Bezness:ja oder nein? Nepal

Austausch über gemachte Bezness - Erfahrungen in diesem Kontinent

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Violine
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Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Violine » 11.12.2012, 20:17

Hallo,

was kann ich tun, hat jemand vielleicht eine Idee oder schon ähnliches erlebt?
Unsere Tochter hat ein Auslandssemester in der Schweiz gemacht und dort einen nepalesischen Studenten kennen- und lieben gelernt.
Jetzt erst nach 1,5 Jahren sagte sie es mir bei ihrem letzten Besuch, kurz bevor sie sich von mir verabschiedete.
Sie weiss genau, dass wir mit dieser Beziehung nicht einverstanden sind und hat sich auch schon länger von uns zurückgezogen.
Die beiden können sich nur auf Englisch verständigen. Anfang Dezember hat sie uns ihren Freund vorgestellt.
Er ist ein freundlicher und höflicher junger Mann. Im nächsten Jahr ist er mit seinem (Informatik)Studium fertig und wird dann sehr schwer eine Arbeitsstelle/Praktikum in der Schweiz finden und somit auch keine Aufenthaltserlaubnis bekommen.
Seine Mutter ist sehr gegen diese Beziehung aber sein Vater hat nichts dagegen. Wahrscheinlich hofft er darauf, dass sein Sohn dann in Europa bleiben kann.
Er erzählte uns, dass er eigentlich vorhatte, wieder zurück nach Nepal zu gehen, aber seitdem er jetzt "fell in love" ist mit unserer Tochter, will er unbedingt hier bleiben.

Wir denken dass ist ihm wohl eine gute Gelegenheit, um an die Aufenthaltserlaubnis zu kommen.
Der Freund unserer Tochter ist Atheist und Kommunist, sein Vater Atheist und seine Mutter ist Hindi.
Er ist der einzige Sohn und hat eine ältere Schwester. Sein Vater hat bestimmt was er studieren sollte, am liebsten hätte der Freund eigentlich Medizin oder Elektrotechnik studiert.
Wir haben große Angst, dass sie ihn in ihrer Verliebtheit schnell heiraten könnte. Mit unserer Tochter können wir über dieses Thema nur per Brief kommunizieren, wobei sie sich selbst noch nicht uns gegenüber konkret geäußert hat. Sie meidet das Thema und blockt sofort ab.
Wir haben ihr schon mehrere Briefe mit unseren Bedenken zugeschickt und auch die Bücher "Nicht ohne meine Tochter" und "1001 Lüge" und hoffen sehr dass sie alles lesen wird. Wir haben sie gebeten, auf unsere großen Bedenken einzugehen: nichts.
Er ist ihr erster Freund und sie ist ja so verliebt und versteht sich mit ihm ja sooo gut.
Es ist einfach ein Albtraum und wir haben sehr viele unruhige Nächte. War schon jemand in solch einer Situation und könnte uns vielleicht jemand einen Rat geben oder hat eine Idee? Es ist zum Verzweifeln.
Was können wir überhaupt machen, gibt es noch Möglichkeiten?
Herzlichen Dank für eure Antworten.
Liebe Grüße von
Violine

Efendi II
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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Efendi II » 11.12.2012, 20:43

Violine hat geschrieben: Die beiden können sich nur auf Englisch verständigen.
Ohne Deutschkenntnisse wird das ohnehin nichts mit einer Aufenthaltserlaubnis in Deutschland,
selbst wenn er Deine Tochter vorher heiratet.
Der Freund unserer Tochter ist Atheist und Kommunist, sein Vater Atheist und seine Mutter ist Hindi.
Als Kommunist wäre er doch in Nordkorea oder Kuba viel besser aufgehoben.
Die Mutter ist Hindu (Hindi ist eine Sprache).
Wir haben ihr schon mehrere Briefe mit unseren Bedenken zugeschickt und auch die Bücher
"Nicht ohne meine Tochter" und "1001 Lüge" und hoffen sehr dass sie alles lesen wird.
Nun ja, aber Nepal ist kein mohammedanisches sondern ein hinduistisches (80%) bzw. buddhistisches (15%) Land.
Dort behalten Frauen auch nach einer Heirat ihre Rechte. Demzufolge treffen die negativen
Erfahrungen aus "Nicht ohne meine Tochter" in Nepal nicht zu (falls sie überhaupt dorthin geht ?).
Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Immanuel Kant)

Jakobs_Weg
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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Jakobs_Weg » 12.12.2012, 09:14

Africus, wieso meinst du, Violine würde ihrer Tochter das Glück mit deren Freund missgönnen?

Es ist doch völlig normal, dass sich Violine sorgt, zumal der Mann aus einem fremden Kulturkreis stammt, worüber sie nur wenig weiß, und darüber informiert sie sich (auch) hier.
LG, Jakobs_Weg

Nein, nicht alle Orientalen sind Beznesser!

morena
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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von morena » 12.12.2012, 11:04

Africus hat geschrieben:Schlecht formuliert. Ich unterstelle keine Missgunst. Was ich meine, ist, dass Violine sich am Glück ihrer Tochter erfreuen sollte.


Das ist wieder die Denkweise "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt"egal wie die Hintergründe sind.
An welchem Glück sollen sich denn die Eltern erfreuen. Hier ist von Glück noch gar nichts zu sehen.
Nur ,weil man einen Studenten aus Nepal kennen gelernt hat, kann man noch nicht von Glück sprechen.



Gruß,Morena

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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Jakobs_Weg » 12.12.2012, 11:28

Africus hat geschrieben:Wir wissen, was die Mutter über einen Freund ihrer Tochter sagt, den sie anscheinend wenig mag.
Die Tochter wird wohl ihren Freund lieben und wahrscheinlich auch glücklich sein.
Genau so wahrscheinlich könnten sich die Bedenken der Mutter bestätigen.

Aber dass Violine ihre Tochter wirklich liebt, darf vorausgesetzt werden.
LG, Jakobs_Weg

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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Violine » 12.12.2012, 12:22

Hallo Jazziz, vielen Dank für den Buchtipp. Das Buch habe ich gestern sofort bestellt. Sie wird es wohl zu Weihnachten geschenkt bekommen, wir hoffen sehr dass sie uns besuchen kommt. Unsere Tochter hat wahrscheinlich keinen Schimmer Ahnung von der Kultur in Nepal, sie sieht nur ihren Freund in den sie verliebt ist.
Liebe Grüße von Violine





Jazziz hat geschrieben:Hallo Violine,

ich glaube, dass sich das Leben in Nepal, die Gebräuche und Traditionen etwas komplexer darstellen.

Das Buch „Nicht ohne meine Tochter“ und „1001 Lüge“ sind bestimmt richtig. Ich halte sie als Beratung für nicht ausreichend (andere Baustelle :) )

Wenn die Familie deiner Tochter aus einer höheren Kaste stammt (egal welche politische Einstellung sie haben), können sie noch so weltoffen eingestellt sein und im Westen studiert haben, sie werden ihre Traditionen weiterhin leben. Dazu gehört, dass sich die Ehefrau den hinduistischen Verhaltensregeln völlig anpasst!

Ich empfehle dir das Buch von Milda Drüke „ROT“ Menschen in Kathmandu. Ein sehr einfühlsam geschriebenes Buch einer Autorin, die mehrere Monate zusammen mit einer Familie (hohe Kaste) in Kathmandu lebte.

Ich habe selbst viele Monate in Nepal verbracht, ein faszinierendes Land ab-er für uns Westler eine völlig in sich geschlossene Gesellschaft.

Dir und deiner Tochter alles Gute

Jazziz

Toni
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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Toni » 12.12.2012, 12:55

Violine, warum spricht der Mann kein Deutsch? Er studiert doch i.d. Schweiz, oder? Ich weiß schon, daß man auch engl.-sprachige Studiengänge belegen kann, dennoch finde ich es doch erstaunlich!
t.

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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Violine » 12.12.2012, 13:57

Hallo Toni, er studiert in der französischsprachigen Schweiz und dort werden die Kurse alle auf Englisch gehalten. Deutsch ist dafür nicht nötig. Jetzt, wo er durch die Tochter womöglich eine Aufenthaltserlaubnis im deutschsprachigen Raum in Aussicht hat, hat er begonnen die deutsche Sprache zu erlernen. Er hofft dann auch auf einen Praktikumsplatz (Arbeitsstelle); in der französischsprachigen Schweiz wird er nichts bekommen. L.G.Violine
Toni hat geschrieben:Violine, warum spricht der Mann kein Deutsch? Er studiert doch i.d. Schweiz, oder? Ich weiß schon, daß man auch engl.-sprachige Studiengänge belegen kann, dennoch finde ich es doch erstaunlich!
t.

Efendi II
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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Efendi II » 12.12.2012, 14:34

Violine hat geschrieben: Er hofft dann auch auf einen Praktikumsplatz (Arbeitsstelle); in der französischsprachigen Schweiz wird er nichts bekommen.
In Deutschland dürften seine diesbezüglichen Chancen auch gegen Null tendieren.
Es sei denn er heiratet Deine Tochter, aber das dürfte im Hinblick auf die dafür
erforderliche Dokumentenbeschaffung und die nichtvorhandenen Deutschkenntnisse,
auch nicht von jetzt auf gleich möglich sein.
Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Immanuel Kant)

Efendi II
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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Efendi II » 12.12.2012, 14:39

Africus hat geschrieben:Meine Kollegen sind seit zum Teil seit ca. 6-10 Jahren in Deutschland und
sprechen kein Wort Deutsch. Alles hochbezahlte Fachkräfte mit zum Teil Promotion.
Wie und wo kaufen die ihre Brötchen ?
Will sagen, wie kommen die im täglichen Leben in ihrem Umfeld zurecht ?

Zudem lassen sich solche Fälle kaum mit dem von @Violines Tochter gleichsetzen.
Eine Aufenthaltserlaubnis als Ehemann einer Deutschen gibt es nicht ohne Nachweis
der deutschen Sprachkenntnisse.

Bei hochqualifizierten Fachkräften werden die nicht unbedingt und in jeden Falle
vorausgesetzt um eine Arbeitserlaubnis zu erhalten.
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Nilopa
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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Nilopa » 12.12.2012, 15:23

Hallo Violine,

Du hast geschrieben:
Sie weiss genau, dass wir mit dieser Beziehung nicht einverstanden sind und hat sich auch schon länger von uns zurückgezogen.
Ich denke, je mehr sie sich zurückzieht, umso weniger werdet Ihr wissen,
wie gut/schlecht sie tatsächlich in dieser Beziehung von ihm behandelt wird.

Und wenn sie ihn heiraten will, damit er hierbleiben kann, werdet Ihr es wohl kaum verhindern können.
Also denke ich, Du solltest in erster Linie darauf achten, in Zukunft den Kontakt möglichst gut aufrechtzuerhalten,
eventuell mal eine zeitlang das Thema Beziehung ganz ausklammern.

Das Ziel von Bezzis ist nämlich meist die Isolierung ihres Opfers vom Freundes- und Familienkreis :( ,
besonders logischerweise dann, wenn diese versuchen, das Ganze zu stoppen.

Falls er also kein Bezzi ist und sich ernsthaft bemüht, sich hier der westlichen Lebensweise anzupassen,
sollte er auch ein Interesse daran haben, Euch und Eure Bedenken zu verstehen. :wink:

Dann könnt Ihr hoffentlich auch darüber mit den Beiden reden,
wie sich die Tochter z.B. zumindest von vornherein vor finanziellen Nachteilen schützen könnte.
Bei den arrangierten Ehen in seinem Heimatland wird ja eh sehr aufs Finanzielle geachtet,
deshalb sollte er zumindest dafür viel Verständnis haben :mrgreen: .

8) LG Nilopa
»Your rights matter because you never know when you're going to need them.« – Edward Snowden-

Nilopa
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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Nilopa » 12.12.2012, 15:51

Da Deine Tochter ihn anscheinend heiraten möchte, sollte sie sich etwas genauer darüber informieren,
mit welchem Frauenbild ihr Liebhaber aufgewachsen ist.
bei Google findet frau dazu Einiges, wenn sie "Frauenrechte Nepal" eingibt:
Mehr als 40 Frauenorganisationen aus allen Teilen des Landes verlangen, dass die neue Verfassung die Rechte von Frauen stärkt. Frauen sollen das Recht erhalten, Land zu besitzen. Frauen sollen auch einen Rechtsanspruch auf Wohnraum erhalten, damit alleinstehende, besitzlose Frauen nicht mehr leichte Beute für Vergewaltiger und Mörder sind. Eine weitere Forderung ist, dass die Verfassung häusliche Gewalt als Form der Folter anerkennt und der Staat misshandelte Frauen entschädigen muss.
Obwohl Frauen wesentlich härter und länger arbeiten als Männer in Nepal werden sie kaum gewürdigt.
75% der Frauen in Nepal haben keine Ausbildung und über 60% werden Opfer häuslicher Gewalt.
»Your rights matter because you never know when you're going to need them.« – Edward Snowden-

Efendi II
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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Efendi II » 12.12.2012, 16:09

Africus hat geschrieben:Auch in diesem Fall kann der Freund der Tochter unter Vorlage eines Arbeitsvertrags mit einem entsprechenden Gehalt ein Aufenthaltserlaubnis erhalten, ohne dass es ein umständliches Visumsverfahren gibt.
Allein auf Grund eines Arbeitsvertrages bekommt niemand eine Aufenthaltserlaubnis, da müssen schon noch andere Kriterien und vor allen die Vorrangprüfung bewältigt werden.

Wenn das immer so locker flockig funktionieren würde, wie Du das hier darzustellen versuchst, dann wären viele Juristen arbeitslos und der Familiennachzug würde wesentlich einfacher und schneller verlaufen.

Ich glaube viele der hier schreibenden Frauen haben in dieser Hinsicht ganz andere Erfahrungen gemacht und wenn Du mir schon keinen Glauben schenkst, dann solltest du Dich mal mit jemand anderen unterhalten, der mit dieser Materie vertraut ist.
Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Immanuel Kant)

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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Violine » 12.12.2012, 17:46

Hallo Nilopa, unsere großen Befürchtungen sind, dass unsere Tochter an dem Amiga (aber meiner ist ganz anders)-Syndrom leidet. Ich habe ihr schon einige Artikel aus dem Internet über Menschenrechte/Frauenrechte in Nepal ausgedruckt und zugeschickt. Ihr Freund käme aus einer wohlhabenden modernen Familie und da wäre doch alles anders, außerdem kommt er aus Kathmandu, dort wäre es auch besser als auf den Dörfern. Ihr Freund erzählte uns, das es in Nepal schon Fortschritte gibt im Bereich Frauenrechte.
Dort leben möchte unsere Tochter aber nicht.
Da ich mich bisher nie intensiv mit diesem Land und dem Hinduismus beschäftigt habe, war ich doch sehr erschrocken was ich so gelesen habe. Ich habe gesehen, dass es viele Gemeinsamkeiten mit dem Islam gibt, z.B. Ausbeutung und Benachteiligung der Frauen (nicht die gleichen Rechte wie Männer), Zwangsverheiratungen, Kinderehen, Frauen sind Eigentum des Mannes, Bildungsverweigerung für Mädchen, Abtreibung weiblicher Föten, Polygamie, Unterdrückung von Minderheiten(Kastensystem) u.a.
Wir hoffen und wünschen so sehr dass sie nicht überstürzt und unüberlegt handelt.
L.G. Violine


[quote="Nilopa"]Da Deine Tochter ihn anscheinend heiraten möchte, sollte sie sich etwas genauer darüber informieren,
mit welchem Frauenbild ihr Liebhaber aufgewachsen ist.
bei Google findet frau dazu Einiges, wenn sie "Frauenrechte Nepal" eingibt:

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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Efendi II » 12.12.2012, 18:01

Africus hat geschrieben:
Bei Gehältern von >70.000 Brutto im Jahr kann man von Fachkräften ausgehen. Und dann kann die Ausländerbehörde von geringem Integrationsbedarf ausgehen und von A1-Tests absehen.
...und das trifft selbstverständlich auch auf die überwältigende Mehrheit, der nach Deutschland strömenden Ausländer, ebenfalls zu.
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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Nilopa » 12.12.2012, 20:39

Bei Gehältern von >70.000 Brutto im Jahr kann man von Fachkräften ausgehen.
....und was haben diese Fachkräfte mit dem nepalesischen Studenten zu tun, um den es hier in diesem thread geht? :roll:
Möchte ihm Deine Firma über dieses forum einen Arbeitsplatz anbieten??? :o

...oder wie oder was gibt es sonst noch aus der "Africus-heile-Männerwelt-Szene" zu berichten? :mrgreen:
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Violine
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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Violine » 13.12.2012, 10:08

In meinen Augen ist der Hinduismus nicht unbedingt mit dem Islam zu vergleichen. Unter einem Dach zu leben mit einer hinduistischen Familie war eine völlig andere Erfahrung, als gemeinsam zu leben mit einer muslimischen Familie. Trotzdem kann ich deine Bedenken nachvollziehen, denn in meinem Fall musste ich in Indien um jede freie Entscheidung, jeden selbstständigen Schritt vor die Haustür kämpfen. Ich stelle mir so ein Leben unheimlich anstrengend vor. Versuche, deiner Tochter deutlich zu machen, dass sich ihr Leben als Ehefrau an der Seite eines Nepalesen, egal ob in Nepal oder in Deutschland, drastisch ändern wird. Die Freiheiten, die sie bisher kannte, wird sie - wenn sie nicht bereit ist, darum zu kämpfen - bis ins Letzte verlieren. Ob es das wert ist für einen einzigen Mann? Ich habe damals das Buch "Kulturschock Indien" gelesen, das gibt es auch über Nepal und das sollte deine Tochter in jedem Fall lesen.

Liebe Grüße :)[quote="84naina"

Liebe 84naina,
das Handeln und Denken unserer Tochter ist uns völlig unverständlich. Herzlichen Dank für den Buchtipp. Das Buch Kulturschock Nepal gibt es nicht mehr zu kaufen. Ich habe aber gerade das Buch Kulturschock Indien bestellt und werde es der Tochter ebenfalls zu Weihnachten geben. Indien und Nepal sind ja beides hinduistische Länder die nah beieinander liegen.
Ich könnte es mir bei unserer Tochter nie vorstellen, dass sie sich dieser Kultur/diesem Mann unterordnet bzw. bereit ist sich ihre Freiheiten zu erkämpfen. Der Freund sagte uns, dass er ein Familienmensch ist. Daher ist auch anzunehmen dass er des öfteren auch seine Familie in Nepal besuchen möchte. Wer weiß es, ob er später dort nicht auch wieder leben will?
Danke für die Mitteilung deiner Erfahrungen. Liebe Grüße von Violine

morena
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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von morena » 13.12.2012, 19:55

84naina hat geschrieben:[q

Familienmenschen sind alle Inder, dort ist immer einer für den anderen da. So ein Zusammenhalt ist in Europa wenig zu finden.

LG Naina

Hallo,

dieses Wort Familienmensch wird dauernd genannt und hat in Indien und auch in muslimischen Länder eine völlig andere Bedeutung, als hier.
Man kann das nicht 1 zu 1 gleich stellen. Ein Zusammenhalt in der Familie ist in Europa und Deutschland wunderbar und wenn er da ist echt, und
von Grund auf, ohne Bedingungen. Und wenn, voller Vertrauen und Warmherzigkeit und echt.
Das kann man in Indien überhaupt nicht vergleichen, da so viele kulturelle, traditionelle und religiöse Wertvorstellungen diesen Familienzusammenhalt bestimmen, egal, ob Hindu Familie, muslimische Familie oder sonst etwas.Auch hier bestimmt Kontrolle das Familienleben.
Und der vielzitierte warmherzige Familienzusammenhalt in arabischen/orientalischen, muslimischen Ländern ist ein Märchen aus 1001.Nacht, da
immer mit Bedingungen, absoluter Kontrolle und Erwartungshaltung verknüpft.Wird das nicht befolgt bekommt man zu spüren, was Familien-Zusamenhalt bedeutet. So etwas ist nur in den romantischen Köpfen und Ideen vieler westlicher Frauen und vielleicht auch Männer vorhanden. Die Realität ist etwas anderes.

Ein echter Zusammenhalt ensteht bei einem Leben auf Augenhöhe un d Freiheit der Gedanken aller Familienmitglieder, bei Entscheidungsfreiheit
und Vertrauen in die Familienmitglieder. Nicht aus Angst, etwas falsch zu machen und Respekt aus Angst, die Familienehre zu verletzen.

Gruß,Morena

Efendi II
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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von Efendi II » 13.12.2012, 20:25

morena hat geschrieben:So etwas ist nur in den romantischen Köpfen und Ideen vieler westlicher Frauen und vielleicht auch Männer vorhanden. Die Realität ist etwas anderes.
Nach meinen Beobachtungen wird dieser Familienzusammenhalt nur nach außen demonstriert. In Wirklichkeit findet auch innerhalb der Familie ein "Hauen und Stechen" statt und einer gönnt dem anderen nicht das Schwarze unter den Fingernägeln.

Nach meinen jahrzehntelangen Erfahrungen in diesen Kulturkreis sind Freundschaften lediglich temporäre Zweckbündnisse und die dort übliche inflationäre Verwendung des Begriffes "Freund" hat längst nicht die gleiche Bedeutung wie in unseren Breiten.

Diese oft beschworene "warmherzige Familienatmosphäre", findet lediglich in den Köpfen westlicher Romantiker statt, dort gelten strenge Hierachien, denen man sich ohne wenn und aber unterwerfen muß. Während ich genau weiß, daß ich mich auf meine deutsche Familie immer und in jeder Situation verlassen kann, ist es bei der Familie meiner Frau immer eine Kosten/Nutzen-Rechnung.
Zuletzt geändert von Efendi II am 13.12.2012, 20:32, insgesamt 1-mal geändert.
Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Immanuel Kant)

morena
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Re: Bezness:ja oder nein? Nepal

Beitrag von morena » 13.12.2012, 20:43

84naina hat geschrieben:
morena hat geschrieben:Dieses Wort Familienmensch wird dauernd genannt und hat in Indien und auch in muslimischen Länder eine völlig andere Bedeutung, als hier.
Man kann das nicht 1 zu 1 gleich stellen. Ein Zusammenhalt in der Familie ist in Europa und Deutschland wunderbar und wenn er da ist echt, und
von Grund auf, ohne Bedingungen. Und wenn, voller Vertrauen und Warmherzigkeit und echt.
Ich stimme dir da größtenteils zu Morena. Wenn der Zusammenhalt da ist, dann ist er echt. Aber viele Dinge, die ich hier in Deutschland sehe, machen mich sehr traurig. Wenn ich beispielsweise alte Menschen sehe, die abgeschoben in irgendwelchen Heimen völlig vereinsamen, dann bricht es mir das Herz. Oftmals geschieht das aus purem Egoismus, so zumindest meine Meinung. Viele in meiner Umgebung (mich eingeschlossen) rechtfertigen diesen Egoismus eben mit der eigenen Entscheidungsfreiheit, was so oft auf Kosten der Familie geht. Wie auch immer, zu sehr OT :)

Viel mehr Menschen werden in den Familien unter größten Schwierigkeiten umsorgt un d gepflegt,ob behinderte Kinder oder ältere Familienmitglieder.
Man darf nicht vergessen, dass heute die Wohnsituation nicht immer ein Zusammenleben von Jung und Alt erlaubt und Frauen berufstätig sind. In diesen Fällen
gibt es zum Glück die Seniorenstifte, in denen Menschen sehr liebevoll umsorgt werden un d Kinderhäüser, in den Kinder in der Woche betreut werden.
In den Fällen, in denen es keine Verwandten und Familien gibt, kommt natürlich auch niemand, aber auch da gibt es ehrenamtliche Menschen, die sich
liebevoll kümmern. Ich habe erlebt, dass etliche ältere Menschen in Stiften schon lange vorher mit ihren Verwandten gebrochen haben, aus welchen Gründen auch immer un d dann tatsächlich allein sind. Aber einfach so abgeschoben ist nicht die Norm.Man kann nicht einfach
pauschalisieren.Es ist gut, dass wir Senioren-Stifte haben, da bei immer mehr Single Frauen und Männern im Alter eine gute Lösung.Und die einzige.

Gruß,Morena

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