzige deutsche Wort, was er konnte.

Wir müssen da einfach Unhöflichkeit und Abweisung lernen und uns vor Augen führen, dass das, was wir als unhöflich empfinden, in anderen Kulturkreisen völlig normal ist. Es ist die erwartete Haltung. Das ist zwar sehr schade, weil ich eine offene, freundliche und hilfsbereite Gesellschaft sehr schätze, aber es geht nun mal nicht anders. Die Menschen versuchen alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Da muss einfach differenziert werden, was total schwer ist. Nicht jeder, der nach Hilfe fragt, braucht auch wirklich Hilfe.

Mach es wie empfohlen und antworte auf keine Mail.

Übrigens wurde ich am Ende noch zum Essen mit seiner Ehefrau und seinen drei Kindern eingeladen. Die würden sich sehr freuen, "to make friends with you" :roll:

Liebe Grüße, Julija
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Re: Auf der Straße angesprochen worden, seitdem ungutes Gefü

Beitragvon leva » 28.10.2017, 19:20

Es ist nicht "unhoeflich" einer Person ,die einen auf der Strasse anquatscht persoenliche Fragen nicht zu beantworten.Die wollen evtl abchecken wie du drauf bist! Macht euch stark u geht auf nix ein,bei so einer ueblen Ausfragerei.
Das ist common sense! Wuerde doch auch keine von einen Deutschen hinnehmen.

Als Gegenfrage koennten Betroffene sagen: Warum willst du das wissen? Das geht dich nix an!!

In anderen Kulturkreisen ist es auch nicht normal das Maenner auf der Strasse Frauen anquatschen u verfolgen.
Den Inder moechte ich sehen ,der das Benehmen wenn es seine Schwester waere durchgehen lassen wuerde. :!:
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Re: Auf der Straße angesprochen worden, seitdem ungutes Gefü

Beitragvon happy mind » 28.10.2017, 23:02

leva hat geschrieben:Es ist nicht "unhoeflich" einer Person ,die einen auf der Strasse anquatscht persoenliche Fragen nicht zu beantworten.Die wollen evtl abchecken wie du drauf bist! Macht euch stark u geht auf nix ein,bei so einer ueblen Ausfragerei.
Das ist common sense! Wuerde doch auch keine von einen Deutschen hinnehmen.

In anderen Kulturkreisen ist es auch nicht normal das Maenner auf der Strasse Frauen anquatschen u verfolgen.
Den Inder moechte ich sehen ,der das Benehmen wenn es seine Schwester waere durchgehen lassen wuerde. :!:


Na, das denke ich ebenso.

Es war höflich den Weg zu erklären. Damit war Hilfe geleistet und die Geschichte zu Ende.
Ich verstehe nicht aus welchem Grunde man/ frau sich da überrumpeln lässt und sich zum willenlosen Objekt degradiert.
Was soll man denn sonst noch dazu meinen?
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Re: Auf der Straße angesprochen worden, seitdem ungutes Gefü

Beitragvon chui » 29.10.2017, 06:41

In seiner Heimat werden Fremden gegenueber private Fragen auch nicht beantwortet , dass waere unverschaemt und man wuerde sich umdrehen gehen und den Fremden einfach ignorieren . Sein Verhalten zeigt doch deutlich was er wirklich will .
In vielen afrikanischen Laendern werden persoenliche Fragen ignoriert und man macht sich damit unbeliebt . Wieso ist man in Europa so auskunftsfreudig da koennte man doch gleich eine Visitenkarte drucken lassen auf der neben den persoenlichen Daten auch gleich die Wegbeschreibung gedruckt ist .
Diese auskunftsfreudigkeit kann auch gefaehrlich werden . Neben Stalking und Einbrueche gibt es auch noch anderes .

LG chui
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Re: Auf der Straße angesprochen worden, seitdem ungutes Gefü

Beitragvon Efendi II » 29.10.2017, 16:54

chui hat geschrieben:Wieso ist man in Europa so auskunftsfreudig da koennte man doch gleich eine Visitenkarte drucken lassen auf der neben den persoenlichen Daten auch gleich die Wegbeschreibung gedruckt ist .

Ich verstehe nicht, wie man sich auf eine so primitive Anmache überhaupt einlassen kann. Wenn mich jemand nach dem Weg fragt, dann erkläre ich es ihm so gut ich kann, aber ich erzähle ihm doch nicht wie ich heiße, wo ich wohne oder andere private Angelegenheiten.
Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Immanuel Kant)
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Re: Auf der Straße angesprochen worden, seitdem ungutes Gefü

Beitragvon Sonnenklar » 30.10.2017, 00:21

Ich danke euch für eure Antworten. Es ist nicht so, dass ich mich zu einem willenlosen Objekt habe degradieren lassen. Ich war einfach so überrumpelt. Man denkt sich doch nichts Schlimmes, möchte in dem Moment einfach nur weiterhelfen. Ich frage mich, was in den Köpfen solcher Männer vorgeht. Das sagt einem doch der gesunde Menschenverstand und ein natürliches Taktgefühl, dass man eine wildfremde Frau nicht nach derart persönlichen Sachen ausfragt. So etwas würde doch ein einheimischer bzw. westeuropäischer Mann niemals machen, es sei denn, er ist psychisch gestört.

Ich weiß nicht, warum ich nicht einfach wortlos mit meinem Fahrrad davongefahren bin. Es liegt wohl daran, dass ich freundlich und hilfsbereit sein wollte. Wie ihr ja auch geschrieben habt, wir sind einfach zu nett und das wird ausgenutzt. Im Nachhinein denke ich außerdem, dass der Typ gar nicht auf der Suche nach dem richtigen Weg war, sondern das war nur ein Vorwand, um mich anzuquatschen und mein Mitleid zu wecken. Immerhin hat er mich ja dazu gebracht, meine Email-Adresse herauszugeben. Ich vermute, ein abgelehnter Asylbewerber, der alle Register zieht, um der Beendigung seines Aufenthalts zu entgehen. Als er einfach mit mir mitgelaufen ist, fühlte ich mich schrecklich, weil ich Angst hatte, der weicht mir nicht mehr von der Seite, bis ich bei meiner Wohnung angelangt bin. Ich wohne alleine, leider auch noch im Erdgeschoss und fühle mich dadurch besonders verletzlich. Ich möchte anderen Menschen freundlich und aufgeschlossen begegnen, nicht voller Misstrauen. Daher war das für mich wie eine Ohrfeige.
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Re: Auf der Straße angesprochen worden, seitdem ungutes Gefü

Beitragvon Nilka » 30.10.2017, 00:56

Ja ich verstehe, was du meinst. Man nicht seine "Unschuld" - Unbefangenheit, Höflichkeit, Hilfbereitschaft nicht verlieren. In jetziger Situation muss man aber lernen abweisender und zugeknöpfter zu sein. Das macht keinen Spaß aber was soll man sonst machen. Es ist eine Form der Selbstverteidigung in diesen rauen Zeiten.

Ich hatte schon vor Jahren "Begegnungen" (zwar nicht mit Indern) mit Schwarzafrikanern in Düsseldorf. Einmal hat sich einer im Bus zu mir gesetzt und die ganze Zeit auf mich eingeredet. Er hat mir auch erzählt, dass er verheiratet ist ( in Deutschland) und trotzdem machte er Versuche Die "Bekannschaft" zu vertiefen. Ich habe überhaupt nicht verstanden, was er will, war aber zu höflich ihm zu sagen, dass er sich zum Teufel scheren soll. Mir ist gelungen ihn los zu werden, aber er hat nicht dazu beigetragen, dass ich Seinesgleichen mit Wohlwollen begegnet bin. Anscheinend baggern sie alles an, was nicht auf drei auf Bäumen ist, um im Falle eines Falles einen Vorrat an Helferinnen zu haben.
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Re: Auf der Straße angesprochen worden, seitdem ungutes Gefü

Beitragvon Thelmalouis » 30.10.2017, 09:08

Hallo Sonnenklar,

ich kann verstehen, dass dich diese Situation im Nachhinein belastet.
Du warst überrumpelt bzw. hast dich überrumpeln lassen.
Diese Tatsache regt dich evtl. mehr auf, weil der Typ da in dem Moment in gewisser Weise eine Macht über dich hatte.

Sehs mal so, du hast daraus gelernt und das nächste Mal passiert dir sowas nicht mehr.
Soll noch einmal so einer daherkommen und dich vollsülzen wollen, aber dann. ..8)
Gruß Thelmalouis

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