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"Die Islamisten von Ennahda."
Doch das Hauptthema von Benslema und seiner Kollegen ist Tunesiens Zukunft.
Wer eine Chance hat, in zwei Monaten zum Präsidenten gewählt zu werden, weiß niemand zu sagen: "Ben Ali hat ganze Arbeit geleistet bei der Unterdrückung der Opposition", meint einer. Doch alle sind sich sicher, dass der Demokratisierungsprozess Persönlichkeiten hervorbringen wird. Im Moment sind sie vor allem auf eines stolz: "Egal, wer letztlich Präsident wird, Tunesien wird das erste arabische Land sein, in dem weder ein Militär noch ein König Staatschefs ist.
Was hier geschieht, wird sich auf die gesamte arabische Welt auswirken."
Da ist sich auch der Händler Mohammed sicher: "Der Nächste, der stürzt, wird Mubarak in Ägypten sein", sagt er. "Und ausgerechnet wir, das kleine Tunesien, hat vorgemacht, wie es geht." Wer jetzt die Macht übernehmen könnte, weiß er zwar auch nicht,
aber er weiß, wen er auf keinen Fall an der Macht sehen möchte: "Die Islamisten von Ennahda." Der in London lebende Chef der verbotenen Ennahda-Bewegung, Rachid Ghannouchi, kündigte am Samstag im Fernsehsender al-Dschasira an, bald nach Tunesien zurückzukehren.
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http://www.taz.de/1/politik/afrika/arti ... e-es-geht/
Interview :Mit Hardy Ostry sprach Michael Kreußlein
Spielt der Islam da eine Rolle?
Hardy Ostry Teamleiter für die Zusammenarbeit mit den Staaten Afrikas und des Nahen Ostens in der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Nordafrikanische Staaten haben stets eine Schwäche bei der Modernisierung bewiesen. Spielt der Islam da eine Rolle?
Nein, das würde ich nicht sagen. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass Tunesien in vielen Kommentaren immer wieder als Musterland dargestellt wurde und man jetzt staunt, dass Unruhen mit wirtschaftlichen und politischen Hintergründen zu Tage treten. Was die wirtschaftliche und gesellschaftliche Modernisierung angeht, ist Tunesien ein Vorzeigeland. Das liegt natürlich auch an der Bindung zu Europa. Der Islam spielt da eher eine untergeordnete Rolle. Den Islamisten gelingt es ja auch nicht, von den Protesten zu profitieren.
Also können radikale Islamisten die Demonstranten nicht wirklich instrumentalisieren?
Ich sehe das nicht. Es gibt zwar zahlreiche Versuche, gerade von ausländischen Gruppen. Allerdings wird deutlich, dass es weder bei den Demonstranten im Land noch bei Exiltunesiern in Deutschland islamistische Hintergründe gibt. In Algerien sind mehr dieser Menschen im Land und insgesamt stellt sich die Gefahr, die von islamistischen Kräften ausgeht, für alle Maghreb-Staaten. Aber sie stehen keinesfalls vor einer Machtübernahme, wie es in Europa und Deutschland oft berichtet wird. Algerien beispielsweise hat Anfang der 1990er Jahre, als die Islamisten tatsächlich drohten, die Wahlen zu gewinnen und die Generäle einschritten, auch einen sehr hohen Preis bezahlt. Hunderttausende ließen damals ihr Leben und das Land erholte sich davon nur schwer. Das war übrigens auch ein Schlüsselerlebnis für die anderen Maghreb-Staaten, insbesondere für Tunesien. Auch deswegen ging man den Liberalisierungsprozess langsamer an.
Gibt es in Tunesien und Algerien eigentlich Oppositionspolitiker, mit denen sich die Demonstranten identifizieren können?
Ich sehe keinen. Nejib Chebbi von Tunesiens Fortschrittspartei war immerhin sehr aktiv daran beteiligt, Informationen über die Unruhen nach Europa zu bringen. Er versucht, sich zu einer Art Sprecher der Opposition zu machen. Chebbi ist sicherlich eine der schillerndsten Oppositionsfiguren, aber eine neue Führungspersönlichkeit ist er wohl nicht. In Algerien ist die politische Szene ausgeprägter als im Nachbarstaat. Da existiert auch eine durchaus diskussionsfreudige und offene Debattenkultur.
Könnte dem Maghreb-Raum auf lange Sicht trotzdem eine Situation wie in Zentralafrika drohen?
Das glaube ich nicht. Algerien ist vielleicht ein Sonderfall, weil es Segen und Fluch des Öls und des Gases hat. Aber Tunesien und beispielsweise auch Marokko sind Länder, die wissen, welchen Preis sie für eine Instabilität zahlen würden. Durch die Assoziierungsabkommen haben die nordafrikanischen Staaten eine enge Anbindung an die Europäische Union, Marokko sogar einen Privilegierten-Status. Niemand würde politischen Suizid begehen.
Mit Hardy Ostry sprach Michael Kreußlein (n-tv)
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http://www.n-tv.de/politik/Niemand-bege ... 68466.html
oder:
http://www.kas.de/wf/de/71.9814/