FREMDER MANN

Wie lebe ich heute. Was habe ich geändert. Wie habe ich Bezness verarbeitet. Der "Neuanfang".

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Corinna
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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Corinna » 01.03.2014, 08:22

Hallo Coralia,

habe versehentlich den gleichen Beitrag mehrfach abgeschickt. Habe noch nicht herausgefunden, wie ich einen doppelt geschickten Beitrag wieder löschen kann. Weißt Du es?

Gruß
Corinna

Candy
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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Candy » 01.03.2014, 09:16

Liebe Zwoelfe,

wie gewünscht, habe ich deinen "missglückten" Beitrag gelöscht.
Hoffe, es ist o.k. so....
Ich wünsche allen einen schönen Tag,
Liebe Grüsse
Candy
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Wer alles glaubt hat aufgehört zu denken (v.R.J.-M.)

Zwoelfe
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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Zwoelfe » 01.03.2014, 09:49

Danke , liebe Candy - genau richtig .

Zwoelfe
Love all , trust a few and do wrong to none ...

... ich hab`mal gehört , der ist von Shakespeare - oder isses der Glückskeksspruch vom Chinamann nebenan ?

Franconia
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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Franconia » 01.03.2014, 13:55

noor hat geschrieben:Gerade wenn man denkt, auf der halbwegs sicheren Seite zu sein und eigentlich weiß, wie der Hase läuft, kommst Du dann zu der nüchternen Erkenntnis,
daß der fremde Mann genauso ist...eben ein Bezneser.
Man meint Land und Leute zu kennen, man meint die Guten von den Bösen unterscheiden zu können.
Ich möchte fast sagen, durch dieses vermeintliche "Land & Leute kennen" ist man mitunter sogar noch anfälliger für Scharlatane, denn man wird dann teilweise etwas leichtsinniger.
Solange ich fremd in einem Land bin, bin ich generell vorsichtiger in der Art wie ich mich dort bewege oder auch im Umgang mit anderen. Halte ich mich aber wiederholt länger in einem Land auf bzw. lebe sogar teilweise dort, dann wird vieles selbstverständlich - auch der Umgang mit den Leute dort und man übersieht dann oftmals die sehr subtilen Fallen, die einem gestellt werden.
Man ist gewohnt an die Umgangsformen und auch an die Art wie z. B. Höflichkeiten ausgetauscht oder Komplimente gemacht werden und die Alarmglocken werden leiser, da man nicht mehr unterscheiden kann, fusst es jetzt auf die normale Umgangsform (die man ja schon so oft und ohne Schaden erlebt hat) oder steckt doch etwas anderes dahinter.


Generell zum "fremden Mann"
ich weiß nicht was in mir überwiegen würde. Der Ärger über mich selbst, dass ich auf so etwas herein gefallen bin oder aber der Ekel weil ich mit einem "Fremden" eine intime Beziehung hatte. Von der Angst, mir dabei auch noch irgendwelche Krankheiten eingefangen zu haben, ganz zu schweigen.
Schlimmer als nach nach einer relativ kurzen (Beziehungs)Dauer zu realisieren, dass man seinen Freund/Mann gar nicht kennt finde ich, wenn sich ein Partner nach langjähriger Beziehung/Ehe um 180 Grad dreht und man sich dann fragt, wer ist der Kerl da an meiner Seite bzw. wo ist der Mann geblieben, den ich vor Jahren geheiratet habe.
Ist der Kerl, der jetzt neben mir ist der "Echte" oder war es der Mann den ich kennengelernt und geheiratet habe. Was ist Wahrheit, was Lüge? Hat mir jemand über Jahre nur eine Show vorgespielt und sein wahres Ich unterdrückt?
Wenn die Guten nicht kämpfen, werden die Schlechten siegen. (Platon)

Elisa
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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Elisa » 02.03.2014, 08:07

Hallo Corinna,

es dauert sehr, sehr lange, bis man in einer anderen Sprache die kleinen Nuancen erkennt, und es dauert genauso lang, wenn nicht noch länger, bis man in einem anderen Land (und dann noch in einem Land mit einer völlig anderen Kultur und mit ganz anderen Werten) die Menschen erkennt. Und einen sehr guten Betrüger erkennt man auch hier nicht.

Aber Du gehst wie Coralia mit Ehrlichkeit an Deine Geschichte ran, und so wirst Du sie auch hinter Dir lassen können.

LG Elisa

Defne
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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Defne » 02.03.2014, 08:24

Hallo Corinna,
es tut mir leid was Dir passiert ist und ich habe auch lange ueber meine Situation nachgedacht.
Ja ich habe lange Zeit mitten in einem Einheimischen-Viertel mittlerer bis niedriger Qualität in der Tuerkei gewohnt. Nur durch einen lagen Aufenthalt dort kann man das Leben dort beurteilen. Ein paar Haeuser weiter gibt es ein kleines Hotel. Das ist schon wieder eine ganz andere Welt.
Aber mein Ort ist touristisch und direkt oder indirekt leben die meisten vom Tourissmus deswegen gibt es auch viel Betruegereinen. Aus diesem Grund fuehle ich mich die letzten Jahre dort nicht mehr so wohl und werde dieses Jahr dann endgueltig nach Deutschland zurueckkehren.
Es gibt sie aber noch die einfachen ehrlichen Leute wie z.B. meine Ex-Schwiegereltern die sich bei meiner Scheidung stark fuer mich eingesetzt haben. Das ist in diesem Fall aber die Ausnahme.
Akıllı başkalarının hatalarından öğrenir, aptal kendisinin.
Der Kluge lernt aus den Fehlern anderer, der Dumme aus seinen eigenen.

Corinna
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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Corinna » 02.03.2014, 08:33

Liebe Zwoelfe,

danke für Deine Gedanken.

Du schreibst: "Ich bin durch meinen Sri Lankaner mit vielen seiner Landsleute zusammen gekommen und habe immer wieder festgestellt , dass sich ihre "Beziehung" zur landsmännischen Ehefrau nicht sehr von Bezness unterscheiden."

Dann schreibst Du: " Diese Männer müssen noch nicht mal Bezzies sein um mit unserer Erwartungshaltung nicht klar zu kommen . In vielen Ländern haben Männer und Frauen eben kein gemeinsames Leben wir hier."

Später schreibst Du: "Ansonsten leben sie in verschiedenen Welten , sie in der von Frauen , Kinder und Familie - er in der Männer-Geschäfts- und Arbeitswelt . Die Kinder sind das Bindeglied , sie dienen der Kommunikation "

Das mit den getrennten Männer- und Frauenwelten ist mir hier in der Türkei natürlich auch aufgefallen, bzw. ich habe das im Alltag immer wieder erlebt. Da mein Beznesser aber einen deutschen Personalausweis hat und in Deutschland gelebt hat, hatte ich natürlich gehofft, daß wir zueinander finden könnten und wir uns in der Mitte treffen könnten/ würden. Entsprechend hatte ich mich bemüht.

Heute weiß ich natürlich, daß ich mich hätte bemühen können oder auch nicht - vollkommen egal.

Jetzt werde ich aber einmal ganz unabhängig vom Thema Beznesser genauer hinsehen. Ich möchte gern herausfinden, inwieweit das für die Generation bis 40 und die Menschen aus Großstädten auch gilt bzw. ob sich da etwas Neues entwickelt (hat). Ich werde mal anfangen, gezielte Fragen zu stellen.

Viele Grüße
Corinna

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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Corinna » 02.03.2014, 08:35

Liebe Noor,

danke für Deine Antwort.

Du hast geschrieben: " Besonders bitter an Deiner Geschichte finde ich, daß Du "Land & Leute" durch die Aufenthalte in der Türkei zu kennen scheinst und trotzdem bist Du frontal reingelaufen. Gerade wenn man denkt, auf der halbwegs sicheren Seite zu sein und eigentlich weiß, wie der Hase läuft, kommst Du dann zu der nüchternen Erkenntnis, daß der fremde Mann genauso ist...eben ein Bezneser. "

Ja, wie ich schon zu einem früheren Zeitpunkt geschrieben habe: Hochmut kommt vor Fall. - Womit ich natürlich nicht das Verhalten von Beznessern entschuldigen will.

Weiter schreibst Du: " Obwohl ich viele Leute auch privat kenne, würde ich für keinen meine Hand ins Feuer legen, daß sie mich genauso "leimen" würden."

Einige meiner Freunde und ich haben immer gesagt, daß wir die Türken mögen würden, aber leider keinen kennen würden, den wir trauen würden. Hat mich dann aber nicht davon abgehalten…….. Er war eben anders……dachte ich (!)…..

Alles Liebe
Corinna

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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Corinna » 02.03.2014, 08:36

Hallo Franconia,

danke für Dein Interesse. Ich finde, daß Du folgendes sehr gut beschreibst:

"Man meint Land und Leute zu kennen, man meint die Guten von den Bösen unterscheiden zu können. Ich möchte fast sagen, durch dieses vermeintliche "Land & Leute kennen" ist man mitunter sogar noch anfälliger für Scharlatane, denn man wird dann teilweise etwas leichtsinniger."

Hinzu kommt vielleicht noch folgendes:

Das, was der Frau A oder der Frau B passiert ist, wäre mir nicht passiert. Ich hätte das Ganze durchschaut und wäre darauf nicht reingefallen! - Richtig, deswegen hat mein Beznesser auch eine andere Strategie benutzt, eben eine, auf die ich hereinfalle. (Inzwischen habe ich auch unter "Manipulationstechniken" gegoogelt. Mein Güte, gibt es viele!)

Obwohl ich inzwischen soviel über Bezness gelernt habe und mich auch emotional damit auseinandergesetzt habe, bin ich immer noch baff erstaunt, wie schnell es meinem Beznesser am ersten Tag gelungen ist, mich zu blenden und um den Finger zu wickeln.

Liebe Grüße
Corinna

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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Corinna » 02.03.2014, 08:38

Liebe Strauss,

ich denke auch, daß es schwierig ist "Land und Leute" kennenzulernen, wenn man wie ein Tourist lebt. Dazu gehört einiges mehr. Und auch das ist kein "Schutz".

Da ich inzwischen für das Thema etwas sensibler geworden bin, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Eine Türkin, die ich seit vielen Jahren kenne, ist auch an einen Beznezzer geraten.

Viele Grüße
Corinna

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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Franconia » 02.03.2014, 23:11

Wir sind doch nicht einmal davor gefeit hier in unserem Land nicht auf einheimische Lügner und Betrüger herein zu fallen, in unserer Heimat, einem Land in dem wir glauben sicher zu sein weil wir uns auskennen. Es gibt hier schon ganz viele regionale Eigenheiten die uns teilweise unbekannt und fremd sind.
Um wie viel schwerer ist es dann erst in einem Land das wir nur vermeintlich kennen, bei dessen Sprache wir, egal wie gut wir sie können, spätestens bei regionalen Dialekten Abstriche machen müssen.

Ich halte mich selbst seit Jahren immer wieder für länger in der Türkei abseits der typ. Touriregionen auf, würde aber nie sagen ich kenne Land & Leute. Ich habe zwar sehr viel gesehen, bin auch sehr viel dort unterwegs, aber wenn, dann könnte ich nur sagen, ich kenne einige der spezifischen Eigenheiten der Region in der ich mich immer aufhalte - und dort treffe ich auch nach Jahren immer wieder auf neues und mir unbekanntes Verhalten.
Es gibt dort niemanden für den ich meine Hand ins Feuer legen würde, es gibt niemanden von dem ich sagen würde, die Person ist zu 100% integer und nicht auf seinen Vorteil bedacht (egal ob der groß oder klein ist) und es gibt niemanden, von dem ich z. B. zu einer Freundin sagen würde, der ist harmlos.
Es heißt nicht umsonst, Gelegenheit macht Diebe - und jeder, der sich als vermeintlich harmlos präsentiert kann sich ändern sobald sich ihm eine passende Gelegenheit bietet.
Ich habe dort Bekannte und auch Nachbarn mit denen ich mich treffe wenn ich dort bin und in deren Gegenwart ich mich auch wohl fühle, aber es ist und bleibt alles in gewisser Weise unverbindlich.
Wenn die Guten nicht kämpfen, werden die Schlechten siegen. (Platon)

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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Corinna » 03.03.2014, 08:00

Hallo Defne,
danke für Deine Email.
Ja, je touristischer eine Gegend wird, desto mehr spielen Geld und Betrug eine Rolle. Obwohl ich glücklicherweise damals gleich ein Dorf weitab vom Meer ("kannst Du das Meer den wenigstens sehen?") gegangen bin, kriecht der Tourismus auch in meine Richtung. In der nächsten Kreisstadt hat sich ganz viel verändert. Ich finde die Entwicklung zum Teil sehr traurig und sehe für die Bevölkerung hier auch viele Nachteile. Diese Nachteile sehen die Einheimischen natürlich auch selbst. Aber viele haben ihr Augenmerk sehr stark auf Geld gerichtet ("Warum kaufst Du Dir denn kein besseres Auto?")

Hältst Du Dich zur Zeit in der Türkei auf?

Ich freue mich über Deine positiven Erfahrungen mit Deinen Schwiegereltern.

Selam
Corinna

P. S.
Mir gefällt Dein Spruch. Ich schicke diesen und versuche, das entsprechende Foto anzuhängen (falls das nicht klappen sollte, schicke ich das Foto über 1001 Geschichte an Deine Emailadresse). Hier der Spruch:
Bir seyi yapmak isterseniz, bir yolunu bulursunuz. Istemezseniz de bir bahane bulursunuz.
Wenn du etwas machen willst, findest du einen Weg. Wenn du etwas nicht machen willst, findest du eine Ausrede.
Dateianhänge
bir sey yapmak isterseniz.jpg
bir sey yapmak isterseniz.jpg (53.24 KiB) 9324 mal betrachtet

Corinna
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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Corinna » 04.03.2014, 06:18

Hallo Elisa,

danke für Deine Email.

Du schreibst: " Es dauert sehr, sehr lange, bis man in einer anderen Sprache die kleinen Nuancen erkennt, und es dauert genauso lang, wenn nicht noch länger, bis man in einem anderen Land (und dann noch in einem Land mit einer völlig anderen Kultur und mit ganz anderen Werten) die Menschen erkennt. Und einen sehr guten Betrüger erkennt man auch hier nicht. "

Das sehe ich auch so. Bis auf den letzten Satz. - "Und einen sehr guten Betrüger erkennt man auch hier nicht" Ich bin immer noch dabei mich mit dem Thema "Betrug" und "Betrüger erkennen" auseinanderzusetzen. Das ist bestimmt auch gut und richtig so, reicht aber nicht (und Du magst recht damit haben, daß man auch hier einen guten Betrüger nicht erkennt.). Ich hoffe natürlich immer noch, daß mir so etwas nicht wieder passiert.

Jakobsweg hat eine Userin zitiert: "Man verliebt sich nicht in Dilara, Achmed oder Mustapha sondern in die Vorstellung, die man sich von ihnen macht, in den Traum einer liebevollen Beziehung."

Wahrscheinlich muß ich mich noch mehr damit auseinandersetzen, welche Bedürfnisse mein Beznesser mir erfüllt hat. Das ist wahrscheinlich viel wichtiger. Ich bin da auch schon auf einiges gekommen, aber ich glaube nicht, daß das schon alles ist.

Liebe Grüße
Corinna

Corinna
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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Corinna » 04.03.2014, 06:19

Hallo Franconia,

danke für Deine Email.

Du schreibst: " Wir sind doch nicht einmal davor gefeit hier in unserem Land nicht auf einheimische Lügner und Betrüger herein zu fallen, in unserer Heimat, einem Land in dem wir glauben sicher zu sein weil wir uns auskennen. Es gibt hier schon ganz viele regionale Eigenheiten die uns teilweise unbekannt und fremd sind."

Ich denke, Du bringst es ganz genau auf dem Punkt: wir können überall auf der Welt einschließlich in Deutschland auf Betrüger hereinfallen. Und wie ich schon zu einem früheren Zeitpunkt geschrieben habe: ich kenne eine Türkin, die auf einen Beznesser hereingefallen ist.

Insofern ist es wohl relativ egal, wie gut jemand ein anderes Land und "Land und Leute" usw. kennt. Es geht darum damit fertig zu werden, gebeznesst worden zu sein.

"Die Welt will betrogen werden!" - Diesen Spruch haben wir bestimmt alle schon öfter (in Deutschland) gehört.

Mir geht es nicht so sehr darum zu verstehen, warum es in bestimmten Ländern so viel Bezness gibt (obwohl das ein interessantes Thema ist), mir geht es in meiner Situation darum mich mit meinen Verletzungen und Ängsten auseinanderzusetzen.

Liebe Grüße
Corinna

coralia
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Re: FREMDER MANN

Beitrag von coralia » 04.03.2014, 07:28

Corinna hat geschrieben:

Mir geht es nicht so sehr darum zu verstehen, warum es in bestimmten Ländern so viel Bezness gibt (obwohl das ein interessantes Thema ist), mir geht es in meiner Situation darum mich mit meinen Verletzungen und Ängsten auseinanderzusetzen.

Liebe Grüße
Corinna
Hallo Corinna,

das finde ich genau richtig, kümmere dich um dich selbst und deine eigene Gefühlslage. Es geht genau darum, welche Bedürfnisse der Beznesser dir erfüllt hat. Du musst in Zukunft nicht den Kopf in den Sand stecken und nur noch von Sicherheit zu Sicherheit denken (ich habe das Gefühl, davor graut es dir etwas oder?). Du musst nicht zur grauen Maus werden und nur noch langweilige Dinge erleben. Aber du solltest dich mit diesen Bedürfnissen auseinander setzen und in Zukunft wachsam sein, wenn sich ähnliche Situationen ergeben. Das können ja auch andere Situationen sein, die mit Männern nichts zu tun haben.

viele grüße
coralia

Corinna
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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Corinna » 05.03.2014, 09:17

Hallo Coralia,

danke für Deine Email. Ich finde es gut dies noch einmal so formuliert zu sehen: " Es geht genau darum, welche Bedürfnisse der Beznesser dir erfüllt hat."

Dann schreibst Du ganz richtig: "Du musst in Zukunft nicht den Kopf in den Sand stecken und nur noch von Sicherheit zu Sicherheit denken (ich habe das Gefühl, davor graut es dir etwas oder?)" Ja Coralia, bisher bin ich sehr gut damit gefahren nur im allgemeinen an Sicherheit zu denken, wie zum Beispiel krankenversichert und haftpflichtversichert zu sein. Und gegen manche Risiken nicht versichert zu sein, sondern das Risiko selbst zu tragen. Ab und zu bin ich dann ein größeres Risiko eingegangen und viele haben gesagt, daß sie sich das nicht getraut hätten und ob ich das nicht lieber sein lassen sollte usw.. Ich selbst bin damit bis auf die Angelegenheit mit dem Beznesser immer sehr gut gefahren. Und ohne diese Angelegenheit zu bagatellisieren: "unterm Strich" ist mein Konzept ab und zu ein größeres Risiko einzugehen gut für mich.

Ich will also eigentlich so weiter machen wie bisher, aber ich möchte schon aus der Angelegenheit lernen und den gleichen Fehler nicht wiederholen. Das hört sich erst einmal widersprüchlich an, aber ich es gibt so viele Möglichkeiten im Leben. Hier bin ich am nachdenken und suchen.

Und ich möchte unbedingt mehr wissen darüber, wie es dazu kommen konnte, daß ich mich habe manipulieren lassen. Wie schon früher geschrieben, sind mir dazu schon einige Ideen gekommen. Da hat mich auch das Forum weitergebracht. Ich habe aber das Gefühl, daß noch etwas Wichtiges fehlt und so bleibe ich beim Thema.

Jetzt habe ich noch eine Frage. Du schreibst: " Aber du solltest dich mit diesen Bedürfnissen auseinander setzen und in Zukunft wachsam sein, wenn sich ähnliche Situationen ergeben. Das können ja auch andere Situationen sein, die mit Männern nichts zu tun haben." Ich bin mir nicht ganz sicher, wie Du es meinst. Würde mich sehr interessieren.

Liebe Grüße
Corinna

coralia
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Re: FREMDER MANN

Beitrag von coralia » 05.03.2014, 09:47

Hallo liebe Corinna,

ich bin voll bei dir, was die Sache mit dem "Risiko des Lebens" angeht, ich empfinde das sehr ähnlich wie du. Ich habe eigentlich auch immer so gelebt, dass ich bewusst Risiken eingegangen bin oder auch mal Dinge auf mich habe zukommen lassen, ohne "vorzusorgen" und das Leben einfach spontan angegangen bin, eher gefühlsorientiert und selten rational gesteuert. Ich denke, damit habe ich mir das Bedürfnis erfüllt "mich frei zu fühlen", meinen eigenen Weg zu gehen, mich nicht von den Zwängen und Vorgaben einer aus meiner Sicht spießigen Gesellschaft leiten zu lassen.

Grundsätzlich finde ich diese Haltung nach wie vor gut, ich habe aber für mich festgestellt, dass ich in dieser Hinsicht manchmal zu weit gegangen bin. Meine Bezness-Ehe war eigentlich nur der I-Punkt auf einer Reihe solcher riskanter Erfahrungen, die ich gemacht habe, weil ich das Leben spüren wollte. Und ich habe mich anschließend gefragt, warum ich so etwas tun musste, also welche Bedürfnisse mein Exmann in mir erfüllt hat, ebenso wie andere Männer, mit denen ich vorher zusammen war.

Gleiches galt für mich auch in anderen Situationen, die mit Beziehungen nichts zu tun hatten. Ich habe beispielsweise nach Abschluss meiner kaufmännischen Ausbildung in einem großen deutschen Unternehmen gearbeitet, hatte einen unbefristeten Arbeitsvertag in einer Abteilung, die mir ganz gut gefallen hat, meine erste eigene Wohnung. Ich war damals Anfang 20, es war aufregend, endlich alleine zu wohnen, ich war froh, die Zeit der Ausbildung hinter mich gebracht zu haben, richtiges Geld zu verdienen, ich fühlte mich wohl. Nach ein paar Jahren schlich sich aber so ein Gefühl der Langeweile ein, das immer stärker wurde. Und ich glaube, das ist der Punkt, an den ich immer wieder gelange in meinem Leben. Ich kann nicht gut mit gleichbleibenden Abläufen leben, ich brauche Veränderung, Spannung, Risiken und sowas. Ich habe mich dann mit Mitte 20 entgegen den Rat meines Umfelds entschieden, meine Stelle zu kündigen und in eine Großstadt zu ziehen, um dort Übersetzen zu studieren. Das war ein Risiko, weil ich wusste, dass ich es anschließend als freiberufliche Übersetzerin schwer haben werde, mein Leben zu finanzieren. Trotzdem bin ich in dieser Zeit aufgeblüht, das hat mir wahnsinnig gut gefallen. Das ist jetzt 12 Jahre her und ich arbeite heute erfolgreich als freiberufliche Übersetzerin, aber das konnte ich ja damals nicht wissen.

Damit meine ich, diese Bedürfnisse, um die es dir wohl auch geht, haben sicher verschiedene Ursachen udn müssen nicht unbedingt auf das beschränkt sein, was ein Mann dir geben kann. Und da solltest du vielleicht ein bisschen in dich hineinhören und Selbstanalyse betreiben, ich habe das GEfühl, da bist du auf einem guten WEg, nach dem, was du schreibst.

Ich lebe heute ziemlich genau dieses spießige Leben, das ich früher unbedingt vermeiden wollte. Ich lebe in einer stabilen Ehe, wir haben letztes Jahr ein Haus gebaut (ich wollte früher nie ganz sesshaft werden), wir möchten Kinder haben und all das. Manchmal habe ich ein bisschen Angst davor, dass mich dieses "Gefühl" wieder packt und ich glaube ausbrechen zu müssen. Weil ich glaube, dass es auch heute noch in mir drin ist, auch wenn ich längst nicht mehr so getrieben bin wie als ganz junge Frau.

Ich hoffe, ich habe das jetzt nicht zu verworren erklärt, unterm Strich geht es glaube ich nach einer Bezness-Erfahrung darum, sich selbst zu verstehen udn zu reflektieren.

coralia

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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Jakobs_Weg » 05.03.2014, 09:57

Liebe Corinna,

wir Menschen sind ziemlich anfällig für Schmeicheleien, Komplimente, Anerkennungen, etc.

In dem Buch Die Kunst des Gedankenlesens: Andere durchschauen, verstehen und gewinnen von Henrik Fexeus wird gut beschrieben, wie wir z.B. (auch) darauf reagieren. Ohne es zu wollen, senden wir dem Gegenüber dabei Signale aus, an denen dieses erkennt, inwieweit wir nun für (weitere) Manipulation bereit sind.

Warum schaffen es manche Top-Verkäufer zu Spitzenumsätzen?
Nicht, weil sie viel reden, sondern deswegen, was sie sagen.

Geschickt und gekonnt (!) "umschmeicheln" sie den Kunden, "werten ihn höher" und wecken in ihm Sehnsüchte, die dieser sich gerne erfüllen möchte / könnte. Endlich fühlt sich der Kunde als der wahrgenommen, der er ja sein möchte, wie er sich selber sieht und versucht, sich auch so darzustellen.

Der Autor von "Der kleine Prinz", Antoine de Saint-Exupéry, schrieb:

"Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer."

und ebenso:

"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist unsichtbar für die Augen."

So funktioniert gute Werbung (für zumeist teurere Produkte),
so funktioniert sie auch in der partnerschaftlichen Anbahnungen.
Und wir alle reagieren darauf, visuell audiell.

Ich weiß nun nicht, ob dir der Denkanstoß nützlich ist, aber vielleicht für andere Leser.

Dir alles Gute, liebe Corinna!
Ich bin schwer beeindruckt, wie toll du reflektierst!

Bzw. - liebe Grüße auch an dich, liebe Coralia!
Ich freue mich, dass es dir gut geht!
LG, Jakobs_Weg

Nein, nicht alle Orientalen sind Beznesser!

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Re: FREMDER MANN

Beitrag von kkj » 06.03.2014, 07:29

Ja, ihr "pflückt" es hervorragend auseinander, ihr zwei. :) t

Ich finde allerdings, zum sich selbst Verzeihen gehört dann aber auch, es mal gut sein zu lassen. Es ist gut, die Gründe zu verstehen, warum man so anfällig war. Und dann is aber irgendwann mal jut, weiter geht's, ist zwar dumm gelaufen, aber das Leben geht weiter. Nicht, dass man in der Spirale festhängt und vor lauter Grübeln und Reflektieren vergisst, zu Leben.

Coralia hat das hervorragend hinbekommen, finde ich. Dir, liebe Corinna, wünsche ich das auch. Sei nicht ZU hart zu dir selbst. Alles werden wir NIE verstehen können, gerade bei den Bezziegeschichten nicht. Wie viele schütteln heute den Kopf mit der Frage "wie konnte ich nur???"
LG
kkj

Desert Dancer
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Re: FREMDER MANN

Beitrag von Desert Dancer » 06.03.2014, 12:41

Ich lebe heute ziemlich genau dieses spießige Leben, das ich früher unbedingt vermeiden wollte. Ich lebe in einer stabilen Ehe, wir haben letztes Jahr ein Haus gebaut (ich wollte früher nie ganz sesshaft werden), wir möchten Kinder haben und all das. Manchmal habe ich ein bisschen Angst davor, dass mich dieses "Gefühl" wieder packt und ich glaube ausbrechen zu müssen. Weil ich glaube, dass es auch heute noch in mir drin ist, auch wenn ich längst nicht mehr so getrieben bin wie als ganz junge Frau.
Liebe Coralia!
Ich denke wenn man in jüngeren Jahren viel erlebt und das Leben intensiv gelebt hat, dann kommt man irgendwann an den Punkt, wo man das "spiessige" Leben richtig schätzt und froh ist, wenn man ohne wilde Abenteuer das Leben geniessen kann. Mir geht's jedenfalls so. Natürlich sind nicht alle gleich. Aber ich würde mir mal nicht zu viele Sorgen machen an Deiner Stelle, da Du Dein neues Leben offenbar ja schön findest! Und keine Angst, Du selbst wirst trotzdem nie eine langweilige Person werden. Auch wenn Du nicht mehr jedes Risiko wahrnimmst.
Viele Grüsse, Desert Dancer
Ehemaliges CIB-Vereinsmitglied

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