nur so interessehalber

Erfahrungen mit Flüchtlingen und Migranten zum Thema Bezness

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Karlotta
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Karlotta » 06.07.2018, 14:35

Hallo Fierrabras, auch ich finde es toll, dass Du hier schreibst, obwohl mir manchmal wegen Deiner "Patienten" der Hut hochgehen möchte.
Hätte jetzt gerne ein Blumen-Smilie :wink: :wink:
Karlotta
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Fierrabras
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Fierrabras » 11.07.2018, 19:39

Es wird noch besser. (und das wird wohl noch schlimmer werden...). Neuerdings wollen meine geflüchteten Patienten ärztliche "Gutachten", warum sie kein deutsch lernen konnten in all den Jahren, die sie hier sind. Gutachten schreibe ich sowieso nicht, wenn überhaupt dann kurze Stellungnahmen, meist nur Bescheinigungen, dass jemand bei uns Patient ist.
Ok, der eine hatte in jungen Jahren (so Mitte 40) einen Schlaganfall, wobei allerdings nur motorische Ausfälle bemerkbar sind. Aber der hatte wenigstens eine Krankheit.
Der nächste konnte aus lauter Sorge um seine im Libanon sitzende Familie seit 2015 kein deutsch lernen und musste sich aus Kummer anderen Frauen und THC zuwenden, die dritte war in Afghanistan nie zur Schule gegangen und nun mit Mitte 30 erstmalig zu lernen, ist natürlich ungewohnt, der vierte konnte bei dem Krach in seinem Hostel nicht schlafen, war deshalb tagsüber müde und konnte nichts lernen....
Nun ja, bei dem Schlaganfall-Patienten könnte tatsächlich eine neurologisch-neuropsychologische mehrstündige Begutachtung sinnvoll sein, denn da könnte es tatsächlich einen medizinischen Grund geben. (kann ich nicht beurteilen).
Aber die anderen...und die werden wütend, wenn ich mich weigere bzw wollen einen Arztwechsel.

Aber sollte irgendwann in Syrien/Irak/Afghanistan Frieden herrschen, dann wird es vermutlich so kommen, dass bevorzugt die dauerhaft hier bleiben dürfen, die deutsch gelernt haben und arbeiten (da kenne ich einen syrischen Kinderarzt, einen afghanischen Krankenpfleger, eine irakische Sozialpädagogin und einen syrischen Lehrer). Und all die anderen? Wird denen dann erlauibt, vor Gericht zu ziehen, mit der Begründung, sie seien benachteiligt gewesen, weil sie aufgrund des Krachs in ihrer Unterkunft sich nicht konzentrieren konnten? Werden dann Sachverständige eingesetzt werden, die das nachprüfen?
Junge, Junge, da blüht uns noch was...

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von gadi » 11.07.2018, 20:12

Danke Fierrabras für einen wieder einmal interessanten - wenn auch besorgniserregenden - Einblick.
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...................................
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Nilka » 11.07.2018, 21:14

Der Hit ist aus Sorge um die Familie nicht lernen können.
Sie ( mit wenigen Ausnahmen) sind lernen nicht gewohnt und wollen das mit allen Mitteln umgehen.
LG ♥ Nilka
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Cosja
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Cosja » 12.07.2018, 01:37

Da beschreibt Fierrabras Begründungen - ich nenne es Ausreden - die ich aus der Zeit, in dem ich im Bildungszentrum von den Schülern, die Integrationskurse besuchten, täglich hörte.
Anfangs versuchte ich, verständnisvoll zu reagieren, aber kurze Zeit danach stellte ich diese Begründungen stets in Frage. Leider bekommt man dann keine Antwort mehr.
Volljährige Schüler können ihre Entschuldigung fürs Fehlen selbst schreiben, ab dem 4. Tag findet sich stets ein gefälliger Allgemeinmediziner, der eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellt, damit er den Patienten schnell wieder los wird, bevor er noch randaliert.
Ich versuchte den Unwilligen zu erklären, dass ein Sprachkurs und das Lernen sie von den Sorgen ablenken würde. Die Herausforderung bewältigen, würde ja auch bedeuten, eine Berufsausbildung zu stemmen, sich anstrengen müssen, aber auch Erfolgserlebnisse anstreben und diese einkassieren und letztendlich über mehr Geld zu verfügen. Das juckte fast keinen!
Ich glaube, diese Denke ist wirklich ... nicht überall präsent.
Müde! Eigentlich ja mude, denn niemand kann das ü aussprechen. Der Tag hat 24 Std. 8 Std Schlaf, 6 Std Integrationskurs, danach Hausaufgaben ... bleiben genug Stunden, um sich zu regenerieren, um Party zu feiern oder um die Häuser zu streifen, um sich Sorgen zu machen.
Diese Menschen, die diese Ausreden benutzten, machten stets einen sehr beratungsresistenten sowie phlegmatischen Eindruck auf mich. Egal welche Herkunft, egal ob 3 Jahre Schulausbildung oder 8 Jahre.
Ein Fass ohne Boden, sehr frustrierend - und über die Langzeitfolgen mag ich gar nicht nachdenken, sonst bekommt ich Puls.

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Nilka » 12.07.2018, 08:41

Cosja hat geschrieben: Ich versuchte den Unwilligen zu erklären, dass ein Sprachkurs und das Lernen sie von den Sorgen ablenken würde. Die Herausforderung bewältigen, würde ja auch bedeuten, eine Berufsausbildung zu stemmen, sich anstrengen müssen, aber auch Erfolgserlebnisse anstreben und diese einkassieren und letztendlich über mehr Geld zu verfügen. Das juckte fast keinen!
Ich glaube, diese Denke ist wirklich ... nicht überall präsent.
So weit in die Zukunft denkt keiner. Es zählt jetzt und jetzt bin ich mude und jetzt muss ich mich sorgen :?
Von dem zuviel schlafen wird man richtig mude und muss was dagegen tun - zum Arzt gehen.
Mehr Geld kommt vielleicht des Weges, erstmal muss dieses reichen.
LG ♥ Nilka
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Julija
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Julija » 12.07.2018, 12:05

Ich schließe mich den Dank der Anderen an, liebe Fierrabras.

Derzeit erlebe ich eine weitere Seite. Seit Monaten warte ich auf fest vereinbarte, verbindliche Interviewtermine mit binationalen Paaren. Wieder einmal bin ich drei Stunden gefahren, niemand kam oder sagte ab, obwohl nicht mal 24 Stunden vorher der Termin bestätigt wurde. Wir haben Dolmetscher (falls gewünscht), gewähren eine Aufwanfsentschädigung, das Interview dauert max. eine Stunde, und mittlerweile bieten wir sogar an, Taxikosten für Hin- und Rückfahrt zu übernehmen. Es ist zum Verzweifeln. Wenn es so weitergeht, komme ich nie aus der Erhebungsphase raus.

Zum Glück ist der Großteil der Angefragten, die zugesagt haben, zuverlässig und im Interview ehrlich. Es fällt auch auf, dass das eher Personen aus dem ländlichen Bereich sind, in denen meist beide Teile arbeiten. Dass die Großstadt so einen Widerstand mitbringt, habe ich wirklich nicht bedacht.

Nun ist es aber auch wichtig für meine/unsere Arbeit, dass wir auch gerade diejenigen befragen, die Beziehungskonflikte haben, deren Herausforderungen darin bestehen, den Alltag zu bewältigen usw. Nach dem ersten Jahr Forschung vermute ich, dass positive Presseartikel zum Thema Zuwanderung durch Ehe auch daraus resultieren, dass andere Paare an solchen Befragungen gar nicht teilnehmen oder schlichtweg keine ehrlichen Angaben machen trotz garantierter Anonymität.

Die zweite Zielgruppe unserer Arbeit sind Fachkräfte (Beratungsinstitutuionen, z. T. Personen, die Integrationskurse verantworten). Da habe ich das Gefühl, dass die es gar nicht abwarten können mit uns zu sprechen. Es sprudelt auch nur so heraus. Auch hier zeichnet sich ab, dass in ländlichen Gebieten das Verständnis/Bild der Klienten eher positiv ist und in Großstädten eher negativ aus genau den Gründen, die schon erwähnt wurden.

Noch habe ich zwar genug Zeit um zu "warten", aber ich sehe da teilweise echt schwarz. Das kann zwar auch ein Forschungsergebnis sein, aber dafür hätte ich auch eine Passantenbefragung durchführen können (überspitzt formuliert).
Was das für die Auswertungsphase bedeutet, daran will ich gar nicht denken. Das muss ja alles miteinfließen und trotzdem steht Professionalität an oberster Stelle. Das kostet mich ja jetzt schon viel Zeit und Kraft.

Und ich bin so froh, dass ich nicht die Verantwortung für den Einzelnen trage, sondern (noch) einfach nur die Rolle der Beobachterin und Fragenden.
Wenn ich nicht selbst so ein großes Erkenntnisinteresse hätte (und keinen Vertrag unterschrieben und kein tolles Team), dann würde ich in meinen 20-Kinder-Montag-bis-Freitag-16 Uhr Dienstschluss-Kindergarten zurückgehen und basteln, malen, Kaffee trinken.

Aber ich hoffe, es wird besser. Zumindest scheint bei mir noch Licht am Horizont. Das kann man von anderen Arbeitsbereichen leider nicht mehr sagen.

Ich wünsche dir auch, dass es besser wird, und auch allen anderen, deren Aufgaben in Ausreden-Anhören übergangen ist.
Vielleicht sollten wir ein Bingofeld anlegen, mit Sprüchen und Ausreden und wer als erstes seine Reihe hat, hat einen Blumentopf gewonnen. Manchmal hilft humor :P

Atin
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Atin » 14.07.2018, 15:25

Danke für eure erhellenden Einblicke :D
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Fierrabras
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Fierrabras » 13.08.2018, 13:06

Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.
hier sind meine früheren Einträge zu diesem Typen: "dafür kam der Typ wieder, über den ich auf der ersten Seite hier mich schon beklagt habe. Der, der nach 2 Jahren seinen Namen änderte. Mit dem ist es wie in Treibsand, weil er ja bei jeder unangenehmen Frage sofort sämtliche Sprachkenntnisse verliert...
offensichtlich hat er in intoxikiertem Zustand am Wochenende in einer Kneipe randaliert und Morddrohungen ausgestoßen, wurde in Handschellen auf die Station gebracht, musste auch dort einigie Stunden fixiert werden. Nach Detoxikation sollte ihn seine Frau abholen, die kam nicht, er ist dann einfach so entlassen worden.
Ich wollte das heute mit ihm nachbesprechen. Es war nicht möglich, auch nicht mit Dolmetscher...obwohl er jetzt sichtlich nüchtern war, hat er a) entweder alles vergessen und zwar wirklich alles, inclusive seiner seit 2 Jahren von mir verschriebenen Medikation oder b) ihm schwanden sämtliche Sprachkenntnisse von deutsch, französisch und arabisch im Angesicht meiner Fragen oder c) beides gleichzeitig.
Ich weiss noch nicht einmal, ob mal wieder die Abschiebung droht und/oder es Probleme mit seiner Frau gibt (wobei auch da nicht klar wurde, ob er diese Frau nun geheiratet hat oder noch heiraten wird auch nicht ob sie nun deutsch ist oder eine Landsfrau)."

heute kam der wieder, diesmal brachte er (!) eine Dolmetscherin mit, für französisch, was er auf einmal fliessend sprechen konnte.
Worum ging es? Natürlich: die Abschiebung droht. Und nun sollte ich ein Gutachten schreiben, natürlich für einen Gotteslohn. Als ich erklärte, dass so ein korrekt durchgeführtes Gutachten mehrere Stunden Gespräch und Untersuchung und dann noch einmal mehrere Stunden Aktenstudium und Schreibtätigkeit erfordert und daher 600-800 Euro kostet, ging das Geheule wieder los, er habe kein Geld. Nun finanziert ihm eine Flüchtlingsorganisation aber ein WG-Zimmer im schicksten Kreuzberg (Altbau), damit er nicht in der Flüchtlingsunterkunft leben muss. Aber nein, die könne er natürlich nicht um Kostenübernahme bitten.
Nun ja, ich bin hart geblieben, habe mich nicht erpressen lassen, aber es stand natürlich der Vorwurf im Raum "Wenn ich jetzt abgeschoben werde, sind Sie schuld".

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Zakra » 13.08.2018, 13:22

Da kann ich nur sagen , sehr gut gehandelt Fierrabras. Ich bin so müde geworden über meine Erfahrungen zu sprechen über die Menschen die hier Asyl beantragen, für mich sind 95 % nur Lügner und Betrüger, aber meistens kommen sie ja durch mit ihren Lügen.

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Fierrabras » 13.08.2018, 14:40

nun ja, vermutlich wird er eh nicht abgeschoben werden, da Schizophrenie in Afrika in vielen Ländern (er hatte ja leider vergessen, auch welchem Land er kam) durch Festbinden an einen Baum weit ab des nächstgelegenen Dorfes behandelt wird....
Es ist nur leider überhaupt nicht klar, ob er nun eine behandlungsbedürftige Schizophrenie hat oder nicht. Es gibt auch vorübergehende psychotische Störungen, die müssen nicht auf Dauer behandelt werden. Er bekommt von mir recht hochdosiert antipsychotische Medikation, weil das damals im Krankenhaus zu einer Besserung führte (vermutlich war es das Medikament, was zu Besserung führte...). Bei jedem normalen Patienten hätte ich nach ca 1 Jahr die Dosis langsam reduziert, um zu sehen, ob und falls ja wie viel Medikation überhaupt nötig ist (oft kann sogar bei bekannter Schizophrenie die Dosis locker halbiert werden ohne dass wieder Wahnvorstellung auftreten). Dazu aber muss der Patient dann eine Zeit lang alle 2 Wochen oder sogar jede Woche kommen und ehrlich berichten, wie es ihm geht. Aber weil er eben so dermassen unzuverlässig und unzugänglich war, ging das nicht.
also wenn er simulieren sollte, dann hat er sich eingebrockt, dass er wirklich hochdosiert und über lange Zeit Antipsychotika nimmt. Und die machen auch sexuelle Funktionsstörungen. Weil dies ein sehr sensibles Thema ist, hätte ich das nur im Beisein eines Dolmetschers besprochen. Weil Typ aber so dermassen unzuverlässig war und wir mehrmals auf den Dolmetscherkosten sitzen geblieben sind, habe ich schliesslich keinen Dolmetscher mehr bestellt. tja, Pech für ihn (Blutspiegelkontrollen haben gezeigt, dass er das Medikament wirklich nimmt).

Aber ist nun so die Frage: was ist besser für ihn? hier in D. zu sein und hochdosiert ein nebenwirkungsreiches Medikament zu nehmen, was er vermutlich gar nicht braucht oder zurück in seinem Heimatland zu sein, dafür aber ohne Medikamente (und ggf doch wieder psychotisch zu werden).

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von karima66 » 13.08.2018, 15:39

Zakra, ich bin auch müde geworden darüber zu reden, einzig hier mache ich es noch, ganz selten mal draußen, weil selbst die Leute die sich mit den Kulturen auch auskennen, teilweise Unschönes erlebten, mich nicht verstehen, wie ich solche Aussagen machen könnte, dass eben ca. 95% für mich Lügner und Betrüger sind....und mich die zunehmende Gewalt stört und die Unfreiheit für mich als Frau..frustrierend.

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Fierrabras » 13.08.2018, 15:57

bzw ich habe gerade entdeckt, dass niemals ein Medikamentenblutspiegel bestimmt wurde, weil er so unzuverlässig war. Ich will gar nicht drüber nachdenken, aber evtl. führt der uns alle seit 2 Jahren an der Nase herum und nimmt gar keine Medikamente....

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von karima66 » 13.08.2018, 17:10

Das dachte ich beim lesen sofort, aber dann schriebst du laut Medikamentenspiegel nimmt er sie, oha, dachte ich, kann ich kaum glauben, aber na ja, was tut mancher nicht alles um hier zu bleiben, nun also kein Spiegel, alles klar.......vielleicht verkauft er die Tabletten.....

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Atin » 13.08.2018, 19:13

Das kann dir redlich egal sein wie was in welchen Ländern gehandhabt wird. Ich las er weiß nichtmal "woher er komm". hahahha

Und dann solch hoher Alkoholpegel mit Psychopharmaka (?) … sagt mir eindeutig das er null Interesse hat (sein Leben in normale Bahnen laufen zu lassen). Bestimmt Alkoholiker dem die Abschiebung droht und nun nach Argumenten sucht.
ich bin hart geblieben, habe mich nicht erpressen lassen, aber es stand natürlich der Vorwurf im Raum "Wenn ich jetzt abgeschoben werde, sind Sie schuld".
Glaub ihm kein Wort mehr. Kein einziger Afrikaner würde sich von so einem Abbild vollsülzen lassen eher im Gegenteil.
Das klappt nur bei gehirnamputierten Europäern.

Der hat ne Braut am Start??? :lol: :lol: :lol: Das ich nicht lache...
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Fierrabras » 13.08.2018, 19:28

Er ist so Mitte 20 und sieht ganz gut aus. Dass irgend so eine in der Flüchtlingshilfe aktive Mittvierzigerin sich von ihm bezirzen lässt, könnte ich mir sogar vorstellen. Warum das mit der Heirat nicht geklappt hat? Wäre doch eigentlich die logische Vorgehensweise für ihn. Keine Ahnung bzw es ist ja nichts heraus zu kriegen, wollte ich aber auch nicht fragen.
Ich werde mal wieder mit meinem Supervisor reden, denn irgendwie hatte ich heute echt das Bedürfnis, dem Typ eins in die Fresse zu hauen. Was haben wir das für Dolmetscherrechnungen in den vergangenen Jahren bezahlt, und jetzt stellt sich heraus, dass er fliessend französisch spricht (wir haben französische Muttersprachler unter den Kollegen, das wäre also ein leichtes Unterfangen gewesen, sich da jemanden zum Übersetzen zu holen). Er spricht auch nur gebrochen arabisch, keine Ahnung, was nun seine eigentliche Muttersprache ist (da er ja sein Heimatland vergessen hat...).
aber will der uns ärgern? oder wieso verrät er uns nicht über 2 Jahre, dass er fliessend französisch spricht?!

(achso, die Dolmetscherkosten mussten wir bis vor einigen Monaten aus unserem Budget zahlen, dh wenn wir unnütz Geld für einen Dolmetscher heraus schmeissen, können wir unsere Arzthelferin auf Dauer nicht weiter finanzieren).

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Fierrabras » 14.08.2018, 15:39

tja, und "Riesenbabys" Traumatherapeutin meldete sich auch ganz hektisch. (der war ja abgetaucht, nachdem ich mich geweigert hatte, ihm ein Gutachten zu erstellen und ward ein halbes Jahr nicht gesehen) In dem ganzen Chaos von seiner Wohnbetreuungsgruppe mit den gesammelten Mitarbeitern hat sich offensichtlich nichts geändert. Nun hat sich heraus gestellt, dass Riesenbaby "Hormonpräparate", "Antibiotika", "Schmerzmittel" uvm wild durcheinander nimmt, keiner weiss, von welchem Arzt er die verschrieben bekommen hat und aus welcher Indikation.
An den Schwarzmarkt scheint da wohl niemand zu denken....
(und wieso eine so dermassen chaotische und schlecht geführte Einrichtung nicht geschlossen wird, verstehe ich auch nicht).

Zum Glück konnte ich "Riesenbaby" an einen KollegEN vermitteln mit dem Hinweis, dass der ja nun mit Frauen nicht redet (sondern nur mit dem Dolmetscher).Ich habe außerdem drum gebeten, alles, was sich das Riesenbaby so "einpfeift" in eine große Tüte zu stecken und mitzubringen.

Na, vielleicht kommt mein Kollege besser mit "Riesenbaby" klar.

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Atin » 15.08.2018, 12:04

Und tschüß Riesenbaby. :mrgreen:

Mit fiel noch die Stellung Arzt-Patient ein.

Das lauft ja nicht wie bei uns: Schweigepflicht, Vertrauen, Datenschutz. In den Ländern, sofern es Therapeuten gibt, wird d P immer von oben herab behandelt, Gespräche weiter Getratschtund Unterlagen gegen zugestecktes Geld herausgegeben.
Am Schlimmsten ist es doch wenn man sich öffnet und dann alles an die Familienmitglieder weitergesagt wird. Wie bei einem kleinen Kind.
Außerdem bezweifle ich das es wirklich ernst genommen wird und an die Hilfe des Arztes "geglaubt" wird. Außnahmen bestätigen die Regel.
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Fierrabras » 23.08.2018, 15:59

tja, ich weiss nicht, ob ich über diesen Fall schon mal berichtet habe. Vor ca 18 Monaten kam ein Ehepaar auf Betreiben des JobCenters in meine Sprechstunde. Frage war, ob und wenn ja, warum der Patient nicht mehr als Schneider arbeiten konnte. Pat. war so Mitte 40, aus Albanien, vor einigen Jahren bereits abgeschoben worden, hatte aber bei dem damaligen Aufenthalt eine deutsche Frau kennengelernt (mit Drogenvergangenheit), die ihm nach Albanien hinter gefahren ist, um ihn zu ehelichen. Naja, er war ein ganz hübscher Bursche, und sie wirklich keine Schönheit, vielleicht hatte er ja im Bett so einige Qualitäten, vielleicht war er auch tatsächlich ganz nett. Nun ja, so kam er zurück. Beide leben von Transferleistungen, sie wirkte auch nicht so, als ob sie jemals wieder arbeiten wolle/werde (sie war aber auch nicht die Patientin).
Ich wurde nicht schlau aus ihm, er und sie auch faselte etwas von dem mazedonisch-albanischen Krieg 2008 (ich habe im Internet nichts darüber finden können) und dass er deswegen alles vergesse, weil er so traumatisiert sei. In den Gedächtnistests schnitt er furchtbar schlecht ab (auch in den non verbalen Teilen, also es kann nicht nur an der Sprachbarriere gelegen haben). Weil ich mir nun so unsicher war, ob der überhaupt etwas hatte und wenn ja, was denn bloss, wollte ich ihn stationär zur Verhaltensbeobachtung und weiterer Diagnostik (Nervenwasser, PET-Scan uvm) aufnehmen. Diesen stationären Aufenthalt hat er nach 1,5 Tagen gegen ärztlichen Rat abgebrochen, so dass nur ein Kernspintomogramm und Blutuntersuchung erfolgen konnte. Beides war normal. Die weiter gehenden Untersuchungen konnte nicht gemacht werden, da er ja dann sich hat entlassen lassen. Also habe ich (und die anderen Ärzte) geglaubt, dass die uns etwas vorspielten, um sich Sozialleistungen zu erschleichen.
Dann kamen sie 3 Monate später auf Drängen des JobCenters wieder. Ich habe ihnen eine Standpauke gehalten und sie wegen des angeblichen (Kriegs)traumas an ein darauf spezialisiertes Krankenhaus verwiesen und mich geweigert, sie hier noch einmal aufzunehmen.

Dann wartete ich immer darauf, dass das JobCenter meine Einschätzung hören wollte, die meldeten sich aber nicht. ok, dann habe ich diesen seltsamen Fall vergessen.
Vor 2 Monaten wurde ein völlig verwahrloster Mann von der Polizei auf der Strasse aufgegriffen und in die Rettungsstelle gebracht, weil er seinen Namen nicht wusste. Es stellte sich schliesslich heraus, dass das dieser Patient war. Und er hat offensichtlich tatsächlich eine schwere Demenz, kann sich nicht mehr selbst versorgen und gar nichts.
tja, und nun kommt der Punkt, der mir die Galle überlaufen lässt: sein holdes Eheweib hatte keinen Bock, sich um ihn zu kümmern bzw ihn zu pflegen, hat ihn entweder heraus geschmissen oder quasi ausgesetzt (so oder so konnte er den Nachhauseweg nicht mehr finden). Und jetzt ist sie abgetaucht, hat sich seit ca 2 Monaten nicht mehr blicken lassen und ist telefonisch nicht erreichbar. Nun kommt er in ein Pflegeheim, natürlich in Berlin und natürlich auf Kosten des Steuerzahlers.

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Nilka » 23.08.2018, 17:06

Nein, das hast du nicht erzählt.
Hinterlassenschaft einer großen Liiiiiiiiiiiiiebe. Schön für sie :twisted: , dass sie sich nicht verantwortlich fühlt. Die Anderen dürfen die Folgen ihres früheren Liebesrausches bezahlen. Moralisch verwerflich.
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