Bezness oder wahre Liebe ?

Erfahrungen mit Flüchtlingen und Migranten zum Thema Bezness

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Greeneyes87
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Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Greeneyes87 » 17.10.2018, 00:09

Hallo ihr Lieben,

ich habe mich hier angemeldet, da ich Moment nicht so Recht weiß ob Bauchgefühl richtig ist. Ich versuche mich kurz zu fassen und hoffe auf Rückmeldung.

Wir (ich, weiblich, Anfang 30, Deutsche, Christin), er (Mitte 30, aus Syrien, lockerer Moslem) haben uns vor zwei Jahren über Bekannte kennengelernt. Er kam als Flüchtling nach Deutschland. Zu Oberflächlichkeiten, wir sind beide ganz attraktiv, aber keine Supermodels.
Sexuell ging es sehr schnell bei uns (nach 5 Treffen alleine).

Nach kurzer Zeit hat er super Deutsch gelernt, spricht vier weitere Sprachen fließend und arbeitet seit dem er es darf auch in D. Er hat eine Weiterbildung machen können und arbeitet nun in seinem eigentlichen Studienberuf hier weiter.


Das klingt für mich erstmal alles nicht nach Bezness!
Eher nach einem modernen, weltoffenen Mann der eine Chance im Leben in Deutschland sieht.

Wir sind ein Paar und haben nach einiger Zeit eher auf Wunsch der Eltern islamisch geheiratet, ich bin nicht ! konvertiert. Wir essen Schweinefleisch, ich trage ein Kreuz und wir trinken Alkohol, haben einen gemeinsamen Freundeskreis, reisen gerne und genießen die Zeit zusammen. Wir diskutieren gerne über Politik, über Religion.

Seit der islamischen Hochzeit leben wir auch zusammen.
Es gibt manchmal Streit, wie wohl in jeder Ehe und er ist wirklich ein Pascha vor dem Herren (was den Haushalt angeht), mittlerweile hat er aber schon ein bisschen eingelenkt.
Wir besuchen seine und meine Familie die in Deutschland verteilt leben. Ich habe das Gefühl alles ist in Ordnung, jeder akzeptiert jeden. Wer was heimlich denkt ist ja egal.

Zum Thema Geld:
Er verdient mehr als ich und bezahlt freiwillig alle Fixkosten, er sagt das sei seine Pflicht als Mann und ich könne mein Geld für uns sparen oder für mich ausgeben.

Ich liebe ihn und ich habe das Gefühl er liebt mich, aber irgendwie denke ich manchmal, dass ein Mann aus diesem Kulturkreis doch gar nicht SO EINR Frau wie mich lieben kann, eine Deutsche. Vielleicht ein Vorurteile.

Standesamtliche Heirat war durchaus auch ein Thema eher von ihm, wir haben uns aber entschieden noch etwas zu warten um eine schöne große Hochzeit leisten zu können.

Thema Kinder war eigentlich schon nach kurzer Zeit Beziehung Gesprächsthema, vor allem von mir, nach der islamischen Hochzeit haben wir es dann darauf ankommen lassen und erwarten nun unser erstes Kind.

Wichtig ist ihm das geteilte Sorgerecht und das sein Kind seinen Nachnamen trägt.

Habe ich hier wirklich meinen Traummann gefunden oder muss ich was befürchten ?
Irgendwie mache ich mir erst seit der Schwangerschaft solche Gedanken, davor habe ich nie daran gedacht.

Über seinen Aufenthalt weiß ich, dass er in zwei Jahr die Einbürgerung beantragen kann. Ist er damit geduldet?
In wieweit sich das Kind nun positiv darauf auswirkt weiß ich nicht.

Eigentlich glaube ich nicht das ein Mensch so lange so ein Schauspieler sein kann, aber wenn ich hier manches lese denke ich ohhh jeeee.

Efendi II
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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Efendi II » 17.10.2018, 01:28

Greeneyes87 hat geschrieben:
17.10.2018, 00:09
Über seinen Aufenthalt weiß ich, dass er in zwei Jahr die Einbürgerung beantragen kann. Ist er damit geduldet?
Mit einer Duldung kann er keine Einbürgerung erreichen, denn eine Duldung ist kein Aufenthaltstitel, begründet keinen rechtmäßigen Aufenthalt und ist nur die vorübergehende Aussetzung der Abschiebung, was sich allerdings auch sehr kurzfristig ändern kann, d.h. die Abschiebung kann jederzeit vollzogen werden, wenn die Gründe die zur Erteilung der Duldung geführt haben, nicht mehr gegeben sind.
Wir sind ein Paar und haben nach einiger Zeit eher auf Wunsch der Eltern islamisch geheiratet,
Eine islamische Eheschließung ist ohne jede juristische Bedeutung und spielt auch bei aufenthaltsrechtlichen Belangen überhaupt keine Rolle.
Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Immanuel Kant)

Greeneyes87
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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Greeneyes87 » 17.10.2018, 07:45

Guten Morgen, vielen Dank für deine Antwort :D

Ich weiß nicht ob er eine Duldung oder "was besseres" hat, das war eher eine Frage. Ich habe mich mit diesem ganzen, nie wirklich auseinander gesetzt.

Sein Aufenthaltstitel wurde das zweite Mal für drei Jahre verlängert, er arbeitet (glaube circa 5 Jahre hiet in D), darf umziehen wohin er möchte und dann eben auch definitiv die Einbürgerung beantragen.

Anaba
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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Anaba » 17.10.2018, 08:27

Guten Morgen Greeneyes,

willkommen im Forum 1001 Geschichte.
Das Team wünscht dir einen guten Austausch.

Bezness hat viele Gesichter. Dein Freund wird dich, wie es aussieht, nicht für den Aufenthalt brauchen.
Als Syrer ist er relativ sicher hier und da er einen guten Job hat, wird ihm von der Seite wenig passieren.
Alles andere klingt erstmal gut.
Was die Familie wirklich denkt, welche Pläne sie wirklich haben, kann keiner von uns sagen.
Die Erfahrung zeigt allerdings, dass eine christliche Frau nicht der Traum moslemischer Eltern ist.
Egal, wie modern sie sich geben, am Ende des Tages soll es doch die moslemische Jungfrau sein.
Das dein Freund und die Familie nicht ganz so modern sind wie du annimmst zeigt, dass ihr bereits in der Moschee
geheiratet habt.
Wir sind ein Paar und haben nach einiger Zeit eher auf Wunsch der Eltern islamisch geheiratet, ich bin nicht ! konvertiert.
Wie praktisch.
So kann er mit dir leben, ohne Konsequenzen für ihn. Kann theoretisch schnell „richtig“heiraten, falls er das möchte.
Der Sex ist legalisiert und alle können zufrieden sein.
Die Frage, die sich mir da stellt, warum macht eine Frau so etwas mit?
Als moderne Christin mosl. heiraten?
Ich bin sicher einiges älter als du, aber niemals hätte ich mich auf solchen Deal eingelassen und mein Mann wäre nicht mal
auf die Idee gekommen, mich um so etwas zu bitten.
Vielleicht solltest du wissen, dass es in vielen mosl. Ländern inzwischen verboten ist, ohne standesamtliche Trauung in der Moschee zu heiraten.
Die Imame halten sich auch daran, denn für sie könnte das Ärger geben.
Aber Deutschland sieht dafür keinen Grund die Gesetze wieder zu ändern.
Da diese Ehen hier nicht mehr registriert werden müssen, können auch Zweitfrauen (und mehr) geheiratet werden.
Ein Paradies für Polygamie.

Was du sonst schreibst klingt alles erstmal nicht so schlecht.
Allerdings sagt es nichts aus, dass er Schweinefleisch und Alkohol nicht abgeneigt ist.
Wenn er irgendwann mal ein „anständiges“ Leben führt, ist es damit natürlich vorbei.
Deine Geschichte oder ähnliche konnten wir hier schon oft lesen.
Anfangs alles modern und leicht, war es dann eines Tages damit vorbei.
Dann hatten die Herren sich ausgetobt und fügten sich der Religion, den Traditionen und vor allem der Familie.
Für mich sind solche problemlosen bikulturellen Beziehungen, eher verdächtig.
Wie kann man alles abschütteln und ändern, was bisher das Leben geprägt hat?
In einer ehrlichen Beziehung gibt es Konflikte und man muss ausloten, wie sich zwei Kulturen miteinander vertragen.
Das ist nicht leicht, aber es ist der normale Weg.
Plötzlich ein westliches Leben führen? Das geht m.M.n. gar nicht.

Das sind meine Gedanken zu deiner Frage.
Liebe Grüße
Anaba

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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von gadi » 17.10.2018, 09:30

Hallo Greeneyes und herzlich willkommen auch von mir!

Ich möchte Anabas obigen Beitrag unterschreiben. Bezness hat viele Gesichter, schreibt sie. Ganz meine Meinung.
Bei einer "ehrwürdigen moslemischen Jungfrau" hätte er sich nicht so verhalten, wie er es bei dir getan hat.

Vielleicht mag er dich, ja. Vielleicht sogar sehr. Aber so "richtig ernst und für immer"? Es tut mir leid, aber hier habe ich meine Zweifel.

Kann es auch sein, dass du schwanger geworden bist kurz nachdem ihr entschieden habt, mit der "richtigen Hochzeit" noch zu warten?
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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Greeneyes87 » 17.10.2018, 09:47

Hallo, vielen Dank für eure ehrliche Meinungen.

:arrow: ohne ihn jetzt in Schutz zu nehmen. Ich wollte eine standesamtliche Hochzeit NOCH nicht.
Er hat das akzeptiert, er meinte nur er findet es komisch, wenn ein Kind ohne rechtliche Ehe zur Welt kommt.

Und diese Gedanken mit einer Jungfrau aus der Heimat habe ich eben auch. Natürlich sagt er, für ihn spielt so etwas keine Rolle mehr. Vielleicht ist es auch so wie ihr sagt und er lebt sein lockeres Leben mit mir.
Ich frage mich aber warum man sich dann auf ein Kind einlässt? Denn da war mein Wunsch eher die treibende Kraft.

Er war schon mal verheiratet und die Frau war streng religiös und hatte versucht ihn mit zu ziehen, das hatte laut seiner Aussage einfach nicht funktioniert. Er findet alle Religionen bedeuten Krieg.
Mit dieser Frau war er in der Heimat ebenfalls nur islamisch verheiratet, zumindest hat er eine Ledigkeitsbescheinigung. Sie haben keine gemeinsamen Kinder.

Die Schwangerschaft war von uns beiden gewollt. Nur nicht so schnell geplant. Ich weiß nicht ob man das so nachvollziehen kann.

Er sagt auch ganz klar, das er sich eine Staatsangehörigkeit wünscht und froh ist wenn er diese aus eigener Kraft bekommt.

Für eine islamische Hochzeit in der Heimat müsste er ja aber vor Ort sein, richtig ?

Ich habe mich für die islamische Hochzeit entschieden, da wir bei uns nicht in der Kirche heiraten dürfen. Das war erst meine Idee. Irgendwie war es aber für uns beide wichtig, einen Segen zu habe. Vielleicht für manche ein bisschen komisch, aber ja.

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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Greeneyes87 » 17.10.2018, 10:11

:arrow: "Für mich sind solche problemlosen bikulturellen Beziehungen, eher verdächtig.
Wie kann man alles abschütteln und ändern, was bisher das Leben geprägt hat?
In einer ehrlichen Beziehung gibt es Konflikte und man muss ausloten, wie sich zwei Kulturen miteinander vertragen.
Das ist nicht leicht, aber es ist der normale Weg.
Plötzlich ein westliches Leben führen? Das geht m.M.n. gar nicht."

Ich habe leider noch nicht verstanden wie man zitiert :mrgreen:

Da muss ich aber teilweise widersprechen und das hat null mit dem Amiga Syndrom zu tun, wie ihr es hier im Forum nennt.

Ich weiß, das er in verschiedenen Ländern studiert hat und somit auch das lockere Leben bereits vor mir kannte und auch gelebt hat. Er hat einen Hund in D gekauft, weil das immer sein Traum war. Seine Familie findet das teilweise schrecklich, ein Hund im Haus (😂😂😂).
Ihm ist es egal, er sagt das ist sein Leben.
Einige seiner Familienmitglieder leben ja auch hier in D. Einige von den Männern leben mit ihren Landsfrauen, die auch meistens Kopftuch tragen, ja. Aber einige leben auch schon viele Jahre glücklich in einer bionationalen Ehe und ähnlich locker wie wir. Natürlich zeigen sie das nicht so vor den Respektpersonen der Familie.

Wir streiten uns nicht oft, das stimmt. Ist das ein schlechtes Zeichen 🤔?
Wir haben einfach ähnliche Ansichten und Absichten (so sehen ich das zumindest), wir haben ziemlich schnell unsere Grenzen für beide festgelegt und keiner versucht den anderen zu ändern. Wir streiten uns eher über Kleinigkeiten wie Haushalt oder so.
Aber grundsätzliche Diskussionen über Geld, Religion, Tradition gibt es nicht. Er macht mir keine Vorschriften wie man es oft hört, Körperkontakt in der Öffentlichkeit ist normal. Wir haben aber beide die Meinung das einige Handlungen nicht in die Öffentlichkeit gehören.

Bevor wir das Thema Kinderwunsch angegangen sind haben wir uns auch lange darüber unterhalten was Religion etc. angeht.

Wie gesagt, ich habe meine Bedenken, ja und ich bin für jede Meinung/Erfahrung dankbar.
Aber auf der anderen Seite denke ich mir, vielleicht ist es wirklich so wie er sich gibt und genießt die Freiheit die er in D hat. Vielleicht möchte er keine Jungfrau, weil ihm persönlich das nicht so wichtig ist und er mich liebt. Natürlich ist mir klar, dass er auf seine Familie emotional angewiesen und nicht alles was sie sagen ihm egal ist.
Vielleicht ist er aber stark genug zu sagen, nein ?!
Vielleicht ist das aber auch nur alles eine Hoffnung.

Letztendlich kann ich ja nicht viel machen außer abwarten. Er hat für mich jetzt nichts gemacht was eine aktuelle Trennung provozieren könnte, aber trotzdem habe ich Angst wie es eben in 3-4 Jahren endet.

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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Nilka » 17.10.2018, 10:54

Liebe Greeneyes,

Ich finde, du sollst dein Leben einfach leben. Du legst einen gesunden Misstrauen an den Tag, das wird dir hoffentlich ein Wegweiser und Warnsystem in einem sein. Du kannst jetzt sowieso schlecht/bist nicht bereit anhand von nur Bedenken und Beführchtungen das ganze zu beenden.
Ich verstehe, dass du das Ganze irgendwie legalisieren wolltest und dass das für dich keine religiöse Bedeutung hat, aber uns hier schüttelt es, wenn wir das hören.
Ich wünsche dir, dass sich das bewahrheitet:
Aber auf der anderen Seite denke ich mir, vielleicht ist es wirklich so wie er sich gibt und genießt die Freiheit die er in D hat. Vielleicht möchte er keine Jungfrau, weil ihm persönlich das nicht so wichtig ist und er mich liebt. Natürlich ist mir klar, dass er auf seine Familie emotional angewiesen und nicht alles was sie sagen ihm egal ist.
Vielleicht ist er aber stark genug zu sagen, nein ?!
Bleib aber aufmerksam und lass dich nicht verbiegen. Tue nichts, was du eventuell später bereuen könntest, denn es kann auch sein, dass er, auch wenn er jetzt ehrlich meint, seine Religiosität nach Jahren wieder entdeckt und danach handelt. Das kann dann nicht lustig sein.

Ich wünsche dir alles Gute.

Zum Zitieren:
Die Stelle aus deinem Beitrag habe ich kopiert und in die vorher angeklickten :arrow: "(oben vierte von links) Zeichen plaziert.
Du kannst vor dem Absenden im Vorschau üben.
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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Efendi II » 17.10.2018, 11:46

Greeneyes87 hat geschrieben:
17.10.2018, 07:45
Ich weiß nicht ob er eine Duldung oder "was besseres" hat, das war eher eine Frage. Ich habe mich mit diesem ganzen, nie wirklich auseinander gesetzt.
Wenn man mit einem (ausländischen) Menschen zusammenlebt, sollte man sich allerdings schon für seinen Aufenthaltsstatus interessieren. Das schützt ggf. vor unangenehmen Übrraschungen.
Sein Aufenthaltstitel wurde das zweite Mal für drei Jahre verlängert, er arbeitet (glaube circa 5 Jahre hier in D), darf umziehen wohin er möchte und dann eben auch definitiv die Einbürgerung beantragen.
Eine Einbürgerung wird erst nach einem 8jährigen rechtmäßigen Aufenthalt, sowie bei Erfüllung verschiedener anderer Voraussetzungen möglich sein.
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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Efendi II » 17.10.2018, 11:56

Greeneyes87 hat geschrieben:
17.10.2018, 09:47
Die Schwangerschaft war von uns beiden gewollt. Nur nicht so schnell geplant. Ich weiß nicht ob man das so nachvollziehen kann.
Natürlich kann man das nachvollziehen. Das verbessert doch seinen Aufenthaltsstatus ungemein und sichert in zumindest für die nächsten 18 Jahre. Eröffnet es ihm doch außerdem noch die Möglichkeit, den Zuzug einer wahrhaft gläubigen und der Familie genehmen Jungfrau aus der Heimat zu bewerkstelligen, die er dann auch richtig (beim Standesamt) heiraten kann.
Zuletzt geändert von Efendi II am 17.10.2018, 12:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Anaba » 17.10.2018, 12:05

Du schreibst, er war in Syrien bereits islamisch verheiratet und hat nun eine Ledigkeitsbescheinigung.
Die braucht er aber zum erneuten heiraten nicht, denn eine islamische Ehe zählt hier rechtlich nicht.
In vielen moslemischen Ländern dürfen Imame keine Ehe schließen, die nicht vorher auf dem Standesamt geschlossen wurde.
Wie das in Syrien ist, weiß ich allerdings nicht.

Ich könnte jetzt noch einiges schreiben, aber ich denke zum jetzigen Zeitpunkt möchtest du das nicht hören,
denn es läuft alles nach Wunsch.
Es würde auch an den Tatsachen nichts ändern. Ihr seid verheiratet und du bekommst bereits ein Kind.
Mit Allah ist also alles im Reinen. :wink:
Ich gebe Nilka recht, du musst dein Leben leben, darfst dich möglichst nicht verbiegen lassen und solltest darauf achten, wenn
dir etwas komisch vorkommt.
Du schreibst:
Wir haben einfach ähnliche Ansichten und Absichten (so sehen ich das zumindest), wir haben ziemlich schnell unsere Grenzen für beide festgelegt und keiner versucht den anderen zu ändern. Wir streiten uns eher über Kleinigkeiten wie Haushalt oder so.
Ich wünsche dir von Herzen, das es so weiterläuft und der Haushalt das einzige Problem bleibt.
Liebe Grüße
Anaba

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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Anaba » 17.10.2018, 12:11

Efendi II hat geschrieben:
17.10.2018, 11:46
Greeneyes87 hat geschrieben:
17.10.2018, 07:45
Ich weiß nicht ob er eine Duldung oder "was besseres" hat, das war eher eine Frage. Ich habe mich mit diesem ganzen, nie wirklich auseinander gesetzt.
Wenn man mit einem (ausländischen) Menschen zusammenlebt, sollte man sich allerdings schon für seinen Aufenthaltsstatus interessieren. Das schützt ggf. vor unangenehmen Übrraschungen.


Das ist mir auch sofort aufgefallen.
Du lebst seit zwei Jahren mit deinem Freund zusammen, heiratest ihn in der Moschee, wirst ein Kind von ihm haben und interessierst dich nicht für seinen Aufenthalt?
Wie kann man da eine Zukunft planen?

Du fragst: „Bezness oder Liebe?“

Für die Antwort ist der Aufenthaltsstatus sehr wichtig.
Liebe Grüße
Anaba

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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Corinna » 17.10.2018, 13:39

Hallo Greeneyes,

ich möchte mich den anderen anschließen und sagen: "Laß Dich nicht verbiegen und lebe Dein Leben".

Du schreibst, daß Du ihn liebst. Sei selbstbewußt und unabhängig.

Liebe und Unabhängigkeit passen zusammen.
Liebe und Abhängigkeit passen gar nicht zusammen.

Alles Gute
Corinna

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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Greeneyes87 » 17.10.2018, 14:13

Efendi II hat geschrieben:
17.10.2018, 11:46
Greeneyes87 hat geschrieben:
17.10.2018, 07:45
Ich weiß nicht ob er eine Duldung oder "was besseres" hat, das war eher eine Frage. Ich habe mich mit diesem ganzen, nie wirklich auseinander gesetzt.
Wenn man mit einem (ausländischen) Menschen zusammenlebt, sollte man sich allerdings schon für seinen Aufenthaltsstatus interessieren. Das schützt ggf. vor unangenehmen Übrraschungen.
Sein Aufenthaltstitel wurde das zweite Mal für drei Jahre verlängert, er arbeitet (glaube circa 5 Jahre hier in D), darf umziehen wohin er möchte und dann eben auch definitiv die Einbürgerung beantragen.
Eine Einbürgerung wird erst nach einem 8jährigen rechtmäßigen Aufenthalt, sowie bei Erfüllung verschiedener anderer Voraussetzungen möglich sein.

Ich habe mich nie dafür interessiert, da mir schon schnell klar war er kann nicht einfach abgeschoben werden.
Wir reisen im Schengenraum und sind auch ohne Probleme in eine andere Stadt gezogen. Ich wusste nicht einfach nicht ob eine Duldung einer befristeter Aufenthaltserlaubnis gleicht.
Ich kann jetzt nur zurück geben was uns die Dame bei der Ausländerbehörde gesagt hat (ich war bei dem Termin dabei). Er hat alle anderen Vorraussetzungen, unbefristeten Arbeitsvertrag, C1 Zertifikat jetzt schon. Nur noch nicht jetzt 60 Monate eingezahlt. Ich weiß nicht ob es bei ihm ein "Sonderfall" ist, er hatte sich nämlich auch sehr ehrenamtlich in der Stadt in der er lebte engagiert und hat dafür eine Auszeichnung bekommen.
Könnte das irgendeine Rolle spielen ? Ansonsten habe ich jetzt bei Google was von 6-8 Jahren gelesen bis zur Niederlassungserlaubnis.

Greeneyes87
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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Greeneyes87 » 17.10.2018, 14:16

Anaba hat geschrieben:
17.10.2018, 12:05
Du schreibst, er war in Syrien bereits islamisch verheiratet und hat nun eine Ledigkeitsbescheinigung.
Die braucht er aber zum erneuten heiraten nicht, denn eine islamische Ehe zählt hier rechtlich nicht.
In vielen moslemischen Ländern dürfen Imame keine Ehe schließen, die nicht vorher auf dem Standesamt geschlossen wurde.
Wie das in Syrien ist, weiß ich allerdings nicht.

Ich könnte jetzt noch einiges schreiben, aber ich denke zum jetzigen Zeitpunkt möchtest du das nicht hören,
denn es läuft alles nach Wunsch.
Es würde auch an den Tatsachen nichts ändern. Ihr seid verheiratet und du bekommst bereits ein Kind.
Mit Allah ist also alles im Reinen. :wink:
Ich gebe Nilka recht, du musst dein Leben leben, darfst dich möglichst nicht verbiegen lassen und solltest darauf achten, wenn
dir etwas komisch vorkommt.
Du schreibst:
Wir haben einfach ähnliche Ansichten und Absichten (so sehen ich das zumindest), wir haben ziemlich schnell unsere Grenzen für beide festgelegt und keiner versucht den anderen zu ändern. Wir streiten uns eher über Kleinigkeiten wie Haushalt oder so.
Ich wünsche dir von Herzen, das es so weiterläuft und der Haushalt das einzige Problem bleibt.
Dankeschön, das hoffe ich auch sehr :) und wenn nicht hoffe ich nur das wir uns im guten trennen. Falls sowas in den Fall möglich wäre.
Es kann auch gut sein daß er doch dort standesamtlich verheiratet war, aber schon dort geschieden ist. Soweit ich weiß lebt seine Ex-Frau nun in Schweden, ob das stimmt weiß ich natürlich nicht zu 100%.

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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von gadi » 17.10.2018, 14:19

Liebe Greeneyes,

dein "ungutes/zweifelndes Gefühl im Hinterkopf" kann dir hier leider niemand so richtig nehmen.
Ich wünsche dir von Herzen, dass sich deine Hoffnung darauf "die Nadel im Heuhaufen gefunden zu haben" erfüllt!

Bleib wachsam, bleib kritisch, bleib ehrlich zu dir selbst.
Komm jederzeit her, wenn du Nachfragen hast oder etwas berichten willst. Lies viel bei uns.
Alles Gute für die Schwangerschaft, die Geburt und die Zeit danach.
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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Efendi II » 17.10.2018, 14:39

Greeneyes87 hat geschrieben:
17.10.2018, 14:13
Ich habe mich nie dafür interessiert, da mir schon schnell klar war er kann nicht einfach abgeschoben werden.
Wir reisen im Schengenraum und sind auch ohne Probleme in eine andere Stadt gezogen. Ich wusste nicht einfach nicht ob eine Duldung einer befristeter Aufenthaltserlaubnis gleicht.
Anscheinend weißt Du es immer noch nicht oder Du bist nicht bereit es hier preiszugeben?
Ich kann jetzt nur zurück geben was uns die Dame bei der Ausländerbehörde gesagt hat (ich war bei dem Termin dabei).
Ja und? Was hat sie gesagt?
Ich weiß nicht ob es bei ihm ein "Sonderfall" ist, er hatte sich nämlich auch sehr ehrenamtlich in der Stadt in der er lebte engagiert und hat dafür eine Auszeichnung bekommen.Könnte das irgendeine Rolle spielen ? Ansonsten habe ich jetzt bei Google was von 6-8 Jahren gelesen bis zur Niederlassungserlaubnis.
Eine Rolle spielen, wofür? Bei einer Einbürgerung spielt das möglicherweise schon eine Rolle (Gute Integrationsleistungen). Für eine Niederlassungserlaubnis leider nicht, da sind u.a. 60 Rentenbeiträge erforderlich, nach meiner Rechnung sind das 5 Jahre Arbeitsleben. Es gibt allerdings auch Berufsgruppen (z.B. Ärzte), wo die Rentenanwartschaft schon eher erreicht wird.
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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Ponyhof » 17.10.2018, 15:06

Zumindest hört sich das für mich erstmal icht nach Bezness an. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht trotzdem Probleme geben kann.

Es gibt unter den Syrern durchaus westlich eingestellte Menschen, die sich hier dauerhaft integrieren wollen und auch können. Dass er von dich aus die Sprache sehr gut gelernt hat und arbeitet, spricht für Intelligenz, Fleiss und den Willen, hier anzukommen. Auch seine Bereitschaft, sich finanziell im Haushalt einzubringen spricht für ihn.

Dennoch kann es aufgrund seiner Kultur/Sozialisation natürlich immer zu Problemen kommen. Daher werdet ihr vermutlich immer etwas mehr an Eurer Beziehung arbeiten müssen als Andere, und auch in der Kindererziehung vielleicht unterschiedliche Ansichten haben.
„Nicht zu bekommen, was man will, ist manchmal ein grosser Glücksfall.“ Dalai Lama

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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Thelmalouis » 17.10.2018, 15:56

Hallo Greeneyes,

willkommen auch von mir.
Wir sind ein Paar und haben nach einiger Zeit eher auf Wunsch der Eltern islamisch geheiratet, ich bin nicht ! konvertiert
Mich stört diese islamische Heirat sehr.
Auch wenn dies bei uns nicht rechtlich anerkannt ist, bist du ihm uns seinen Eltern hier sehr entgegen gekommen.
Dass sie darauf bestanden haben und ER ihrem Wunsch entsprochen hat, zeigt mir, dass bei ihm und seiner Familie die Religion schon eine große Rolle spielt.
Dass ihr hier "locker" einen westlichen Stil lebt, muss überhaupt nichts bedeuten und steht auch im totalen Widerspruch zu dieser islamischen Heirat.

Inwieweit seine religiöse Einstellung und Kultur in der Kindererziehung noch eine Rolle spielen werden, muss sich auch noch zeigen.
Evtl. geht es dann nicht mehr so "locker" zu, aber das ist nur eine Vermutung von mir.
Jedoch kannst du hier im Forum immer wieder nachlesen, wie sich diese Einstellung mit Geburt der Kindern verfestigt hat.

Nun, er will hier in Deutschland Fuß fassen.
Dass er sich selbst engagiert, spricht zwar für ihn, aber durch euer gemeinsames Kind muss er dich, um seinen Aufenthalt zu sichern, nicht mal rechtmäßig heiraten.
Aber dies weißt du ja in der Zwischenzeit.

Ehrlich gesagt, ich traue diesem Frieden nicht und ich wünsche dir nicht, dass seine muslimische Jungfrau schon in den Startlöchern sitzt, bis er hier alles in trockenen Tüchern hat.

Es tut mir leid für dich, dass ich das nicht optimistischer sehe.
Gruß Thelmalouis

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Re: Bezness oder wahre Liebe ?

Beitrag von Efendi II » 17.10.2018, 18:37

Ponyhof hat geschrieben:
17.10.2018, 15:06
Zumindest hört sich das für mich erstmal icht nach Bezness an.
Es gibt unter den Syrern durchaus westlich eingestellte Menschen, die sich hier dauerhaft integrieren wollen und auch können.
Dagegen spricht (zumindest für mich) die rituelle Hochzeit in der Moschee. Was soll denn das bringen? Das bewirkt doch keinerlei rechtliche Relevanz, dass kann er zehnmal machen ohne dass es irgendeine Bedeutung hat, eine Frau übrigens auch.

Wenn er tatsächlich so weltlich eingestellt ist, sogar S-Fleisch isst, verstehe ich die Eheschließung in der Moschee noch weniger.
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