Ein Busfahrer aus Kerala

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Nilka
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Nilka » 08.02.2019, 13:40

Schon richtig, dass ich nie dahin wollte :lol:
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Eclipse
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Eclipse » 08.02.2019, 17:31

Anaba hat geschrieben:
07.02.2019, 17:33

Ich finde, dafür muss auch mal Zeit sein. :wink:
Danke, liebe Anaba. :) Das Forum gibt mir auch sehr viel. Hier sind so kluge und starke Frauen unterwegs, dass es eine wahre Freude ist.

Menara
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Menara » 09.02.2019, 14:12

Vielen lieben Dank für die vielen Kommentare.

Ich werde nun alles mal sacken lessen müssen, war doch sehr ernüchternd :(
Zum Thema Christentum habe ich mich natürlich informiert, hätte aber bis auf die vielen unterschiedlichen Konfessionen nichts schlimmes gefunden, meint ihr da was bestimmtes?

Weiters wäre ich um eine genauere Erklärung der indschen Mittelschicht dankbar - wahrscheinlich verstehe ich da was falsch. Er lebt in einem Haus mit seinen Eltern, er wirkt tatsächlich nicht so arm, hat ein Auto und ein Motorrad. Ich erinnere mich eher an kleine Hütten, in denen wirklich arme Leute leben.

Ansonsten gibt es nicht viele Neuigkeiten, außer 2:
- er hat einmal vorsichtig gefragt, ob ich denn mir vorstellen könnte auch mal für befristete Zeit in Indien zu leben
- er möchte mir ein Geschenk schicken, habe ihm meine Adresse mal nicht gegeben - oder passiert da noch gar nichts? (ich denke ich kene dazu eh schon eure Antwort

Außerdem versucht er mir immer wieder klar zu machen, dass er eine modernere Mentalität habe.

Ich muss sagen, ich bin wirklich hin und hergerissen, schaffe es aber noch einen kühlen Kopf zu bewahren.
Dennoch bin ich der Typ Mensch der in jeder Lebenslage denkt "Wenn du es nicht versuchst, wirst du nie draufkommen" - was in diesem Falle sehr gefährlich sein kann, ich weiß.

Kann mir irgendwer einen Tipp geben, ob ich durch irgendein Verhalten, irgendeine Aussage oder irgendeien Frage (stets meinerseits) etwas mehr Sicherheit erlangen kann, indem ich seine Reaktion beobachte. Vielleicht war ja jemand mal in einer Situation, die man genau interpretieren hatte können.

Danke.

Menara
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Menara » 09.02.2019, 14:14

PS: Wir sind in etwa gleich alt, hatte wer gefragt.

Ponyhof
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Ponyhof » 09.02.2019, 16:10

Na, das "schnelle Liebesgeständnis", der offensiv geäusserte Wunsch im Ausland zu arbeiten in Verbindung mit der Vorstellung, dass Du ihm dabei helfen sollst ist doch eindeutig. Wie eindeutig brauchst Du es denn noch?

Wenn er Dir ein Geschenk schicken will, kann er das in Dein Büro schicken oder an eine Poststation/Postfach. Ganz einfach. :mrgreen: Deine Privatadresse würde ich ihm erstmal noch nicht geben- das mit dem "Geschenk" ist erstens ein wunderbarer Vorwand, um an Deine Daten zu kommen (mit denen sich auch Schindluder treiben lässt) und zweitens ist so ein Geschenk ein wunderbares Mittel, dass Du dich ihm verpflichtet fühlst und immer an ihn erinnert wirst. Findige Firmen nutzen genau diesen Mechanismus schon seit einer Weile, nennt sich Werbegeschenk :mrgreen:

Ganz sicher fällt ihm auch ein schönes Geschenk ein, was Du ihm hier besorgen könntest. Markenklamotten zum Beispiel, oder ein Iphone. :mrgreen:

Und zu seinem privaten Fuhrpark: Du bist vielleicht nicht die Einzige, die ihm "hilft". :mrgreen:

Mignon
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Mignon » 09.02.2019, 16:13

Er lebt in einem Haus mit seinen Eltern, er wirkt tatsächlich nicht so arm, hat ein Auto und ein Motorrad. Ich erinnere mich eher an kleine Hütten, in denen wirklich arme Leute leben.
Woher weißt du das? Und unter "Haus" und "Auto" kann man sich sehr unterschiedliche Dinge vorstellen. Körperliche Arbeit, zu der auch Fahrerjobs gehören, haben in Indien kein Prestige. Auch Ausbildungsberufe in unserem Sinne sind weitestgehend unbekannt. Wer es sich irgend leisten kann, lässt seinen Sohn studieren und sorgt dafür, dass er hinterher in irgend einer Verwaltung oder in einem Unternehmen unterkommt. Wenn er nicht Arzt, Ingenieur oder Wissenschaftler wird.

Eclipse
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Eclipse » 09.02.2019, 17:55

Menara hat geschrieben:
09.02.2019, 14:12

Zum Thema Christentum habe ich mich natürlich informiert, hätte aber bis auf die vielen unterschiedlichen Konfessionen nichts schlimmes gefunden, meint ihr da was bestimmtes?
Ja, die "Christen" in Kerala sind erheblich anders gestrickt als Du oder Deine Nachbarn. Bitte mach Dich kundig. Das sind in erster Linie Inder.
Menara hat geschrieben:
09.02.2019, 14:12
Weiters wäre ich um eine genauere Erklärung der indschen Mittelschicht dankbar - wahrscheinlich verstehe ich da was falsch. Er lebt in einem Haus mit seinen Eltern, er wirkt tatsächlich nicht so arm, hat ein Auto und ein Motorrad. Ich erinnere mich eher an kleine Hütten, in denen wirklich arme Leute leben.
Die Gesellschaftsschichtung in Indien ist multidimensional. Das durchschaut unsereins mit der Draufsicht des "interessierten Außenstehenden" nicht. Nur eines ist leicht zu begreifen: Egal in welchem gesellschaftlichen Segment man sich bewegt, Frauen sind weniger geachtet als Hornvieh. Indern (egal welcher der zigtausend gesellschaftlichen Einzelsegmente sie angehören) ist das verrückteste Zeugs heilig, nur Frauen nicht. Dass es einige wenige scheinbar sehr privilegierte (gebildete, erfolgreiche) Frauen gibt, täuscht Außenstehende über die Binneninterdependenzen völlig hinweg und vor allem darüber, dass "Privilegien" in Indien nichts damit zu tun haben, was wir Europäer unter "Privilegien" verstehen. Die indische Denke ist noch viel menschen- und vor allem frauenverachtender als die des durchschnittlichen Moslems. Der Islam ist im Vergleich zur indischen "Kultur" ein gewisser Fortschritt!

Haus? Auto/Motorrad? Hast Du das vor Ort gesehen? (Fotos zählen nicht) Die Familie hat in Indien traditionell noch mehr zu sagen als in muslimischen Ländern (Steigerung geht nicht mehr? OH DOCH). Die Familie Deines BUSFAHRERS hat trotz seines Alter noch keine Hochzeit arrangieren können. Warum nicht?

"wenn das Alter von 28 überschritten ist kommt es auch hier zu Zeitdruck und man lässt sich zu Ehen überreden. Es kommt oft vor, dass sich Braut und Bräutigam an der Hochzeit zum ersten Mal persönlich sehen und sich vielleicht vorher nur über Skype oder E-Mail kennenlernten.

In ärmeren Familien und sozial schwächeren spielt der Wille des Brautpaares oft eine viel geringere Rolle. Die Eltern entscheiden, die Kinder heiraten. Man arrangiert sich eben. [...] Natürlich würden sie sich gerne den Partner aussuchen aber Liebesheiraten machen zu viele Probleme und darum steht für sie fest, sie werden mal arrangiert heiraten auch um ihrer Eltern Willen. Liebesheiraten machen deshalb Probleme, weil Kaste, Religion, Beruf, Hautfarbe, gesellschaftliche Stellung… übereinstimmen müssen und es sonst oft bürokratische und soziale Unannehmlichkeiten gibt."
https://www.youthreporter.eu/de/beitrag ... F78UFxKiM8

Das muss einen doch stutzig machen! Im Unterschied zu muslimischen Ländern ist Indien, auch wenn es noch so oft verboten wird, ein Mitgiftland. Die Eltern kalkulieren die Mitgift fest in ihr Budget ein, um entweder ihre eigenen Töchter auszustatten oder, falls sie wie so viele die Mädchen abgetrieben haben, sich auf Kosten der Brauteltern zu mästen und in Gestalt der Schwiegertochter eine Dienstmagd und Fußabtreterin zu bekommen, an der die Schwiegereltern jede beliebige Form von Sadismus auslassen können.

Ganz andere Strategie als im Islam! Da muss der Bräutigam bezahlen, das Mädchen ist also theoretisch etwas wert, es ist in gewisser Weise geschützt durch Ehevertrag, Herkunftsfamilie etc. In Indien ist sie so wenig wert, dass die Eltern noch Geld dazugeben müssen, damit ihnen jemand die lästige, wertlose Tochter aus den Füßen schafft (deren Existenz der Vater wahrscheinlich seiner Frau lebenslang unterschwellig oder offen zum Vorwurf macht)!
Menara hat geschrieben:
09.02.2019, 14:12
Ansonsten gibt es nicht viele Neuigkeiten, außer 2:
- er hat einmal vorsichtig gefragt, ob ich denn mir vorstellen könnte auch mal für befristete Zeit in Indien zu leben
Wenn Du Pech hast, wirst Du im Bus, in der Kneipe, auf offener Straße von einer entmenschten Meute in einer Art vergewaltigt und getötet, wie es an Grausamkeit und Perversion weltweit Seinesgleichen sucht. Du bist auf Schritt und Tritt in realer Lebensgefahr, auch wenn Du das Glück hast, "nur" dauernd angegrabscht zu werden.

Du wirst auch keine Gerechtigkeit bekommen, falls Du nicht viel Bakschisch auf den Tisch des zuständigen Sackträgers legst (und ihn und seine Kollegen im Nebenraum auch mal ranlässt). Ich meine es todernst, wenn ich sage: Lieber Kanalratte in Deutschland als Frau in Indien. Die das grausame Pech haben, dort da Licht einer perversen Welt zu erblicken, leben halt dort, weil sie müssen. Freiwillig? NIE IM LEBEN.
Menara hat geschrieben:
09.02.2019, 14:12
- er möchte mir ein Geschenk schicken, habe ihm meine Adresse mal nicht gegeben - oder passiert da noch gar nichts? (ich denke ich kene dazu eh schon eure Antwort
Der Busfahrer. :lol: Was sollte ein indischer Busfahrer Dir schenken wollen? Was ein GLÜCK, dass Du Deine Adresse nicht genannt hast. Was auch immer er Dir schenken will, Du wirst es nicht gebrauchen können. Du solltest das auf keinen Fall annehmen und Dir ausdrücklich verbitten, dauernd angebaggert zu werden.
Menara hat geschrieben:
09.02.2019, 14:12
Außerdem versucht er mir immer wieder klar zu machen, dass er eine modernere Mentalität habe. Ich muss sagen, ich bin wirklich hin und hergerissen, schaffe es aber noch einen kühlen Kopf zu bewahren.
Dennoch bin ich der Typ Mensch der in jeder Lebenslage denkt "Wenn du es nicht versuchst, wirst du nie draufkommen" - was in diesem Falle sehr gefährlich sein kann, ich weiß.
SEHR gefährlich.

"Frauen in Indien werden häufig Opfer von Vergewaltigungen, Mitgiftmorden, Ehrenmorden und häuslicher Gewalt.

Auch die Vertuschung dieser Verbrechen ist ein massives Problem, denn Korruption ist stark verbreitet. Viele Beamte lassen sich von der Familie des Angeklagten bestechen und weigern sich dann, den Fall weiter zu verfolgen. Wenn Opfer den Mut aufbringen, sich an die Polizei zu wenden, werden sie einfach abgewiesen.

Laut einer G-20-Studie von 2012 ist Indien das frauenfeindlichste Land unter den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern. Trotz der gesetzlichen Gleichstellung von Männern und Frauen liegt das Land in der Studie an letzter Stelle."
https://www.planet-wissen.de/kultur/asi ... n100.html Quelle: ARD - - - bekanntlich nicht das Zentralorgan der Rassisten

Die bringen die Frau einfach um, wenn eine andere mit Mitgift bereit stände. So sind die drauf. Das alles ist natürlich verboten, aber das Gesetz gilt dort einfach nicht, weil sowohl die Gesetzeshüter als auch die Richter korrupt und somit Teil der Gesetzlosigkeit sind.
Menara hat geschrieben:
09.02.2019, 14:12
Kann mir irgendwer einen Tipp geben, ob ich durch irgendein Verhalten, irgendeine Aussage oder irgendeien Frage (stets meinerseits) etwas mehr Sicherheit erlangen kann, indem ich seine Reaktion beobachte. Vielleicht war ja jemand mal in einer Situation, die man genau interpretieren hatte können.

Danke.
Ganz einfacher Tipp. Geh tief in Dich und frage Dich: Was zum Henker willst Du ausgerechnet von einem
  • indischen
  • Busfahrer?
Mittelklasse? Welche von den vielen angeblichen Mittelklassen? Da bezeichnet sich doch jeder als "Mittelklasse", der nicht Leichen oder Unrat wegschaffen muss oder ähnliches "Unsägliches" macht. Ja, so verstanden ist ein Busfahrer nicht Unterschicht. Aber ebensowenig wie "Privilegien" ist der Begriff "Unterschicht" von Europäern begreiflich. Eine nach unseren Maßstäben "Mittelschicht" beginnt da, wo die Eltern ihre Söhne und womöglich sogar ihre Töchter studieren lassen können, aber ganz sicher nicht dort, wo der hochheilige Sohnematz irgendwelche Touris mim Bus rumfährt. :shock:


Dein Inder will also weg von seiner Familie? Oder hat die Familie aufgrund ihrer Stellung keine Braut für ihn gefunden? Lass bloß die Finger von dieser "Kultur". Was wir an der islamischen Welt abstoßend und schräg finden, ist in Indien einfach nur pervers. Schlicht - einfach - pervers.

Nein, Deiner ist nicht ganz anders. Er ist Inder. Du bist eine europäische Frau.
Da Du noch nicht mal eine Mitgift bringst, sollst Du als Entschädigung die Tore zur großen weiten Welt öffnen. Das bist Du denen schuldig. :lol:

Oh mein Gott, bitte wach auf. Es gibt doch hierzulande so viele nette, anständige Männer ohne diesen "Hintergrund"... :cry:

gadi
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von gadi » 09.02.2019, 18:18

Ponyhof hat geschrieben:
09.02.2019, 16:10
Wenn er Dir ein Geschenk schicken will, kann er das in Dein Büro schicken oder an eine Poststation/Postfach. Ganz einfach.
Ich würde sagen: Poststation/Postfach ja, Büro lieber nicht. Wir hatten ja auch schon Geschichten hier mit Anrufen am Arbeitsplatz, Drohungen damit, irgendetwas dem Arbeitgeber zu erzählen.
Weit hergeholt findet ihr? Wenn der Arbeitgeber mal bekannt ist, ist er bekannt.
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caro90
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von caro90 » 09.02.2019, 21:35

Hallo Menara,
Ein herzliches Willkommen auch erstmal von mir. Dein Beitrag ist mir deswegen gleich ins Auge gestochen, weil ich tatsächlich einen Arbeitskollegen habe, der ursprünglich aus Kerala stammt.
Ich kenne ihn relativ gut und er ist ein sehr angenehmer Kollege, mit dem man sich auch mal privat gut unterhalten kann. Durch ihn habe ich relativ viel über Indien gelernt, was man als Außenstehender bzw. "Nicht-Inder" vielleicht nicht unbedingt sofort erfährt. Ich wollte da nämlich mal vor 2 Jahren auf Urlaub hin, davon hat mir mein Kollege damals aber schwerstens abgeraten. Wie hat Eclipse so schön formuliert? Lieber Kanalratte in Deutschland als Frau in Indien. :mrgreen: So was ähnliches hatte mein Kollege damals auch gesagt, und mein Indienreisewunsch verschwand daraufhin rasch :mrgreen:
Kurz zu meinem Kollegen: Er stammt aus wirklich wohlhabendem Elternhaus, seine Familie konnte ihn zum Studieren nach Oxford (!!) schicken, verheiratet ist er mit (arrangierte Ehe, obwohl auch er Christ ist) einer indischstämmigen Engländerin, die auch mit ihm studiert hat, die beiden Familien kannten sich wohl schon lange vorher und dürften das alles gut geplant haben. ^^ Berufstechnisch hat es ihn dann über die Firma nach Deutschland verschlagen, seine Frau arbeitet in einer anderen Firma, aber ähnlichen Branche, sowohl in Deutschland als auch GB.

In Indien ist Bildung eines der höchsten Güter, und wie hier schon mehrfach geschrieben wurde, ist es Fakt, dass jeder, der es sich leisten kann, zumindest seine Söhne, vorzugsweise ins englischsprachige Ausland auf die sogenannten Eliteunis schickt.

Wer als ü30jähriger in seinem Heimatdorf einen Touribus durch die Gegend fahren muss, weil er anscheinend keinen höheren Bildungsgrad vorzuweisen hat, und noch dazu unverheiratet ist, ist von den sogenannten "Unberührbaren" (unterste Kaste) nicht mehr allzu weit entfernt! Und vergiss bitte alles, was er dir im Bezug auf das Kastensystem gesagt hat, von wegen, damit hätte er nichts zu tun usw.

DAS IST ABSOLUTER BULLSHIT DAS KASTENSYSTEM IST DIE INDISCHE GESELLSCHAFTSSTRUKTUR SCHLECHTHIN, DIE FÜR ALLE GILT, VERBOT HIN ODER HER!
Verbote und Gesetze interessieren in Indien niemanden, diese dienen hauptsächlich dazu, um im Westen als "fortschrittlich" zu gelten.


Wie gesagt, ich weiß das alles aus 1. Hand!! Selbst mein christlicher Kollege mit Doktortitel von der Oxford-Uni durfte niemanden außerhalb seiner Kaste heiraten! Findet er aber selbst gar nicht so schlimm, auch die arrangierte Ehe nicht - Bildung hin oder her, diese Leute sind einfach von klein auf anders sozialisiert! Bitte vergiss das nicht! Wenn dieses Denken sogar in einem äußerst intelligenten, gebildeten, in Europa lebenden und arbeitenden Menschen noch immer da ist, was meinst du da, wie es bei einem Busfahrer (!!) ist, der in seinem Leben wahrscheinlich noch nicht weiter als 2 Nachbardörfer war?
Mädchen, bitte. Denk mit. Vergiss diesen ominösen Busfahrer ganz schnell wieder. Der bringt dir nix als Ärger. Wenn du magst, kann ich auch meinen indischen Kollegen zu der Geschichte hier befragen, aber ich wette, der sagt auch nichts anderes als wir alle hier. Wahrscheinlich hat er sogar noch 1,2 unangenehme Wahrheiten mehr auf Lager. :lol:

Naja wie gesagt. Kontaktabbruch JETZT. Und gib auf keinen Fall deine Adresse her!

Alles Liebe,
Caro

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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von gadi » 09.02.2019, 22:00

Das sind ja interessante Erfahrungen/Einblicke, Caro.

Vielleicht kannst du deinen Kollegen ja wirklich zu dieser Geschichte befragen. Mal sehen, was Menara dazu sagt.

Menara, was ich dir noch sagen wollte: Meiner Meinung nach ist das Problem nicht, dass er Busfahrer ist. Ein respektabler, ehrlicher, stressiger Beruf. Das Problem ist, dass es ein indischer Busfahrer ist.
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Efendi II
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Efendi II » 10.02.2019, 09:27

Den Beiträgen von @Eclipse und @Caro90 kann ich nur zu 100% zustimmen. Genau so und nicht anders läuft es in der dortigen Gesellschaft ab.
Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Immanuel Kant)

Qisma
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Qisma » 10.02.2019, 09:45

caro90 hat geschrieben:
09.02.2019, 21:35

Wer als ü30jähriger in seinem Heimatdorf einen Touribus durch die Gegend fahren muss, weil er anscheinend keinen höheren Bildungsgrad vorzuweisen hat, und noch dazu unverheiratet ist, ist von den sogenannten "Unberührbaren" (unterste Kaste) nicht mehr allzu weit entfernt! Und vergiss bitte alles, was er dir im Bezug auf das Kastensystem gesagt hat, von wegen, damit hätte er nichts zu tun usw.

DAS IST ABSOLUTER BULLSHIT DAS KASTENSYSTEM IST DIE INDISCHE GESELLSCHAFTSSTRUKTUR SCHLECHTHIN, DIE FÜR ALLE GILT, VERBOT HIN ODER HER!
Verbote und Gesetze interessieren in Indien niemanden, diese dienen hauptsächlich dazu, um im Westen als "fortschrittlich" zu gelten.

Wenn man dort von einem guten Hotel ein Taxi zum Flughafen bestellt, sitzen dort zwei drin; der Fahrer und der "Fuehrer". Die beiden sprechen kein Wort miteinander. Nur der Fuehrer redet mit dem Fahrgast. Der Fahrer sagt kein Wort. Auch abkassieren darf er nicht. Das macht der Fuehrer.

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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von gadi » 10.02.2019, 10:24

Und welche Arbeit leistet dann der "Führer" außer abkassieren und ein wenig reden?
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Qisma » 10.02.2019, 11:00

gadi hat geschrieben:
10.02.2019, 10:24
Und welche Arbeit leistet dann der "Führer" außer abkassieren und ein wenig reden?
Er holt den Fahrgast von der Rezeption/Concierge ab, falls er sich schon in der Lobby befindet oder laesst ihn von der Rezeption anrufen und begleitet ihn dann zum Taxi.

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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von gadi » 10.02.2019, 11:27

Dann könnte man - etwas übertrieben gesagt - das so beschreiben: Der eine macht die Arbeit, der andere redet :wink: . Dennoch ist der Arbeitende viel schlechter angesehen, fast "ganz unten". Nichts mit "Mittelklasse".
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Atin » 10.02.2019, 11:53

http://www.spiegel.de/panorama/laenderv ... 68517.html
Ländervergleich
Wo es für Frauen am gefährlichsten ist
Es ist ein Ranking der Schande: Eine internationale Studie nennt jene Orte, in denen das Leben für Frauen besonders riskant ist. Ganz oben stehen Länder wie Afghanistan - aber auch eine aufstrebende Schwellennation.
Tue was richtig ist und wende dann jedem geschmacklosen Kritiker deinen Rücken zu. ( von einem Schriftsteller )

I am not what you want
and you are
just what
I don‘t need

-stacie

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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Qisma » 10.02.2019, 12:02

gadi hat geschrieben:
10.02.2019, 11:27
Der eine macht die Arbeit, der andere redet :wink: . Dennoch ist der Arbeitende viel schlechter angesehen, fast "ganz unten".
Ist das bei uns nicht aehnlich :wink:

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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von gadi » 10.02.2019, 12:33

Qisma hat geschrieben:
10.02.2019, 12:02
gadi hat geschrieben:
10.02.2019, 11:27
Der eine macht die Arbeit, der andere redet :wink: . Dennoch ist der Arbeitende viel schlechter angesehen, fast "ganz unten".
Ist das bei uns nicht aehnlich :wink:
Bei mir persönlich nicht. Ich glaub ich kann ganz gut zwischen wirklicher Intelligenz/Empathie/Bildung (hat alles nicht zwingend etwas mit beruflicher Stellung/Ausbildung zu tun) und Geschwafel/Titelhascherei/Dünkel unterscheiden.

Ich hab es oben schon geschrieben:
gadi hat geschrieben:
09.02.2019, 22:00
Menara, was ich dir noch sagen wollte: Meiner Meinung nach ist das Problem nicht, dass er Busfahrer ist. Ein respektabler, ehrlicher, stressiger Beruf. Das Problem ist, dass es ein indischer Busfahrer ist.
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Efendi II
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Efendi II » 10.02.2019, 13:16

gadi hat geschrieben:
10.02.2019, 10:24
Und welche Arbeit leistet dann der "Führer" außer abkassieren und ein wenig reden?
In diesen Kulturraum gibt es schon immer viele Tätigkeiten, die in Ländern wo die Arbeitskraft teuer ist, ohne weiteres von andern nebenher mit erledigt würden.

In Indien ist das anders, da gibt es für jeden noch so banale Tätigkeit "spezialisierte Fachkräfte". Das war schon zur britischen Kolonialzeit so. Da gab es für jeden Furz einen Bediensteten. Bei den damaligen Lohnkosten war das für den Arbeitgeber kein großes Problem und die Arbeitnehmer konnten ihre Familien davon ernähren.

Da gab es z.B. einen, der nichts anderes zu tun hatte, als überall im Haus die Türgriffe aus Messing zu putzen und auf Hochglanz zu bewahren. Der hätte es höchstwahrscheinlich empört (aus Gründen seiner Kaste) abgelehnt, dem Mülleimer zu lehren oder den Hof zu fegen. Der Hinweis auf die jeweilige Kaste reicht vollkommen aus, um die eine oder andere Arbeit abzulehnen. Bei der Vielzahl der Kasten und Unterkasten sieht da ohnehin kein Mensch mehr durch, sofern er das nicht eingehend studiert hat.

Oftmals mache ich mir bei meiner Frau den Spaß, auf meine (nicht vorhandene) Kastenzugehörigkeit hinzuweisen, wenn sie etwas verlangt wozu ich momentan keine Lust habe. Wenn sie z.B. sagt: "Nimm doch gleich den Müll mit runter und bring mir dies oder jenes vom Einkaufen mit!" und ich antworte dann: "Nein, das geht nicht, das erlaubt meine Kaste nicht!". Dann lacht sie natürlich und tue es dann doch, aber sie hat längst begriffen, wie blödsinnig solche Kastenregeln und in einer modernen Gesellschaft schlichtweg unmöglich sind.

So ist sicher schon manche Behausung völlig abgebrannt, weil es keinen der gaffend Umherstehenden aus Kastengründen erlaubt war, Wasser zu tragen. Ja, so streng sind dort die Regeln. Es wäre allerdings nur die halbe Wahrheit, wenn man nicht zugestehen würde, dass auch diese Regeln eine gewissen Aufweichung erleben. Aber bis sich das im gesamten Lande auch durchsetzen wird, werden wohl noch etliche Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte vergehen.
Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Immanuel Kant)

Efendi II
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Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Efendi II » 10.02.2019, 13:28

@Menara
Guckst Du hier:
https://www.welt.de/vermischtes/article ... thode.html

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inha ... aabe7.html

Ich habe es auch hier in Deutschland bei srilankischen Tamilen etliche male erlebt, dass bei Verheiratung der Töchter an die Familie des Bräutigams 5stellige DM/€uro Beträge Dowry gezahlt wurden
Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Immanuel Kant)

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