nur so interessehalber

Erfahrungen mit Flüchtlingen und Migranten zum Thema Bezness

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Fierrabras
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Fierrabras » 02.10.2023, 19:54

ok, ich habe der Nensieh nicht klar genug geschrieben, dass diese Patientin seit 23 Jahren ohne Deutschkenntnisse mit Familie vom Jobcenter lebt (und die sehen das Jobcenter als ihren Arbeitgeber an). soll ich der Nensieh noch mal schreiben? obwohl die wird mit dem A.... schon auf Grundeis gehen ganz ohne meine Bürgerbriefe, wenn sie an den nächsten Sonntag denkt.

(kürzlich hatte ich einen afrikanische Einmann als Patienten, der -imnmerhin- englisch sprach -und immer noch kein deutsch seit zig Jahren in Deutschland- und ich dachte zuerst, er redet von seiner neuen afrikanischen Freundin, weil er immer von seinen Probleme mit "Dschejzieh" redete. Ich glaubte, er hätte eine Freundin namens Jaycee (in den USA ein beliebte Vorname), nun ja, dem war nicht so, sondern er meinte das Jobcenter, welches es JC abkürzte)

karima66
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von karima66 » 03.10.2023, 10:12

Bei aller Tragik, der Brüller des Tages, nicht Jacey, sondern JC.....wirklich es ist Alles so zum Kotzen, ich wollte hier auch länger was schreiben, aber lass es da es mich ungesund aufregt....dies aber ist so schlimm es ist doch urkomisch :roll: :lol:

chavah
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von chavah » 03.10.2023, 10:14

Dieser Strang hier macht mir Spaß. Hier werden mal Sachen angesprochen, die m.E. viel zu sehr ignoriert werden.

Ja, man kann juristisch gesehen den Empfang von vollem ALG II oder Aylantengeld an den Besuch von Integrationskurse koppeln. Das liegt an was anderem, was man aber auch abstellen kann. Ein reales Beispiel: eine Familie, keine Ahnung woher. Man hatte wegen der kleinen Kinder geplant, Mann und Frau getrennt in Integrationskurse zu schicken. Soweit okay. Frau erschien nicht. Ich forschte nach, woran es lag. Grund: es sei unmännlich, die Kinder zu versorgen. Das wurde offiziell nicht mal gemeldet. Die freie Bildungseinrichtung tat es nicht; mir wurde erklärt, man würde ja weniger Geld bekommen, wenn man das melden würde, und vielleicht würde sie sich ja noch aufraffen ..... Der Sachbearbeiter bei der Stadt erklärte, die Nicht-Reaktion sei besonders wichtig, weil man durch Strafmaßnahmen ja vielleicht eine gewisse Bockigkeit hervorrufen würde, die dann eine endgültige Ausgrenzung dieser Personengruppe zur Folge hätte. Selten was dümmeres gehört.

Mein Ansatz wäre ein anderer. Asylgelder, was immer es für diese Menschen gibt, relativ niedrig ansetzen und sie für die Teilnahme an den Kursen, die dokumentiert werden müsste (Stunde um Stunde wie in der Schule) bezahlen. So dass sie bei voller Teilnahme dann auf den normalen ALG II/Bürgergeldlevel kommen. Und auch hinterher individuell weiter machen. Also mehr "kreativer" Druck. Das geht schon, nur es ist halt unbequem, ganz besonders für die deutschen Beamten.

Ich bin ja mit dieser Problematik befasst, so weit ich zurück denken kann. Zunächst als selbst Betroffene, später als Mitglied in einem Stadtparlament und seit über 30 Jahren "so nebenbei" ehrenamtlich. In den Köppen von vielen ist ja noch die Haltung von vor 60 Jahren drinne. Sie sind ja nur vorübergehend hier, lohnt sich nicht, da viel zu machen. Und sie wollen ja nicht. Das ist menschenverachtend.

Ich hatte vor einigen Jahren einen runden Geburtstag. Meine Kinder schenkten mir einen Wochenendurlaub. Was ich nicht wusste: als ich ankam, stellte ich fest, dass sie (fast) alle zusammengetrommelt hatten, mit Kindern und Enkelkindern, um die ich mich im Laufe der Zeit mal gekümmert hatte. Wir haben ein tolles Wochenende miteinander verbracht. Und, einerlei wie sie aussahen (oben meinte ja jemand, anhand des Aussehens feststellen zu können, dass das ein Leben lang Bürgergeldempfänger sein würden), meine früheren Schützlinge waren keine ALG II Empfänger.

Man kann die Menschen, die nach xy Jahren in Deutschland immer noch keine Grundkenntnisse in der Sprache haben, nicht mehr integrieren. Da bin ich knallhart. Wäre eine Zeit- und Geldverschwendung. Wir haben auch Deutsche, die man nicht integrieren kann. Ich würde mich viel stärker auf die jüngere Generation konzentrieren, auf die 2. Generation bei denen, die schon länger hier sind. Und mir da viel mehr individuelle Konzepte in kleinen Gruppen überlegen. Die Gesetze geben es her, wirklich. Teurer wärs wohl auch kaum, wenn überhaupt.

Wir hatten schon immer mal Völkerwanderungen, wenn man in die Geschichte schaut. Wir sind wieder in so einer Phase, ob es uns passt oder nicht. Wir müssen lernen, damit richtig umzugehen.

Chavah

karima66
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von karima66 » 03.10.2023, 11:25

Ich hab da keine kreativen Ideen mehr....ja es gibt so Manchen wo es läuft und viele positive Beispiele, aber die Unwilligen die ja die Probleme machen die kriegt man nicht mit was auch immer....werden Schulstunden bezahlt dann sitzen sie die ab ums Geld zu bekommen, auch die Junge Generation wird von ihrer Familie beeinflusst, die Community hat viel mehr Einfluss als unsere Gesellschaft.
Es ist Jahrzehnte verpasst worden und ja viele Leute an entsprechenden Stellen denken noch wie vor Jahrzehnten oder haben resigniert.....

Ich hab zwei aktuelle Beispiele....unser ehemals syrischer Angestellter meinte nach 5 Jahren obwohl keine Fachkraft und Deutsch noch nicht mal B1 könnte er woanders mehr Geld verdienen.....nun 4 Monate später wurde er dort noch in der Probezeit gekündigt....sitzt Zuhause bzw arbeitet schwarz....wir hatten vorher so viele Gespräche, haben so viel angeboten wie er weiter kommen könnte, nein, einfach nur viel Geld kriegen egal wie, er denkt wir wissen nicht was passiert ist obwohl Kontakt ist er nicht ehrlich, Gesicht wahren, Jobcenter schickte uns aber Fragebogen u.ä. woraus hervor geht was läuft....

Jetzt haben wir einen Ukrainer.....Fachkräfte gibt es ja nicht....er war aber früher zumindest Handwerker wenn auch andere Branche....der hat ganz andere Umgangsformen, arbeitet sauberer, exakter und ist motivierter....da er noch Sprachschule jeden Tag hat so arbeitet er noch im Midijob wobei der ja jetzt flexibel ist nach oben....trotz all dieser Bemühungen von ihm mit nachgewiesenem ärztl. Attest das ihn einschränkt teils nervt das Jobcenter ihn mit Jobbörsen wo er hingehen soll, andere Stellen auf die er sich bewerben soll.....was soll das!!! Ich weiss von einem Insider, dass sie das machen, weil sie Zahlen nachweisen müssen und sie es versuchen bei denen die ohnehin schon aktiv sind.....Alle Anderen erreichen sie nicht mehr.
Tolle Lösung - denen das Leben zusätzlich schwer zu machen die sich bewegen, weil man an den anderen Teil nicht mehr rankommt, Hopfen und Malz also verloren sind.....

Fierrabras
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Fierrabras » 03.10.2023, 12:37

ok, ich kann verstehen, dass jemand in einer Geflüchteteneinrichtung im Mehrbettzimmer mit Schnarchgeräuschen, nächtlichen Telefonaten, "Budenzauber" lebt, tagsüber müde und unkonzentriert sein kann, so dass der Sprachkurs da nicht ganz so gewinnbringend ist. Vielleicht schläft so jemand auch tatsächlich mal ein (auch ich schlafe manchmal in langweiligen Fortbildungen ein :lol: , mein Chef übrigens auch :mrgreen: )
Ich kann auch verstehen, dass jemand, der nie eine Schule in Afghanistan besuchen konnte/durfte und somit gar keine Vorstellung von Schrift hat, deutlich größere Probleme hat beim Lernen. Es gibt auch tatsächlich traumatisierte Flüchtlinge (wenngleich in deutlich geringerem Ausmaß, als immer so behauptet wird, die sind NICHT ALLE SAMT traumatisiert). Ich weiss auch, wie sehr ungewisse Zukunftsaussichten aufs Gemüt schlagen können.
ABER das scheinen nicht die Hauptprobleme zu sein bei den Sprachkursen bzw Integrationskursen. Sondern der unzureichende Besuch, die Unpünktlichkeit, die ständgien Unterbrechungen durch das mehrmals tägliche Beten und die fehlenden Sanktionsmöglichkeiten seitens der Ausbilder.
Und da greifen Eure Vorschläge ein!
und es müsste der ganztägige Besuch einer Kita vom 1. Geburtstag an Pflicht sein, sonst werden Gelder gekürzt. Und die besch..., Kindergrundsicherung sollte stattdessen in den Ausbau dieser Kitas/Schulen etc gehen.

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Fierrabras » 03.10.2023, 12:56

@Chavah: nach 10 Jahren Psychiatrie im Brennpunktviertel habe ich ein recht gutes Gespür entwickelt, wer von meinen Patienten nur kommt wegen "Jobcenter" bzw Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung oder noch besser Erwerbsunfähigkeitsrente (dazu gehören auch Deutsche, so ist das nicht) und wer wirklichen Leidensdruck bzw einen Behandlungswunsch hat.
Und in den meisten Fällen irre ich mich nicht, sondern die "Behandlung" geht dann genau so weiter, wie befürchtet. Also ja, ich kann vielen neuen Patienten bzw Patientinnen bereits beim Erstkontakt ansehen bzw ihnen zuhören und schnell wissen, wie das weiter gehen wird.
Es geht schon los, wenn ich zur Behandlung der Depression Bewegung (von Sport möchte ich gar nicht reden) vorschlage. Wir haben Gymnastikgruppen, die von Physiotherapeuten geleitet werden, die auch frisch operierte Patienten betreuen. Sprich die wissen ganz genau, welche Bewegungen ein Pat mit Übergewicht und starken Rückenschmerzen machen darf und achten da genau drauf. Das aber hat noch nie einen dieser "Jobcenter" Patienten dsazu gebracht, unsere Sportkurse zu besuchen. Dann gibt es eine Kochgruppe, Trommelgruppe und Gartengruppe, für die wirklich sehr geringe Deutschkenntnisse benötigt werden, nun ja...dann gibt es -zumindest auf türkisch- von türkischen Psychologinnen geleitete Gruppen für Patienten mit Angst und Depression, das ist wie Schulunterrricht zu diesen Krankheitsbildern, Da kommt -reflexartig- das Argument "Wenn ich von allen andedren auch noch hören muss, wie schlecht es denen geht, dann geht es mir auch schlechter-das will ich nicht. Ich erkläre dann, dass es eben gerade genau nicht so ist, sondern dass jede Gruppensitzung ein bestimmtes Thema hat, was die Patienten lernen sollen.
und dann die Medikamente....ich fange -weil ich das Theater schon kenne- mit extrem niedrigen Dosierungen an, zumeist gebe ich das Antidepressivum als Tropfen, dann also 1 Tropfen auf ein großes Glas Wasser. Das KANN KEINE Nebenwirkungen machen (hilft allerdings auch nicht). Was glaubt Ihr, wie viele dieser "Jobcenter" Patienten bereits katastrophale Nebenwirkungen von diesem einen Tropfen kriegen...

karima66
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von karima66 » 03.10.2023, 16:27

Nun schreib ich doch....das Problem ist, dass fast Alle die hier durchaus im ganzen grossen Integrationsbetrieb, Integration bzw Inklusion betreffende Deutsche eingeschlossen, meistens gut gemeint viel leisten damit Integration gelingt, bei den heutigen Zahlen Zugewanderter utopisch, mit der falschen Denke rangehen...sie gehen davon aus, dass Jeder sich freuen müsste und motiviert Alles nutzt um so zu leben wie wir....sie gehen von sich aus, man muss nur lernen wollen und sich anpassen an hiesige Werte, Kultur und dann gehts Allen gut, weil sie dann ja Alles erreichen können um so zu leben wie wir.....
Das funktioniert schon bei vielen hier sozialisierten Menschen nicht, wieso sollte es bei Menschen aus so fremden Kulturkreisen klappen.
Die meisten der hier Ankommenden, zumindest aus nahöstlichen, muslimischen Regionen kennen es nicht, dass man eigenständig etwas tut, individuell, selbstbestimmt, Allah wirds schon richten oder die Familie.....irgendwie kommt man klar und an Geld, man braucht Status , man(n) muss was, wer sein und was vorzeigen können, Mann hat drauf zu achten, dass Frau und Töchter, Schwestern ehrbar bleiben was hier noch schwerer, wenn man wie hier nicht ackern muss um die Familie zu ernähren umso besser, man bekommt Geld für lau....kapiert eh keiner denn dort gibts nichts ohne Gegenleistungen.
Viele sind nur hier um Geld ihren Familien zu schicken....ob schwarz oder vom Amt völlig wurscht....es muss laufen.
Dieses ganze "Ringelpietz mit Anfassen" überspitzt formuliert was wir hier für wichtig halten und anbieten, irgendwelche Gruppen, Kreise, Runden, Trommeln, Tanzen usw.....damit wissen sie nichts anzufangen und uns trauen sie auch gar nicht, verstehen nicht was wir wollen, langfristig.....
Allenfalls für die Jungs klappt vielleicht Fussball noch.....wenige gut situierte, gebildete Familien legen vielleicht wert drauf in ihren Kreisen vorweisen zu können, dass die Kinder gut sind in der Schule....das sind ganz Wenige.
Ich habe mich als ich dort lebte oft gelangweilt, mir fehlte Kultur.....Literatur, Musik, Tanz, Sport, all die vielen Möglichkeiten die man hier hat....die Männer gehen evtl wenn sie Geld haben noch in die Muckibude oder ins Cafe.....ansonsten lebt man dort nicht mit all dem was wir hier so machen....
Also warum sollten sie sich für Kurse etc interessieren.....
Es geht nur um Geld, Ansehen in ihrer Community, Sicherheit was Aufenthalt betrifft um hier bleiben zu können, den deutschen Pass will man aus gleichen Gründen, nicht weil man hier dazugehören möchte.

Ich kenne viele Familien die durchaus in Frieden hier leben, stören nicht, bemühen sich, ganz Wenige leben ohne Jobcenter, aber in ihren Möglichkeiten versuchen sie sich hier einzurichten....mehr wird da nie kommen.....aber ok......ein paar Junge dieser Familien schaffen mehr und wissen es hier zu schätzen....wie viele....10-20%....
Alle Anderen werden sich niemals integrieren....so lange sie unauffällig betrügen bzw. nichts tun um von staatl. Hilfen los zu kommen , ist es so.....die Anderen nehmen sich was sie kriegen können und das auch mit Gewalt...

Eine Lösung.....zu spät....wenn sie jetzt Sachleistungen geben, wird Betrug und Gewalt zunehmen denn die das betrifft sind hier und wollen auch nicht weg, einsperren tut sie niemand um abzuschieben, wird auch in Zukunft nicht funktionieren...aufhalten können wird man auch niemanden....wirklich hartes Vorgehen will ja niemand....sie werden nie Alles auseinander differenzieren, die die wirklich Schutz brauchen und alle Anderen....wie überall wird es ungerecht bleiben....

Wie will man selbst beim besten Willen das Chaos wieder auseinanderfummeln....wo anfangen....schon alleine die komplexe Bürokratie die mir so oft schon so auf den Keks geht....auch das war ein Grund warum ich auswanderte, die so nervige Bürokratie, Verwaltung, Anträge, Papiere für jeden Mist und tausend Regeln die einem den Alltag vermiesen....wenn mir schon zu viel wie gehts dann Migranten....
Da werden auch ob im Jobcenter oder auf Jobbörsen oder wo auch immer Haufen Papiere den Leuten in die Hand gedrückt....die dann hilflos da stehen, Fristen versäumen....bei den Verwaltungen denken sie wohl irgend einen Dummen werden die schon finden der sich kümmert....

Es führt ins Uferlose....ich seh kein Land.....normal bin ich ein zuversichtlicher, positiver Mensch, momentan bin ich so wenig optimistisch wie noch nie.....

Und diese Stadt macht mich krank, kleine Fluchten raus geben etwas Kraft, weg kann ich aber weder von dieser Stadt noch dem Land....und dass ich eine ungute Situation nicht ändern kann das treibt mich auch um......wie so viele....war jetzt keine Einheitsrede....oder vielleicht ja doch

chavah
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von chavah » 03.10.2023, 17:27

Du arbeitest wohl überwiegend mit Kranken zusammen, ich weiß nicht, ob man da so einfach rückschließen kann auf die allgemeine Situation. Da tu ich mich schwer. Einig sind wir uns dahingehend, dass man gerade bei den Sprachkursen, also das, was ganz am Anfang geschieht, mehr Druck machen muss und auch kann. Die Weichen also gleich anders gestellt werden. Ich halte diese erste Phase für sehr, sehr wichtig. Da ist Großzügigkeit einfach nicht angesagt. Denn jemand, der sich nicht integrieren kann, weil er nicht sprechen kann, der schließt sich an die an, mit denen er kommunizieren kann. Als ich das mal einem Beamten erklärte, hat der mich angeguckt, als wenn ich ihm ein unanständiges Angebot machen würde.

Nach all den Jahren, in denen ich mich jetzt schon engagiere, kann ich nur sagen, es funktioniert, wenn man sich dazu aufrafft, aus dem alten Trott heraus zu kommen, das ganze anders zu organisieren und vor allen Dingen Getto-Bildung zu verhindern. Ich habe z.B. über viele Jahre zwei afghanische Jungen betreut. Die kamen als Kinder allein (10 und 11 Jahre alt) nach Deutschland. Die Eltern hatten von ihrem letzten Geld noch Schleuser bezahlt, die die Kinder außer Landes brachten, kurze Zeit später wurden die Eltern ermordet. Das war also der letzte Liebesdienst an die Kinder. So, in Deutschland wurden sie irgendwo dazu gesteckt, in ein Flüchtlingsheim, von dort aus zur deutschen Schule geschickt, die sie gelegentlich aufsuchten. Als sie mit ersten kriminellen Handlungen auffielen (etwa 2 Jahre später), sprachen sie kein deutsch, waren aber fest in einer Gang eingebunden. Ein Polizist machte mich auf die beiden aufmerksam, fragte, ob ich denn helfen könne. Weder Jugendamt noch Schule fühlten sich verantwortlich. Der Vormund der beiden betreute ca. 70 Kinder. In der Schule bekam ich ca. 1 Stunde zu hören, wie schwer der Job als Lehrer sei, und deshalb sei man froh für jeden, der nicht kam. Das wars.

Ich habe dann für eine Heimunterkunft (weit weg von der Gang) gesorgt, für einen Integrationskurs, die Teilnahme kontrolliert u.s.w. Mit 20 hatten beide einen Schulabschluss, einer arbeitet als Handwerker, der andere studiert Informatik, betreibt nebenbei einen Handy-Reparaturladen. Ich habe in Deutschland so langsam das Gefühl, der Weg interessiert viel mehr als das Ergebnis. Wie oft ich höre, dann habe man mit dem telefoniert, dann hier und dort geguckt, dann Mr.X informiert, und, und, und ..... Das interessiert doch gar nicht. Das Ergebnis interessiert mich. Der Weg ist nicht der Erfolg.

Chavah

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von chavah » 03.10.2023, 18:16

Karima, wir haben vorhin gleichzeitig geschrieben, nur ich hab es nicht geschafft, meinen Beitrag abzuschicken; geschah erst jetzt, ich werde alt und tüttelig.

In einem stimme ich dir völlig zu. Die Entscheidungsgänge bei uns sind so überladen und kompliziert, dass ein neuer Mitbürger sie nicht bewältigen kann, mit den Formularen, der fremden Sprache, und, und, und ..... Und sie bringen auch nichts. Außer, dass sie uns viel kosten und unsere neuen Mitbürger eben in Auswege wie Bezness, Betrug, was weiß ich treiben. Und das mit dem Zurückschicken ist auch so eine Sache. Wir haben unsere Justiz über Jahrzehnte kaputt gespart. Die Gerichtsverfahren dauern viel zu lange. Der Verwaltungsrichter, der in so Sachen entscheidet, hat in meinem Bundesland einen "Arbeitsvorrat" von durchschnittlich 2 Jahren. Wir sind nicht in der Lage, in der Anfangszeit festzustellen, aus welchem arabisch geprägtem Land der Antragsteller nun kommt. Eigentlich kann man das anhand des "arabischen Dialekts." Man stellt also gar nicht sicher fest, ob hier überhaupt die Voraussetzungen für eine Aufnahme bestehen. Und man bemüht sich auch nicht, mit den Heimatländern sichere Rücknahmeabkommen zu schließen. Das ist ja auch noch so eine Sache. Ich weiß nicht, warum man das nicht tut. Frau von der Leyen hat ja jetzt so eine Maßnahme eingeleitet, hoffen wir, dass es dann zumindest auf der Ebene klappt.

Ich kenne viele, die ganz ohne ALG II auskommen, offensichtlich verkehrst du nicht im richtigen Umfeld. Mich treibt zur Zeit eine Sache um. Nur mal als Beispiel: die US-Army hat ja im Lauf der letzten Jahrzehnte viele Liegenschaften zurück gegeben an die Deutschen. Das sind teilmöblierte intakte Wohnblocks, Verwaltungsgebäude, Schulen (!), Supermärkte u.s.w. Da eingerichtete Küchen Standard sind, viele Einbauschränke da sind, bieten sich diese geradezu an, eben Flüchtlinge in der Anfangsphase so unterzubringen. Schulung gleich nebenan in der Schule, man hätte alles im Blick und im Griff. Nee, das geschieht nicht. Lieber lässt man die Teile so lange leer stehen, bis sie abrissreif sind und errichtet gleichzeitig irgendwo Notunterkünfte. In einer Großstadt 20 Jahre, in einer Mittelstadt riss man die Blocks vorher ab, weil sie zu nahe an den Schienen auf der einen Seite standen und auch die Autobahn auf der anderen Seite ja mächtig laut sei.

Ich verstehe das alles nicht, wirklich nicht.

Chavah

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