Ein Busfahrer aus Kerala

Austausch über gemachte Bezness - Erfahrungen in diesem Kontinent

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Menara
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Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Menara » 06.02.2019, 15:03

Guten Tag,

ich habe mich durch etliche Beiträge in diesem Forum gelesen, vor allem jene die Indien betreffen, und möchte nun auch von meiner noch sehr frischen und aktuellen Erfahrung berichten und wäre um konstrktive Ratschläge wirklich sehr dankbar. Ich versuche alles so genau wie möglich zu beschreiben, auch sein Verhalten, damit ihr euch ein gutes Bild machen könnt.

Ich bin/ war in einer seit über einem Jahr komplizierten Beziehung, welche Ende November (also vor 3 Monaten) beendet wurde (immer wieder Streit und Diskussionen). Kurz bevor ich im Dezember nach Indien bin, meinte er plötzlich wir sollten es nochmal versuchen. Soweit die Situation zu Hause.

Ich bin dann über Neujahr nach Südindien gefahren mit meiner Familie (Eltern und Schwester) in einer Reisegruppe. Ich wollte niemanden kennen lernen, ich wollte einfach nur Abstand und Ablenkung.
Während der ganzen Reise verhielt sich unser Busfahrer absolut korrekt. Er hat nie irgendwelche Annäherungsversuche gestartet, im Gegenteil, er wirkte sehr schüchtern - aber ein schöner Mann.
Am letzten Tag haben wir dann mit Reiseleiter und Fahrern (es waren 2) noch Fotos gemacht, und sein Kollege hat mich gefragt ob ich ihm diese schicken könnte. Da es nicht mit Bluetooth geklappt hat, habe ich spontan um seine Nummer gefragt, um diese ihm bei Wlan Zugang schicken zu können. Er hat dann die Nummer des anderen eingetippt. Als ich zurück war aus Indien hat er mir dann gestanden, er hatte das so geplant und gehofft dass ich seine Nummer benötigen würde (sein Kollege hat ein Nokia Handy, da geht Bluetooth nicht, deshalb hat er ihn vorgeschickt).

Am Abend habe ich ihm die Fotos geschickt und er wollte mich daraufhin auf ein Bier einladen. Er hat auch gar nicht insistiert, als ich das nicht mehr wollte.
Es ging in derselben Nacht zum Flughafen, ganz einfache Verabschiedung mit der gesamten Reisegruppe, und dann ging es zurück nach Hause.

Am nächsten Tag hat er nachgefragt, ob meine Familie und ich gut gelandet wären. Und so haben wir uns dann immer öfter gehört und auch gesprochen.
Er hat mir in jeder freien Minute geschrieben oder eine Voicenachricht geschickt, macht es immer noch, und er wirkt so ehrlich und authentisch, seine Augen schauen verliebt aus (aber er kann auch ein guter Schauspieler sein, ich will das ja auch nüchtern sehen und mir bestimmt nicht schön reden).
Was mich etwas zum Grübeln brachte, war, dass er recht schnell von Liebe sprach (wie es in den meisten Blogs auch der Fall war hier). Er meinte ich habe ihm seit er mich das 1. Mal gesehen hat, so gut gefallen, und als er mich bei den Ausflügen etwas beobachtete, habe ihm mein sonniges aufgewecktes Verhalten so gut gefallen.
Natürlich habe ich geantwortet, nach so wenig Zeit kann man nicht von Liebe sprechen und ich wolle ihn zuerst besser kennen lernen. Er zeigte Verständnis und meinte ich sollte mir Zeit nehmen.

Er hat auch sehr bald von seinen Träumen gesprochen, was nun der nächste Punkt zum Aufhorchen war für mich, er möchte unbedingt im Ausland arbeiten und ob ich mich nach einem Job umhorchen könnte.
Als ich ihn direkt darauf angesprochen habe, dass ich ihm zu helfen versuchen würde, er mir aber dafür ncht seine Liebe gestehen brauche, hat er leicht verschnupft reagiert, jedoch auch eingesehen dass so ein Gedanke auf der Hand läge.
Er hat selbst noch mal das Thema angesprochen (was auch immer das heißen mag), und hat gemeint ob wir uns ncht mehr hören sollten oder was ich tun möchte, wenn ich denn wirklich so denke.

Wir haben uns weiter gehört. Er hat mir von seiner Vergangenheit erzählt (Single seit 3 Jahren, vorher war er in einer 6jährigen Beziehung in der er für die Freundin die Ausbildung bezahlt hat), von seinem aktuellen Leben (dass er als Busfahrer arbeitet, eigtl. gelernter Masseur wäre).
Er meinte auch und sagte mit Stolz dass er von einer Mittelklasse Familie komme und gut für mich sorgen könne (habe gesagt ich arbeite auch und suche niemanden der mich erhält). Er wollte mir auch schon Geld schicken um mir einen Flug buchen zu können. Natürlich lehnte ich ab.
Er ist Christ, also mit den Kasten hat er laut eigener Aussage nichts am Hut, er hat mir einmal seine Mutter kurz in einem Anruf vorgestellt, sie wirkte überrascht und nicht involviert in die Sache.

Was er noch nie getan hat, war mich um Geld zu fragen. Er versucht - so mein Eindruck - dass wir uns irgendwie wiedersehen, in Indien oder hier.
Er informiert sich zum Thema Visum und datet mich dazu ab, meint aber es wäre für mich momentan leichter.

Ich bin wirklich sehr verwirrt, er wirkt ehrlich, möchte mir aber auch nichts schön reden.
Bin um jeden Tipp froh und beantworte gerne Fragen, um mehr Klarheit zu schaffen.

Danke

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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Anaba » 06.02.2019, 15:36

Guten Tag Menara,

herzlich willkommen im Namen des Teams von 1001 Geschichte.
Wir wünschen einen guten Austausch.
Liebe Grüße
Anaba

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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von karima66 » 06.02.2019, 16:32

Hallo Menara,

ich kenne mich mit Indien leider nur durch viele Bücher aus.
Aber du erkanntest ja selbst schon die Parallelen zu vielen Geschichten hier.

Vielleicht braucht er kein Geld sofern seine Erzählungen stimmen, aber er ist ja ehrlich nachdem du ihn wissen ließest, dass du von so Liebesgesäusel nichts hältst kam sein Traum von Arbeit im Ausland.......
Also ist doch ganz klar was er will und auch dass er so für Besuche bei dir nicht einfach Visa bekommt hat er dir auch mitgeteilt.....
Ob du ihn nun auch als Mann willst und er Sex mitnimmt oder du ihm nur Arbeit verschaffst sofern ein Arbeitsvisum möglich ist, wie auch immer du sollst dafür sorgen, dass sein Traum in Erfüllung geht.....
Und sicher bist du nicht die Erste die er dafür anspricht, hat er doch immer Urlauber dort......

karima66
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von karima66 » 06.02.2019, 16:37

Aber ganz andere Frage, was willst du denn mit ihm ?

Hast du doch genug noch zu klären und verarbeiten mit deiner vergangenen Beziehung, ist sie es nicht wert zu überlegen obs einen Neuanfang geben kann und wenn nicht dann wenigstens dies zu verarbeiten bevor du dir eine völlig unbekannte Baustelle schaffst, nur weil er dich ablenkt von deinen Alltagsproblemen, was soll daraus werden?

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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Nilka » 06.02.2019, 16:48

Willkommen Menara,

er hat doch gesagt, worum es ihm geht - ins Ausland zu gehen. Dafür verliebt zu gucken ist doch nicht sooo schwer und kleine Tricks kennt der Mann auch :wink:
Er hat dann die Nummer des anderen eingetippt. Als ich zurück war aus Indien hat er mir dann gestanden, er hatte das so geplant und gehofft dass ich seine Nummer benötigen würde (sein Kollege hat ein Nokia Handy, da geht Bluetooth nicht, deshalb hat er ihn vorgeschickt).
Tja, hat er das aus Verliebtheit getan oder verfolgt er sein Ziel. Eine gute Frage. Und weil ich sie nicht sicher beantworten könnte, würde ich die Hände von ihm lassen. Ich hätte keine Lust mich mit der Frage einige Jahre ( wenn er es geschickt angeht und hier landet) quällen müssen, meinte er mich oder die Aufenthalt.

Bist du wirklich scharf auf einen Inder? Wenn ja, warum? Wo meint er, dich ernähren zu können - hier oder dort. Schreckt dich nicht ab, dass Frauen dort, wie Vieh gejagt, vergewaltigt und danach zur Tode gequält werden?
Ist die Begeisterung in deiner Familie und in deinem Freudenkreis groß? Warum willst du dir dein Leben kompliziert machen, war es bis jetzt zu glatt und zu langweilig? Fragen über Fragen und ein totales Unverständnis meinerseits.
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von leva » 06.02.2019, 16:57

Hallo Menara,

ja...was willst du denn von ihm?
Wie alt seid ihr beiden?

Ich kenne es eher so,dass Inder eher in englischsprachige Laender wollen,wegen der Sprache allein schon.
Was will er in D? Was weiss er von D?

Ich finde das alles eher suspekt .....
Waere er aus einer Mittelklasse Familie,waer er weder Busfahrer noch Masseur.
Seine Eltern haetten ihn studieren lassen!
Auch der "Freundin" hat er bestimmt nicht die Ausbildung bezahlt.Das ist Aufgabe der Eltern um ihre Tochter mal gut zu verheiraten.

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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von gadi » 06.02.2019, 19:15

Guten Abend Menara und herzlich willkommen!

Hier im Forum hatte auch mal eine Indologin geschrieben, schau mal, das hilft dir vielleicht weiter:
Zunächst gilt für in der Tourismusbranche und deren Umgebung arbeitende Männer haargenau das Gleiche wie in Marokko und Tunesien: der charmante Reiseleiter oder der lustige Schneider neben dem Hotel, der dir Rabatte gibt, weil du ja seine Lieblingskundin bist, sind NICHT die große Liebe und werden es auch nicht, wenn man ihnen hilft, aus dieser Branche auszusteigen. Kein "aber", keine Ausnahmen! Überhaupt ist es unwahrscheinlich, die große Liebe in den typischen Touristenorten zu finden. In Städten wie Agra oder Varanasi hängen oft alle mit drin. Von Leuten, die länger in Varanasi waren habe ich gehört, dass auch zahlreiche Europäerinnen daran nicht unerheblich beteiligt sind, indem sie sich beispielsweise nachts Rikshafahrer mit aufs Zimmer nehmen. Das spricht sich rum und stabilisiert das Bild der Europäerin als willige Geldmaschine. Also: Auch wenn die Frau glaubt, alles unter Kontrolle zu haben und nur auf einen kurzen Spaß aus ist, nehmen daran wiederum andere Frauen Schaden. Eine indische Frau würde auch niemals mit einem fremden Mann scherzen oder flirten. Das wird absolut falsch aufgefasst. Im Kontakt mit Verkäufern oder Rikshafahrern ist es immer gut, sich ein Beispiel an den indischen Frauen zu nehmen. Besonders wichtig sind keine Gespräche, keine Scherze und nicht offensiv in die Augen schauen!

Ich kenne viele funktionierende deutsch-indische Paare, aber die haben sich alle durch eine gemeinsame Basis kennengelernt, also als Arbeitskollegen, Komillitonen.... Ich meine, im eigenen Land sucht man sich im Normalfall ja auch einen Partner mit einer ähnlichen Basis. UND diese Ehen begannen nicht mit schneller Hochzeit nach romantischem Heiratsantrag, sondern mit langen Diskussionen und kritischem Abwägen. Der Kulturunterschied mit all seinen Konsequenzen mag in der Phase der Verliebtheit nichtig erscheinen, ist aber da und muss unbedingt thematisiert werden.
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Eclipse
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Eclipse » 06.02.2019, 20:03

Hallo liebe Menara,

Dir ist völlig unerwartet eine schon fast verfängliche Situation zugemutet worden. Wie dreist und respektlos, würde man selbst als "lockere" Europäerin denken. Dafür hast Du spontan gut reagiert.


Menara hat geschrieben:
06.02.2019, 15:03
Er hat nie irgendwelche Annäherungsversuche gestartet, im Gegenteil, er wirkte sehr schüchtern - aber ein schöner Mann.
Am letzten Tag haben wir dann mit Reiseleiter und Fahrern (es waren 2) noch Fotos gemacht, und sein Kollege hat mich gefragt ob ich ihm diese schicken könnte. Da es nicht mit Bluetooth geklappt hat, habe ich spontan um seine Nummer gefragt, um diese ihm bei Wlan Zugang schicken zu können. Er hat dann die Nummer des anderen eingetippt. Als ich zurück war aus Indien hat er mir dann gestanden, er hatte das so geplant und gehofft dass ich seine Nummer benötigen würde (sein Kollege hat ein Nokia Handy, da geht Bluetooth nicht, deshalb hat er ihn vorgeschickt).
Schüchtern, alles klar. Erst den Schüchternen, Zurückhaltenden spielen, "Am letzten Tag" die eindeutigen Anträge machen, Kontaktdaten ergattern - das ist völlig gängige Praxis in der Bezness-Branche.


Menara hat geschrieben:
06.02.2019, 15:03
Am nächsten Tag hat er nachgefragt, ob meine Familie und ich gut gelandet wären. Und so haben wir uns dann immer öfter gehört und auch gesprochen.
Er hat mir in jeder freien Minute geschrieben oder eine Voicenachricht geschickt, macht es immer noch, und er wirkt so ehrlich und authentisch, seine Augen schauen verliebt aus

Was mich etwas zum Grübeln brachte, war, dass er recht schnell von Liebe sprach (wie es in den meisten Blogs auch der Fall war hier). Er meinte ich habe ihm seit er mich das 1. Mal gesehen hat, so gut gefallen, und als er mich bei den Ausflügen etwas beobachtete, habe ihm mein sonniges aufgewecktes Verhalten so gut gefallen.
Versuche Dich an andere Reisegruppen zu erinnern (vielleicht Städtetouren, Pauschalreisen o.ä.)

Wie oft kam es vor, dass Du hernach von einem deutschen Busfahrer zwecks Anbandeln belagert wurdest?

Nie?

Eben.

Menara hat geschrieben:
06.02.2019, 15:03
Er hat auch sehr bald von seinen Träumen gesprochen, was nun der nächste Punkt zum Aufhorchen war für mich, er möchte unbedingt im Ausland arbeiten und ob ich mich nach einem Job umhorchen könnte.
Als ich ihn direkt darauf angesprochen habe, dass ich ihm zu helfen versuchen würde, er mir aber dafür ncht seine Liebe gestehen brauche, hat er leicht verschnupft reagiert, jedoch auch eingesehen dass so ein Gedanke auf der Hand läge.
Er hat selbst noch mal das Thema angesprochen (was auch immer das heißen mag), und hat gemeint ob wir uns ncht mehr hören sollten oder was ich tun möchte, wenn ich denn wirklich so denke.
Ooooch, da war er sauer. Zu schnell aus der Deckung gekommen. Mist. Aber egal, Ihr bleibt ja in Kontakt, da kann er Dich ja noch weiter bearbeiten, da Du ja Zeit brauchst. :lol:

Menara hat geschrieben:
06.02.2019, 15:03
Er ist Christ, also mit den Kasten hat er laut eigener Aussage nichts am Hut
... und er stammt trotzdem aus einem kulturellen Umfeld, in der das unmöglichste Viehzeug verehrt wird, nur Frauen sind der allerallerletzte Dreck. BITTE mach Dich schlau über die landesüblichen indischen Traditionen. NICHT über die Gesetze, die dort "gelten". An die hält sich noch nicht einmal die Polizei. Die Verfassung und die Gesetzeslage interessieren in Indien original niemanden. Dort gilt nur: Bestechung + Beziehungen. Für Männer. Für Frauen gilt gar nichts. Die sind von Kindesbeinen an Freiwild. Außerdem gibt es in Indien einen gigantischen Männerüberschuss, weil dort (verbotenerweise :lol: natürlich) massenhaft weibliche Föten abgetrieben werden. Indische Durchschnittsmänner suchen verzweifelt eine Frau, übrigens nicht als gleichberechtigte Partnerin, sondern als Fußabtreter, Dienstmagd und Sexobjekt.

Abgesehen von einigen Erfolgsinseln der superreichen/superausgebildeten Highflyer ist Indien ein Land, dessen So-Sein für alle Beteiligten eine Schande ist.

Dort ist er aufgewachsen, dort ist er sozialisiert, Christ hin oder her. Den Taufbrief wird er Dir sicher nicht gezeigt haben. Ein Busfahrer aus der indischen Mittelklasse. :lol: Klar.

Du hast ein funktionierendes Bauchgefühl, wenn Dir dieser Inder spanisch vorkommt.
Menara hat geschrieben:
06.02.2019, 15:03
Er versucht - so mein Eindruck - dass wir uns irgendwie wiedersehen, in Indien oder hier.
Er informiert sich zum Thema Visum und datet mich dazu ab, meint aber es wäre für mich momentan leichter.
Verrat ihm bloß nicht wo Du wohnst und komm nicht auf die Idee, ihn "einzuladen". Wenn der mit Touristenvisum kommt und bei der Einreise das Zauberwort "Asyl" sagt, ist er auf unabsehbare Zeit erst mal hier. Dagegen kannst Du nichts machen. Er will vermutlich von Dir eingeladen werden. :lol: Oh Mann, immer dieselbe Masche. Wirklich erbärmlich.


Am Einfachsten brichst Du den Kontakt sofort ab. Gibt auf Sicht nur Scherereien. Du hast keine Verpflichtung gegenüber indischen Busfahrern, die sich ein paar Schmeicheleien abringen, über einen Trick Deine Nummer ergattern und doch einfach nur nach Germoney wollen. Ohne Sprachkenntnisse kann der hier noch nicht mal busfahren. Sicher wanzt er sich an alle greifbaren europäischen Touristinnen ran - irgendeine wird ihm schon seine "Träume" ermöglichen, wo er doch so hübsch ist und so schöne treue Augen hat. :wink:

Bislang hast Du keine Fehler gemacht außer den Kontakt zuzulassen... Was eine Unverschämtheit von dem Kerl!

Eclipse
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Eclipse » 06.02.2019, 20:25

P.S. Über die Spezifika der "Christen" in Kerala hast Du bestimmt schon gegoogelt. Wenn nicht, hol es nach... :wink:

Efendi II
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Efendi II » 06.02.2019, 20:48

Menara hat geschrieben:
06.02.2019, 15:03
Ich bin/ war in einer seit über einem Jahr komplizierten Beziehung, welche Ende November (also vor 3 Monaten) beendet wurde (immer wieder Streit und Diskussionen).
...und da willst Du Dich gleich wieder in ein Abenteuer stürzen, dessen Folgen man überhaupt nicht abschätzen kann?
Was mich etwas zum Grübeln brachte, war, dass er recht schnell von Liebe sprach (wie es in den meisten Blogs auch der Fall war hier). Er meinte ich habe ihm seit er mich das 1. Mal gesehen hat, so gut gefallen, und als er mich bei den Ausflügen etwas beobachtete, habe ihm mein sonniges aufgewecktes Verhalten so gut gefallen.
Logisch, dass er jede Gelegenheit nutzt, um seine aussichtslose Situation zu verbessern.
Er hat auch sehr bald von seinen Träumen gesprochen, was nun der nächste Punkt zum Aufhorchen war für mich, er möchte unbedingt im Ausland arbeiten und ob ich mich nach einem Job umhorchen könnte.
Dass will wohl ein Großteil aller Inder, sofern sie nicht hochqualifiziert sind und einen entsprechend dotierten Job innehaben. Weil sie glauben, dass in Europa das Geld auf den Bäumen wächst. Als was will er denn in Deutschland seine Brötchen verdienen, ohne deutsche Sprachkenntnisse? Busfahrer ist kein Mangelberuf in Deutschland, die händeringend auch im Ausland gesucht werden und auch dafür müsste er Deutsch sprechen.
Er ist Christ, also mit den Kasten hat er laut eigener Aussage nichts am Hut, er hat mir einmal seine Mutter kurz in einem Anruf vorgestellt, sie wirkte überrascht und nicht involviert in die Sache.
Das kann er auch nur jemanden erzählen, der sich mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten in diesen Kulturkreis nicht auskennt. Alle Inder, gleich welcher Religion, sind irgendwie kastengebunden, auch wenn sie es nie zugeben würden. Sie würden nie jemanden heiraten, der nicht aus ihrer sozialen Schicht kommt. Einen Christen aus Indien kannst Du keinesfalls mit einem Christen in unseren Kulturkreis gleichsetzen.
Was er noch nie getan hat, war mich um Geld zu fragen. Er versucht - so mein Eindruck - dass wir uns irgendwie wiedersehen, in Indien oder hier.
Das wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch kontraproduktiv, diese Geldforderungen kommen erst nach der Eheschließung, denn sicher verfügt er über zahlreiche Familienmitglieder, die von ihren europäisch verheirateten Verwandten partizipieren wollen.
Er informiert sich zum Thema Visum und datet mich dazu ab, meint aber es wäre für mich momentan leichter.
Du kannst nicht für eine andere Person ein Visum beantragen, das muss der Betreffende schon selber machen. Du könntest nur für einen Besucher eine Verpflichtungserklärung abgeben und damit übernimmst Du die Bürgschaft für alles, was dem deutschen Staat an Kosten durch den Besucher entstehen. Da können ganz schnell Beträge in fünfstelliger Höhe zusammen kommen. Bei einer Eheschließung würden ebenfalls erhebliche Kosten in nicht vorhersehbarer Höhe auf Dich zukommen, denn mit einer von Ihm akzeptierten Arbeitsstelle wird es sicher nicht allzu schnell gehen.
Ich bin wirklich sehr verwirrt, er wirkt ehrlich, möchte mir aber auch nichts schön reden. Bin um jeden Tipp froh und beantworte gerne Fragen, um mehr Klarheit zu schaffen.
Hände weg, such Dir lieber einen Mann aus Deinem Kulturkreis.
Ich weiß wovon ich spreche, denn ich bin seit nunmehr fast 36 Jahren mit einer Frau aus dieser Gegend verheiratet und es ist dann auch noch ein erheblicher Unterschied, ob es eine Frau oder ein Mann ist, die nach Deutschland zuziehen. Mir ist jedenfalls keine Ehe eines männlichen Inders/Sri Lankis mit einer Deutschen/Europäerin bekanntgeworden, die viel länger als bis zum Erhalt des eigenständigen Aufenthaltsrechts oder dem Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit hinaus Bestand hatte.
Zuletzt geändert von Efendi II am 06.02.2019, 20:54, insgesamt 2-mal geändert.
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Grampusgriseus
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Grampusgriseus » 06.02.2019, 20:49

@eclipse: Grandios geschrieben! Hut ab! Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen, dass es sich zu 100% um Bezzness handelt. Man kann getrost für "Indien" auch "Ägypten" oder sonstwas einsetzen, mal abgesehen davon, dass es woanders keine Kasten gibt und meist auch kein Viehzeug verehrt wird...

Liebe Menara,
der "schüchterne Busfahrer" ist der Klassiker! Auch die "Arbeit in Teams", wo der eine den anderen wegen der Telefonnummer "vorschickt"...das machen sie immer schön im Wechsel. Meist ist es dann noch so, dass der -falls der Erste seinen Einsatz vermasselt- der andere wieder auftaucht und versucht, noch zu retten, was zu retten ist. Für SICH SELBST natürlich, der andere hatte ja schon seine Gelegenheit...
Also: wundere Dich nicht, wenn sich auch noch der andere Busfahrer in Dich verliebt :lol:

Und lösch' bloß ALLE Nummern von indischen Busfahrern!

Alles Gute für Dich!

liebe Grüße
Grampusgriseus

Efendi II
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Efendi II » 06.02.2019, 21:19

Eclipse hat geschrieben:
06.02.2019, 20:03
... und er stammt trotzdem aus einem kulturellen Umfeld, in der das unmöglichste Viehzeug verehrt wird, nur Frauen sind der allerallerletzte Dreck. BITTE mach Dich schlau über die landesüblichen indischen Traditionen. NICHT über die Gesetze, die dort "gelten". An die hält sich noch nicht einmal die Polizei. Die Verfassung und die Gesetzeslage interessieren in Indien original niemanden. Dort gilt nur: Bestechung + Beziehungen. Für Männer. Für Frauen gilt gar nichts. Die sind von Kindesbeinen an Freiwild. Außerdem gibt es in Indien einen gigantischen Männerüberschuss, weil dort (verbotenerweise :lol: natürlich) massenhaft weibliche Föten abgetrieben werden. Indische Durchschnittsmänner suchen verzweifelt eine Frau, übrigens nicht als gleichberechtigte Partnerin, sondern als Fußabtreter, Dienstmagd und Sexobjekt.
In Indien ermittelten die Forscher ein Verhältnis von 113 zu 100. Die Zahl der Jungen wird demnach in Neu-Delhi sowie in den Bundesstaaten Punjab und Gujarat auf bis zu 125 steigen, während aber in den südlichen und östlichen Bundesstaaten Kerala und Andhra Pradesh noch normale Verhältnisse ermittelt wurden. (das war die Situation vor etwa zehn Jahren, heute sieht es bereits etwas anders aus)

Die Geschlechtsrate bei der Geburt hat sich in letzter Zeit als Indikator für bestimmte Formen der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in einigen Ländern erwiesen. Zum Beispiel werden hohe Geschlechtsverhältnisse bei der Geburt in einigen asiatischen Ländern nun aufgrund einer starken Präferenz für Söhne auf geschlechtsspezifische Abtreibung und Kindermord zurückgeführt. Dies wird zukünftige Heiratsmuster und Fruchtbarkeitsmuster beeinflussen. Schließlich könnte es zu Unruhen unter jungen erwachsenen Männern führen, die keine Partner finden können.
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Eclipse
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Eclipse » 07.02.2019, 12:18

Efendi II hat geschrieben:
06.02.2019, 21:19
Die Geschlechtsrate bei der Geburt hat sich in letzter Zeit als Indikator für bestimmte Formen der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in einigen Ländern erwiesen. Zum Beispiel werden hohe Geschlechtsverhältnisse bei der Geburt in einigen asiatischen Ländern nun aufgrund einer starken Präferenz für Söhne auf geschlechtsspezifische Abtreibung und Kindermord zurückgeführt. Dies wird zukünftige Heiratsmuster und Fruchtbarkeitsmuster beeinflussen. Schließlich könnte es zu Unruhen unter jungen erwachsenen Männern führen, die keine Partner finden können.
So ist es. Gunnar Heinsohn gelesen?

Durch wirklich reinen Zufall habe ich gestern Nacht eine Doku (ZDFinfo) gesehen über die Vermehrungspolitik in Indien, China und anderen solcher perverser Sohnkulturen.

In der Doku hieß es, die vorgeburtliche Geschlechtsselektion sei ab den 70ern gemacht worden. Irgendwann wurde es verboten, aber daran hält sich natürlich niemand. Gegen ein bisschen Bakschisch lässt sich in hochkorrupten Ländern immer irgendeine mögliche Fehlbildung herbeidiagnostizieren, so dass das Mädchen dann doch abgetrieben werden kann. Die Demoskopen gehen davon aus, dass jeder 5. Mann keine Frau abbekommen wird, weil zu wenige da sind. Mädchen werden gefangen und verschleppt, am Zielort dann in einem Dorf mit einem Typen verheiratet und von sieben weiteren Männern "mitbenutzt", denn das ganze Dorf habe zusammengelegt, um das Mädchen den Mädchenfängern abzukaufen. Da hat natürlich dann auch jeder ein Anrecht drauf, an dem Sexobjekt zu partizipieren. Der Dorfälteste findet das völlig gerecht, die Polizei, wenn es eine gibt, will dann auch mal ran und vergisst die Anzeige.

Lieber Kanalratte in Deutschland als Frau in Indien.

Nilka
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Nilka » 07.02.2019, 13:56

Die unerwünschten Töchter - Frauenmangel in Asien:

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sen ... n-100.html
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von gadi » 07.02.2019, 14:18

Danke Nilka für den link, sicher sehr sehenswert!

Ich habe vor ein paar Wochen hierzu zufällig diese Doku gesehen:

Chinas einsame Söhne, Doku
https://www.youtube.com/watch?v=Td8tilhhw7A

Auch wirklich sehr sehenswert und ... eindrucksvoll!
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Anaba
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Anaba » 07.02.2019, 17:33

Lieber Kanalratte in Deutschland als Frau in Indien. :shock:


Hallo Eclipse,

kurz OT.

Ich wollte dir schon länger ein Kompliment machen.
Deine Beiträge bringen es immer auf den Punkt.
Informativ und oft knallhart.
Eine Bereicherung für unser Forum.

Da ich klare Ansagen sehr mag, ist es für mich immer eine Freude etwas von dir zu lesen.

Ich finde, dafür muss auch mal Zeit sein. :wink:
Liebe Grüße
Anaba

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Efendi II
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Efendi II » 07.02.2019, 20:24

Eclipse hat geschrieben:
07.02.2019, 12:18
So ist es. Gunnar Heinsohn gelesen?
Nein, kenne ich gar nicht, bin aber wie bereits erwähnt, seit 36 Jahren mit einer Frau aus diesen Kulturkreis verheiratet und häufig in ihren Heimatland unterwegs, da bleiben entsprechende Erfahrungen und Erkenntnisse nicht aus. Obwohl Indien doch wohl noch um etliches "schärfer" ist als Sri Lanka, aber die Kultur ist letztlich die gleiche..
Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Immanuel Kant)

Mignon
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Mignon » 08.02.2019, 10:31

Zunächst gilt für in der Tourismusbranche und deren Umgebung arbeitende Männer haargenau das Gleiche wie in Marokko und Tunesien: der charmante Reiseleiter oder der lustige Schneider neben dem Hotel, der dir Rabatte gibt, weil du ja seine Lieblingskundin bist, sind NICHT die große Liebe und werden es auch nicht, wenn man ihnen hilft, aus dieser Branche auszusteigen. Kein "aber", keine Ausnahmen! Überhaupt ist es unwahrscheinlich, die große Liebe in den typischen Touristenorten zu finden. In Städten wie Agra oder Varanasi hängen oft alle mit drin. Von Leuten, die länger in Varanasi waren habe ich gehört, dass auch zahlreiche Europäerinnen daran nicht unerheblich beteiligt sind, indem sie sich beispielsweise nachts Rikshafahrer mit aufs Zimmer nehmen. Das spricht sich rum und stabilisiert das Bild der Europäerin als willige Geldmaschine. Also: Auch wenn die Frau glaubt, alles unter Kontrolle zu haben und nur auf einen kurzen Spaß aus ist, nehmen daran wiederum andere Frauen Schaden. Eine indische Frau würde auch niemals mit einem fremden Mann scherzen oder flirten. Das wird absolut falsch aufgefasst. Im Kontakt mit Verkäufern oder Rikshafahrern ist es immer gut, sich ein Beispiel an den indischen Frauen zu nehmen. Besonders wichtig sind keine Gespräche, keine Scherze und nicht offensiv in die Augen schauen!

Ich kenne viele funktionierende deutsch-indische Paare, aber die haben sich alle durch eine gemeinsame Basis kennengelernt, also als Arbeitskollegen, Komillitonen.... Ich meine, im eigenen Land sucht man sich im Normalfall ja auch einen Partner mit einer ähnlichen Basis. UND diese Ehen begannen nicht mit schneller Hochzeit nach romantischem Heiratsantrag, sondern mit langen Diskussionen und kritischem Abwägen. Der Kulturunterschied mit all seinen Konsequenzen mag in der Phase der Verliebtheit nichtig erscheinen, ist aber da und muss unbedingt thematisiert werden.
Ausdrucken, an die Wand hängen oder in den Reiseführer legen - und jeden Tag einmal laut lesen!
Und den indischen Rikshafahrer ersetzen durch: tunesischer Kellner, ägyptischer Tauchlehrer etc. pp. Der Text der Indologin gilt für alle Urlaubsorte in Entwicklungsländern. Besser kann man es nicht formulieren!

Mignon
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Mignon » 08.02.2019, 11:12

Eclipse hat geschrieben:
06.02.2019, 20:25
P.S. Über die Spezifika der "Christen" in Kerala hast Du bestimmt schon gegoogelt. Wenn nicht, hol es nach... :wink:
Hat sie vermutlich nicht. Und auch vor dem Urlaub hat sie sich vermutlich nicht mit der indischen Kultur und Gesellschaft beschäftigt.

Wir hatten das Thema ja hier schon mehrfach: Indien, Ägypten, Tunesien, Marokko: Für die meisten Touristen heißt das nichts anderes als: Sonne, Strand, Pool, Büfett - bestenfalls noch garniert mit ein paar Moscheen oder Tempeln (oft nicht mal das) und eben diesen wahnsinnig netten Kellnern und Souvenirverkäufern. Dass diese Menschen so ticken wie wir, wird selbstverständlich vorausgesetzt. Deren soziale Situation, traditionelle und religiöse Verwurzelung - total uninteressant. Und so wird dann jeder Mist geglaubt, den Hamza, Ali oder Deepak erzählen.

Die Geschichte, Gesellschaft und Kultur aller Völker ist inzwischen erforscht und beschrieben, und man muss gar keine Ethnologin oder Kulturwissenschaftlerin sein, um sich dieses Wissen wenigstens teilweise anzueignen. Ein bisschen Internetrecherche hilft schon sehr viel. Nur: Das tut kaum jemand. Weder vor Antritt der Reise noch dann, wenn der wahnsinnig nette Rikschafahrer auf Heirat und Geldgeschenke drängt. Statt dessen wird einem oft empört geantwortet, dass man bloß weil man in Indien (Ägypten, Tunesien ...) Urlaub mache, sich ja nun nicht extra mit der indischen (ägyptischen/tunesischen ...) Gesellschaft und Kultur auseinandersetzen könne. Und auch nach dem Sex mit dem Liegestuhlrücker oder den Liebesschwüren des Teppichhändlers wird zwar stundenlang auf den Bildschirm gestarrt, ob "er" sich wieder gemeldet hat, aber es werden nie oder kaum mal ein paar simple Stichworte eingegeben wie etwa "Frauen"+"Indien" oder "Indien"+"Kasten" oder eben "Christen"+"Kerala". Sonst könnte man nämlich gar nicht auf den Gedanken kommen, dass ein Busfahrer der indischen Mittelschicht entstammt, dass die Familie des ägyptischen Kellners total tolerant ist und der tunesische Strohhutverkäufer studiert hat und gar nicht religiös ist.

Aber man will schließlich nur in einer All-inclusive-Kulissenwelt preiswert Urlaub machen. Da braucht man all dieses Wissen nicht.

PS: Eine Informationsquelle führt garantiert in die Irre: Das sind Ali, Hamza und Deepak selbst. Zum einen sind sie gar nicht in der Lage, ihre eigene Kultur zu reflektieren und anderen begreiflich zu machen. Zum anderen wissen sie so in etwa, was die Touristin hören will und wo die kritischen Punkte liegen könnten (z.B. Religion oder Stellung der Frau). Also wird irgendwas erzählt, von dem sie hoffen, das es gut klingt. Den Vogel abgeschossen hat mal eine Foristin, die angab, ihr Habibi würde sich sehr für Wohnkultur und Wandfarben interessieren. Ein Blick auf die Lebensverhältnisse armer Einheimischer und man merkt, wie absurd das ist.

Blackangel
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Blackangel » 08.02.2019, 12:04

Indien hat jetzt nicht diesen all inclusive Charakter, gewöhnlich Bucht man da Rundreisen, täglich anderes Hotel, was nicht vor Bezness schützt. Aber etwas erschwerlicher ist als Badeurlaub weil die tägliche Bindung zum einheimischen fehlt.
Aber ich staune, das das Objekt der Begierde der Busfahrer ist.
Meine Erfahrung in Indien sind schon Erlebnisreich gewesen. Als Gruppe unterwegs ist sicher der Kontakt mit dem Reiseleiter und Busfahrer etwas naheliegender. Unser Busfahrer hatte 6 Finger an jeder Hand , was ich immer noch vor mir sehe.
Tut jetzt nichts zur Sache.
Öfter in der Gruppe reisend erlebe ich es öfter, das immer jemand dabei ist der sich hervorragend mit dem Busfahrer befasst und da Freundschaft zu pflegen vermeint. Ihr glaubt nicht wie darüber getuschelt wird in der Gruppe über diese Busfahrer Liebchen. Leider haben einige einfach diesen Drang Freundschaften im Urlaub zu suchen , typisch deutsch für unwissende.
Kommt für mich nie in den Sinn, das sind Dienstleister und Schluss.
Zu Indien, was ich da erlebt habe, als Deutscher ist man da absoluter Exot, da läuft alles zusammen und bestaunt einen, gerne mit Zwischenrufen , Marry me, Marry me. Ist wirklich so. Total fremde auf der Straße sprechen einem an und wollen heiraten.....
Da ich rauche, das war erst eine Schau, eine Frau die raucht !!!!! Bei einer Bus Pause eine geraucht, sofort 10 Männer gekommen , warum ich rauche, was mein Mann dazu sagt, was meine Kinder dazu sagen..... Geht's noch ????
Allgemein zu Indien, es ist so ein armes Land , aufgehübscht an Touri orten, taj mahal sowieso, ansonsten dreck, Armut, Bettler,
Die Notdurft am Straßenrand verrichtet , unglaublich. Auf den Straßen heilige Kühe, die sorgsam umfahren werden, Müll, Dreck und nochmal Müll und Abzocke.
Wollte Zigaretten kaufen, verlangte der den dreifachen Preis von normal, sie probieren es, ich hab den Verkäufer stehen lassen, er ist mir noch eine weile hinter her gelaufen. Allein unterwegs da, niemals machen, es ist ein Spieß Ruten laufen. In der Gruppe geht es schon.
Reiseleiter hat mich natürlich abends zu einem Wein eingeladen , dankend abgelehnt .
Es ist ein Land der Gegensätze, mit überwiegend großem Elend. Die Tempel durfte man nur ohne Schuhe betreten, kennen wir ja von Arabern, Inder gehen noch weiter, keine Ledersachen reinbringen, Gürtel, Taschen aus Leder verboten, könnte ja hl. Kuhleder sein. War auch lehrreich, das kannte ich noch nicht.
Es war interessant dieses Land zu sehen, aber nochmal ..... Nein, sicher nicht
LG Blackangel
Die Wahrheit ist leicht zu verstehen wenn sie erst entdeckt ist, das schwierige ist nur sie zu finden
Galileo Galilei

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