Bezness und die (Spät-)Folgen

Wie lebe ich heute. Was habe ich geändert. Wie habe ich Bezness verarbeitet. Der "Neuanfang".

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Ute H.
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Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Ute H. » 11.06.2012, 21:48

Mich würde interessieren, wie unterschiedlich Bezness-Opfer die schlimmen Erfahrungen verkraftet haben und wie es ihnen heute geht.

1.)Welche Bezness-Folgen waren/sind für euch persönlich am schlimmsten?
2.)Durch welches Ereignis habt ihr den Absprung geschafft?
3.)Wie lange hat es bei euch gedauert, um wieder 'Mensch' zu sein?
4.)Was ärgert euch heute noch?

Naiv81
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Naiv81 » 12.06.2012, 10:35

Hallo

Ich antworte hier mal

1.)Welche Bezness-Folgen waren/sind für euch persönlich am schlimmsten?
Dass ich jahrelang wie ferngesteuert war während der Beziehung. Hätte er gesat hüpfe; wäre ich wohl gehüpft. War im wohl irgendwie hörig.
Bin erstaunt, dass er dazu fähig war, da ich immer als selbstbewusst galt.....tja.

2.)Durch welches Ereignis habt ihr den Absprung geschafft?
Er schlug mir vor wir können ja zusammen wohnen bleiben. Dann würde er Geld sparen können...und ich natürlich auch. Hallo???? Wie dreist ist das denn?
Und die Scheidung wolle er nicht unbedingt. Diese Entscheidung würde er mir überlassen. Ich war sprachlos, wofür soll ich verheiratet bleiben, wenn mich mein Partner nicht mehr liebt.
Es gab keine Kinder, also raus.....

3.)Wie lange hat es bei euch gedauert, um wieder 'Mensch' zu sein?
Ungefähr ein Jahr

4.)Was ärgert euch heute noch?
Dass ich dem Frieden zuliebe so oft nachgab. Ich weiss, dass ich auch Fehler gemacht habe in der "Beziehung". Hätte des öfteren meine Meinung deutlicher vertreten sollen. Dann wären wir wahrscheinlich nicht so lange "glücklich" verheiratet geblieben. :oops:

Gruss
Naiv81

distel
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von distel » 12.06.2012, 14:45

Hallo:
zu 1: Ich habe für Menschen, die deutlich keine Bio-Deutsche sind, sehr ablehnde Gefühle.
zu 2: Als er als politischer Flüchtling in sein Heimatland flog.
zu 3: etwa 1 Jahr
zu 4: Dass ich mich bis zur Unkenntlichkeit verbogen habe um ihm alles Recht zu machen und trotzdem immer Schuldgefühle hatte. Dass der Anwalt von meinem Ex mich vor Gericht ungestraft als Rassistin bezeichnen durfte.
Gruß
Distel
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Darinka
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Darinka » 12.06.2012, 16:05

Hallo,

die Story mit meinem ägyptischen Bezzie war ja eher eine Kurzgeschichte, ist deshalb sicher nicht so aussagekräftig. Die längere Erfahrung mit dem deutschen Betrüger finde ich jedoch absolut vergleichbar mit den intensiveren Bezness-/ Amiga-Geschichten hier (bezogen auf das Betrugsmuster und auf meine eigenen Verhaltens- und Denkweisen).

Also hier meine Antworten zu gleich 2 Geschichten :

Fall 1: deutscher „Liebes“-Betrüger (Betrugsmuster bis auf das Thema AE identisch)

1.) Welche Bezness-Folgen waren/sind für euch persönlich am schlimmsten?
Am schlimmsten ist für mich auch heute noch die erschreckende Tatsache, dass ich es Amiga-like jahrelang nicht gesehen habe, obwohl mein Umfeld es gesehen hat und ich es hätte auch sehen können (deshalb auch meine Signatursprüche). Dann noch die Erkenntnis nie geliebt worden zu sein, sondern nur benutzt - und zwar ganz gezielt vom ersten Tag an... Der finanzielle Schaden belief sich auf mehrere tausend Euro. Das verbuche ich heute aber unter „Lehrgeld des Lebens“. Die beiden ersten emotionalen Punkte sind deutlich schlimmer.

2.) Durch welches Ereignis habt ihr den Absprung geschafft?
Irgendwann hat er sich selbst entlarvt, bei dem versteckten Versuch eine zusätzliche enorm hohe Summe abzuzocken. Der unumstößliche, nicht verleugenbare „Beweis“ sozusagen, dass meine Freunde doch recht hatten. Ab diesem Moment war schlagartig kein Rosa mehr auf der Brille und der Blick glasklar.

3.) Wie lange hat es bei euch gedauert, um wieder 'Mensch' zu sein?
Ca. 1 Jahr bis ich das Gröbste hinter mir hatte. Immer wieder eingeholt hat mich das noch weitere 2 Jahre, danach sind nur noch sehr selten Nachwirkungen zu verzeichnen.

4.) Was ärgert euch heute noch?
Dass ich so blind war und es ewig nicht erkannt habe. Und dass ich teilweise von meinen warnenden Freunden dachte, sie gönnen mir mein Glück nicht... :roll: :roll: :roll: :roll: :roll:


Fall 2: ägyptischer Bezzie (Kurzgeschichte)

1.) Welche Bezness-Folgen waren/sind für euch persönlich am schlimmsten?
Nur als potentielle Melkkuh angesehen worden zu sein… (auch wenn es in diesem Fall nicht funktioniert hat)

2.) Durch welches Ereignis habt ihr den Absprung geschafft?
Ich hatte schon ein unterschwelliges komisches Bauchgefühl was seine Motive anbelangte (Lernkurve aus Fall 1). Dann stolperte ich hier ins Forum rein und las die anderen Geschichten… Das hat in diesem Fall gereicht, um sofort klar zu sehen. Passenderweise fragte er ungefähr zur selben Zeit das erste Mal nach Geld - wir kannten uns zu dem Zeitpunkt kaum... Noch glasklarer geht’s kaum.

3.) Wie lange hat es bei euch gedauert, um wieder 'Mensch' zu sein?
In diesem Fall einen Abend und eine Flasche Rotwein…

4.) Was ärgert euch heute noch?
Dass man diesen Typen nur schwer bis gar nicht das Handwerk legen kann. Und dass es immer größere Ausmaße annimmt (in orientalischen Ländern mittlerweile sogar ein ganzer Geschäftszweig ist, von dem Familien leben.)

Viele liebe Grüße
darkness
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Darinka » 12.06.2012, 16:36

Hallo Ute,
ich würde gerne noch eine 5. Frage hinzufügen wollen:

5.) Was habt ihr Positives daraus mitgenommen?

Meine Antwort (hinsichtlich Fall 1):
Ich habe viel über mich selbst gelernt. Ich habe erlebt, wie toll man sich offensichtlich selber was vormachen kann (das hätte ich sonst niemals geglaubt).
Aus negativen Erfahrungen lernt man am Meisten für das Leben. Ich stelle meine eigenen Sichtweisen heute viel mehr auf den Prüfstand, bin selbstkritischer geworden.
... und wer weiß, vielleicht war es sogar verdammt gut, dass mir das zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben passiert ist. Oft liest man, wie Frauen im Rentenalter um ihre Ersparnisse gebracht werden. Wer weiß wer mir später im Leben noch alles so über den Weg läuft... Da ist diese Erfahrung vielleicht äußerst hilfreich.... :wink:

Viele Grüße
darkness
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Ute H.
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Ute H. » 13.06.2012, 16:46

Hallo darkness,

deine 5. Frage habe ich mir lange überlegt. Ich wollte aber 'Bezness' und 'Positiv' nicht verwursteln.

1) ich habe anfangs sehr darunter gelitten, dass mein ganzes Leben zusammengefallen ist. Obwohl die Ehe schon lange Zeit im Eimer war, hatte ich ab und zu noch Hoffnung, dass alles nur eine vorübergehende Phase sein könnte.
Danach haben mir die vielen schlimme Dinge, die hinter meinem Rücken passiert sind und nach der Trennung erst ans Tageslicht gekommen sind, zu schaffen gemacht. Als sich mein Kampfgeist entwickelt hat, schöpfte ich Mut, bekam dann aber sehr schnell wieder einen Dämpfer, als ich feststellen musste,dass man von den Behörden/Gerichten als die 'böse Mutter, die dem ach so armen Ausländer jetzt auch noch sein Kind entziehen will' gesehen und auch so behandelt wird. Aber daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Ich erwarte von den öffentlichen Stellen keine Hilfe mehr.
Das viele Geld, habe ich als Lehrgeld abgehakt. So habe ich meinen Beitrag für die Bedürftigen für die nächsten Jahrzehnte geleistet.

2. Die Geburt des gemeinsamen Kindes und wie er mich während und nach der Schwangerschaft behandelt hat, haben mir den letzten Funken Hoffnung geraubt. Ich musste nur noch Kraft sammeln, um das Ganze zu beenden.

3. Weil das Kind da war und durch die Trennung alles auf mich einstürzte, musste sofort und immer ich funktionieren. Ich habe lange Zeit nachts kaum geschlafen, weil entweder das Kind weinte. Oder ich mir meine Gehirn zermartert habe. Das alles hat sehr viel Kraft gekostet. Mein damals sechs Monate alter Sohn hat mir die Kraft gegeben, weiterzumachen und alles durchzustehen.

4. Mich ärgert es, dass du als dt. Staatsbürger immer der Depp bist, wenn du dich gegen Beznesser zu wehren versuchst.

5. mein Sohn ist das Beste, was mir von Bezness geblieben ist. Für ihne gehe ich durchs Fegefeuer!

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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Bocanda » 13.06.2012, 18:59

Hallo,

1.)Welche Bezness-Folgen waren/sind für euch persönlich am schlimmsten?

Ich habe mich lange Zeit wie ein Hamster im Laufrad gefühlt. Immer gerabeitet und trotzdem gemerkt, dass mein damaliger Mann keine Verantwortung übernehmen wollte. Ich habe mich sehr allein gefühlt und mochte Anfangs nicht darüber sprechen, da ich immer im Hinterkopf hatte : "selbst Schuld" oder, "das haben wir Dir ja gleich gesagt".
Schuldgefühle zu haben, ohne genau zu wissen weswegen.
Permanente Übermüdung und ein dauerhafter Zustand der Unsicherheit was die gemeinsame Zukunft anging.


2.)Durch welches Ereignis habt ihr den Absprung geschafft?

Ich habe Nacktfotos seiner Freundin gefunden. Zu dem Zeitpunkt war er bereits für einen Monat an der Elfenbeinküste im Urlaub und eine gewisse Distanz war geschaffen. Ich merkte in dieser Zeit, was es heißt, sich nur um sich selbst zu sorgen und keinen Störenfried um sich zu haben, der mich aus den nichtigsten Anlässen zusammengeschriene hat.

3.)Wie lange hat es bei euch gedauert, um wieder 'Mensch' zu sein?

Erholt habe ich mich nach seinem Auszug relativ schnell. Bis ich alles verarbeitet hatte, sind bestimmt zwei Jahre vergangen

4.)Was ärgert euch heute noch?

Das ich mich selbst so vergessen habe und ihm sehr viel Macht über mich und mein Gefühlsleben gegeben habe.
Das ich einen weiteren Sozialschmarotzer die Möglichkeit gegeben habe in Deutschland zu leben.

5.) Was habt ihr Positives daraus mitgenommen?

Ich habe gelernt mich zu öffnen und Hilfe anzunehmen. Das meine Freunde und meine Familie mir zur Seite standen, wofür ich heute immer noch sehr dankbar bin.
Und ich habe dieses Forum gefunden und mich hier mit vielen Frauen austauschen können, die das Gleiche mitgemacht haben wie ich. Mittlerweile bin ich dem Verein beigetreten, dadurch entwickelten sich zwischen Einigen von uns bereits gute Bekanntschaften oder sogar Freundschaften.

Liebe Grüße
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Darinka » 13.06.2012, 22:08

Liebe Ute,

oh ich glaube Du hast da ganz doll Recht und ich habe nicht weit genug gedacht. :oops:
Ich hatte diese 5. Frage eher aus einem Blickwinkel gesehen, der eine Art Resümee ist und zeigt, das auch etwas ganz Schlimmes was man durchmachen muss, am Ende auch etwas Positives mit sich bringen kann. Offensichtlich kam Dir die Frage ja auch in den Sinn.

Nur Du hast darüber nachgedacht (!) - ich dagegen habe einfach drauflos geschrieben. :?

Ich halte Deine Entscheidung, die Frage nicht zu stellen, für absolut richtig:
Ute H. hat geschrieben:deine 5. Frage habe ich mir lange überlegt. Ich wollte aber 'Bezness' und 'Positiv' nicht verwursteln.
Es ist sogar fatal Bezness (als äußerst perfide Betrugsmasche) mit etwas Positiven in Verbindung zu bringen und bereue die Frage hinzugefügt zu haben.

Gerade Amiga-Mädels, die auf dem Trip sind “Ich probier’s trotzdem mal aus“, haben dann vielleicht noch ein Argument mehr diesen Weg zu gehen.
Dazu kann ich nur Eines ganz deutlich sagen: In meinem Fall stand das in absolut keinem Verhältnis zu dem Preis, den ich dafür bezahlt habe (und das meine ich nicht finanziell…). Das hat mich Jahre meines Lebens gekostet und sehr viel seelischen Schmerz - noch heute sind Narben da.

Viele liebe Grüße
darkness

PS: Deine Geschichte berührt mich sehr, ich wünsche Dir und Deinem Kleinen alles erdenklich Gute!
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Darinka » 13.06.2012, 23:05

Liebe Dagmar,

ja ich denke Du hast es auf den Punkt gebracht.
Die 5. Frage war wohl der verzweifelte Versuch diesem dunklen Kapitel in meinem Leben wenigsten irgendein Fünkchen abzugewinnen. Aber das ist wohl nur der Versuch mich selber "zu verarzten". Letztlich sieht man daran wie tief das ging und welche Auswirkungen das auch heute noch hat.

Ich wünsche mir sehr, dass Leserinnen (genau wie Du) sehr schnell verstehen, um was es wirklich geht und mein unüberlegtes Geschreibsel bzgl. einer 5. Frage ignorieren. Es gibt nur 4 sinnvolle im Zusammenhang mit Bezness - nämlich die, die Ute gestellt hat...

Viele liebe Grüße
darkness
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Daisy2510
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Daisy2510 » 14.06.2012, 08:25

Hallo
1.)Welche Bezness-Folgen waren/sind für euch persönlich am schlimmsten?
Für mich war es am Schlimmsten, dass ich durch all die Lügen nicht einmal mehr mir selbst, meinen eigenen Augen, einem Gefühl geglaubt habe, sondern seine Lügen....

2.)Durch welches Ereignis habt ihr den Absprung geschafft?
Es waren viele Ereignisse die sich summiert haben. Und irgendwann war es einfach zu viel. Das auslösende Moment war, dass er wieder mal seine Freundin angerufen hat, das war aber eigentlich nicht das Schlimmste, das er je gemacht hat.

3.)Wie lange hat es bei euch gedauert, um wieder 'Mensch' zu sein?
Ich bin gleich nach der Trennung nach Griechenland gefahren, Erholung für die Seele. Anfangs habe ich mich wie eine 16jährige gefühlt und teilweise auch so beommen, nach ca. 5 Monaten bin wieder runtergekommen...

4.)Was ärgert euch heute noch?
Die verlorene Zeit.

Zu Nr. 5.... IHM kann ich NICHTS Positive abgewinnen, auch nicht der Beziehung. Ich elbst bin gewachsen und habe gelernt, ich will aber jetzt mal annehmen, dass ich auch ohne die Beziehung gewachsen wäre, vielleicht nicht so, aber ob das besser oder schlechter gewesen wäre, kann ich nicht beurteilen..
LG Daisy

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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Bocanda » 14.06.2012, 08:54

Liebe Daisy,

Du schreibst "IHM" kannst Du nichts positives abgewinnen. Da stimme ich Dir voll und ganz zu. Dem Beznesser, der einen um so viel verlorene Zeit gebracht hat, kann man nichts positives abgewinnen.

Natürlich hättest Du Dich weiterentwickelt! Vielleicht eben nur in eine andere Richtung.

Diese ganzen Beznesser-Geschichten sind Teil unseres Lebens. Sie gehören zu uns einfach dazu. Auf Grund der Erfahrungen, die wir gemacht haben sind wir so wie wir heute sind. Manchmal frage ich mich, wo ich jetzt wäre, wenn ich ihm nicht über den Weg gelaufen wäre und ihm nicht vertraut hätte.

Ich wünsche Dir alles Gute
Bocanda
Liebe Grüße
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emm
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von emm » 16.06.2012, 21:03

Ute H. hat geschrieben:Mich würde interessieren, wie unterschiedlich Bezness-Opfer die schlimmen Erfahrungen verkraftet haben und wie es ihnen heute geht.

1.)Welche Bezness-Folgen waren/sind für euch persönlich am schlimmsten?
2.)Durch welches Ereignis habt ihr den Absprung geschafft?
3.)Wie lange hat es bei euch gedauert, um wieder 'Mensch' zu sein?
4.)Was ärgert euch heute noch?

Hallo Ute,

1. Welche Bezzness - folgen waren am schlimmsten ?
Das mein Selbstbewusstsein eigentlich völlig verschwunden war. Ich bin noch immer hochsensibel und fühle mich viel zu schnell angegriffen oder nicht genügend beachtet. Mal abgesehen von den finanziellen Sorgen die ich noch heute habe.

2. Durch welches Ereigniss habt ihr den Absprung geschafft ?
Er hat mich eines nachts im betrunkenen Zustand vergewaltigt ( erst heute kann vor mir selber sagen das es eine Vergewaltigung war). Am nächsten Mogen flog er raus !

3. Wie lange hat es bei euch dedauert, um wieder `Mensch`zu sein ?
Bei mir ist es nun 6 Monate her und so ganz langsam lerne ich ich wieder mich selber zu lieben. Ich habe wieder soziale Kontakte, aber so ganz richtig "ticke" ich noch nicht.

4. Was ärgert Euch heute noch ?
Das ein Mensch fähig war mich so zu verändern und so viel Raum in meinem Leben einnehmen konnte. Ich verstehe es heute manchmal noch nicht warum ich nicht früher die Notbremse gezogen habe.

Liebe Grüße
emm
Leben einzeln und frei, wie ein Baum und dabei brüderlich wie ein Wald ! Diese Sehnsucht ist alt ! Sie gibt uns Kraft !

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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Bocanda » 17.06.2012, 11:22

Liebe Noor,

ich kann Dir nur zustimmen. Das war eine sehr gute Idee von Ute H. Hier wird die eigene Geschichte kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Ich hoffe,
dass sich noch mehr hier eintagen, um zu berichten und ich hoffe, dass das Frauen davon abhält, die bereits an dem Traummann zweifeln, hier
Ihre Beziehung noch einmal kritisch zu hinterfragen.

Liebe Grüße
Bocanda
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Ute H.
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Ute H. » 17.06.2012, 17:34

Danke denen, die schon geschrieben haben :D . Und die anderen bitte ich, zu schreiben. Auch wenn ihr denkt, dass hier schon alles geschrieben wurde. Es darf sich gerne wiederholen... daran können Leser/-innen die Gemeinsamkeiten erkennen. Und die Betroffenen bekommen so eine Vorstellung, wie es weitergehen kann.

Ich hoffe sehr, dass hier viele Frauen lesen, die schon ein merkwürdiges Bauchgefühl in ihrer Beziehung haben und sich in den Antworten wiederfinden, um dann frühzeitig die Reißleine zu ziehen.

Bitte übernehmt die Struktur 1. bis 4. (ggf. 5.), damit die Antworten übersichtlich bleiben. Vielen Dank!

Rubinrot
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Rubinrot » 17.06.2012, 19:26

Hallo,

1.)Welche Bezness-Folgen waren/sind für euch persönlich am schlimmsten?

Eine verletzte und in der Eitelkeit gekränkte Seele kann wieder Heilung erfahren aber das dauert.
Die ersten Jahre nach Trennung habe ich mich benutzt und beschmutzt gefühlt es kam mir Ekel hoch
bei dem Gedanken dass unsere gemeinsam erlebten "schönen Stunden" ihm nur dem einem Zweck
dienten ans Ziel zu kommen hier einen gesicherten Aufenthalt zu erlangen. Er womöglich mir und
meinem Körper gegenüber Ekel empfand oder "Es" als lästiges Übel empfand.
Das sollte alles nur Lüge und geschauspielert sein, die traurige Gewissheit - für ein besseres Leben hier
in D von meinem Mann als Sprungbrett gedient zu haben - meine finanzielle Hilfe für ihn und
seine Familie die mich (fast) ruinierte? Lange wollte ich das einfach nicht glauben, auch nicht
als wir bereits getrennt waren. Ich dachte wir haben uns lediglich auseinandergelebt.
Mein Eigentum wofür ich jahrzehntelang geackert habe auflösen müssen und nun meine Rente
mit stundenweise Arbeit aufbessern um mir heutzutage kleine Extras leisten zu können.
Er sich im Gegenzug nach 9 jähriger Ehe - Rentenansprüche "erworben" hat.
Allein die amtliche Bezeichnung ist der Hohn uns "mißbrauchten" Frauen gegenüber.

2.)Durch welches Ereignis habt ihr den Absprung geschafft?
Bei einem letzten Zusammentreffen mit ihm hat er in Gegenwart seiner "Brothers" und seiner evtl.
schon Neuen Freundin vielleicht um damit anzugeben quasi zugegeben mich nur wegen der Papiere
geheiratet zu haben. Ein weiteres Treffen fand lediglich beim Scheidungstermin statt.

3.)Wie lange hat es bei euch gedauert, um wieder 'Mensch' zu sein?
Ich war immer Mensch sonst hätte ich emotional nicht so gelitten. Die Trauer und die geweinten
Tränen über die wohl letzte Liebe in meinem Leben und nun zerbrochene Beziehung hielt sehr
lange an 2008 bis 2011 - erst vergangenes Jahr habe auch ich mir verzeihen können an die Illusion
einer funktionierenden binationalen Beziehung alt/jung geglaubt zu haben.

4.)Was ärgert euch heute noch?
Nicht auf meine Kusine gehört zu haben! (s. meine Geschichte 166)

5. Positiv: Ich weiß nun das unser aller Blut rot in unseren Adern fließt - das heißt aber nicht dass wir
mit der gleichen Muttermilch aufgezogen wurden - soll heißen wir sind in zu vielen Aspekten
den täglichen Miteinanders nicht kompatibel mit einem uns völlig fremden Kulturkreis und Sozialisation.
Dass sollten sich alle heirats/ausreisewilligen ebenfalls vor Augen halten und nicht so tun als ob alles
so easy hier ist und sich selbst belügen. Ich weiß jedenfalls dass eine binationale Beziehung für mich
nicht mehr in Frage kommt.

Gruß
Rubinrot
Sage nicht immer was Du weißt, aber wisse immer was du sagst!

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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von melle » 18.06.2012, 20:20

1. Er hat meine Seele sehr verletzt. Er hat meine Liebe mißbraucht. Er hat es geschafft, dass ich mich "benutzt" fühle.

2. Als ich seine Lügen und Betrügereien aufdecken konnnte. Fand ich ganz schlim damals.

3. Nach seiner Einreise nach 3 Jahren Kampf und Entbehrungen finanzieller Art und viele Arbeit und Kampf mit dem
Oberverwaltungsgericht in Berlin, Kosten, Anwalt, Vorladung LKA " Verdacht auf Einschleusung eines Ausländers",
Scheineheverdacht, alles eingestellt worden. Streß und Probleme. Und dann weiter Betrug und Lügen.

4. Das ich das nicht gesehen habe vorher, dass ich auf das "Schauspiel" reingefallen bin, dass es mir jetzt viel schlechter geht
wegen ihm. Finanziell und gesundheitlich. Das ich doof war und an Liebe und Gefühle geglaubt habe. Und das, obwohl ich
doch nicht mehr jung bin. Dachte aber, Liebe gilt für jedes Alter. Außerdem finde ich es nicht richtig, dass er über 40,--
Euro Rentenanwaltschaft übertragen bekommen hat.

Frage mich wo schicken die das hin, er ist ja ausreisepflichtig, also keine AE mehr in Deutschland.

Eigentlich gibt es noch vieles, aber wollte mich kurz fassen. Es geht uns wohl allen so.

Alles Liebe für euch alle.

Gruß melle

hope
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von hope » 19.06.2012, 14:05

1.)Welche Bezness-Folgen waren/sind für euch persönlich am schlimmsten?
Die Erkenntniss das ich so erbärmlich, belogen, betrogen und manipuliert worden bin.
Mein Selbstwertgefühl und mein Selbstbewustsein habe ich durch Ihn, komplett verloren.
Nur mein Selbsterhaltungstrieb hat mich in letzter Sekunde, vor dem allerschlimmsten bewahrt
(Dank meines Sohnes, Sabine und Ursi, die mich daran erinnert haben)

2.)Durch welches Ereignis habt ihr den Absprung geschafft?
Es waren sehr viele Ereignisse, zuviel um hier zu erwähnen, aber ich glaube das meine schwere Depression der Ausschlaggebende Punkt gewesen ist.

3.)Wie lange hat es bei euch gedauert, um wieder 'Mensch' zu sein?
Das ist eine gute Frage, leider kann ich sie nach ca. 10 Monaten, noch nicht beantworten, denn noch, bin ich kein "Mensch" aber ich gebe die Hoffnung nicht auf!

4.)Was ärgert euch heute noch?
Das ich so naiv und blind gewesen bin.
Das ich innerhalb von 4 Jahren vom "gehobenen Mittelstand" nun für den Rest meines Lebens vom Vater Staat abhängig sein werde.

Ute H.
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Ute H. » 19.06.2012, 16:33

Ich wollte zu meinem 'positiven Punkt' noch anmerken: Das Kind ist mein ein und alles. Ich liebe es und kämpfe um sein Wohlergehen.
Die Kehrseite ist, dass mich genau dieses Kind auf immer und ewig mit dem Bezzie verbindet. Und diesem Umstand empfinde ich als negativ.

Ich denke, dass wir Kinder in diesem Thread außen vor lassen.

distel
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von distel » 21.06.2012, 16:09

Hallo Scharade,
du hast Melle eine Frage bzgl. der Rentenansprüche gestellt. Die an den Expartner übergehenden Rentenpunkte werden dann von der eigenen Rente abgezogen, wenn man die Rente beziehen kann (in der Regel mit 65 Jahren). Sollte bis dahin der Ex nicht mehr in der Lange sein, die Rentenansprüche zu erhalten (weil er z.B. gestorben ist) werden die Ansprüche von der eignen Rente dennoch abgezogen und dem Staat zugeschlagen. Man bekommt also nichts zurück oder gut geschrieben.
Ich habe mich mal erkundigt, da ich auch meinem Ex Rentenpunkte abgeben durfte. Er hat sich nämlich bei seinem Anwalt darüber beschwert, dass er nach 5 Jahren Arbeit als Minijobber einen Rentenanspruch von nur 45 € hat und ich soviel (ich habe auch nur 30 Jahre Vollzeit mit einer guten Ausbildung gearbeitet).
Gruß
Distel
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Bocanda
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Re: Bezness und die (Spät-)Folgen

Beitrag von Bocanda » 22.06.2012, 20:23

Mein Rechtsanwalt hat mir nach erfolgter Scheidung noch auf dem Weg gegeben: "Bevor ich "sowas" wieder mache, solle ich doch unbedingt einen "gescheiten" Ehevertrag von ihm erstellen lassen, der mich bei der Scheidung vor Verlusten schützt".
Ich habe es geschafft noch nach der Trennung, aber vor der Scheidung einen Ehevertrag aufsetzen zu lassen, der Unterhaltsansprüche, Rentenansprüche und den Zugewinnausgleich geregelt hat. Glücklicherweise hat er den noch unterschrieben.

Ich kann nur allen raten, auch denen, die noch momentan in einer Ehe stecken, einen Ehevertrag aufsetzen zu lassen. Hier geht es um Euer schwer verdientes Geld. Und das wollt Ihr doch nicht an jemanden abtreten, der Euer Geld wo auch immer verjubelt, während Ihr Euch in Deutschland nichts mehr leisten könnt!

Liebe Grüße
Bocanda
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