Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Austausch über gemachte Bezness-Erfahrungen in diesem Land

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Nilka
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Nilka » 08.01.2019, 22:21

Ninegal hat geschrieben:
08.01.2019, 22:11
Es wäre einfacher für mich, wenn er sich mir gegenüber wie ein offensichtlicher Beznesser verhalten hätte/verhalten würde: Geld oder Waren fordern, von großer Liebe und Heirat faseln... So muss ich mir halt immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass ich in seinen Augen eine Schl... bin.
Das ist nicht dein Problem, sondern seiner mittelarterlichen, verkoksten Kultur.
Soll er denken was er will. Hauptsache du weißt Bescheid und hälst du dich von solchen
Randwüste Bewohnern und auch von Agadir, Marakesch und Fez Bewohnern fern.
LG ♥ Nilka
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nabila
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von nabila » 08.01.2019, 22:31

hallihallo,

Du weißt, dass in fremden Land in fremder Kultur jeder Schritt, jede Handlung mitten im Fettnapf landen kann, auch wenn Du

schon Jaaahre dorthin fliegst, was sich eher nachteilig auswirken kann, weil man dann soz. nachlässig wird und nicht mehr so explizit

achtsam ist.

Und eine erneute Reise mit der besagten Gruppe würde prompt als Interesse an ihm gesehen werden (dort), weil Du ja nur wegen IHM mitreist.

Insofern ist der Drops bereits gelutscht. Sein entspannter, europäischer "Eindruck" ist gewollt und beabsichtigt. Dass es so x oder y für Dich

einfacher wäre, glaub ich Dir. Aber BEZNESS ist nicht einfach, das ist knallharte Berechnung, das ist ein Verbrechen


liebe Grüße ♥

Ponyhof
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ponyhof » 08.01.2019, 23:14

Letztendlich kann und sollte es Dir egal sein, was er von Dir denkt. Sein Denken kannst Du nicht ändern, und was jemand am anderen Ende der Welt denkt, vor allem wenn es sich bei diesem Jemand um einen Jemand mit "Hintergedanken" handelt, ist doch völlig wurscht. Jeder hat Freunde und Feinde, und zumindest bei mir ist es so, dass mich auch hierzulande nicht jeder "liebhat". :mrgreen:

Er wird Deinen Ruf hierzulande nicht ruinieren, und seine Anerkennung, sein Wohlwollen, seine Zuneigung brauchst Du nicht. Im Gegenteil. :mrgreen:

EmilyStrange
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von EmilyStrange » 09.01.2019, 10:20

Ninegal hat geschrieben:
08.01.2019, 22:11

Es wäre einfacher für mich, wenn er sich mir gegenüber wie ein offensichtlicher Beznesser verhalten hätte/verhalten würde: Geld oder Waren fordern, von großer Liebe und Heirat faseln... So muss ich mir halt immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass ich in seinen Augen eine Schl... bin.
Es ist ja auch etwas viel von einem Menschen verlangt, mal eben in die Sicht- und Denkweise des gemeinen muslimischen Mannes zu schlüpfen,der noch keine persönlichen Erfahrungen mit diesen Typen gemacht hat.

Vielen Frauen geht das so, daher auch die hohe Zahl wirklich schlimmer "Wahrer Geschichten" hier im Forum.

Und es gehört auch immer ein Stück weit die Bereitschaft dazu, sich selbst von einem Thron runterzuholen. Allzugern möchte man glauben, dass man so unglaublich liebens- und behrenswert ist, wie die Typen es einem versuchen einzureden - allein schon dieses Ding mit dem Marokkaner vor dem Club, der deinen Bekannten zurechtwies, weil er dich allein gelassen hatte.

Botschaft, die bei der westlichen Frau ankommt: ich bin so schön, besonders und wertvoll, dass ich nicht eine Sekunde allein irgendwo rumstehen darf, sonst werde ich geklaut

Botschaft, die an deinen Bekannten gesendet wird und auch so ankommt: Vollidiot, pass gefälligst auf deine Siebensachen auf. Was bist du für ein Schlappschwanz


Merkste was? :wink:

Diese große tolle Liebe, diese Romantik gibt es nur in schlechten Büchern oder Serien wie Outlander. Aber aus irgendeinem genetischem oder evolutionärem Grund, ist das noch bei vielen Frauen fest verankert und wird sofort getriggert, sobald die richtigen Knöpfe gedrückt werden.
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von gadi » 09.01.2019, 10:36

Ninegal hat geschrieben:
08.01.2019, 22:11
Es wäre einfacher für mich, wenn er sich mir gegenüber wie ein offensichtlicher Beznesser verhalten hätte/verhalten würde: Geld oder Waren fordern, von großer Liebe und Heirat faseln... So muss ich mir halt immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass ich in seinen Augen eine Schl... bin.
Liebe Ninegal,

das ist es ja. Bezness ist fast nie offensichtlich. Nur bei den "Anfängern". Die meisten gehen viel subtiler und planvoller vor indem sie ihr Opfer genauestens studieren um zu wissen wann welche Knöpfe zu drücken sind. Manchmal jahrelang.

Und entsprechend hat dann auch AMIGA gute Chancen:
Aber meiner ist ganz anders, aber ich bin ganz anders (als all die anderen, die drauf reingefallen sind).
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Ninegal
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ninegal » 09.01.2019, 15:31

Ponyhof hat geschrieben:
08.01.2019, 22:12
Sorry wenn ich da ein paar Details verwechselt habe... :wink:

Aber letztendlich läuft es genau darauf hinaus, was Du gesagt hast: Sich irgendwie fernhalten.

Sorry auch, falls ich Dir zu nahe getreten bin oder etwas „brutal“ war. Aber Bezness ist viel brutaler und viel verletzender als ein paar deutliche Worte eines unbekannten Menschen in einem Forum.
Schon in Ordnung. Und bei Euch hier im Forum kann ich mir ja auch sicher sein, dass eine gute Intention dahintersteckt - durch deutliche Worte andere vor Schlimmem zu bewahren.

Ninegal
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ninegal » 09.01.2019, 16:13

EmilyStrange hat geschrieben:
09.01.2019, 10:20
Und es gehört auch immer ein Stück weit die Bereitschaft dazu, sich selbst von einem Thron runterzuholen. Allzugern möchte man glauben, dass man so unglaublich liebens- und behrenswert ist, wie die Typen es einem versuchen einzureden
Aber das ist es ja, mir wurde bislang nicht vorgesülzt, wie superschön, wie toll ich doch sei... Es kam so wohldosiert daher, dass ich es akzeptieren und glauben konnte.

Und ganz allgemein gesprochen: Wir sollten uns selbst aber auch nicht kleinreden. Ich kann mir ansatzweise vorstellen, wie heftig es für das eigene Selbstvertrauen sein muss, wenn der Beznesser irgendwann entlarvt wurde oder sein wahres Gesicht gezeigt hat. Doch wir sind definitiv liebenswert, es also wert, geliebt zu werden. Es ist so (auch wenn der Beznesser-Heini nie in der Lage sein wird, das zu begreifen).

EmilyStrange hat geschrieben:
09.01.2019, 10:20
Diese große tolle Liebe, diese Romantik gibt es nur in schlechten Büchern oder Serien wie Outlander. Aber aus irgendeinem genetischem oder evolutionärem Grund, ist das noch bei vielen Frauen fest verankert und wird sofort getriggert, sobald die richtigen Knöpfe gedrückt werden.
Ich finde, so eine Romantik kann gerade in der ersten Phase der Verknalltheit schon vorkommen. Man findet den anderen sehr attraktiv - sowohl, was das Äußere angeht, als auch, was man ihm alles an positiven Eigenschaften zuschreibt. Man spürt, dass der andere einen ebenso vergöttert und das macht alles noch viel schöner. Man berauscht sich am anderen Menschen und an sich selbst.
Und zum Glück gibt es ja auch die Liebe wirklich - nur höchst selten in der Form, wie sie uns in Filmen und Büchern gerne präsentiert wird: Dass das Feuer, die Leidenschaft, das Begehren auch nach Jahrzehnten so lodert wie am Anfang. Dass nüchterner Alltagskram, Schmutzwäsche und Schweißfüße, das gefühlte In- und Auswendigkennen des Partners dem allen keinen Abbruch tun. Das ist doch fast immer Humbug. Und doch kann die Liebe das alles trotzdem überdauern, sie wandelt sich, sie wird hoffentlich gefestigter, tiefer. Und ist es nicht wunderschön, wenn dein Partner, der dich seit vielen Jahren kennt, der zigmal deine schlechten Seiten erlebt hat - deine Sturheit, dein Schnarchen, deine kalten Füße oder was auch immer - dir immer noch sagt, dass er dich liebt? :)

Agadirbleu
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Agadirbleu » 09.01.2019, 19:34

@ Ninegal

ich hatte dich auf marokkanische Literatur angesprochen und du warst daran interessiert, Vorschläge zu erhalten.
Aus dem grossen Repertoire habe ich ein paar Bücher ausgewählt, die aber nicht repräsentativ sind und nicht auf der "Bestsellerliste" stehen sondern für mich einen Querschnitt, der mehr oder weniger modernen marokkanischen Literatur, darstellen.

Tahar Ben Jelloun: Harrouda
Ben Jelloun hat viele Werke verfasst, sie sind lesenswert

Abdelhak Serhane: Der Mann aus den Bergen
seine Bücher üben harte Kritik an der marokkanischen Gesellschaft,
manche Werke sind wirklich "harte Kost".
Seine Bücher standen in MA lange auf dem Index

Ouarda Saillo: Tränenmond - Ich war fünf, als meine Kindheit starb
Autobiografie
Bei einer Benefiz- Literaturlesung habe ich sie persönlich kennen gelernt; eine starke Frau!

Sabine Wollbrecht: La violence des rêves
unterrichtet am Goetheinstitut in MA

Soumaya Na Amana - Guessous: Au-delà de toute pudeur (Sachbuch)
Soziologin, Buchautorin - auf o.g. Werk folgten noch andere, die ich nicht gelesen habe

Fatima Mernissi: Geschlecht, Ideologin, Islam - Ausgabe 1998
Soziologin, Buchautorin, Professorin
Anmerkung meinerseits: fand selten einen Marokkaner um ein "Streitgespräch" zu diesem Thema zu führen

BTW: konnte Mohamed arabisch lesen ´z.B. Tageszeitung ? und schreiben?

Viel Spaß beim Lesen!

Agadirbleu

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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ninegal » 09.01.2019, 20:31

@Agadirbleu: Ganz herzlichen Dank! Klingt alles sehr interessant! Ich werde mich bald mal reingraben...

P.S. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ob Mohammed arabisch lesen und schreiben kann.

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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von EmilyStrange » 10.01.2019, 11:45

Ninegal hat geschrieben:
09.01.2019, 16:13
Und ganz allgemein gesprochen: Wir sollten uns selbst aber auch nicht kleinreden. Ich kann mir ansatzweise vorstellen, wie heftig es für das eigene Selbstvertrauen sein muss, wenn der Beznesser irgendwann entlarvt wurde oder sein wahres Gesicht gezeigt hat. Doch wir sind definitiv liebenswert, es also wert, geliebt zu werden. Es ist so (auch wenn der Beznesser-Heini nie in der Lage sein wird, das zu begreifen).
Sicher sind wir das - nur habe ich bei vielen Frauen den Eindruck, dass diese Bestätigung von einem Mann ganz essentiell für ihr Selbstwertgefühl ist. Die europäischen Männer sind da in der Regel sehr viel nüchterner unterwegs. Bei denen würde ich mir manchmal sogar etwas mehr "Gesülze" wünschen :mrgreen: . Meiner ist auch so ein Fall, aber der Vorteil ist, dass man lernt, sich für sein Selbstwertgefühl SELBST in die Pflicht zu nehmen. Nur wenn ich mich selbst gut finde und mit mir im Reinen bin, bin ich wirklich selbstbewusst und sicher.
Ninegal hat geschrieben:
09.01.2019, 16:13
Ich finde, so eine Romantik kann gerade in der ersten Phase der Verknalltheit schon vorkommen. Man findet den anderen sehr attraktiv - sowohl, was das Äußere angeht, als auch, was man ihm alles an positiven Eigenschaften zuschreibt. Man spürt, dass der andere einen ebenso vergöttert und das macht alles noch viel schöner. Man berauscht sich am anderen Menschen und an sich selbst.
Natürlich kommt diese "Romantik" ganz am Anfang immer vor - sie ist doch überhaupt der Grund, warum Menschen Beziehungen eingehen. Der Körper sendet einen Hormoncocktail aus, der high macht, das macht süchtig und man will, dass es nie aufhört. Dieser Hormoncocktail hat nur einen Zweck: nachkommen zeugen. Dies ist in der Regel innerhalb von 3 Jahren geschehen (oder zumindest von der Natur wohl so eingeplant), denn exakt nach diesem Zeitraum - spätestens - lässt der Rausch nach, die Hormone kommen wieder auf Normaniveau - hallo Alltag! Genau der Punkt, an welchem viele Beziehungen scheitern, weil es irgendwie langweilig wurde...
Ninegal hat geschrieben:
09.01.2019, 16:13
Und zum Glück gibt es ja auch die Liebe wirklich - nur höchst selten in der Form, wie sie uns in Filmen und Büchern gerne präsentiert wird: Dass das Feuer, die Leidenschaft, das Begehren auch nach Jahrzehnten so lodert wie am Anfang. Dass nüchterner Alltagskram, Schmutzwäsche und Schweißfüße, das gefühlte In- und Auswendigkennen des Partners dem allen keinen Abbruch tun.
Um diesen Punkt zu erreichen, braucht es aber mehrere Voraussetzungen, die in der Regel heute kaum noch gegeben sind, oder gar keine Zeit haben, zu entstehen. Ganz wichtig sind beispielsweise gleiche Ansichten, ähnliche Interessen, ähnliches Bildungsniveau (sehr wichtig sogar, auch wenn es überheblich klingt), gemeinsame Ziele oder Wertevorstellungen.

Genetisch ist der Mensch für eine jahrzehntelange monogame Beziehung eigentlich nicht vorgesehen. Der Mann zumindest nicht, Monogamie ist das Ergebnis früherer Notwendigkeit, dass die Nachkommen unbedingt die eigenen sein mussten und natürlich Versorgung der jahrhundertelang nahezu rechtlosen Frauen (was ja auch nicht immer klappte*g)
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von gadi » 10.01.2019, 12:51

EmilyStrange hat geschrieben:
10.01.2019, 11:45
[Genetisch ist der Mensch für eine jahrzehntelange monogame Beziehung eigentlich nicht vorgesehen. Der Mann zumindest nicht, Monogamie ist das Ergebnis früherer Notwendigkeit, dass die Nachkommen unbedingt die eigenen sein mussten und natürlich Versorgung der jahrhundertelang nahezu rechtlosen Frauen (was ja auch nicht immer klappte*g)
OT: Wenn es für die Männer nicht vorgesehen ist, dann auch nicht für die Frauen. Denn mit irgendjemanden müssen die Männer ja dann in Beziehung treten bei einer Geschlechterverteilung von ungefähr 50:50, oder habe ich hier einen Denkfehler?
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Ponyhof
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ponyhof » 10.01.2019, 13:55

„Genetik“ ist als Argumentationsbasis relativ schwierig. Formulieren wir es mal anders.

Im Verhältnis zum Tier hat der Mensch eine sehr lange „Aufzuchtzeit“, und auch eine relativ lange „Tragzeit“. Unser aufrechter Gang benötigt ein relativ schmales, stabiles Becken. Unser hochentwickeltes Gehirn braucht aber einen grossen Kopf. Die Lösung der Natur besteht darin, Menschenkinder extrem unfertig auf die Welt kommen zu lassen- somit ergibt sich eine im Tierreich einmalig lange Pflegephase.

Das bedeutet, dass die Frau sehr lange an der Mithilfe und dem Schutz des Mannes interessiert ist. Dieser jedoch hat natürlich den Wunsch, sich so weit wie möglich fortzupflanzen. Das ist das Grundprinzip. Damit der Mann nun möglichst lange und durchgehend bei der Frau bleibt, hat die Natur sich einen weiteren Trick ausgedacht. Menschen haben eine “stille” Ovulation, sprich, die biologische Paarungsbereitschaft wird nicht angezeigt. Das, was bei Hunden als Läufigkeit, bei Pferden die Rosse und bei Katzen die Rolligkeit ist, wird oft als „Menstruation“ angesehen, ist aber genau das Gegenteil, die Ovulation.

Wenn der Mann nun nicht weiss, wann seine Frau fruchtbar ist, muss er sicherstellen, dass NIE ein Rivale zum Zuge kommt. Also muss er mehr oder weniger ständig bei ihr bleiben bzw. eine stabile Beziehung anbieten (oder sie ans Haus und unters Kopftuch fesseln...). Da das quasi alle Männer so machen, hat er -ausser bei seiner eigenen Frau- kaum Fortpflanzungsmöglichkeiten. Insofern haben monogame Männer kaum evolutionäre Nachteile gehabt.

Und ja, es gibt -neben den notorischen Fremdgängern- viele Männer, die absolut monogam sind. Trennungen und Scheidungen gehen -vor allem in späteren Jahren- mehr von Frauen aus als von Männern. Studien zeigten, dass Männer -vor allem ab 30 aufwärts- deutlich mehr unter Trennungen und einem Singledasein leiden als Frauen. Sie zeigen es nur nicht.

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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von EmilyStrange » 10.01.2019, 14:37

gadi hat geschrieben:
10.01.2019, 12:51
EmilyStrange hat geschrieben:
10.01.2019, 11:45
[Genetisch ist der Mensch für eine jahrzehntelange monogame Beziehung eigentlich nicht vorgesehen. Der Mann zumindest nicht, Monogamie ist das Ergebnis früherer Notwendigkeit, dass die Nachkommen unbedingt die eigenen sein mussten und natürlich Versorgung der jahrhundertelang nahezu rechtlosen Frauen (was ja auch nicht immer klappte*g)
OT: Wenn es für die Männer nicht vorgesehen ist, dann auch nicht für die Frauen. Denn mit irgendjemanden müssen die Männer ja dann in Beziehung treten bei einer Geschlechterverteilung von ungefähr 50:50, oder habe ich hier einen Denkfehler?
Forscher meinen zu einem großen Teil, dass Frauen auch nicht für die Monogamie geschaffen sind. Jedoch sind sie nach der Geburt eines Kindes natürlich an der Versorgung desselben bis idealerweise Geschlechtsreife interessiert. Dies erklärt wohl auch, warum viele Frauen schlagartig in die Muttirolle rutschen und Schminke, sexy Klamotten etc. erstmal uninteressant finden - anderes ist wichtiger (von der Natur so vorgegeben). Der Mann ist für sie wichtig als Versorger und Beschützer ihrer selbst und des Nachwuchses, und entsprechend verhält sie sich. Manche geben das auch ganz offen zu (ich kann mir eine Scheidung einfach nicht leisten...)

Ich formuliere bewusst platt und undifferenziert. Mir ist durchaus klar, dass wir keine Primaten sind und unseren biologischen Vorgaben nicht willenlos ausgeliefert sind, aber dennoch haben wir eine jahrtausendealte Festplatte im Kopf mit einem ebenso alten Programm. Unsere heutigen Vorstellungen von LEben, Freiheit, Glück, Sinn des Lebens etc. sind im Vergleich zu denen, die unser Leben seit Anbeginn der Menschheit prägten eher neumodischer Schnickschnack*g. Wir sollten uns stets ins Gedächtnis rufen, dass unsere Biologie und unsere Programmierung weitaus mehr zu unseren "freien Entscheidungen" beiträgt, als uns bewusst ist.
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von EmilyStrange » 10.01.2019, 14:49

Ponyhof hat geschrieben:
10.01.2019, 13:55

Und ja, es gibt -neben den notorischen Fremdgängern- viele Männer, die absolut monogam sind. Trennungen und Scheidungen gehen -vor allem in späteren Jahren- mehr von Frauen aus als von Männern. Studien zeigten, dass Männer -vor allem ab 30 aufwärts- deutlich mehr unter Trennungen und einem Singledasein leiden als Frauen. Sie zeigen es nur nicht.
Das sehr viele Männer monogam leben, ist natürlich korrekt - schließlich kommt ja neben dem schlichten "Trieb" auch noch die Sozialisation und im besten Fall Empathie dazu, dass Man(n) weiß, was er dem partner antut, wenn er fremdgeht.

Ich wollte Männern jetzt auch nicht andichten, dass sie alle potentielle schw...gesteuerte Fremdgeher sind.

Nur das biologische Programm ist bei allen gleich. Wie gut oder schlecht derjenige damit umgehen kann, liegt am Individuum selbst - und natürlich auch der Sozialistation, dem Umfeld etc. pp :mrgreen:

Dass Frauen mit zunehmender Emanzipation ein treibender Faktor in Sachen Scheidung sind, bestätigt mir meine These, dass für Frauen Monogamie aka Ehe im Grunde oft nur den Sinn der wirtschaftlichen Sicherheit hat. Seitdem Frauen nicht mehr den finanziellen und gesellschaftlichen Tod fürchten müssen, wenn sie sich scheiden lassen, tun sie es auch.
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Ariadne
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ariadne » 10.01.2019, 17:05

Ich glaube, dass der Wunsch nach einem treuen Partner auch viele Ehen zusammenhält. Ich finde Treue ausschlaggebend. Ich glaube, ich könnte auch nicht verzeihen, deshalb ist meine eigene Treue auch Voraussetzung für eine Beziehung. Das heißt aber nicht, dass andere genauso denken.
Allerdings ist mein Mann nach 20jähriger Ehe gestorben, deshalb könnte ich nicht sagen, ob unsere Treue auch nach 20 Jahren gehalten hätte.

Eine Liebe hat auch so viele Facetten, Verliebtheit, sexueller Reiz, Zusammelhalt, um die Kinder grosszuziehen, sind nur einige Faktoren, es gibt noch Unzählige, die eine echte Liebe ausmachen. Klar, dass der Intellekt dazu zählt. Das unterscheiden uns von der Tierwelt.
Ich kann selbst entscheiden, ob ich treubleiben möchte oder nicht. Die Tiere haben ihre Instinkte.
Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße.
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ninegal » 10.01.2019, 21:28

Ariadne hat geschrieben:
10.01.2019, 17:05
Allerdings ist mein Mann nach 20jähriger Ehe gestorben, deshalb könnte ich nicht sagen, ob unsere Treue auch nach 20 Jahren gehalten hätte.
Es tut mir leid, das zu lesen, Ariadne! :cry:

Ariadne
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Ariadne » 11.01.2019, 07:14

Liebe Ninegal,
vielen Dank für dein Mitgefühl. Es ist schon einiger Zeit her, ich habe den Verlust verarbeitet, bin ein Stehaufmännchen. Das Leben muss man nehmen, so wie es kommt, man hat auch andere Aufgaben. Die Kinder brauchen die Unterstützung, für sie ist es auch ein grosser Verlust.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende,
Ariadne
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von Desert Dancer » 11.01.2019, 12:38

Und ja, es gibt -neben den notorischen Fremdgängern- viele Männer, die absolut monogam sind. Trennungen und Scheidungen gehen -vor allem in späteren Jahren- mehr von Frauen aus als von Männern. Studien zeigten, dass Männer -vor allem ab 30 aufwärts- deutlich mehr unter Trennungen und einem Singledasein leiden als Frauen. Sie zeigen es nur nicht.

Das Trennungen und Scheidungen öfters von Frauen ausgehen, hat nun aber nichts mit Monogamie der Männer zu tun. Sondern damit, dass die Männer zu bequem sind, eine Scheidung anzuleiern. Oder es aus finanziellen Gründen nicht tun. Und Männer sehen es ja selten als ein Problem, neben der Ehefrau noch eine Geliebte zu haben, oder ins Puff zu gehen. Denen ist ganz wohl dabei. Während eine Frau, wenn sie sich neu verliebt, oder betrogen wird, eher klare Verhältnisse schaffen will. Es trifft zu, dass Frauen besser alleine sein können. Und eben deshalb ist ihre Schmerzgrenze oft tiefer, wie lange sie in einer unglücklichen Beziehung ausharren, als die von Männern. Zumal die wirtschaftliche Situation der Frauen eine Trennung heutzutage eher zulässt als früher, als die Frauen noch komplett abhängig waren vom "Versorger".
Das ist jetzt keine wissenschaftliche Studie, sondern meine ganz eigene Meinung dazu und ausserdem total "off topic". Sorry!
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karima66
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Re: Die zweite Nadel im Heuhaufen oder doch nur ein Beznesser?

Beitrag von karima66 » 11.01.2019, 13:53

Danke, Desert Dancer, genau die Zeilen wollte ich gestern schon schreiben, nun hast du es heute getan.

Ja, Männer sind bequem, treffen nicht gerne Entscheidungen, mögen nicht so gerne Veränderungen, schon gar nicht Zuhause und auch unsere Männer halten sich gerne für Helden, Frau muss doch glücklich sein mit ihnen, zuhören tun sie auch selten und fallen dann aus allen Wolken wenn Frau sich am Ende trennt.

OT aber muss auch manchmal sein....

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