Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern etc.

Erfahrungsaustausch von Angehörigen, wie Eltern, Kinder und Ehemänner von Betroffenen. Auch Freunde & Bekannte kommen hier zu Wort.

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dolphin55
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Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern etc.

Beitrag von dolphin55 » 08.08.2013, 20:34

Bezness ist sowohl für die (den) direkt Betroffene und auch zusätzlich für Familienangehörige (Eltern, Geschwister, Kinder des von Bezness betroffenen etc.) sehr schwierig. Es betrifft viele Menschen, die dem Bezness Opfer zugehörig sind, die oft ohnmächtig zusehen müssen.

Was habt ihr für Erfahrungen bzw. was ist Eure Meinung dazu. (Meine Schwester ist Betroffene, meine Mutter ist daran zerbrochen und ich habe all das als Kind mit ansehen müssen.)

Freu mich über Euer Erleben zu lesen.

Amely
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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von Amely » 08.08.2013, 20:46

hallo dolphin,

herzlich willkommen im Namen des Teams von 1001 Geschichte.
Wir wünschen dir einen guten und informativen Austausch.
Liebe Grüße Amely

Franconia
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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von Franconia » 18.08.2013, 00:56

Hallo dolphin,

Bezness betrifft natürlich nicht nur das Opfer selbst sondern auch sein Umfeld.

Kinder leiden z. B. unter den Streitereien, der Trennung der Eltern oder aber auch am Desinteresse eines Bezzivaters wenn dieser ein Kind nur als AE auf zwei Beinen sieht und seinen Vorteil daraus zieht ohne die Pflichten zu sehen.
Dazu kommen häufig finanzielle Sorgen/Problem, die dann natürlich auch vor Kindern nicht halt machen.
Wobei man sagen muss, dies alles kann einem auch mit einem deutschen Mann/Vater passieren.

Die Familie ist meist schon von beginn an skeptisch und zeigt dann verschiedene Reaktionen, einige davon hab ich durch und erlebe sie auch heute, 13 Jahre nach der Trennung, immer noch.

Es ging los mit vorbehalten gegen meinen Mann und den entsprechenden Mahnungen. Dann kam mit der Heirat so etwas wie Resignation meiner Familie (du bist alt genug um zu wissen was du tust).
Dann gab es eine Phase in der der Kontakt zu meiner Familie total abgebrochen ist. Zum einen weil ich die Vorbehalte nicht mehr hören wollte und konnte, zum anderen weil meine Familie und mein Mann aufgrund der Vorbehalte immer aneinander geraten sind.
Irgendwann mit der Trennung kam dann wieder der Kontakt und damit der Spruch "Haben wir doch gewusst, haben wir doch gleich/immer gesagt". War auch der Moment in dem ich meine Eltern am liebsten geohrfeigt hätte, denn ich hätte eigentlich jemanden zum reden gebraucht und keine selbstgefälligen Gockel (sorry, aber so hab ich es damals empfunden)

Mit meinem Vater hab ich in den letzten Jahren viel geredet und er hat mir gesagt, am schlimmsten für ihn war die Hilflosigkeit. Mit ansehen zu müssen wie ich psychisch immer mehr vor die Hunde gehe und nichts machen zu können weil ich zu der Zeit einfach für Hilfe nicht empfänglich war. Natürlich wurmt ihn auch das Geld was dabei drauf gegangen ist, aber das nimmt er gelassener als ich und ist froh das es endlich zu Ende ist.
Meine Mutter hingegen reitet heute noch auf dem Geld was ich durch und mit meinem Ex verloren habe herum, Von ihr kommen heute noch Vorwürfe so nach dem Motto: "wenn du nicht so dumm gewesen wärst und dich mit dem eingelassen hättest, dann könntest du dir mit den Kindern heute viel mehr leisten."

Hab vor einigen Tagen mit ihr telefoniert und da kam das Gespräch mal wieder auf meinen Ex und all dem was er sich so geleistet hat. Sie hat dabei einen Brief erwähnt den mein Ex ihr wohl mal geschrieben hat, mir dabei vorgeworfen ihm dabei geholfen zu haben (weiß nicht mal um was es dabei geht) und mir gedroht sie würde diesen Brief bei nächster Gelegenheit meinen Kindern zeigen damit sie endlich wissen was für ein Dreckskerl ihr Vater ist und wie hinterhältig ich zu ihr gewesen bin weil ich ihm bei dem Brief geholfen habe (O-Ton meiner Mutter). Zeigt glaub ich deutlich das meine Mutter das alles bis heute nicht verarbeitet hat.

Was den Brief betrifft, so weiß ich nicht was das für ein Wisch ist. Wusste bis jetzt ja noch nicht mal das mein Ex meiner Mutter irgendwann mal geschrieben hat. Ich weiß nur, sollte sie meinen Kindern den Brief zeigen ohne das ich ihn vorher lesen kann wird es zu einem bösen Bruch zwischen meiner Mutter und mir kommen, was mir dann für meinen Vater leid täte zu dem ich eine gute Beziehung habe.
Aber die Kinder haben die letzten Jahre genug mit machen müssen und sind psych. angeschlagen (ein Sohn sogar bis zum 2maligen Suizidversuch), dass ich so was gar nicht akzeptieren würde, vor allem auf der Grundlage, dass sie ihre Enkel angeblich liebt.

Die Hilflosigkeit meiner Familie während der Ehe kann ich heute nachvollziehen und die Wut über meinen Ex und das was er meinen Kindern und mir angetan hat teilen. Aber ich finde irgendwann sollte man auch damit abschließen und nicht nach Jahren oder Jahrzehnten noch nach treten nur weil man einmal einen Fehler (zugegeben einen gravierenden) gemacht hat.
Und was in meinen Augen gar nicht geht ist, die Kinder weiter mit hinein zu ziehen, sie direkt oder indirekt bei einem Fehler mit dem Vater zu vergleichen oder sie gegen ein Elternteil (egal ob mein Ex oder mich) aufzuhetzen, denn in dem Stadium ist meine Mutter wohl grad (wohlgemerkt 13 Jahre nach der Trennung / 10 Jahre nach Scheidung).
Liebe Grüße
Franconia

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Bocanda
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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von Bocanda » 18.08.2013, 09:20

Liebe Franconia,

ein ganz toller und sehr mutiger Beitrag!
Liebe Grüße
Bocanda



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Franconia
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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von Franconia » 18.08.2013, 16:44

Hallo Bocanda,

ich weiß zwar nicht was an meinem Beitrag mutig sein soll, nehme es aber einfach mal als Kompliment und sag artig Danke.
Liebe Grüße
Franconia

franconia@1001geschichte.de
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Nilopa
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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von Nilopa » 18.08.2013, 17:11

Hallo Franconia,

Du hast geschrieben:
Zeigt glaub ich deutlich das meine Mutter das alles bis heute nicht verarbeitet hat.
Das ist gut möglich und es könnte aber auch ein Hinweis sein, dass es da auch etwas Unverarbeitetes aus ihrer eigenen Vergangenheit/Kindheit gibt.

8) LG Nilopa
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Elisa
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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von Elisa » 18.08.2013, 20:01

Franconia, jeder hat eine andere Art, damit umzugehen, und jeder hat andere Schwerpunkte.

Ich kenne Deine Mutter nicht, ich weiss nicht, wieviel ihr Geld bedeutet, aber vielleicht ist das für sie auch nur ein Aufhänger.

Auf der anderen Seite, es ist vorbei, es ist Vergangenheit.
Vielleicht hilft eine ehrliche Aussprache.

In meinem Fall weiss ich, dass es vorbei ist, es ist zuviel passiert, als dass es wieder gut werden könnte. Ich habe mich nicht geäußert der Kinder wegen, aber das ist dann auch keine Beziehung. Ich könnte auch nie wieder Vertrauen haben. Es war ein langer Weg bis zu dem Punkt.

Weisst Du, was heute am meisten weh tut, dass ich das Gefühl habe, mir wurde auch ein Teil meiner Vergangenheit zerstört, denn ich versuche, sie auszuklammern, und gleichzeitig auch die Zukunft. Von meine Enkeln will ich nicht sprechen, denn das versteht sich von selbst.

Jede normale Mutter wünscht sich, dass ihr Kind glücklich ist und wird. Es ist nicht einfach dabei zuschauen zu müssen, wie jemand sein Lebensglück zerstört.

Das Geld, das weg ist, ist ja nicht das schlimmste, denn das kann man ersetzen oder man muss sein Leben entsprechend einrichten.

Franconia, ich glaube auch nicht, dass meine Tochter je an Deinen Punkt kommen wird, trotz Scheidung, trotz allem.
Dafür hat sie zuviel erlebt, denn das ermöglicht es ihr wahrscheinlich auch nicht, mit sich selbst klar zu kommen. Schlimm ist, dass die Kinder damit hineingezogen werden.
Ich frage mich, was in ihnen vorgehen wird, wenn sie eines Tages die Wahrheit erfahren ? Vieles ist ja bereits kaputt durch das erlebte.

Aber gut werden kann das nicht mehr, weil ich auch nicht mehr will und kann.

Jeder Fall ist anders, weil die betroffenen Menschen anders sind.

In unserem Fall hat das viel Leid für die Familienangehörigen und vor allem für das Kind aus der vorherigen Beziehung gebracht, und es ist noch nicht zu Ende.

Heute bin ich froh, dass diese Verwandten wie mein Vater z.B. jetzt verstorben sind, dass sie das, was heute ist, nicht mehr erleben müssen.

Franconia, schlimm ist auch, dass man nicht versteht.

Sei froh, dass Dein Leben heute in Ordnung ist, mache das beste daraus mit Deinen Kindern.

LG Elisa

dolphin55
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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von dolphin55 » 31.08.2013, 08:14

Hallo Franconia, erst mal finde ich es gut, dass Du so offen schreibst und ich kann Bocanda nur zustimmen ein toller und mutiger Beitrag.

Irgendwie hat mich das sehr mitgenommen, hatte irgendwie Tr. in den Augen. Weil ich da vieles wieder erlebt habe, als Du von Deiner Familie erzähltest. Da kamen die Bilder wieder hoch, wie es war mit meiner Schwester früher. Ich bin ja nicht direkt Betroffen, sondern meine Schwester. Aber für uns alle in der Familie war es sehr schwer das mitzuerleben, das meine Schwester z.B. dann mit gerade mal 18 heiraten musste, da ihr Mann sonst abgeschoben werden würde. Insofern ist unserer Familie und ich auch irgendwie Betroffener der Situation.

Sie hat dann später auch die Religion des Mannes angenommen und ist dann mit ihren Kindern in das Heimatland des Mannes verzogen, nach jahrelangen auch innerfamiliären Schwierigkeiten, besonders durch die immer grösser werdende Zuwendung zu der anderen Religion durch den Mann meiner Schwester. Vor allem für meine Mutter und (dadurch zusätzlich) auch für mich war das sehr schwer, da zusehen zu müssen. Meine Mutter konnte nicht mit ansehen, dass ihre Tochter, die sie frei, offen und emanzipiert erzogen hatte nun eine als Frau untergeortnete Rolle spielen musste. Das wollte Sie nie für Ihre Tochter. Das fällt mir auch jetzt schwer darüber zu sprechen.

Das ist ja sehr traurig, dass Du mit Deiner Mutter auch nach der Trennung vor 14 Jahren noch solche Probleme hast. Das tut mir sehr leid.

Das ist ja auch sehr schlimm, was Du schreibst über deine Kinder (Selbstmordversuch..) zu lesen.

Ich kann Deine Wut gut verstehen, wenn das das Resultat ist, u. was Dein Ex Dir und Deinen Kindern angetan hat. Wenn Du möchtest, vllt. kannst Du dazu ein wenig schreiben, was da passiert ist. - Wenn Du das kannst und möchtest.

Ich kann das was Du schreibst, denke ich gut nachvollziehen und all das macht mich sehr traurig. Es sind immer Parallelen da, ich habe das alles natürlich aus einem anderen Blickwinkel erlebt, als Du. Aber es war so schwer für mich, die ganze Familie ist daran irgendwie zerbrochen, es lag ein trauriger Schatten über uns.

Das war es für mich als Kind die Hilflosigkeit und Ohnmacht vor allem meiner Mutter mit ansehen zu müssen oder auch Streitigkeiten zwischen meinem Vater und dem Mann meiner Schwester erleben zu müssen. Dann zu sehen wir ihre Kinder eingeschränkt wurden im Leben hier in Deutschland. Mein Vater ist wie auch bei Dir etwas später anders damit umgegangen und hat irgendwie dann später nicht mehr so viel nach aussen gezeigt und versucht das Beste daraus zu machen, aber meine Mutter konnte das nicht und war damit alleine.

Ich wünsche Dir alles Beste und Glück und dass Deine Mutter nach all den Jahren endlich versucht Verständnis für Dich aufzubringen und auch sieht, dass Du und Deine Kinder Betroffene sind. Ich verstehe, dass das alles sehr schwierig ist.

Franconia
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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von Franconia » 31.08.2013, 13:49

Hallo Dolphin,

Danke für deine Wünsche für die Kinder und mich. Bei meiner Mutter ist momentan wieder Ruhe eingekehrt, mal schauen wie lange es anhält und man sagt ja "Hunde die bellen beißen nicht" :)

dolphin55 hat geschrieben:Wenn Du möchtest, vllt. kannst Du dazu ein wenig schreiben, was da passiert ist. - Wenn Du das kannst und möchtest.
meine Geschichte ist eigentlich keine typische Bezness-Geschichte und mein Ex eigentlich kein Bezi sondern ein ausgekochter Krimineller, was nach der Trennung noch zugenommen hat. Wenn du willst kannst du sie hier nachlesen, es ist Geschichte 280.

Bei Bezness ist meiner Ansicht nach nicht nur das Opfer betroffen sondern auch das Umfeld/Familie. Zwar nicht unbedingt finanziell, aber sie tragen halt die Folgen mit, wenn sie ein Opfer Auffangen wenn es Probleme gibt oder nach der Trennung. Oft kommt auch erst mit einer Trennung das ganze Ausmaß von dem was passiert ist ans Licht. Als Außenstehender bekommt man zwar schon das eine oder andere auch während der Beziehung mit, aber halt immer nur Bruchstücke. Der große Schock für das Umfeld kommt dann meist erst mit der Trennung, wenn ein Opfer sich offenbart.

dolphin55 hat geschrieben:Sie hat dann später auch die Religion des Mannes angenommen und ist dann mit ihren Kindern in das Heimatland des Mannes verzogen, nach jahrelangen auch innerfamiliären Schwierigkeiten, besonders durch die immer grösser werdende Zuwendung zu der anderen Religion durch den Mann meiner Schwester. Vor allem für meine Mutter und (dadurch zusätzlich) auch für mich war das sehr schwer, da zusehen zu müssen. Meine Mutter konnte nicht mit ansehen, dass ihre Tochter, die sie frei, offen und emanzipiert erzogen hatte nun eine als Frau untergeortnete Rolle spielen musste. Das wollte Sie nie für Ihre Tochter. Das fällt mir auch jetzt schwer darüber zu sprechen
Ich kann deine Mutter gut verstehen. Zu sehen wie ein Kind sich negativ verändert, aber man nicht helfen kann, ist das schlimmste was Eltern passieren kann (hab es mit meinem Sohn selbst erlebt), dazu die Entfremdung und die Unsicherheit und Ungewissheit ob es dem Kind auch gut geht.
Mein Vater hat mal gemeint, er macht sich heute noch Vorwürfe und gibt sich auch selbst mit Schuld an dem was mir passiert ist, weil er nicht versucht hat mehr auf mich einzuwirken und mich von der Ehe abzuhalten. Das ist natürlich Quatsch, was ich ihm auch gesagt habe, denn er hätte mich damals nicht aufhalten können, ganz im Gegenteil. Ich glaube, je mehr er versucht hätte mir die Ehe auszureden, desto mehr hätte ich mich damals gegen ihn gestellt.
Ich kann mir gut vorstellen das sich deine Mutter auch Vorwürfe macht weil sie vielleicht in Ihren Augen nicht alles getan hat um deine Schwester von einer Heirat abzuhalten und damit vor den schlimmen Folgen zu bewahren.

Jeder Mensch geht anderes mit diesen Dingen um und jeder braucht unterschiedlich lange um solche Erlebnisse zu verarbeiten, was manchmal leider auch nie gelingt.
Ich kann dir nur raten zu akzeptieren, dass deine Mutter nicht darüber reden kann und will, aber für sie da zu sein, wenn sie es denn mal möchte. Denn dann braucht sie jemanden der sie versteht und sie auffängt.
Liebe Grüße
Franconia

franconia@1001geschichte.de
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dolphin55
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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von dolphin55 » 10.11.2013, 16:05

Hallo Franconia,

Ich habe Deine schlimme Geschichte gelesen, das ist ja echt heftig, was Du und Deine Kinder durchmachen mussten. Fühl da mit Dir. Schlimm, wie er sich verhalten hat u. verhält… sowie u.a. auch die Geschichte mit seiner Schwester… da hast Du und Deine Kids ja wirklich ne Menge an Leid und Stress erleben müssen, was man sich so vorstellen kann. Ich wünsch Dir ein striktes Ende mit ihm, ja, ich denke auch, dass er sich nicht ändern wird.

Gut, dass Deine Mutter derzeit etwas ruhiger geworden ist. Ich wünsche Dir dass sich ihr Verhalten weiter ändert und Sie wieder zu einem Verständnis für Dich und Deine Kinder kommt. Ihr solltet wieder zusammen kommen nach all der schweren Zeit.

Danke für das Verständnis für meine Mutter und für Sie da zu sein.

Das würde ich natürlich, leider ist meine Mutter vor kurzem gestorben.

Mir wurde gesagt, dass ich als Kind und Jugendlicher vieles von dem Leid der Familie tragen musste und getragen habe …ohne das als Kind etc. wohl selber ganz wahrzunehmen, ich dachte dieses Leid sei normal. Obwohl ich natürlich die ganze traurige Geschichte ganz tief mit aufnahm.

Man fragt sich, ob ein Beznesser sich mal überlegt, wie viel Menschen da betroffen sind, wenn er da so egoistisch handelt. Wie viel er kaputt macht, wie sich das Leid fortsetzt usw. (Leider bleiben es wahrscheinlich wohl nur rhetorische Fragen)
Mein Vater hat meine Mutter dann später mit dem Verlust der Tochter und dem Leid irgendwie allein gelassen, er ist da anders mit umgegangen, aber wir als Kinder haben das mit erlebt und es musste getragen werden. So musste es dann durch die übrige Familie mit aufgefangen werden. Vllt. kannst Du das verstehen.

Ich finde, das hast Du sehr gut beschrieben. Das sehe ich genauso, dass nicht nur das Opfer betroffen ist, sondern auch das Umfeld u. die Familie.

Es stimmt, so war es auch, wie Du schriebst, zu sehen wie ein Kind sich negativ verändert und nicht helfen zu können ist das schlimmste, was Eltern u. gerade einer Mutter passieren kann. (Ohnmacht).
Du schreibst Du kannst es heute so gut verstehen, wegen Deinem Sohn.

Ich kann nur sagen, dass meine Mutter und meine Eltern sehr viel versucht haben, um meine Schwester positiv zu beeinflussen und sie schützen von der Ehe abzuhalten, gerade weil sie noch so jung war. Genau so etwas, das Du beschriebst passiert ja dann: das Gegenteil, je mehr meine Eltern versucht haben ihr die Ehe auszureden um so mehr hat meine Schwester sich gegen meine Eltern gestellt. Sie sagte sie müsse ihn ja heiraten, sonst würde er ausgewiesen etc. Meine Eltern waren verzweifelt.

Ja, bestimmt hat sich meine Mutter Vorwürfe gemacht, das stimmt bestimmt, dass Sie in Ihren Augen vllt. oft gedacht hat nicht alles oder das richtige getan zu haben, um meine Schwester von der Heirat abzuhalten u. vor schlimme Folgen zu bewahren. Wie gesagt mein Vater ist dann genau wie Dein Vater anders damit umgegangen als meine Mutter. Ja das ist das schlimmste das Gefühl der Ohnmacht, zusehen zu müssen und dann trotz des großen Einsatzes und des Leids nichts erreicht zu haben. Zum Schluss hat meine Mutter jedoch auch die Situation notgedrungen erkennen müssen und etwas akzeptiert oder damit leben müssen, dass Sie trotz ihrer Mühe nichts machen kann, um meine Schwester positiv zu beeinflussen, oder Dinge zurückzudrehen. Das war jedoch eine tiefe Traurigkeit und diese hat sie nie wieder wirklich verlieren können. So kenne ich das Gefühl der Ohnmacht sehr gut, habe das miterleben müssen, sowie die gesamte Familie.

Franconia
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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von Franconia » 11.11.2013, 10:58

Hallo Dolphin,

erst mal mein herzliches Beileid für deinen Verlust.

dolphin55 hat geschrieben:Mir wurde gesagt, dass ich als Kind und Jugendlicher vieles von dem Leid der Familie tragen musste und getragen habe …ohne das als Kind etc. wohl selber ganz wahrzunehmen, ich dachte dieses Leid sei normal. Obwohl ich natürlich die ganze traurige Geschichte ganz tief mit aufnahm
Als Kind nimmt man viele Dinge nicht wahr, weil man es als normal empfindet oder eben nicht anders kennt. Die Erkenntnis, dass etwas nicht stimmt oder anders ist, reift erst mit den Jahren.
Man spürt zwar vielleicht im Unterbewusstsein das etwas "nicht richtig" ist, kann es aber nicht benennen. Dazu kommt, dass viele Eltern versuchen Schaden von den Kindern fern zu halten und sie auch nicht mit Problemen belasten wollen, daher Dinge verschweigen. Aber sosehr man sich als Mutter oder Vater auch bemüht gute Miene zu machen, Kinder haben ein feines Gespür für Traurigkeit, Ängste oder auch die Unsicherheit der Eltern, dieses aber auch anzusprechen, davor scheut man als Kind zurück, denn man will den Eltern ja nicht noch mehr Kummer bereiten.
Auf der einen Seite ist es sicherlich gut, wenn Eltern ihren Kindern die "heile Welt" präsentieren, auf der anderen Seite mag es doch ein Schock sein, wenn man als Kind aufwacht und merkt, es ist alles gar nicht so wie es scheint.
dolphin55 hat geschrieben:Genau so etwas, das Du beschriebst passiert ja dann: das Gegenteil, je mehr meine Eltern versucht haben ihr die Ehe auszureden um so mehr hat meine Schwester sich gegen meine Eltern gestellt.
Ich denke, das ist nicht nur in meinem Fall so gewesen, sondern es ist wohl eher die Regel - leider.
Je mehr man versucht seine Tochter oder seinen Sohn von etwas, was in den eigenen Augen falsch ist, abzuhalten, desto mehr stößt man auf Widerstand. Das Kind will dann mit aller Macht zeigen wie falsch die Eltern liegen und das man erwachsen genug ist, die Situation selbst richtig einzuschätzen.
dolphin55 hat geschrieben:Man fragt sich, ob ein Beznesser sich mal überlegt, wie viel Menschen da betroffen sind, wenn er da so egoistisch handelt. Wie viel er kaputt macht, wie sich das Leid fortsetzt usw. (Leider bleiben es wahrscheinlich wohl nur rhetorische Fragen)
Ein Bezzie denkt nicht so weit. Er ist nur an seinem eigenen Wohlergehen interessiert und macht, wenn er dies nicht so bekommt wie er will, sogar noch andere für seine Scheitern verantwortlich.
Liebe Grüße
Franconia

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Galadria
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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von Galadria » 11.11.2013, 13:21

Weh tut mir, wenn ich als Freundin/ Verwandte der Betroffenen scheinbar so klar sehe, dass ihre Beziehung nur Trug ist und sie selbst aber gar nicht aufwachen kann oder je davon loskommt...
Neulich ist mir eingefallen, dass man es auch mit Suchtverhalten vergleichen kann...der/die Betroffene steigert sich immer mehr in eine Lug-und Trug-Beziehung hinein, wird immer schwächer und verblendeter, leidet...kann sich selbst aber nur schwer befreien oder sehen, wo er/sie da hinein geraten ist.
Auffällig sind ja auch Wiederholungsmuster, ganz nach dem Motto: Einmal Araber, immer Araber...
Wenn die Beziehung zum EX dann doch beendet ist, wird in Chatbörsen und bei Urlaubsreisen direkt auf den Nächsten spekuliert, weil man noch nicht ganz von der "Sucht" und der Achterbahnfahrt mit dem aufregenden, exotisch-erotischen,besonderen Mann, der Bestätigung schenkt (Bergfahrt) und den Enttäuschungen und Verlusten (Talfahrt) hinweg ist.

Franconia
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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von Franconia » 11.11.2013, 21:54

Galadria hat geschrieben:Weh tut mir, wenn ich als Freundin/ Verwandte der Betroffenen scheinbar so klar sehe, dass ihre Beziehung nur Trug ist und sie selbst aber gar nicht aufwachen kann oder je davon loskommt...
Das ist das Phänomen der rosaroten Brille. In der Phase der Verliebtheit sieht man die Fehler des anderen nicht bzw. will sie nicht sehen, in der nächsten Phase werden diese Dinge dann als kleine Eigenheiten, die harmlos sind, abgetan und dann, wenn man als Betroffener irgendwann erwacht dauert es bis man bereit ist seinen Fehler vor anderen einzugestehen.
Ich spreche da aus Erfahrung auch wenn mein Ex kein klassischer Bezzie war. Aber zuzugeben, die Ehe, vor der mich meine Familie immer gewarnt hat, ist gescheitert war ein längerer Prozess. Denn wer will in so einer Situation dann gerne hören "hab ich doch gleich gesagt" oder "wir haben dich gewarnt", etc. Auch wenn solche Bemerkungen dann vielleicht nicht kommen, als Betroffener rechnet man ob der Warnungen damit und will sich das nicht noch zusätzlich antun.
Galadria hat geschrieben:Neulich ist mir eingefallen, dass man es auch mit Suchtverhalten vergleichen kann...der/die Betroffene steigert sich immer mehr in eine Lug-und Trug-Beziehung hinein, wird immer schwächer und verblendeter, leidet...kann sich selbst aber nur schwer befreien oder sehen, wo er/sie da hinein geraten ist.
Man versucht sich die Fehler des anderen schön zu reden oder sie zu verharmlosen (vor sich selbst und vor allem vor anderen) und sucht vielfach auch die Schuld bei sich (hab ich mich nicht genug um den Partner gekümmert oder nicht genug getan damit er sich hier fern der Heimat wohl fühlt, etc). Es ist nicht unbedingt ein sich hinein steigern aber auf alle Fälle eine Verharmlosung dessen was schief läuft.
Und natürlich ist Liebe in gewisser Weise eine Sucht, die Sucht vom Partner Liebe und Anerkennung zurück zu bekommen (unabhängig von der Nationalität der Partner) oder die (Sehn)Sucht danach, dass alles wieder so gut wird wie am Anfang. Man kann zwar an den Betroffenen appellieren aufzuhören (die Beziehung zu beenden), aber wie bei jedem Süchtigen kann man nur helfen wenn der Betroffene dies zu lässt. Man muss als Betroffener aus freien Stücken aufhören wollen, wenn man das nicht will nützt die beste Hilfe/Therapie nichts. Je süchtiger man ist, in Liebesdingen kann man dann wohl schon von Hörigkeit sprechen, desto schwer ist es sich zu lösen.

Man darf nicht vergessen, viele Betroffenen haben aus den verschiedensten Gründen, die meist ab mit der Ablehnung des Partners zu tun haben, Kontakte zu Freunden und/oder Familie abgebrochen. Wenn das Erwachen kommt, spielt dann oft die Angst vor der Einsamkeit oder die Angst mit den kommenden Problemen nicht alleine fertig zu werden eine große Rolle. Denn je nach dem wie sehr man sich von Leuten die einem nahe standen (Familie, Freunde, etc) zurück gezogen hat, ist der soziale (und auch moralische) Rückhalt mehr oder weniger stark ausgeprägt, aber genau diesen Rückhalt braucht man um wieder zu sich selbst und damit auch ins Leben zurück zu finden.
Liebe Grüße
Franconia

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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von Zwoelfe » 14.11.2013, 08:00

An manchen Tage denke ich , dieses Danebenstehen ist für Familie und Freunde beinahe schwerer zu ertragen , als das Bezness - egal wie schlimm es irgendwann wird - für den Betroffenen selbst ... jedenfalls ging es mir damals so . Ich kam mir vor wie als Kind im Kasperletheater , wo das Kasperle die Bühne entlang taperte und das Krokodil ihn verfolgte ... alle Kinder schrieen , ja brüllten lauthals : Kasperle , pass auf , das Krokodil - aber egal , wie laut die Kinder riefen , das Kasperle konnte sie wohl nicht hören .

Nicht nur in China ist das eine beliebte Foltermethode : laß denjeneigen , den Du strafen willst , dabei zusehen , wie man sich einen Angehörigen vornimmt ...

Heute , zwanzig Jahre später , drängen sich mir immer noch die Fragen auf : was hättest ich anders machen können ? wo genau habe ich versagt ? wieso habe ich dieses oder jenes unterlassen ? Ich denke nun nicht täglich drüber nach - aber hin und wieder kommen die Bilder zurück ...

Und obwohl ich mittlerweile weiß , dass ich gar nichts hätte andern können , habe ich mir "noch nicht so richtig" verzeihen können .

Zwoelfe
Love all , trust a few and do wrong to none ...

... ich hab`mal gehört , der ist von Shakespeare - oder isses der Glückskeksspruch vom Chinamann nebenan ?

dolphin55
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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von dolphin55 » 24.11.2013, 21:34

Hallo Franconia,

danke für all Deinen guten Gedanken. Das hilft, ich denke Austausch und Anteilnahme ist immer gut. Danke Franconia.
Eine Sache ist vielleicht etwas falsch rübergekommen. Dass hier nichts richtig ist, hat man als Kind nicht nur im Unterbewusstsein erlebt, sondern es war schon ganz klar, dass es nicht in Ordnung ist, was hier mit meiner Schwester passiert. Das Gefühl das meine Schwester benutzt, ausgenutzt (Ihre Gutmütigkeit, Treue etc.) und schlecht behandelt wurde wussten wir, klar auch als Kind und haben wir mitgetragen oder müssen. Das meinte ich eher, dass das mitzutragen, dass war für uns irgendwie so (oder normal), es war halt so und man konnte ja als Kind auch nichts machen. Wie schlimm es war und dass sich das auch auf Kinder auswirkt, die solche Ohnmachtsgefühle erleben, wie das der Eltern und das eigene, das ist glaube ich sehr wichtig.
Einfach viel Leid, Hoffnungslosigkeit über Jahre und man kann dem als Kind nicht entrinnen, wenn Vater und Mutter so niedergeschlagen sind und meine Schwester sich der Situation ausliefert, oder auch muss, da sie höchstwahrscheinlich in der Situation nicht anders kann, als sich benutzen zu lassen. Meine Eltern haben eher darüber mit uns gesprochen und gerade meine Mutter, die damit überhaupt nicht klar kam, habe ich mit aufgefangen als Kind. Es war also nicht so dass meine Eltern uns Kindern einem heile Welt präsentiert haben, dass konnte sie gar nicht, sie waren zu betroffen, sondern haben mit uns offen darüber sprechen müssen. Wir haben als Kinder mitgelitten, mit den Eltern und auch der schwierigen Situation mit meiner Schwester.
Das hat sehr viel Kraft gekostet diese Bezness Situation meiner Schwester und man konnte irgendwie diese Kraft nicht für die eigene Entwicklung nutzen, sondern man gab seine Kraft für die Familie. Man sollte auch viele Dinge für sich behalten und nicht nach außen dringen lassen, was meiner Schwester passierte, daher war es glaube ich auch nicht gut. Diese Traurigkeit war so irgendwie ein Bestandteil des Lebens und ich glaube das ist nicht gut für die Entwicklung eines Kindes oder Jugendlichen. Es lag so immer eine Art graues Tuch über der Familie, seit meine Schwester in dieses Situation kam, besonders da meine Mutter dadurch so niedergeschlagen war, natürlich hat sie immer weitergemacht und das Beste daraus gemacht. Aber diese doch offene und subtile Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit lag über ihr und damit auch über uns Kindern.
Man hat es einfach getragen. So war uns allen so schlecht bei der Hochzeit unsere Schwester und man musste die ganze Zeit gute Miene zum bösen Spiel machen. Es war wie ein Alptraum.
Ja das stimmt wie Du schreibst Kinder und Jugendliche haben ein feines Gespür für Traurigkeit, Ängste oder auch die Unsicherheit der Eltern, dieses aber auch anzusprechen außerhalb der Familie war ein Problem, innerhalb der Familie mit meiner Mutter (oder Vater, der das ja nach außen hin emotionsloser getragen hat). Hier war es genau anders herum, ich habe mit meiner Mutter ganz offen darüber gesprochen und eben die tiefe Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit mit getragen, erlebt und übernommen für meine Mutter (meinen Vater und meine Schwester). Das Tragen der Schwierigkeiten, dass hat man als normal empfunden, dass meinte ich damit. Das meinte ich auch damit, dass hier Bezness Leute (denen es wohl um Geld und Macht über andere Menschen geht) sovielen Menschen schaden, etc.. Ich glaube Ihnen ist gar nicht klar (aber auch wohl gleichgültig), was sie alles bewirken und wie weit sich ihr gedankenloses, egoistischen Verhalten weiter trägt. Wäre vllt. mal ganz gut, wenn ich heute mit einem Außenstehenden Bezness Typen reden könnte und ihm das mal aufzeigen könnte. Das ist natürlich nur hypothetisch, ich weiß, dass es nicht möglich ist u. wohl auch wenig bringt. Ich finde gut, dass hier aber ein wenig eine Plattform ist, in der man so etwas ansprechen kann.
Ja, das ist wie Du schreibst: „Ein Bezzie denkt nicht so weit. Er ist nur an seinem eigenen Wohlergehen interessiert und macht, wenn er dies nicht so bekommt wie er will, sogar noch andere für seine Scheitern verantwortlich.“

Franconia
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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von Franconia » 03.02.2014, 23:41

Der Bruch ist da.
Ich hatte ja oben schon mal geschrieben, dass meine Mutter nicht in der Lage ist die Vergangenheit abzuhaken und nach vorne zu schauen, sondern sowohl mir immer wieder die Fehler meiner Vergangenheit (mein Ex) vorwirft, als auch meine Kinder immer wieder in die Verbitterung, die sie in sich trägt, mit hinein zieht. Ein klärendes Gespräch hat sie immer abgelehnt und selbst mein Vater konnte da nicht vermitteln.

Die Lage ist jetzt so eskaliert, dass ich nicht mehr einfach über ihren Vorwürfen oder dummen Bemerkungen stehen bzw. darüber hinweg sehen kann, denn inzwischen leiden sowohl die Kinder unter ihren Vorwürfen als auch meine Arbeit, da sie es zwischendurch fertig gebracht hat 3 bis 4 mal wöchentlich bei mir im Büro aufzutauchen um sich "Luft zu machen".
Ich habe lange überlegt wie ich damit umgehe, aber ich habe mich um meiner selbst dazu entschieden den Kontakt zu meiner Mutter - und damit leider auch erst mal zu meinem Vater - ruhen zu lassen.
Ob wir, meine Mutter und ich, irgendwann nochmal aufeinander zugehen können steht in den Sternen.

Da ich kurz vor dem Zusammenbruch war, die letzten Jahre haben einfach ihren Tribut an Energie und Nerven gefordert was ich lange (vielleicht zu lange) ignoriert habe, bin ich seit einiger Zeit in Therapie - ohne schaffe ich es nicht mehr. Dabei kamen Dinge ans Licht, die ich irgendwie schon vergessen glaubte oder zumindest ganz weit verdrängt hatte, die mir aber aufgezeigt haben, meine Mutter ist nicht erst seit meinem Reinfall mit meinem Ex so ist wie sie ist, sondern ihre Angriffe auf mich und damit auch meine Probleme mit ihr, reichen weit zurück bis in meine Kindheit. Die Vorwürfe, die ich mir wegen meinem Ex anhören musste, das gejammer von ihr wegen dem Geld was ich durch meinen Ex verloren habe und auch die Seitenhiebe die sie immer wieder mal gegen meine Kinder gebracht hat, das alles gab es schon lange vor meiner Ehe. Sie hat also nicht ihr Verhalten geändert sondern nur den Grund für ihr Verhalten und dazu ihre "Zielscheibe" erweitert. Waren es früher schlechte Noten oder ähnliches, ist es jetzt mein Ex den sie mir immer wieder als Fehler unter die Nase reibt oder mit dem sie meine Kinder vergleicht.
Diese Erkenntnis hat mit dazu beigetragen den Kontakt ruhen zu lassen, denn die dauernden Nadelstiche tun mir nicht gut - und auch nicht meinen Kindern - wenn ich irgendwann wieder komplett auf die Beine kommen will.

Und um wirklich zur Ruhe zu kommen und Abstand zu gewinnen werde ich mich auch einige Zeit aus D zurück ziehen (meine Mutter würde jetzt sagen "flüchten"), denn ich weiß, nur wenn ich, außer für meinen engsten Kreis, für niemanden erreichbar bin kann ich das alles sacken lassen und für mich verarbeiten.
Ich brauche einfach Luft zum atmen, denn hier habe ich inzwischen das Gefühl, vor lauter Vorwürfen, Anschuldigung, Beleidigungen und auch Drohungen durch meine Mutter, zu ersticken.
Nilopa hat geschrieben:Hallo Franconia,

Du hast geschrieben:
Zeigt glaub ich deutlich das meine Mutter das alles bis heute nicht verarbeitet hat.
Das ist gut möglich und es könnte aber auch ein Hinweis sein, dass es da auch etwas Unverarbeitetes aus ihrer eigenen Vergangenheit/Kindheit gibt.

8) LG Nilopa
ob und wie weit da bei meiner Mutter etwas Unverarbeitetes ist weiß ich nicht. Aber nachdem ich dabei bin alles mit therapeutischer Hilfe aufzuarbeiten und dabei so viel ans Licht gekommen ist, liegt das Problem bei meiner Mutter sicher tiefer und hat nur bedingt mit meinem Ex oder meinem Fehler mich mit dem falschen Kerl eingelassen zu haben, zu tun.
Liebe Grüße
Franconia

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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von Franconia » 04.02.2014, 21:26

alexandraneifer hat geschrieben:Liebe Franconia

kennst du die Seite "Töchter narzisstischer Mütter" sie hat mir sehr geholfen und war sehr passend auf meine mutter. ich weiss nicht ob sie dir vielleicht helfen könnte aber ich denke ein problem psychischer art wird deine mutter haben sonst wäre sie nicht so herzlos dir und deinen kindern gegenüber

liebe grüsse
das sie ein psych. Problem hat ist mir klar, aber um ehrlich zu sein, es interessiert mich (zumindst momentan) nicht was sie für ein Problem hat oder warum und weshalb sie so ist, denn ich habe genug damit zu tun mich um mich selbst (wieder auf die Beine zu kommen) und um meine eigene Familie zu kümmern.
Ich habe mir die Seite mal angeschaut und ja, vieles trifft auf meine Mutter zu (und auch auf meinen Bruder, denn der tritt heftigst in ihre Fußstapfen in Bezug auf seine Kinder).

Mir ist klar, dass es für Co-Betroffene immer schwer ist hilf- und machtlos zuschauen zu müssen und auch, dass dieses "nicht hören wollen, blind vor Liebe sein, etc", was für Außenstehende i.d.R. offensichtlicher ist wie für den/die Betroffenen selbst, auch nach dem harten Erwachen des Betroffenen aus einem Bezzitraum, noch langfristige Folgen auf den Familienfrieden haben kann, da nicht jeder Co-Betroffene gleich damit umgeht/umgehen kann.

Aber ich denke, wenn die Familienbande vorher stabil und gut waren und ein gesundes Maß an gegenseitigem Vertrauen vorhanden war, wird es leichter sein alles aufzuarbeiten und auch zu verarbeiten - sowohl jeder für sich als auch als Gemeinschaft. Bestehen oder bestanden allerdings vorher schon Probleme oder Spannungen, wird es schwerer sein dem Betroffenen seinen "Fehler" zu verzeihen, ihn aufzufangen und zu stützen oder zu helfen.
Zumindest ist das die Erkenntnis, die ich aus meinen Erfahrungen (und der Therapie) gezogen habe.

Es ist nicht leicht für sich den richtigen Weg zu finden und dann auch zu gehen wenn man immer wieder mit seinem "Fehler" konfrontiert wird, vor allem wenn man glaubt man hätte endlich alles überstanden und könnte jetzt endlich frei nach vorne schauen. Wenn einem der "Fehler" immer weiter verfolgt, weil man ihn von Dritten immer wieder unter die Nase gerieben bekommt, ist es verdammt schwer selbst mit der schmerzhaften Vergangenheit abschließen zu können.
Liebe Grüße
Franconia

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Re: Von Bezness betroffen auch Kinder, Geschwister, Eltern e

Beitrag von brighterstar007 » 07.02.2014, 18:51

Ihr Lieben,

als Familie - egal ob dysfunktional oder intakt - ist jede/r quasi von allem "betroffen" - so wie ein kleiner schmerzhafter Pickel an der Zunge
den ganzen Körper als Einheit betrifft. Natürlich sind dramatische Ereignisse mit Schmerzen , Unsicherheit, Ohnmacht, Wunden verbunden
und zwar unabhängig vom Inhalt (sprich : Vater bringt Mutter um, Frau heiratet den "falschen Partner", Mann heiratet die "falsche" Partnerin,
KInd verschwindet spurlos, Missbrauch, Gewalt und und und...).
Daher ist die Familie als solches auch schicksalshaft - im "Guten" wie im "Schlechten", wie etwa die Eltern, die wir haben oder das Land, in das
wir geboren werden oder die Hautfarbe etc.

Liebe Grüße

Brighterstar

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