nur so interessehalber

Erfahrungen mit Flüchtlingen und Migranten zum Thema Bezness

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Fierrabras
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Fierrabras » 28.06.2018, 16:18

achso, "Riesenbaby" ist auch nicht wieder gekommen, nachdem es bemerkt hat, dass wir nicht helfen können.

Und auf Wunsch der Krankenhausleitung bieten wir jetzt ein "Flüchtlingscafe" an, dh um die Hemmschwelle zur Psychiatrie zu senken, setzt sich eine unserer Pflegekräfte mit Keksen und Kaffee in einen Raum (1x monatlich) und plaudert mit den Flüchtlingen. Ich weiss nicht, wie viele Flüchtlinge sich dort blicken lassen, aber ich weiss, dass bisher kein einziger über diesen Weg in ärztliche Behandlung gekommen ist.

ok, es mag sein, dass tatsächlich einige der Flüchtlinge tatsächlich eine posttraumatische Belastungsstörung haben. Diese sollten natürlich eine qualifizierte Therapie bekommen können.

Und ich weiss auch -sogar aus eigener Erfahrung- dass Perspektivlosigkeit, (drohende) Arbeitslosigkeit, ungewisse Zukunftsaussichten, beengte Wohnverhältnisse mit mangelnder Privatsphäre und Lärm bzw Migration per se psychisch krank machen können, dann aber mit Depressionen. Vor 25 Jahren hatte ich ein Arbeitsverhältnis, welches immer nur über einige Monate ging und dann immer wieder verlängert werden musste, wobei nie klar war, wie lange, und da es damals eine Ärzteschwemme gab, war nicht klar, wo und wann ich eine andere Arbeitsstelle würde finden können. Ich erinnere mich noch gut, wie mich dies im wahrsten Sinne des Wortes niedergedrückt hat.

Aber mit unserem Duldungsunwesen bzw diese jahrelangen Unsicherheit machen wir die Leute krank bzw verlängern diesen Zustand auch noch.
Ich weiss nicht, über wie viele Jahre der oben porträtierte Flüchtling noch wird klagen können bzw ob er dann nach Dänemark zurück gebracht wird und sofort wieder den Zug zurück nimmt (war ja jetzt gerade mit einer nigerianischen Familie, die postwendend aus Frankreich zurück in ihre Unterkunft kam und an der Grenze wohl gar nicht kontrolliert wurde). Aber ich bin mir sehr sicher, dass kein einziges Antidepressivum, Schmerzmittel, Schlafmittel oä diesem Typen hier wird helfen können. Das könnte nur die unbefristete Aufenthaltsbescheinigung.

Ariadne
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Ariadne » 28.06.2018, 17:47

Also, wie ich die orientalische Gesellschaft wahrgenommen habe, ist für diese Menschen dieser Zustand"beengte Wohnverhältnisse mit mangelnder Privatsphäre und Lärm" gar keine Belastung. Arbeitslosigkeit kann sein, Kriegstrauma auch möglich.
Allerdings weiß ich nicht, ob die wohnverhältnisse in Syrien, Afghanistan oder Irak anders sind als in Tunesien. Aber dort hockten die Menschen aufeinander, die Verwandten und Bekannte gingen ein und aus, man hatte überhaupt keine Privatsphäre. Wenn jemand in der Familie krank war, platzte das Haus aus allen Nähten, und nach dem Prinzip "deck dich Tisch", wechselten sich die Verwandten, Nachbarn, Arbeitskollegen ab. Und die meisten hatten nicht so viele Räume zur Verfügung, die Familie musste schon zusammenrücken, als sie allein für sich waren. Für mich war es oft ein Nervenkrieg, wenn es nach mir ginge, hätte ich ich es nicht mitgemacht.

Die Besucher übernachteten bei der Familie, wenn sie eine längere Strecke zurückgelegt haben , ob sie zum Einkaufen, zur offiziellen Anlässen oder zum einfachen Besuch kamen.

Den Lärm muss ich nicht erwähnen, jeder schrie, als würde er die ganze Zeit streiten, der Fischer schrie um 5 Uhr früh schon " "huat", die Hunde bellten, die Hähne krähten, die Menschen die in die Arbeit gingen schrien unter den einfach verglasten Fenstern. Die Hochzeiten, die ab Frühjahr bis in den Herbst stattfanden, wurden meist draußen im Hof und Garten gefeiert, das ganze Dorf wurde bis 2 Uhr in die Nacht beschallt, bei jeder Hochzeit 3, 4 Nächte.

Hammamet sah aus wie ein Ameisenaufen, Menschen Autos Fahrräder, Roller, alles durcheinander, jeder fuhr oder lief wie er wollte oder in welche Richtung er wollte, ob es erlaubt war oder nicht.

Wenn die Menschen, die dort leben so schnell von engen Wohnverhältnissen, Lärm oder mangelnde Privatsphäre so leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen sind, was sollen wir dann sagen, die mit europäischen Regeln und Normen grossgewachsen sind?

Man kann viel behaupten, wenn man den Aufenthalt in Europa erhalten möchte. Mich können sie mit ihrem Jammern nicht überzeugen, ich kenne ihre Welt.
Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße.
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Nilka » 28.06.2018, 18:08

Ein vorgeschobener Grund.
Wer sich nicht mit Realitäten und Vorlieben auskennt, könnte das glauben :wink:
Jeder Grund, der hilfreich sein könnte ist gut. Dieser ist für Europäer nachvollziehbar also potenziell gut :lol:
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Julija » 28.06.2018, 23:24

Ich glaube, es ist schon ein Unterschied, ob Familie, Freunde oder Bekannte in die ohnehin nicht vorhandene Privatsphäre eindringen oder komplett fremde Menschen, mit anderen kulturellen und traditionellen Ansprüchen, anderen Religionen und im schlimmsten Fall geerbte Erzfeinde.

Ich glaube auch, dass viele geflüchtete Menschen unter traumatischen Störungen leiden. Anscheinend können die Fachkräfte diese aber nicht angemessen behandeln. Erinnert sich jemand an den Jugoslawien-Krieg? Ich war da noch Kind, deshalb weiß ich das nicht. Gab es da auch diese Herausforderung wie jetzt?
Ich weiß, dass mein Onkel ausgewiesen wurde und fertig. Da war nichts mit "ach, ich komm mal zurück und zieh das in die Länge". Meiner Erinnerung nach gab es kein Interesse, sich rechtlichen Beistand zu holen sich durch alle Instanzen zu schlagen.

"Früher" hatte ich auch immer sehr viel Verständnis. In irgendeiner vermeintlich seriösen Tageszeitung war mal eine Großbildaufnahme von einem Menschen im Rollstuhl, wie er sich durch den Schlamm wandte. Mir war den ganzen Tag über schlecht.

Heute denke ich, wenn ich sowas wie meine ersten beiden Absätze in diesem Beitrag schreibe, an diesen Spiegel TV Beitrag, wo der Vater und Ehemann zweier Frauen mit einem Grinsen erklärte, er wisse nicht wie viel Geld er bekommt. Er geht zum Automaten und bekommt es. Arbeiten kommt natürlich nicht in Frage, weil es ja Kinder zu versorgen gibt. Ein Widerspruch in sich.

Menschen entscheiden sich dafür, ihrem Leben zu entfliehen und die Konsequenz ist dann halt, dass sie mit dem Leben müssen, was ihnen die Gastgeberländer bieten. Diese immer-mehr-Mentalität verbaut so viele Möglichkeiten. Es muss doch auch mal begreiflich gemacht werden, dass es kein immer-mehr geben kann. Die Ursache dafür sind doch die Verursacher selbst. Ich weiß jetzt nicht, wie ich das beschreiben soll. Wären alle mit dem kleinen Finger zufrieden gewesen, müsste jetzt niemanden Handes zerrissen werden.

Es kotzt mich alles so an! Gerade dieser Thread, weil es mich auch persönlich so trifft. Ich warte seit Oktober letzten Jahres auf einen Facharzttermin in meinem Zweiwohnsitz. Ich komme nicht mal auf die Warteliste. Für jeden Facharzttermin muss ich 300km fahren! Ich beruhige mich mit dem Gedanken, dass selbst wenn ich einen Termin bekäme, die Leistung wahrscheinlich nicht so gut ist wie jetzt in der Heimat, wo die Ärzte mich schon eine Ewigkeit kennen.
Und bei fierrabras kriegt man einen Termin und ist nicht zufrieden, weil sie ihren Job macht. Das haut mich jedes Mal von neuem um.
In den Herkunftsländern kann man sicherlich für Geld jede ärztliche Bestätigung und jedes Medikament kaufen. Dann geht bitte zurück und nimmt hier den wirklich Bedürftigen nicht die Behandlungs- und Therapieplätze weg!!!
Gesundheitsfürsorge ist doch ein Grundbedürfnis. Wenn es diesem Klientel nicht passt, steht es ihnen frei, zu gehen. Sie haben doch die Reise bis hier her geschafft, sind mit den Lebensbedindungen unzufrieden, ... es wird hier niemand festgehalten (außer man ermodert jemanden, dann gibt es ein bisschen Kuschelknast und Spenden für die arme Täterfamilie bestimmt auch noch).

Ich verachte meine Gedanken selbst, dass ich so unmenschlich geworden bin :'(

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Biggi0001 » 29.06.2018, 01:04

Julija hat geschrieben: Erinnert sich jemand an den Jugoslawien-Krieg? Ich war da noch Kind, deshalb weiß ich das nicht. Gab es da auch diese Herausforderung wie jetzt?
Ich weiß, dass mein Onkel ausgewiesen wurde und fertig. Da war nichts mit "ach, ich komm mal zurück und zieh das in die Länge". Meiner Erinnerung nach gab es kein Interesse, sich rechtlichen Beistand zu holen sich durch alle Instanzen zu schlagen.
Nun ja, damals war das mit dem Internet nicht. Heutzutage kann sich jeder in Minuten über alles erschöpfend informieren, was ihn interessiert und wenn man immer noch nicht fündig wird, dann gibt's Unmengen Foren (sic!), wo man auf spezielle Fragen konkrete Antworten bekommt. Es existieren WhatsApp Gruppen, in denen sich die "Flüchtlinge" austauschen und über erfolgreiche und erfolgversprechende Wege, diverse Ziele zu erreichen, austauschen.

Hätte es das schon 1991 gegeben, hätten wir die gleichen Probleme wie heute, halt nur früher, gehabt.

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Anaba » 29.06.2018, 06:18

Liebe Ariadne,

du schreibst
Man kann viel behaupten, wenn man den Aufenthalt in Europa erhalten möchte. Mich können sie mit ihrem Jammern nicht überzeugen, ich kenne ihre Welt.
Dem kann ich mich nur anschließen.
Recht hast du.
Liebe Grüße
Anaba

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von karima66 » 29.06.2018, 08:12

Kann das auch bestätigen wie gut sie im Jammern und Märchen erzählen sind, das machts auch so schwierig darunter die Wenigen zu erkennen die wirklich Hilfe brauchen.
Ich kann auch ein Lied davon singen, von mangelnder Privatsphäre und durchfeierten, lauten Nächten in denen ich nicht schlafen konnte obwohl ich um 6 zur Arbeit musste und ja, viele wohnen mal hier mal dort bei Jemandem von der Familie.....aber ich gebe da Julija recht, dass es was Anderes ist ob das Familie, Nachbarn, Freunde, Kollegen sind oder wildfremde Menschen teils eben auch aus konträren Religionsauslegungen oder als Frau, vielleicht noch mit Töchtern unter den ganzen Männern.
Allerdings jammern meist die am lautesten die keinen Grund haben.

Ich hatte in meiner letzten Arbeit mit psychisch Kranken einen Serben, 54, in meiner Gruppe, ich weiss nicht was er alles erlebt hat, manchmal hat er Bruchstücke erzählt, aber er hat sich über Jahre bemüht wieder ein relativ normales Leben zu führen.
Er hat Zwangs - und Angststörungen, war dem Alkohol verfallen, wohnte in betreutem Wohnen und hatte minimum 3 Gesprächstherapien in der Woche, war nicht arbeitsfähig und konnte ohne Betreuerin nichts auf die Reihe bekommen.
Nach 5 Jahren war er stolz, dass er alleine wohnt jetzt, keinen Alkohol mehr trinkt, arbeitet wenn auch in einer geschützten Werkstatt und nur noch einmal die Woche ein Gespräch braucht, Betreuerin nicht mehr.
Er war immer ein stiller, höflicher Mensch, hat sich oft noch entschuldigt für die Unannehmlichkeiten die sein Verhalten manchmal mit sich brachte.
Ich denke es gibt einige Menschen die den Willen haben die Chancen zu nutzen und alles dafür tun, aber es sind eben meist nur Wenige und die Leisen die uns nicht auffallen.
Und sie gehen ihren Weg alleine ohne muslimische o.ä. Community.

Julija, dein letzter Satz hat mich berührt, mit demselben Gedanken bin ich heute wach geworden.....weiss nicht ob verachten das richtige Wort ist, erschrecken, was hab ich mich verändert.

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Efendi II » 29.06.2018, 08:24

Julija hat geschrieben:Ich glaube auch, dass viele geflüchtete Menschen unter traumatischen Störungen leiden.
Bei den deutschen Menschen, die nach dem Krieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden oder flüchten mussten gab es diese "traumatischen Störungen" anscheinend noch nicht. Es hatte wohl auch niemand Zeit dafür, sich um solche Dinge zu kümmern, man musste sehen das man überleben konnte.

Erst in der heutigen Wohlstandsgesellschaft findet man Muse (und Geld) dafür und es findet sich auch für jeden Furz ein Therapeut, um solche tatsächlichen oder herbeigeredeten Beeinträchtigungen oder Krankheiten zu behandeln. Früher waren die Menschen anscheinend physisch als auch psychisch etwas robuster und sind mit den Widrigkeiten des Lebens auch weitgehend ohne medizinische Betreuung fertig geworden.
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Fierrabras
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Fierrabras » 29.06.2018, 09:30

Hallo Efendi,

ich glaube, diese Störungen nach dem 2. Weltkrieg gab es durchaus, nur noch keine diagnostischen Bezeichnungen. KZ-Überlebende konnten keine "richtige" Psychotherapie bekommen, weil niemand wusste, wie man das behandeln sollte.
Vieles wurde einfach verdrängt.
Es gibt inzwischen in den Altersheimen vermehrt Fälle von dementen alten Frauen, die auf einmal männliche Pflegepersonen als russische Soldaten verkennen und sich gegen die Pflege wehren. Da ist natürlich auch die Frage, was diese Frauen 1945 wohl erlebt haben werden.... offensichtlich haben sie das Jahrzehnte lang erfolgreich verdrängt, und nun im hohen Alter geht das Gehirn langsam kaputt, so dass diese abgekapselten Erinnerungen wieder freigesetzt werden.

Es gibt bisher auch keine Studien über den Erfolg von Psychotherapie mittels Dolmetscher. Diese werden jetzt quasi als "Freilandversuch" durchgeführt. Da aber nun zumeist noch nicht einmal klar ist, ob überhaupt so eine Störung vorliegt, sind die Ergebnisse natürlich mit höchster Vorsicht zu interpretieren....

Ich habe auch bei mir Veränderungen festgestellt: eigentlich sollte man als Arzt/in immer auf Seiten des Patienten sein und alles zuerst einmal glauben, was der einem auftischt. (Obwohl man schon im Studium lernt, dass ca 2/3 der Patienten ihre Ärzte/innen mehr oder weniger regelmäßig belügen...aber ok, auch ich habe meiner Zahnärztin schon über verstärkten Gebrauch von Zahnseide meinerseits erzählt und dabei etwas sehr übertrieben...).
Aber inzwischen glaube ich den Flüchtlingen (zumal, wenn sie vorher schon von Schweden, Dänemark oder Finnland in ihren Asylbegehren abgelehnt wurden) kein einziges Wort mehr von ihren Geschichten. Ich höre zumeist gar nicht mehr richtig hin.

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Nilka » 29.06.2018, 10:00

Ich verachte meine Gedanken selbst, dass ich so unmenschlich geworden bin :(
Verachten ist nicht das richtige Wort, das von Karima, erschrocken, ist besser.
Unmenschlich würde ich durch skeptisch ersetzen und schon sieht die Wirklichkeit ein wenig freundlicher aus :wink:
Spaß beiseite, Julia, ich verstehe schon deine Qualen.

Die Wirklichkeit ist das einzige Hindernis zum Glücklichsein

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Ariadne » 29.06.2018, 10:29

Ich verstehe eure Ansichten, ich bin auch nicht so streng und klammere, wie in meinem Beitrag schon erwähnt, die wirklich Kranken aus. Es gibt aber viele Nachkommen von Molière's eingebildetem Kranken, teilweise auch nicht eingebildet.

Anaba und Karima kennen gut die Welt, die ich auch kenne, deshalb freue ich mich, dass ich mit meiner Meinung, wie es dort abläuft, nicht alleine bin.

@Fierrabras: ich respektiere deine Arbeit, ich kann mir vorstellen, dass kein einfacher Job ist, deshalb habe ich viel Verständnis für deine berechtigte Zweifel in manchen Fällen. Das ist auch mein Problem, ich habe sehr viel Mitgefühl mit Menschen, die Krieg erlebt haben, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, ich habe die Erzählungen meines Großvaters immer noch in Erinnerung. Aber in manchen Fällen habe ich meine Zweifel.

@Julija: es ist mir klar, dass die Verwandten, Nachbarn, Kollegen, die Kusins und die Nachbarn von dem Kusin des Kollegen, die angerheiratete/r NachbarIn der Kusine meines Nachbarn keine Fremde Menschen für mich darstellen sollen. Ich sollte auch ganz gelassen sein, wenn 4-5 Menschen auf Matratzen in meinem Wohnzimmer schlafen, 3-4 im Kindezimmer, wobei meine 2-3 oder mehr Kinder ins elterliche Schlafzimmer umquartieren muss. Es wird noch lustiger, wenn die Kinder früh in den Kiga oder in die Schule müssen, dennoch ich nicht weiss, wie lange der Besuch bei mir verweilt. Denn sie wissen selber nicht: mal schauen.
Und nicht vergessen: dort hat nicht jeder 3 Räume zur Verfügung, das ist Luxus, und ich kenne diese Leute nicht, ich weiss nicht, ob unter ihnen ein Perverser oder Pädophile, oder mit einer anderen "Spinne" vorhanden ist.

Ich würde zum Hirsch werden und Fierrabras hätte einen Patienten mehr. Ich wollte nur damit sagen, dass wir europäisch denken, sie erleben die Welt ganz anders und denken anders. Das sind zwei Welten. Die kann man auf keinen Fall miteinander vergleichen.
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von chui » 29.06.2018, 11:36

Genau wie Ariadne es beschreibt so sind die Zustaende in Afrika
Ich habe es in anderen afrikanischen Laendern nicht so extrem wahrgenommen wie hier in Kenia . Abends um 8 Uhr mit bis ueber 10 Personen und Musik ist es laut die Lautstaerke steigert sich ab 10 Uhr abends und wenn dann nur 10 Personen sich beschallen lassen und sich schreiend verstaendigen kann man sich den Geraeuschpegel vorstellen . Von Mitternacht an droehnt nicht nur der Bass in den Ohren bei dem Geschrei und Gekreische helfen auch Oropax null . Ende in den meisten Faellen zwischen 4 und 6 Uhr morgens . Die Leute haben gar keine Energie mehr , falls sie die Nacht nuechtern ueberlebt haben , um noch einer Arbeit nachzugehen .

Und wozu man einer Familie z.b. mit 5 Personen eine geraeumige Wohnung zur Verfuegung stellt und die eigenen Buerger sich mit kleinerem Wohnraum zufrieden geben muessen ist mir ein Raetsel . Privatspaehre null Sex neben den anderen Mitbewohnern . In ihrer Heimat haben sie einen Raum und wenn im Zimmer nicht gekocht wird dann eben ausserhalb . Solange sie solchen Zustaenden entfliehen koennen sind sie eben Fluechtlinge .

Ein Haus mit 3 Schlafzimmern. Kann sich jemand ausmalen wie es ist , wenn 5 Kinder , 3 Frauen und 4 Maenner da wohnen , selbst gesehen. Ueber 2 Monate und der Geraeuschpegel auf Hoechststufe . Tagsueber dann immer wieder Besuche die sich schreiend verstaendigen mussten da alle geschrien haben , das ist eine normale Unterhaltung , eben afrikanisch . Wenn es Streit gibt ist das natuerlich noch lauter und auch wenn der Streit in der Wohnung ist bei 25 Meter Abstand wird man taub .

Arztbesuch auch mit Termin heisst keineswegs das der Arzt auch den Termin wahrnimmt , er hat anderes zu tun aber wenn es seine Zeit erlaubt dann kommt er dauert eben ein bisschen . Wobei ich noch immer nicht versteh was "" ein bisschen "" bedeutet . Voriges Jahr habe ich nach 4 Stunden das Handtuch geworfen , nachdem zuerst ein bisschen von der Sprechstundenhilfe gekommen ist , danach ist schon unterwegs , danach er sucht einen Parkplatz nur hat das eine Stunde gedauert und wie gesagt nach 4 Stunden ging ich .
Bei all diesen Zustaenden die in ihrer Heimat akzeptiert werden und zwar ohne murren frage ich mich warum sie in Europa nicht genauso geduldig sind . Zu wundern braucht man sich nicht wenn diese Leute nach Europa kommen und diese Zustaende importieren aber anscheinend ist genau das was Europa will .

LG chui
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von karima66 » 29.06.2018, 12:09

Wie treffend dein Spruch, Nilka, das Schlimme ist, dass mit zunehmendem Alter die Wirklichkeit immer mehr dem Glücklichsein im Wege steht.

Chui, das frage ich mich auch immer wieder wenn ich dran denke mit welchem Gleichmut, Gelassenheit, stoisch, sie die Zustände in ihren Ländern in Kauf nehmen, warum sie hier so einen großen Max markieren bei Kleinigkeiten, mittlerweile glaub ich zu wissen warum, man lässt sie und sie wissen, dass sie hier damit durchkommen, oft etwas ändern....

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von chui » 29.06.2018, 14:02

karima66 hat geschrieben:Wie treffend dein Spruch, Nilka, das Schlimme ist, dass mit zunehmendem Alter die Wirklichkeit immer mehr dem Glücklichsein im Wege steht.

Chui, das frage ich mich auch immer wieder wenn ich dran denke mit welchem Gleichmut, Gelassenheit, stoisch, sie die Zustände in ihren Ländern in Kauf nehmen, warum sie hier so einen großen Max markieren bei Kleinigkeiten, mittlerweile glaub ich zu wissen warum, man lässt sie und sie wissen, dass sie hier damit durchkommen, oft etwas ändern....
So ist es . Wenn man Kinder nicht diszipliniert tanzen sie einem auf der Nase herum . Wenn sie sich wie Kinder benehmen muss man sie eben in ihre Schranken weisen . Keine Entshuldigung wegen Traumatisierung , denn die wirklich Traumatisierten draengen sich nicht derart in den Vordergrund .

LG chui
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Atin » 29.06.2018, 20:04

Ariadne hat geschrieben:Also, wie ich die orientalische Gesellschaft wahrgenommen habe, ist für diese Menschen dieser Zustand"beengte Wohnverhältnisse mit mangelnder Privatsphäre und Lärm" gar keine Belastung. ...

Die Besucher übernachteten bei der Familie, wenn sie eine längere Strecke zurückgelegt haben , ob sie zum Einkaufen, zur offiziellen Anlässen oder zum einfachen Besuch kamen.

Den Lärm muss ich nicht erwähnen, jeder schrie, als würde er die ganze Zeit streiten, der Fischer schrie um 5 Uhr früh schon " "huat", die Hunde bellten, die Hähne krähten, die Menschen die in die Arbeit gingen schrien unter den einfach verglasten Fenstern. Die Hochzeiten, die ab Frühjahr bis in den Herbst stattfanden, wurden meist draußen im Hof und Garten gefeiert, das ganze Dorf wurde bis 2 Uhr in die Nacht beschallt, bei jeder Hochzeit 3, 4 Nächte. ...
So kenne ich das auch aus dem Nafriland. Und es geht nur anders bei den richtig Reichen. Dort ist es europaähnlich. Nur die gesellschaftliche Kultur ist geblieben.

Ich kann euch gerne mal eine Anekdote schreiben:

Es wurde sich mal folgende Geschichte erzählt:

Ein Bus ward gerade mit Fahrgästen bestiegen, unter anderem mit einer Frau in Minirock. Ein Mann wies sie auf ihre Kleidung hin.
Daraufhin gab sie zurück: er könne ja eine Anzeige bei Gott machen.

Als das Fahrzeug anhielt und sie ausstieg viel sie zu Boden und starb.

Was lernen wir aus der Moral der Geschicht: trag niemals einen Mini, nicht. lol

wer einen Minirock trägt stirbt halt im Minirock. rofl

Wollt ihr euch solche Typen geben die euch derartig zutexten bis ihr aufgebt :|?
Tue was richtig ist und wende dann jedem geschmacklosen Kritiker deinen Rücken zu. ( von einem Schriftsteller )

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Fierrabras
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Fierrabras » 05.07.2018, 11:44

tja, diese Familie mit der Mutter, von der ich vor einigen Wochen berichtet habe, sind zu dem Termin bei meiner Kollegin nicht gekommen.
Meine Vermutung ist, dass sie gemerkt haben, dass hier nichts zu holen ist, Jobcenter-mäßig...aber mir wurden Vorwürfe gemacht, ich hätte diese arme, schwerkranke Frau mit meiner mangelnden kulturellen Sensitivität vergrault.

gerade eben kam wieder ein Neubürger aus dem Nahen Osten, der seit 2004 in D. lebt, aber immer noch kein Wort deutsch kann. Der ist so Ende 30, wie groß sind da wohl die Chancen, dass er in seinen verbleibenden Lebensjahren so viel deutsch lernt, dass er hier selbständig seinen Lebensunterhalt verdienen kann?

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Atin » 05.07.2018, 13:02

W a s … unfassbar. Übrigens fand ich dein Angebot zur kostenlosen Therapie sehr gut nur wohne ich nicht in Berlin.

ein Neubürger aus dem Nahen Osten, der seit 2004 in D. lebt, aber immer noch kein Wort deutsch kann.
Wie denn auch. Die Sippe ist alles und die die es geschafft haben werden blöd angemacht/ angeguckt.
Tue was richtig ist und wende dann jedem geschmacklosen Kritiker deinen Rücken zu. ( von einem Schriftsteller )

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Efendi II
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Efendi II » 05.07.2018, 14:11

Fierrabras hat geschrieben:...gerade eben kam wieder ein Neubürger aus dem Nahen Osten, der seit 2004 in D. lebt, aber immer noch kein Wort deutsch kann. Der ist so Ende 30, wie groß sind da wohl die Chancen, dass er in seinen verbleibenden Lebensjahren so viel deutsch lernt, dass er hier selbständig seinen Lebensunterhalt verdienen kann?
Wenn es nach den GRÜNEN geht haben wir bald noch mehr davon.

In einer der letzten Bundestagsdebatten über die Zuwanderung, fragte der AfD-Abgeordnete Gauland: "Derzeit gibt es weltweit fast 70 Millionen Flüchtlinge, wie viele wollen Sie denn noch nach Deutschland holen?
Zuruf aus den Reihen der GRÜNEN: "Alle !"
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Desert Dancer
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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Desert Dancer » 06.07.2018, 12:34

@Fierrabras
Jedesmal wenn Du hier wieder berichtest, bewundere ich echt Deine Geduld für Deinen Job... Und weil das alles so undankbar ist für Dich, bedanke ich mich jetzt einfach bei Dir, dass Du das machst!!!
Ehemaliges CIB-Vereinsmitglied

Good thoughts, good words, good deeds...

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Re: nur so interessehalber

Beitrag von Nilka » 06.07.2018, 13:48

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