Kennenlernen im Internet

Das Internet bietet über die vielen messanger wie: Pal-Talk - ICQ - MSN - Yahoo & Skype - die idealen Plattformen für Beznesser? Hier könnt ihr Euch informieren und austauschen.

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Kennenlernen im Internet

Beitragvon Zwoelfe » 18.06.2014, 09:20

Wenn ich mir hier so die Geschichten zu Kennenlernen im Internet durchlese , fühle ich mich gradezu verpflichtet , zu erzählen , wie es laufen müßte , um Aussicht auf Erfolg zu haben , denn auch ich habe meiner Mann – allerdings meinen deutscher beamtischer Ehemann nach den beiden „Ausländererehen“ – im Internet , genauer : auf einer Chatplattform!
kennen gerlernt .

Zufälligerweise waren zu dem Zeitpunkt zwei weitere Frauen in dem Chat , die IHN auch grade kennen gelernt hatten - eine wohnte nur 10 km von mir entfernt und wir trafen uns real . Meine Fastnachbarin wohnte 400 km von dem Ihren entfernt , bei mmchen waren es 800 km und bei mir 250 km . Wie schwer eine Fernbeziehung bei so großer Distanz wie schon 800 km sein kann , haben wir bei mmchen gesehen ... wie das laufen soll für ein wirkliches Kennenlernen bei tausenden km Entfernung , ist mir ehrlich gesagt , schleierhaft , weil man da den Alltag schlecht rein bekommt .

Genau um den geht es aber im Leben : um den Alltag . Wie wird er aussehen , der zukünftige gemeinsame Alltag ? und kann das Internet überhaupt dazu beitragen , einen Alltag herauszuarbeiten ? Meiner Meinung nach : ja - als Vorspann der Geschichte .

So war es bei mmchen , bei der Nachbarin und bei mir . Zunächst wurde gechattet und weder bei uns noch bei den anderen beiden Paaren wurde seitenlang romantisch gefaselt . Das gabs zwar auch mal , war aber nicht der Dreh- und Angelpunkt der Gespräche . Sich wirklich mit dem Alltag des anderen auseinandersetzen kann zwar mal die Formel : das tut mir so leid für Dich! beinhalten , kommt aber nicht automatisch als Standartantwort . Es werden konkrete Lösungen für anstehende Probleme gesucht und beide bemühen sich darum .

Die Nachbarin hatte ein Kind , der Zukünftige hatte zwei . Beide waren geschieden und ihnen ging es um die Alltagbeziehung als Patchworkfamilie . Wie wollen wir das gestalten und vor allen : wie werden sich die Kinder verstehen ? Also gab es zur ersten Begegnung die Kinder , ein ganzes Wochenende lang mit Haushalt und einkaufen - nix mit romantischen Wochenende ... das haben sie beim zweiten Treffen nachgeholt . Beide wollten sich in völlig verschiedenen Bereichen selbstständig machen und das ist ihnen , allen Anfangsschwierigkeiten zum Trotz , auch gelungen .

mmchen hatte eine schulpflichtige Tochter und ein Haus , das nicht so ohne weiteres verkauft werden konnte . Sie stellte die Bedürfnisse ihrer Tochter vor allen anderen . Er war Beamter und konnte nur seine Versetzung beantragen oder kündigen - kündigen kam nicht in Frage . Außerdem gab es einen pflegebedürftigen Vater , der betreut werden mußte . So konnten sie hin und wieder eine Woche oder den Jahresurlaub miteinander verbringen und das auch im Alltagmodus : er versorgte das Kind mit und kümmerte sich um Haus und Hof und wenn sie bei ihn war , betreute sie den Vater mit -um ihn zu entlasten . Sie nahmen nie zusammen Urlaub oder fuhren in Urlaub . Nach drei Jahren konnte er endlich zu ihr , der Vater war verstorben und die Versetzung klappte nun , da in seinem Bereich ein Platz frei wurde . Die beiden Pärchen sind heute noch glücklich verheiratet .

Aber ich bleibe mal bei meinem Mann und mir . Nach diesem Kennelnernchat verabredeten erst am Abend , dann "zum Frühstück" zum chatten .. und da wir beide oft die selben "bekloppten" Ideen" hatten , saß dann jeder morgens mit seinem Frühstücksteller am PC - ohne Absprache - schließlich war man ja zum Frühstück verabredet . So kamen wir dahinter , dass beide Rosinenbrot mit Teewurst gut finden oder alten Gouda mit Erdbeermarmelade ... Tilsiter mit Kirschmarmelade geht auch . Zummindest , was den Essensgeschmack angeht , gab es keine Differenzen ... und Schweinefleich aßen wir beide gern ... überhaupt die friesieche Küche rauf und runter ... Wie wichtig solche Übereinstimmungen sind , wußte ich durch meine "Auslandserfahrunge" . Auch im Chat hatten wir ein Alltagleben, das besprochen worde . Er sollte zur Reha und hätte am liebsten die Einrichtung genommen , die bei mir um die Ecke war - allerdings war die für sein Krankheitsbild schlecht gerüstet und ich habe ihm was passendes ausgesucht . Bei mir stand die Arbeitsaufnahme an und er hat sich arbeitsrechtlich erleuchtet , wie das am sozial verträglichsten für mich hin zu kriegen ist ... er überzeugte mich , einen Behindertenausweis zu beantragen , was ich vorher so nie gewollt hatte .

Allen drei Paaren ist gemein , dass sie gegenseitig etwas für sich tun - jemanden nach Deutschland zu holen ist eher einseitig bei Bezzie , wenn nicht Du , dann eine andere ...

Abgesehen davon bei 250 km oder 400 km , selbst bei 800 km ist es viel eher möglich , sich öfter zu besuchen , sich zu sehen und ein Alltagsleben aufzubauen . Das ist auch mit zwei , drei , vier jährlichen Urlauben nicht möglich - auch wenn es kein Bezness sein sollte . Wenn das Pärchen norddeutsche Tundra - bayrischer Wald mit 800 km schon Schwierigkeiten mit der Alltagsfindung hat ... wie soll das dann erst für einen Mann aus einer richtig fremden Kultur sein . Der Mann aus der norddeutschen Tundra gab ehrlich zu , das für ihn der bayrische Wald gewöhnungsbedürftig war . Aber mmchen hätte nie einfach so ihr Haus verkauft ... und er hätte alles getan , damit sie das nicht tut .

Ich denke , das ist wichtig : nicht im Überschwang der Gefühle sich zu „Taten“ verleiten zu lassen oder gar zu fordern Und wenn der Eine grade sie Kontrolle verlieren sollte , steuert der Andere dagegen – zurück zur Vernunft – egal , wie sehr das mit einem einseitigen Verzicht zusammen hängt . Für den Tundraner wäre es einfacher gerwesen , sie verkauft ihr Haus – dann wären sie schon nach einem Jahr zusammen gewesen … mir fiel es auch schwer , mich für eine andere Kureinrichtung stark zu machen , die gut für seine Gesundheit war , aber sehr weit weg von mir . .

Selbst wenn er kein Beznesser sein sollte , wird der Alltag in Deutschland das Maß sein , an dem die Beziehung gemessen wird . Zweimal 14 Tage Urlaub im Jahr ist nichts - auch nicht mit täglich chatten - um auch nur ansatzweise einen Vorgeschmack auf den Alltag zu bekommen ... selbst der norddeutsche Tundraner hat geschluckt im bayrischem Wald ... und der war wochenlang da - er Urlaub , sie gearbeitet - also für ihn gelebter Alltag mit Kind , Essen kochen , einkaufen , sauber machen ... und platt snakt da auch keiner ...

Aus dem Eingangsposting an dem Tag ergab sich folgende Austauch :

FrauB. hat geschrieben:"Dort drüben" wird Verliebtheit als Krankheit bezeichnet, die es zu überwinden gilt und der man unter keinen Umständen nachgehen darf.
All die Nebenerscheinungen, die in Europa liebevoll als rosa Wolke, rosa Brille bekannt sind, sind in islamischen Ländern als eine geistige Unzurechnungsfähigkeit bekannt. Kinder und Jugendliche werden davor gewarnt - und erleben an anderen und an sich selbst, dass diese Warnung berechtigt ist, denn Verliebte ticken ja tatsächlich nicht richtig...
Niemand schmunzelt dort darüber oder begegnet dem "Kranken" rücksichts- und verständnisvoll.

Verliebtheit ist in islamischen Ländern ein durchweg negativer Zustand!

Man lacht sich kaputt über europäische Frauen, die zu "blöd" sind, zu kapieren, dass sie da gerade lediglich temporär in einem Rausch festhängen, der krank und wertlos ist.


Zwoelfe hat geschrieben:Hier herrschte auch mal der Grundsatz , dass eine ordentliche Ausbildung gemacht wird , die ernähren kann - und keine brotlose Kunst . Verliebtheit ist absolut keine Grundlage für eine lebenslange Ehe . Selbstbeherrschung auch in dieser Hinsicht war ein großes Gut , selbst Sexualität war zweitrangig , Das alles ginge vorbei , sagten die Älteren - was bleibt , ist das tägliche Leben und das meistern desselben durch die eheliche Gemeinschaft . Hatten sie etwa recht ? Ebenso wie mit der Aussage , das die Liebe in der Ehe kommt ? Viele alte Frauen erzählten mir im Interview, das sie ihn zunächst meist gar nicht richtig kannten , aber später tiefe Liebe füreinander empfanden ...

Jetzt , knapp 50 Jahre später , scheint es nur noch die Verliebtheit als Ehegrundlage zu geben ... was , wenn die Verliebtheit weg ist ? Und natürlich war diese "Krankheit" schon früher bekannt , denn eine junge Witwe mußte schnell wieder verheiratet werden , damit "keine Unruhe" in der Gemeinde ausbrach . Und dieses Verliebtsein wurde auch als Geisteskrankheit gewertet oder - viel schlimmer - als Hexerei . Wenn der ältere Mann mit einem Mal nur noch die junge Witwe im Kopf hat , Frau und Kind dafür verlassen will ... seine Pflichten nicht mehr wahrnehmen will ... sich der Gemeinde entzieht ...

Genau das wurde früher der Verliebtheit zum Vorwurf gemacht : wer verliebt ist , sondert sich vom Tagesgeschehen ab , will nicht mehr in der Gemeinschaft mitarbeiten , hat den Wunsch , allein mit dem "Liebesobjekt" zu sein - was in einer Gemeinschaft , die jeden einzelnen zum Überleben braucht , kontraproduktiv ist .

Bekannt ist dieses Phänomen der Verliebtheit weltweit sonst gäbe es ja all die Poesie nicht . Mit Verachtung aber muß in den allermeisten Kukturen gerechnet werden , wenn das Leben auf so einem flüchtigen Gefühl aufbaut werden soll .

Sind hier einfach nur viele verliebte Frauen oder hat sich das Verliebsein als Lebensgrundlage durchgesetzt - wenn ja , wo ist das alte Wissen gebleiben ?


We hat Erfahrungen mit Bekanntschaften im Netz oder mit eine Eheanbahnung ? Vielleicht sogar nicht nur mit Deutschen , sondern auch mit Männern aus sehr fremden Kulturen ? Und kann uns jemand erzählen , ob so etwas gut gehen kann ? Wie müßte ein Chat sein , der Rückschlüsse auf Unehrlichkeit deutscher oder auch der sehr fremden Männer zuläßt ?

Vielleicht gelingt es uns , etwas zu diesem Thema zusammen zu tragen … Schwerpunkt : weg vom Liebesgesülze , hin zum deutschen Alltag … denn genau den werdet Ihr haben , wenn ER hier ist .

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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon Martinak » 18.06.2014, 10:04

Meinen Mann (deutsch) habe ich auch aus dem Internet, von einer Plattform die zum neue Leute treffen gedacht war/ist.
Dort habe ich von ihm eine Nachricht erhalten, weil ich sie ganz ok fand habe ich darauf geantwortet und ca 1-2 Wochen regelmässig mit ihm geschrieben.
Er kam aus dem Nachbaro´rt und wir fahren beide Motorrad.
Nach 2 Wochen wollte ich mit Bekannten zum Pizza essen fahren, mein Auto war total eingeschneit, also hab ich ihn gefragt ob er nicht mit will,
er könne mich ja abholen. Tja und was war, ich mach die Tür auf und denke, Ja den will ich.
Der Abend war supernett wir waren ca 15 Personen. Am nächsten Tag kam er abends zu mir und ab da waren wir eigentlich immer zusammen, das
war im Februar 2005. Im Mai 2005 hatte ich dann gleich eine große OP bei der ich nach der OP viel Hilfe beim waschen und anziehen benötigt habe, das
war alles kein Problem für ihn, seitdem hatte ich noch 12 weiter OP´s und andere gesundheitliche Probleme die zum Teil dauerhaft sind, hab abgenommen und zugenommen
aber das ist ihm alles egal er liebt mich als Person, nicht die Hülle. Im Mai 2006 haben wir dann geheiratet.
Er akzeptiert mich wie ich bin, ich ihn selbstverständlich auch.
Mit einem Partner aus einem anderen Kulturkreis könnte ich mir das nicht vorstellen, das ich weiterhin so sein könnte/dürfte wie ich bin mit allen Macken und Spleens.
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon Zwoelfe » 18.06.2014, 11:21

Martinak hat geschrieben:Meinen Mann (deutsch) habe ich auch aus dem Internet, von einer Plattform die zum neue Leute treffen gedacht war/ist.
Dort habe ich von ihm eine Nachricht erhalten, weil ich sie ganz ok fand habe ich darauf geantwortet und ca 1-2 Wochen regelmässig mit ihm geschrieben.
Er kam aus dem Nachbaro´rt und wir fahren beide Motorrad.


Dann war auch hier entscheidend , dass Ihr die Gelegenheit hattet , Euch relativ schnell persönlich kennen zu lernen und Gemeinsamkeiten nicht nur zu haben , sondern auch gemeinsam ausleben zu können ?

Mir steht gar nicht mal so sehr die fremde Kultur als Störfaktor im Vordergrund , sondern die Tatsache , dass bei diesen sehr weiten Entfernungen kein Alltag gelebt werden kann . Wie sich diese fremde Kultur auswirkt , kann man eben nur ergründen , in dem in dem anderen Land ein Alltag gelebt wird . Selbstverständlich können Jahresurlaube auch bei ihm verbracht werden und frau geht dort einkaufen , wäscht Wäsche , kocht essen - ihn hierher zu holen ohne Heirat ist beinahe unmöglich . Und wenn die Ehe in Deutschland gelebt werden soll , ist so ein Alltagleben im Urlaub in seiner Heimat meiner Meinung nach keine zielführende Option .

Was ich gerne ergründen würde ist , warum so viele Fruen eine Internetbeziehung am PC führen , deren hauptsächlicher Bestandteil Gesäusel und nicht erlebbare Realität ist- mal ganz abgesehen von den Geldbeträgen , die geschickt werden - für was genau ? aus welchem Grund ?

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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon Desert Dancer » 18.06.2014, 12:36

Ich stimme den Ueberlegungen von Zwölfe zu.

Ich kenne diverse Paare, die sich im Internet auf Chat-Plattformen oder Dating-Seiten kennengelernt haben und heute seit Jahren verheiratet oder verpartnert sind.

Und bei allen war es auch so, dass sie sich innert Kürze real getroffen haben und somit der Rest des Kennenlernens ganz normal in der Realität stattgefunden hat. Es spielt in meinen Augen weniger eine Rolle, ob das erste Kennenlernen übers Internet, oder an einer Party, oder am Arbeitsplatz usw stattfindet, sondern was man dann danach daraus macht.

Führt man eine mehrheitlich virtuelle Beziehung, ist es das aus meiner Sicht schon eher eine Traumlandschaft, aus der nicht viel werden kann, weil sie nichts mit dem Alltag zu tun hat. Und die einem höchsten vom realen Leben abhält, weil man allenfalls nicht mehr oft raus geht um sich am restlichen sozialen Leben zu beteiligen.
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon kkj » 18.06.2014, 17:04

Meinen jetzigen Partner hab ich auch im Internet kennengelernt - wir waren seit Jahren im selben Forum unterwegs, irgendwann dann auch über Facebook "befreundet". Als wir uns kennenlernten, also real, hatten wir 900 km Entfernung zu überbrücken. Es ging, wir haben uns alle 2 Wochen gesehen, aber eben immer nur übers Wochenende und das auch oft an anderen Orten mit Hotelübernachtung und so. Und natürlich täglich stundenlang telefoniert.

Zusammengezogen sind wir nach knapp einem halben Jahr, ich wollte mich sowieso beruflich ändern und da passte es gerade.

Und das vorher war absolut kein Vergleich zum echt gelebten Alltag. Wenn man morgens um die Wette ins Badezimmer rennt, sich für den Tag fertig macht und zur Arbeit saust, und abends nach Hause kommt, was für die Nahrungsaufnahme tut und dann quasi schon schlafen muss, ist nicht viel Zeit für romantisches Gesäusel. Achja, und die Socken neben dem Sofa müssen auch noch zum Wäschekorb bevor der andere einen Anfall bekommt, und hin und wieder müssen die sogar gewaschen werden. :lol:

Aus Kostengründen isst man nicht mehr ausschließlich auswärts, und aus praktischen Gründen wird nur EINE Mahlzeit zubereitet. Auch da muss man sich dann zusammenfinden, was selbst bei unseren minimalen kulturellen Unterschieden nicht immer so einfach ist - man mag halt nicht alles so gern, was der Partner mag...

Ich schlafe am WE gern auch bis Mittag, mein Partner hüpft gut und gern ab 7 durch die Wohnung. Naja, und weitere Beispiele gäbe es viele, was sich so alles zusammenfügen muss, wenn man tatsächlich zusammen lebt.

Ich denke, je länger alles nur "Urlaub" und virtuell bleibt, desto mehr verklärt und idealisiert man auch vieles. Der Fall auf den Boden der Tatsachen dürfte dann umso härter sein, wenn der gelebte Alltag eintrifft. Zusammenleben ist immer eine Umstellung, umso mehr, wenn man kulturell ganz was anderes gewohnt ist.

Eine lange Zeit in einer virtuellen Beziehung bietet natürlich einen enormen Vorteil: Es bleibt virtuell, man sieht sich im Urlaub, die Sehnsucht regiert, und die Socken neben dem Sofa tauchen nicht auf. Man hat dann Kontakt, wenn man will. Wenn man mit Kopfschmerzen oder Rotznase miesgelaunt daniederliegt, sieht der andere das nicht. Es kommt dann keiner nach Hause und will entertaint werden, während man still vor sich hin meckern und leiden will. In einer virtuellen Beziehung sagt keiner "och lass mich gerade einfach mal in Ruhe (essen/fernsehen/schlafen/einfach so)".
LG
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon Darinka » 18.06.2014, 18:32

Zwoelfe, Du meine Gedankenleserin... :D Ich hatte auch schonmal überlegt so einen Thread aufzumachen....

Na dann Reihe ich mich mal hier mit ein: Ich habe meinen Partner auch im Internet kennengelernt (Datingportal). 8) :shock: :wink:

Nach einer Reihe von Fehlversuchen hatte ich keine Lust mehr auf langes Hin-und Herschreiben.
Zumal es einen großen Unterschied zwischen Fotos und realer Wahrnehmung einer Person mit Körpersprache, Mimik und Stimme gibt.... :mrgreen:

Ich habe mein Profil geändert und eine klare Ansage gemacht:
Die ging in Richtung: Für mich ist der Mensch mit allem Drum und dran wichtig / Langes Geschreibsel nicht mein Ding und das reale Leben findet draußen statt. / Nur Mut, einfach mal auf eine Tasse Kaffee treffen...
--> mein Wunsch war ganz bewußt ein kurzes Date zum "Beschnuppern"... Gegenseitiges Gefallen merkt man dann schon und kann auf -zig Tassen Kaffee (oder was Anderes Ausdehnen) oder sich im anderen Fall schnell verkrümeln...

Ich hatte sogar noch mehr Zuschriften als vorher... :mrgreen: (Ich vermute gerade Männer schreibseln auch nicht ewig gerne, bevor sie FRAU in der Realität mal begutachten können....)

Es hat dann zwar immer noch 2 Monate und einiges an Dating-Fehlversuchen gedauert, bis ich mit IHM bei der ersten Tasse Kaffee saß. Wir mochten uns sofort. Nach hause bin ich mit dem sehnlichen Wunsch, dass er sich wieder meldet. Und tatsächlich... Noch am gleichen Abend hatte ich eine Nachricht von ihm im Postfach...
Es gab nur noch ganz wenig Austausch zwischen uns in diesem Portal - wir sind sehr schnell über Handy und reale Treffen aus der virtuellen Welt ausgestiegen. Beim 3. Date (alle innerhalb von einer Woche) haben wir uns schon völlig verknallt Beide angestrahlt... Heute sind wir schon mehrere Jahre glücklich und zufrieden zusammen.

Meine Empfehlung zum Kennenlernen im Internet:


    --> erstes Kennenlernen möglichst schnell in der realen Welt
    --> km-Entfernung auf einen Bereich einschränken, den man zunächst auch regelmäßig fahren würde (anderer Kontinent ist da sehr kontraproduktiv...)
    --> Kurzes Date reicht für das erste "Beschnuppern"
    --> Langes Geschreibsel ist anstrengend und nicht jeder Mann kann toll schreiben (obwohl er ein toller Kerl ist... und wer sucht denn schon nach einem Schriftsteller...)
    --> Nicht ZU SEHR über das Profil oder Foto aussortieren (Mich haben Viele positiv überrascht, wo ich das Profil gar nicht so toll fand. Dafür aber Viele enttäuscht, die ein tolles Profil (oder Foto) hatten, in der Realität naja)...
    --> Datingportale, wo Männer bezahlen müssen, empfand ich als seriöser. In den Anderen treibt sich mehr "unnützes Gerümpel" rum (und es ist schwieriger da einen Diamanten auszugraben)...
    --> Sympathie/Antipathie entscheidet sich nicht nur an Fotos und mails... Auf einer Party würde Frau ja auch nicht einen Flirtpartner danach auswählen, wer am tollsten schreibt oder lange Fragelisten austeilen... :roll:

Viele Grüße
darkness
Menschen glauben fest an das, was sie wünschen. - Julius Cäsar
Am meisten fühlt man sich von der Wahrheit getroffen, die man sich selbst verheimlichen wollte. - Friedl Beutelrock
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon delia72 » 19.06.2014, 22:25

Ooooh, da muss ich auch mein Senf dazu geben.. :D

Ich habe mein Freund (deutsch) auch im Internet kennengelernt. Ich fand sein Gesicht sympathisch (mehr sah man nicht) und ich hatte gar kein Foto veröffentlicht. Wir haben ein paar Tage Emails ausgetauscht und haben uns zum Kaffee verabredet. Er hatte Angst dass er mir zu hässlich ist, weil er ein paar Kilos mehr auf den Rippen hatte. :lol:

Schon am ersten Tag konnten wir uns nicht voneinander trennen - das Date dauerte bis Mitternacht, wir haben sämtliche Biergärten und Restaurants unsicher gemacht an dem Tag. Seitdem (immerhin 15 Monaten) sind wir unzertrennlich.

Mittlerweile wohnen wir auch zusammen. Vorher waren unsere Wohnungen 70 km auseinander.
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon Zwoelfe » 20.06.2014, 08:14

darkness hat geschrieben:Zwoelfe, Du meine Gedankenleserin... :D Ich hatte auch schonmal überlegt so einen Thread aufzumachen....


Danke liebe darkness , aber wenn ich nicht grade MagenDarm "Kritik" habe , bin ich direkt kreativ und gedankenleserisch tätig ... gnihihi ...

Selbst wenn ich noch ein paar Tage länger warten würde . glaube ich nicht , dass noch Massen an Beschreibungen kommen , wie es bei sehr weiter Entfernung/von Kontinent zu Kontinent ist . Eins ist all dem bisher Aufgeführten gleich , nämlich die Begrenzung der Kilometerzahl und bis jetzt waren es deutsch - deutsche Beziehungen , die beschrieben wurden . Daher gefällt mir die Liste von darkness als Wegweiser gut :

darkness hat geschrieben:Meine Empfehlung zum Kennenlernen im Internet:[/u]

    --> erstes Kennenlernen möglichst schnell in der realen Welt
    --> km-Entfernung auf einen Bereich einschränken, den man zunächst auch regelmäßig fahren würde (anderer Kontinent ist da sehr kontraproduktiv...)
    --> Kurzes Date reicht für das erste "Beschnuppern"
    --> Langes Geschreibsel ist anstrengend und nicht jeder Mann kann toll schreiben (obwohl er ein toller Kerl ist... und wer sucht denn schon nach einem Schriftsteller...)
    --> Nicht ZU SEHR über das Profil oder Foto aussortieren (Mich haben Viele positiv überrascht, wo ich das Profil gar nicht so toll fand. Dafür aber Viele enttäuscht, die ein tolles Profil (oder Foto) hatten, in der Realität naja)...
    --> Datingportale, wo Männer bezahlen müssen, empfand ich als seriöser. In den Anderen treibt sich mehr "unnützes Gerümpel" rum (und es ist schwieriger da einen Diamanten auszugraben)...
    --> Sympathie/Antipathie entscheidet sich nicht nur an Fotos und mails... Auf einer Party würde Frau ja auch nicht einen Flirtpartner danach auswählen, wer am tollsten schreibt oder lange Fragelisten austeilen... :roll:


Gibt es jemanden , der in erreichbarer Nähe einen Mann aus sehr fremder Kultur im Netz kennen gelernt hat - und wie hilfreich - oder auch nicht - ist das das chatten ... habt Ihr ihn auch schnell in real getroffen ?

Möchte jemand seine Erfahrungen einbringen , die über weite Entfernungen , also von Kontinent zu Kontinent oder weit entfernten (europäischen) Ausland gemacht wurden ?

Oder beruht die Faszination des Chattens über einen langen Zeitraum mit einem Mann sehr fremder Kultur darauf , das eben genau dieses zeitnahe Kennenlernen , der Alltag entfällt . Es darf auch gerne spekuliert werden - auch daraus ergeben sich Hinweise .

Selbst wenn ich vor laufender Kamera chatte , zeigt dies nur gewisse Ausschnitte von mir und meiner Welt ... schnell Gesicht und Haare gerichtet und die Kamera ist ja auch nicht verpflichtet , auf den überquellenden Wäschekorb gerichtet werden .

Ist es unter solchen Kennenlernumständen ein nicht Schock , wenn dann die Realität nach langen , gern auch täglichen Chatten sowie mehrmaligem Urlauben ins geordnete - oder ungeordnete - Leben knallt ?

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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon kati3366 » 20.06.2014, 09:14

:D dann gebe ich auch mal meinen Senf dazu.

Ich habe meinen Mann im Internet kennengelernt. Und er ist Tunesier. Also definitiv eine weite Entfernung.

Ich habe in Foren immer wieder mal gelesen: "Tunesier im Internet kennengelernt". Aus purer Neugier habe ich dann mal erfragt,
auf welchen Internetseiten man denn überhaupt Tunesier kennenlernen kann. ( Tunesien deshalb, weil ich das Land seit 2007 bereise und liebe ).
Ich habe mich dann auf den einschlägigen Seiten spaßeshalber mal angemeldet und natürlich zig Zuschriften bekommen. Unter anderem von meinem Mann.
Er hatte I-net zu Hause und so konnten wir jeden Abend ( wenn er Feierabend hatte ) ungestört und unbeobachtet via MSN chatten.
Das erste persönliche Treffen fand nach 5 Monaten statt, weil ich für diese Zeit sowieso einen Tunesienurlaub gebucht hatte.
Erstmal wurde sich auf neutralem Boden "beschnuppert". Denn manchmal kann man ja Menschen tatsächlich "nicht riechen".
Als das gepaßt hat bin ich mit zig Vorsichtsmaßnahmen ausgestattet mit ihm für ein paar Tage in seine Heimatstadt gefahren.

Dieser Urlaub und auch die nächsten 2 Urlaube ( vor der Heirat ) waren echt hart für uns beide und alles andere als erholsam :D .

Weil jeder von uns ( heimlich, still und leise für sich ) überprüfen wollte, in wie weit die Versprechungen via I-net in der Realität auch Bestand haben würden.
D.h. ich habe z.B. ausgetestet, wie weit seine ( per Chat versicherte ) Toleranz tatsächlich geht.
Er hat ausgetestet z.B., wie ich mich nach einem heftigen Streit verhalte ( schmollen oder nicht, drüber reden oder nicht etc. ).
Dementsprechend hat er einen riesen Krach provoziert.

Trotzdem kann man da nicht wirklich von "kennenlernen" sprechen. Es gibt 1000 kleine Dinge im Alltag, die in der Fern- oder Urlaubsbeziehung garnicht auffallen. Und später evtl. enorm stören.

Ich schnarche z.B. furchtbar, bedingt durch meinen Heuschnupfen. Der Heuschnupfen ist in TN nicht akut weil die entsprechenden Allergene fehlen. Ergo hat mein Mann DAS erst hier in D. gemerkt.

Mein Mann dagegen "vergißt" gerne irgendwelchen Verpackungsmüll da, wo er genascht hat. Das gilt ebenso für Klamotten die er nicht jeden Tag trägt, Schlappen und Socken. DAS hat mich oft enorm gestört.
Usw.usw.usw.

Zum Glück können wir über solche Dinge reden und gemeinsame Lösungen finden. OHNE daß einer von uns eingeschnappt ist.
Wäre das nicht der Fall, dann wären wir schon lange getrennt.

Damit eine Fernbeziehung über 2 Kontinente hinweg Bestand hat braucht es ein hohes Maß an Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten. Und beide Partner müssen ihre persönliche Schmerzgrenze kennen damit sich nicht einer von beiden völlig verbiegt.

Und wenn es im realen Leben überhaupt nicht klappt, dann muß auch die Kraft da sein, das Ganze zu beenden. Egal welche Vorwürfe vom anderen kommen. Z.B. von ihm: "Du hast mich schließlich hier her geholt, ohne DICH wäre ich in meinem Heimatland glücklich und zufrieden".
Oder von ihr: "hast Du mich eventuell doch nur wegen der AE geheiratet OHNE mich zu lieben" ???

Wenn solche Vorwürfe allerdings schon bei jeder kleinen Meinungsverschiedenheit auf den Tisch kommen, dann kann die Beziehung allein daran recht schnell kaputt gehen.

Ups, soo lang sollte es eigentlich garnicht werden. Aber wer nicht mag der kann es ja überlesen :wink:
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon Zwoelfe » 20.06.2014, 11:58

kati3366 hat geschrieben:Ups, soo lang sollte es eigentlich garnicht werden. Aber wer nicht mag der kann es ja überlesen :wink:


Liebe kati3366 , das ist viel zu kurz und sollte nicht überlesen werden . Ich glaube , dass sich Euer Kennenlernen doch von dem meisten hier in diesem Forum besprochenen "Internetlieben" unterscheidet . Und das ist wichtig zu wissen für alle die Frauen , die auch im Internet (suchend?) sind , bei denen aber anscheinend vieles ganz anders läuft wie bei Dir .

Ich versuche mal , zusammen zu fassen , wie ich Deinen Beitrag interpretiere . Ihr habt zwar auch zunächst fünf Monate nur gechattet , aber mein Eindruck ist , dass Ihr eher "normale Themen" ala : wie bist Du drauf ... miteinander hattet . Also kein Liebesgesülze in der Wiederholungsschleife ... I love you ... I miss you ... wo im Anschluß daran direkt oder indirekt Geldforderungen kommen - kein Handy im Pool gelandet und die Mutti erfreute sich auch durchgehend bester Gesundheit , kein Militärdienst stand an , von dem er losgekauft werden mußte . Er hatte eine Arbeit mit geregelter Arbeitszeit und wurde auch nicht überraschend gekündigt . Er scheint auch keinen Heiratsantrag am ersten Tag gemacht zu haben ...

Die Treffen waren nicht "der Badeurlaub" . Ihr habt im Rahmen Eurer Möglichkeiten versucht , eine normale Beziehung mit groben Alltagsstrukturen hin zu kriegen .Natürlich gab es dann doch eine - ich sage mal - kleine Überraschungen im deutschen Alltag , aber so wie es aussieht , scheint Ihr das zu schaffen .

Ganz besonders beeindruckt haben mich diese Worte hier :

kati3366 hat geschrieben:Damit eine Fernbeziehung über 2 Kontinente hinweg Bestand hat braucht es ein hohes Maß an Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten. Und beide Partner müssen ihre persönliche Schmerzgrenze kennen damit sich nicht einer von beiden völlig verbiegt.

Und wenn es im realen Leben überhaupt nicht klappt, dann muß auch die Kraft da sein, das Ganze zu beenden. Egal welche Vorwürfe vom anderen kommen. Z.B. von ihm: "Du hast mich schließlich hier her geholt, ohne DICH wäre ich in meinem Heimatland glücklich und zufrieden".
Oder von ihr: "hast Du mich eventuell doch nur wegen der AE geheiratet OHNE mich zu lieben" ???


Liebe kati3366 , falls Du die Zeit finden solltest , könntest Du schreiben , ob meine Wahrnemungen zu Eurem Kennenlernen richtig sind . Dann hätten wir hier die Möglichkeit , diese Unterschiede besser heraus zu arbeiten .

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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon kati3366 » 20.06.2014, 12:13

Ich werde mich heute abend mal daran versuchen.
Jetzt muß ich erstmal den Alltagstrott "abarbeiten". :D
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon kkj » 20.06.2014, 18:09

Grrrrmpf, liebe Zwoelfe, meine von mir beschriebene Beziehung ist NICHT deutsch-deutsch! Ich nix deutsch (muss wohl ein Paar Fehler mehr einbauen, damit das auffällt, wa?) :lol:

Allerdings halten sich die kulturellen Unterschiede in Grenzen, zumal ich vorher schon fast 20 Jahre eingedeutscht wurde. :wink:

Davor hatte ich eine Beziehung mit einem Türken, ganz klassisch im Urlaub kennengelernt und dann mit Händen und Füßen telefonisch und übers Internet am Leben gehalten. Und ja, das hatte mit Alltag natürlich nicht das Geringste zu tun, weil ich ja immer im Urlaub war. Meinen Alltag kannte er gar nicht. Und was gab es für Theater, wenn er mich tagsüber anrief und ich nicht sofort zurückgerufen hab - geht halt schlecht, wenn man in Meetings hockt und das private Handy nichtmal hört. :roll:

Die Gespräche waren auch nicht besonders tiefgreifend, wie auch, wenn man keine gemeinsame Sprache hat. Wenn es eine Zukunft hätte haben sollen, wäre es nur gegangen über Heirat und Familienzusammenführung in Deutschland. Da mein Holder aber keinerlei Anstalten machte, ernsthaft Deutsch zu lernen, wurde ich zunehmend unlustig, das noch mitzuspielen. Und irgendwann hab ich es dann endgültig beendet, weil eben keine Zukunft bestand. Jahrelang einmal im Quartal runterfliegen um bisschen Beziehung zu spielen? Nein Danke.
LG
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon kati3366 » 20.06.2014, 19:35

So, der Hausputz ist erledigt und jetzt habe ich Zeit. Der Einfachheit halber zitiere ich Dich und antworte quasi "zwischen den Zeilen".

Zwoelfe hat geschrieben:
Liebe kati3366 , das ist viel zu kurz und sollte nicht überlesen werden . Ich glaube , dass sich Euer Kennenlernen doch von dem meisten hier in diesem Forum besprochenen "Internetlieben" unterscheidet . Und das ist wichtig zu wissen für alle die Frauen , die auch im Internet (suchend?) sind , bei denen aber anscheinend vieles ganz anders läuft wie bei Dir .

Ich versuche mal , zusammen zu fassen , wie ich Deinen Beitrag interpretiere . Ihr habt zwar auch zunächst fünf Monate nur gechattet , aber mein Eindruck ist , dass Ihr eher "normale Themen" ala : wie bist Du drauf ... miteinander hattet .


Das ist richtig. Es ging meistens darum, wie der andere seinen Tag verbracht hat. Wie es auf Arbeit war, was es Neues gibt etc. .
Wir haben immer wieder Alltagsereignisse genutzt um diese aus tunesischer und deutscher Sicht zu diskutieren.

Ich reise ja schon seit 2007 nach Tunesien und habe mich intensiv mit Land und Leuten beschäftigt. Dank tunesischer Freunde konnte ich auch viel "hinter die Urlaubskulissen" blicken.

Zwoelfe hat geschrieben:Also kein Liebesgesülze in der Wiederholungsschleife ... I love you ... I miss you ... wo im Anschluß daran direkt oder indirekt Geldforderungen kommen - kein Handy im Pool gelandet und die Mutti erfreute sich auch durchgehend bester Gesundheit , kein Militärdienst stand an , von dem er losgekauft werden mußte . Er hatte eine Arbeit mit geregelter Arbeitszeit und wurde auch nicht überraschend gekündigt . Er scheint auch keinen Heiratsantrag am ersten Tag gemacht zu haben ...


:D wir sind beide relativ "trockene" Typen. Liebesgesülze liegt ihm überhaupt nicht. Und mich hätte es sofort dazu gebracht, die "escape"-Taste lang anhaltend zu drücken.
Militärdienst hat er erledigt wie es sich gehört.

Ein Pool zum "Handy versenken" war nicht in der Nähe. Wäre auch egal gewesen weil wir ja nicht miteinander telefoniert haben. Unser Kommunikationsmittel war das Internet.

Mutti war und ist zwar krank, aber die medizinische Versorgung hat die Familie intern geregelt.
Geregelt war die Arbeitszeit nicht unbedingt, eher waren Überstunden die Regel, aber ein guter LKW-Fahrer verliert seinen Job nicht so schnell.

Und einen Heiratsantrag gab es überhaupt nicht. Bzw. der wurde von mir nachgefordert als wir schon längst am Organisieren der Papiere waren. :D
Also gab's den Heiratsantrag völlig unromantisch via MSN. Nicht mal nen Smiley mit Rose gab es als Zugabe.

Dafür aber im nächsten Urlaub eine heimlich organisierte Verlobungsfeier mit Kettchen für mich, Mama's Segen und einer plötzlich auftauchenden Großfamilie :wink: . :wink:

Zwoelfe hat geschrieben:Die Treffen waren nicht "der Badeurlaub" . Ihr habt im Rahmen Eurer Möglichkeiten versucht , eine normale Beziehung mit groben Alltagsstrukturen hin zu kriegen .Natürlich gab es dann doch eine - ich sage mal - kleine Überraschungen im deutschen Alltag , aber so wie es aussieht , scheint Ihr das zu schaffen .


Ab und zu waren wir in Gabès auch mal Baden. Aber leider ist der tunesische Urlaubsanspruch deutlich niedriger als der hiesige.
Also haben wir einen Großteil unserer gemeinsamen Zeit quasi im Führerhaus des LKW's verbracht. Männe am Steuer, ich in der Mitte und sein Beifahrer links von mir.
So habe ich sein Alltagsleben gleich mitgelebt und Süd- und Mitteltunesien von einer ganz anderen Seite kennengelernt.
Nix Badeurlaub sondern bei 40 Grad im Schatten unklimatisierter LKW von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr abends.
Da mußte Frau sich nicht stylen. Nur genug Wasser mitnehmen und beten, daß es unterwegs auch genug Kakteen zwecks Entsorgung des Wassers gibt.

Zwoelfe hat geschrieben:Ganz besonders beeindruckt haben mich diese Worte hier :

kati3366 hat geschrieben:Damit eine Fernbeziehung über 2 Kontinente hinweg Bestand hat braucht es ein hohes Maß an Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten. Und beide Partner müssen ihre persönliche Schmerzgrenze kennen damit sich nicht einer von beiden völlig verbiegt.

Und wenn es im realen Leben überhaupt nicht klappt, dann muß auch die Kraft da sein, das Ganze zu beenden. Egal welche Vorwürfe vom anderen kommen. Z.B. von ihm: "Du hast mich schließlich hier her geholt, ohne DICH wäre ich in meinem Heimatland glücklich und zufrieden".
Oder von ihr: "hast Du mich eventuell doch nur wegen der AE geheiratet OHNE mich zu lieben" ???


Liebe kati3366 , falls Du die Zeit finden solltest , könntest Du schreiben , ob meine Wahrnemungen zu Eurem Kennenlernen richtig sind . Dann hätten wir hier die Möglichkeit , diese Unterschiede besser heraus zu arbeiten .

Zwoelfe


Jetzt habe ich mich nochmal ausführlich zu Deinen Wahrnehmungen geäußert.

Ein ganz wesentlicher positiver Punkt ist die gemeinsame Sprache. Bei uns ist es Französisch. Es ist für jeden von uns eine Fremdsprache und wir sprechen diese beide fast fließend. ( Wenn man die korrekte Grammatik mal außen vor läßt ). Das hat die Verständigung sehr erleichtert. Jeder mußte im Kopf erstmal übersetzen und jeder war sich im Klaren darüber, daß diese Übersetzung auch fehlerhaft sein könnte. D.h. man hat lieber einmal mehr nachgefragt, WIE der andere etwas gemeint hat um Mißverständnisse zu vermeiden.
Auch sorgt das "Übersetzen im Kopf" für eine kurze Denkpause und man formuliert sorgfältiger. Ein böses Wort im Affekt ist schwer, wenn man dafür erstmal die Übersetzung suchen muß.

Ein weiterer wichtiger Punkt war, daß wir viele Dinge im Vorfeld besprochen haben die sonst später für Konflikte sorgen können.
Z.B. Kleinigkeiten wir halal-Fleisch. Das war zu dem Zeitpunkt hier schlecht zu bekommen wg. der Entfernung. Also mußte er sich vorab Gedanken über seine Ernährung machen, wenn es eben nur "normales" Huhn oder Rind gibt.
Außerdem habe ich meine Finanzen offen auf den Tisch gelegt. Nicht nur die Einnahmen, sondern auch die hier entstehenden Kosten.
Allein meine monatliche Miete ( die für hiesige Verhältnisse garnicht so hoch ist ) hat bei ihm die Gesichtszüge entgleisen lassen.
Ebenso die Kosten für gängige Lebensmittel.

Zum Glück sind wir beide ehrlich und direkt. Es ging in der Anfangszeit öfter "hoch her" bis wir uns zusammengerauft hatten.
Aber lieber ein richtiger Krach und anschließend ein tragbarer Kompromiß, als ständiges "Zurückstecken aus Liebe" und irgendwann geht einer der Partner seelisch "vor die Hunde".

Außerdem hatten wir das Glück, daß er schon 6 Wochen nach seiner Ankunft hier eine Arbeit gefunden hat. Zwar körperlich hart, aber auch gut bezahlt. So sind wir uns nicht von morgens bis abends "auf die Nerven gegangen". Denn Nichtstun ist mein Mann nun garnicht gewöhnt. Er hat in TN lieber die letzte "Drecksarbeit" gemacht, als arbeitslos zu sein.

So, nun ist es wirklich ein Roman geworden. Also nur lesen wer Zeit und Lust hat. Ansonsten schnell weiterblättern :roll:
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon kkj » 20.06.2014, 20:34

Liebe Kati,

gerade das mit der Sprache ist unglaublich wichtig. Ich führe jetzt auch nicht tagtäglich ellenlange philosophische Gespräche mit meinem Partner, aber die Möglichkeit dazu ist schon toll. Wenn man gerade mal Liebesgesäusel und "ich vermisse dich" austauscht, nunja, ist natürlich uuuuunglaublich schön, aber auf Dauer nicht wirklich befriedigend.

Die Lebenskosten sind auch ein lustiges Thema. Hatte ich damals mit meinem Türken ja auch. Als er erfuhr, was ich verdiene, wurde er ganz blass (mehr als er im Jahr). DANN hab ich erklärt, was alles an Kosten dazu kommt, Miete, Versicherungen, Strom, Wasser, Telefon undundund - und dann hab ich noch nix gegessen, keine Klamotten gekauft und keinen Urlaub gebucht. Da war mein Reichtum schnell relativiert. :mrgreen: Auch wenn er das nie so richtig kapiert hat. Ich konnte mir ja mehrmals im Jahr luxuriöse Reisen leisten... Was ich alles NICHT hatte (Auto, dauernd neue Klamotten, sonstige teure Hobbys), das hat er nicht gesehen oder verstanden.
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon kati3366 » 20.06.2014, 21:51

Nee, philosophische Gespräche sind es sicher nicht.
Aber Diskussionen über Religion, Lebenseinstellungen, politische Entwicklungen in TN und auch D. usw. usw. .

Ja, die Lebenshaltungskosten. Zu Anfang konnte mein Mann absolut nicht ohne sein gewohntes/geliebtes Baguette. Kostet in TN ein paar Millimes.
Dagegen kostet hier sogar das P....-Baguette schon ein Vermögen.
Auf lange Diskussionen hatte ich wenig Lust, also habe ich in die Trickkiste gegriffen. Als er seinen ersten Lohn auf dem Konto hatte habe ich ihn gebeten: wenn Du in den Ort gehst und sowieso Geld abhebst, dann bring doch bitte vom P.... gleich ein Baguette mit.
Klar, kein Problem.
Nach 30 Minuten war Mann wieder da. Ohne Baguette. Dafür war ihm sein sauer verdientes Geld dann doch zu schade.Viel zu teuer.

Seitdem ist das Thema Baguette bei uns erledigt. Nur Schwarzbrot mag er bis heute noch nicht.
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon sousse » 20.06.2014, 23:28

Kati3366, ich zweifle an deinen Darstellungen. Dein Motto ist....lebe deine Träume. Und dein Gatte lebt jetzt seine oder deine Träume? Möchtest du das für ihn? Er ist fernab seiner Heimat, verdient sein Geld wie du sagst sauer, und er kann sich noch nicht mal ein Baguette leisten? Das klingt so aufopfernd und macht den Amiga Frauen ja richtig Mut. Sieh mal, so Tolle aus Tunesien gibt es auch noch. Warum schreibst du denn im Forum Bezness? Möchtest du Anerkennung, weil du ja so sehr Tunesien liebst, dich mit allem auseindergesetzt hast ? Möchte dein Mann keine Kinder? Verzichtet er dir zuliebe darauf? Möchte er nur überleben, und das mit viel Arbeit, ohne Träume? Du brauchst nicht antworten, ich kann mir die Antworten schon denken, schön eingefärbt. Es gibt Diskussionen. Ja, klar. Du klingst echt überheblich. Ich wollte für meinen Sohn so eine Zukunft auf jeden Fall nicht, fernab der Heimat, wenn er sich noch nicht mal sein geliebtes Toastbrot leisten könnte und eine Frau ihm keine Kinder schenkt, wenn er noch so jung wäre. Und du findest das alles irgendwie noch witzig. Trickkiste.......wers glaubt. Ich bin nicht neidisch, bevor mir das hier wieder unterstellt wird, aber ich kann echt nur mit dem Kopf schütteln. Sousse
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon kleeblatt » 20.06.2014, 23:57

mensch kati, ihr führt so eine tolle ehe, dann tu doch auch mal was für ihn.

zeit hast du doch, und mehl ist billig.

http://www.chefkoch.de/rezepte/13222412 ... ienne.html
liebe grüße, kleeblatt
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon sousse » 21.06.2014, 00:12

Gutes Rezept Kleeblatt. Ob der Gatte sein sauer und hart verdientes Geld für ein viertel Teelöffel Trockenhefe einsetzt?
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon Never » 21.06.2014, 00:18

sousse hat geschrieben:Gutes Rezept Kleeblatt. Ob der Gatte sein sauer und hart verdientes Geld für ein viertel Teelöffel Trockenhefe einsetzt?

Ich finde es nicht schön, über Personen, die den Mut hatten, sich im TV zu präsentieren, hier her zu ziehen. :wink:
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Re: Kennenlernen im Internet

Beitragvon kkj » 21.06.2014, 01:23

Geht es hier in diesem Thread jetzt um Kati und ihre Glaubwürdigkeit oder eher darum, wie man sich so kennenlernt (und wie man es besser bleiben lassen sollte)?

Manche persönlichen Anfeindungen hier rauben echt jede Lust, noch mitzuschreiben - für eine m. E. gute Sache. Richtigstellung, wenn jemand was Falsches erzählt, klar. Aber so? Ich weiß nicht.
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