Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Beznesstendenz

Austausch über gemachte Bezness - Erfahrungen in diesem Kontinent

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Zwoelfe
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Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Beznesstendenz

Beitrag von Zwoelfe » 13.04.2013, 11:02

Das Ganze ist nun fast 30 Jahre her und mittlerweile altersmilde geworden , schreibe ich den Rückblick mit einem Augenzwinkern ...

Achtung , wird lang !

Als ich ihn damals kennenlernte , war ich grade mal wieder in einer Übergangsphase von hier nach weißnichtwo . Aus meinem Beruf war ich schon vor längerer Zeit ausgestiegen und einige Zeit in der Gastronomie - Kneipe , Tresen - geknechtet . Was zunächst viel Spaß machte , wurde ermüdend . So trug ich mich zur damaligen Zeit mit dem Gedanken , einen speziellen Handarbeitsladen aufzumachen . Damals konnte in den "richtigen" Kneipen noch ordentlich Kohle gemacht werden - mein Erspartes reichte locker , um ein kleines Ladenlokal anzumieten und die Grundausstattung hinzustellen . Ich hätte nebenbei noch die "Sondernschichten" in den Kneipen machen können und war von daher nicht darauf angewiesen , gleich Gewinne einzufahren .

Noch während der Planungsphase lernte ich in der Kneipe meinen Zukünftigen kenne . Wir spielten öfter Billiard - gegeneinander - gern auch gegen andere und der Gewinn wurde geteilt ... wir kamen ins Gespräch : er , Asylbewerber mit maximal noch drei Jahre laufenden Verfahren , war zu einer Zeit hierher gekommen , wo Asylbewerber hier noch arbeiten durften - und um das Arbeiten ging es ihm . Danach hatte er sich einen Kleinlaster zugelegt um Alteisen zu sammeln - nicht legal , aber ehrliche Arbeit , Fleiß ließ mich über die Illegalität hinwegsehen .

Und aus der Illegalität konnte ich ihm nun ja heraushelfen , Er hatte eine Idee für einen "dritte Welt Laden" , die war richtig gut und funktionierte . Einen Laden hatte ich ja schon und es war genug Platz für beide Konzepte . Da seine Idee die eindeutig bessere war , habe ich zunächst nur sein Gewerbe angemeldet , Steuernummer auch - auf meinen Namen .

Natürlich waren wir uns auch in der Zeit näher gekommen und mittlerweile ein Paar . Er war Singalese (schöne Menschen) und lebte mit einem Landsmann , einem Tamilen in einer kleinen Wohnung . Da der Landsmann Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis hatte ,durfte der für alle offiziellen Dinge wie Autozulassung ect. herhalten . Pauly - der Tamile , Hindu - war ein zutiefst gestörter Mann , mittlerweile Alkoholiker - das merkte man so nicht - arbeitet aber regelmäßig in einem Restaurant . Er war das , was man einen Spiegeltrinker nennt . Is`doch erstaunlich : In Sri Lanke kloppen sich Tamilen und Singalesen die Schlädel ein - hier sind sie very best frienfdund bescheißen gemeinschaftlich den deutschen Staat ...

Gestählt durch meine erste Ehe mit einem Mann aus Singapur und gehärtet durch eine einjährige Hospitation in einer süditalienischen Familie als Viancata war ich nun bereit für noch mehr Abenteuer und Aufregung - ich sollte nicht enttäuscht werden . Ähm - verliebt war ich nie in ihn - eher so das Motto : wenn klappt , klappts ...

Das Erste , was ich von Mohi (der mir Zugemutete) zu sehen bekam , waren Plastiktüten voller unbezahlter Rechnung , Mahnungen und "Behördenbriefe" . Er sagte , die alte Dame , die bis jetzt das für ihn gemacht hätte , könne das nun gesundheitlich nicht mehr und er verstünde eh diese Schreiben nicht ... daraus schloß ich beinhart , dass Deutschkenntnisse her müssen . Im Laufe der Zeit erschloß sich mir aber die wahre Bedeutung seiner Worte : auch mit Deutsch und Grundwissen unserer Rechtsordung verstand er diese Schreiben immer noch nicht - was sollte dieser Unfug mit Terminen , fristgerechten Antworten , Zahlungsanweisungen . Wenn er erscheint , isser da und wenn grad dafür Geld hat , bezahlt er ... für ihn war Deutschland ein Land wo man nur Kontokarte braucht - die kann ruhig ungültig und das Konto nicht existent sein - man bekommt dafür eine Deckungskarte und wenn die platzt , holt man sich ne neue ...der Typ vom Wirtschafts und Ordnungsamt kam regelmäßig zum Abkratzen der Plakette - Mädchen sag einfach wo der steht - laß mich alten Mann nicht suchen ... Davon war Mohi nicht begeistert - Du bist meine Frau und hast mich nicht zu verraten ... falsche Antwort , bin ich nicht , außerdem Deutsche und halte mich an deutsche Gesetze . Daher habe ich auch nie eine Zulassung auf meinen Namen gehabt .

Natürlich waren seine Auffassung von Gewerbe und Steuer ähnlich . Jedesmal , wenn der Typ vom Wirtschafts und Ordnungsamt am Laden vorbei kam , mußte er die Außendekoration abbauen - die war genehmigungpflichtig und kaum war der weg , wurde die wieder angebracht ... genehmigungspflichtig ... pah ... ich könnte ja die ... und überhaupt ... diesmal sagte der Ordnungsamtler : das nächste mal zeige ich Sie als Inhaberin an - so Leute , hier ist die Wettergrenze ... ich kann mich auf Diskussionen einlassen , schreien , schimpfen , drohen : noch einmal , dann melde ich den Laden ab ... das Schreien und Drohen wird nur kurzfristig , wenn überhaupt , wirken . Ohne Ankündigung - sonst wird das verhindert - abmelden . Diese Realitätskonfrontion ist eher wirksam. Ich tat genau das und er suchte sich einen "deutschen Arbeitsmann" , der nun diese Dinge übernahm .

Und zunächst lief es in der Beziehung auch nicht rund - was noch nicht mal was damit zu tun hatte , das er Muslim war - mein Singapurianer war das auch und zumindest damals war dessen Islam "chinesicher Prägung" und bei Mohi eben hinduistischer Prägung .- fiel also nicht weiter ins Gewicht .

Natürlich kam auch Mohi aus seinem Geburtsrecht als Mann heraus auf die Idee, mich mit Schlägen disziplieneren zu wollen . Sowas muß beim ersten Mal in den Griff kriegen - entweder er geht oder er weiß , was er verliert - nämlich sein bisheriges bequemes Leben . Was ich genau gemacht habe , schreibe ich besser nicht - aber er ging nicht und tat das nie wieder .

Einmal kam ich nach einer kleinen Reise in die von ihm angemietete zukünftige eheliche Wohnung zurück und könnte es nicht fassen : stinkender Abfall , offene Schranktüren und im Abwasch konnte man sehen , welche Tasse von den sieben als erste benutzt wurde - anhand der Schimmelhöhe in den Tassen . Ich sah kurz in den Schrank , aha , noch drei Teller und Tassen - da geh`ich doch gleich mal in meine Wohnung und lass`mich überrachen , wie er dieses Problem lösen wollte ... Pauly , der damals einen festen Standort im Gästezimmer hatte , übernachtete konsequent bei Freunden . Mohi begriff , dass er den Dreck nicht nur gemacht hatte , sondern auch wegmachen durfte . Auch das kam nie wieder vor .

Letztendlich ist das auf Dauer keine Beziehung , die man so führen möchte - und keine Ahnung , wie lange ich mit solchen Methoden erfolgreich gewesen wäre - mal abgesehen davon , dass man selber in Verhaltenformen verfällt , die mit : edel sei der Mensch , hilfreich und gut ! nichts mehr zu tun hatte .

Aber natürlich waren die Gründe dazubleiben auch vorhanden . Wie sagte ich anfangs - bereit für neue Aufregung und Abenteuer ? Mein Tätigkeitsbereich war Terminplanung - einhalten war bei ihm , Ladenhüten und mich um die die Familien der Käufer kümmern ... sprich Lebensgewohneiten von Pakistan , Bangladesh , Indien und Sri Lanka frei Haus . Während die Männer die Geschäfte abwickelten , machte ich mit Frauen , Kindern und auch oft mit Männern die grade nicht Geschäfte machten , Sightseeing Tour . Eines Winters war der Fluß zugefroren und es waren Büdchen auf dem Eis , Musik , Schlittschuh laufen ... ich bekam noch Jahre später Postkarten mit Dankesworten für dieses Erlebnis .

Zuhause lief es prächtig , Mohi beteiligte sich im "Übersoll" an Haushalt und Kosten , brachte Blumen und Geschenke und Pauly war ständig bei uns , da er alleine nicht klar kam ... da er täglich arbeitsmäßig 14 Stunden außer Haus war , störte es nicht weiter . So lebten also Hindu , Moslem und Christ miteinander . Pauly als Hindu baute einen Altar und kaufte für seinen Budha Blumen , dann nahm er Mohis Koran dazu , kaufte auch dafür Blumen und fragte mich nach meinem Kreuz ... ich konnte es mir nicht verkneifen und sagte : sitzt im Wohnzimmer auf`n Sofa ! er sah mich sparsam an , kaufte ein Kreuz für mich und auch das bekam Blumen - jede Woche , alle gleich groß ... Auch seine Familie blieb dezent im Hintergrund - bestimmt bekamen die Geld , aber nicht auf meine Kosten . Man güßte sich und gut . Er rauchte nicht , trank nicht , nahm keine Drogen und bremste sogar für Karniggel .

Schleichend trat eine Verhaltensänderung bei Mohi ein - mir kam es vor , als würde er zum Getriebenen und ich konnte es mir sehr lange nicht erklären und die wenigen Warnzeichen , die es gab , ordnete ich falsch ein . Immer lnger blieb er weg , kam spät nachts völlig erschöpft nach Hause , selbst die Sonntage waren dem Geschäft gewidmet - er arbeitete tatsächlich so hart . Es mußte unbedingt die große teure Wohnung her , eine große Hochzeitsfeier wurde geplant und eigentlich wollte er eine noch größere Wohnung - falls seine Brüder ihn mal besuchen würden . Als er mir die Hochzeitsfoto von seimen Bruder zeigte , wußte ich warum - die Hochzeit war richtig teuer und ein Haus wurde auch gebaut ... Er fing an die Kunden zu übervorteilen - die das nicht merkten , da sie dem Landsmann vertrauen . Einmal gab mir einer der Kunden 300 Dollar mit der Bitte , die zu wechseln , einer der Hundeter war falsch . Da aber dieser Mann mir die gab - nicht die hellste Kerze im Leuchter - dachte ich am einen Zufall und nicht an einen Testballon von Mohi . Einmal erzählte er mir , wie er sich einen perfekten Rauschgiftschmuggel vorstellen würde . Ich sagte nur : wenn Du das mit Deinem deutschen Arbeitsmann , vergeigst Du das .

Mein kardinaler Fehler war , dass ich ihm , den in solchen Sachen völlig unbeleckten , das nicht zugetraut hatte . Als drei Tage vor der Hochzeit des nächtens die Sturmabteilung der Kripo die Wohnungtür auftrat und ich mit einer Maschinenpistole am Kopf zu mir kam ... tja er hatte es getan und natürlich mit dem deutschen Arbeitsmann - und es ging schief .

Am nächsten Tag ging ich zu seinem Anwalt und ließ ihn fragen , ob er mich denn noch heiraten wolle .. Keine Sorge , ich wußte , was ich tat - ich kann schon bis drei zählen - hätte ich das nicht freiwillig getan , hätte er mich erpresst und bei Weigerung in den Prozeß mit reingezogen . Das Hemd war mir da näher als die Hose . Im Gefängnis geheiratet und bis Prozeßabschluß den Laden langsam abgewickelt . Durch den Verkauf des Hochzeitsgoldes bin ich da mit Plus Minus Null raus ... dann sechs Monate später Scheidung eingereicht ... er versuchte sein Glück bei mir nach Entlassung , verzögerte die Scheidung bis er in Abwesenheit geschieden wurde ... er soll später wieder geheiratet haben ...

Der Grundstein für diese Katastrofe war schon in seinem Heimatland gelegt - wie bei den allermeisten "mit ungeklärten Aufenthaltsstatus" hier in Deutschland/EU . Mohi erzählte mir , für die Reise hierher hätte er den Goldschmuck seiner Mutter gestohlen ... letztendlich isses belamglos , ob das nun so war oder ihm das Geld von wemauchimmer gegeben wurde - wo immer es her war , es kommt nicht vom barmherzigen Samariter , sondern der Geber erwartet einen Vortei/Gewinn und das ist nicht das biblische Linsengericht . Ich habe viele Männer gesehen , die das angestrebte Ziel nicht erreichen , die wie wilde Tiere kämpfen um das Ziel zu erreichen , weil nichts schlimmer ist als mit leeren Händen zurück zu kommen - und ja , manchmal hatte ich direkt Mitleid .

Es liegt aber in der Verantwortung von uns , Deutschland/EU , dass er erst gar nicht dazu kommt . Die wenigsten sind hier (über)lebensfähig und das hat nicht immer was mit mangelnder Bildung zu tun sondern mit den Strukturen der Herkunftsfamilie und den vorgelebten Umfeld .

Nur das interessierte mich nicht mehr . Ich war kopfüber im nächsten Abenteuer drin : ich zog weg und ging wieder in meine beschützende Anstalt zurück , angefüllt mit unverständlichen Verhaltensformen vund verständnislosen Menschen . Diesmal war es der Karierezug , auf den ich sprang : mein Leben wurde nun von Projektarbeiten , großen Hausaufgaben , Vorbereitung für Vorträge jeweiliger Fachrichtung bestimmt und wenn ich da nicht zugange war , gab ich selbst Unterricht - ach ja und arbeiten mußte ich auch noch ... also keine Zeit für einen Mann .

Wie heißt es so schön : wenn es am schönsten ist , soll man aufhören . Bei mir wurde Krebs festgestellt und nach OP und Chemo war ich schon rein körperlich nicht mehr in der Lage , da weiter zu machen , wo ich aufgehört habe . Aber das wollte ich auch gar nicht mehr , der ich hatte inzwischen im Internet (im Chat) meinen deutschen höheren Beamten kennengelernt und war grade dabei zu ihm zu ziehen ...

Einen deutschen höheren Beamten ? Ist das nicht stinkend langweilig ? Es war das schönste Abenteuer meines Lebens - denn wir abenteuerten zu zweit . An seinem Tod bin ich beinahe zerbrochen .

Zur Zeit mache ich ehrenamtliche Lebensberatung in Krisenfälle .

Zwoelfe
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Bocanda
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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Bessneztendenz

Beitrag von Bocanda » 13.04.2013, 11:25

Liebe Zwölfe,

eine gute und humorvoll geschriebene Geschichte. Dass nach Du nach so langer Zeit diese Zeit anders bewertest, als zu dem Zeitpunkt, als Du mitten drin warst, kann man lesen. Ich vermag mir gar nicht vorzustellen, wie Du Dich in dieser Zeit gefühlt haben musst. Sicherlich oft kraft und mutlos.

Ich kann mich für Dich freuen, dass Du später doch noch das Glück an der Seite eines Mannes gefunden hast. Der Schmerz über seinen Tod ist aus Deinen Worten noch erkennbar.

Alles Gute für Dich
Bocanda
Liebe Grüße
Bocanda



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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Bessneztendenz

Beitrag von Nilka » 13.04.2013, 12:15

Liebe Zwölfe,
ein bewegtes Leben, sage ich dazu. Vielen Dank, dass du uns deine Geschichte erzählt hast. Ich habe sie mit großem Interesse gelesen. Bestimmt war die Zeit mit ihm nicht einfach und hat Narben hinterlassen, aber man kann heraushören, dass du dir die nötige Distanz erbarbeitet hast, um das abhacken zu können.
Der Pauly mit seinen drei gleichberechtigten Altaren hat mir sehr gefallen. Wären alle Religionsvertreter so drauf :!:
Deine Erziehungsmethoden bei Ordnung halten fand ich auch gut, da könnte manche Frau was von dir lernen. Hätte mich schon interessieren, wie du ihm Gewalttätigkeit ausgetrieben hast, ich werde meine Fantasie bemühen :lol: :lol: :lol:
Liebe Grüße Nilka
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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Bessneztendenz

Beitrag von Jakobs_Weg » 13.04.2013, 12:15

Danke, liebe Zwölfe, für den Einblick in dein Leben!

Ich freue mich mit dir, dass du noch einen wunderbaren Menschen kennen lernen durftest -
auch wenn du ihn wieder loslassen musstest, er wird im Herzen bei dir bleiben.

Für deine Gesundheit wünsche ich dir das Allerbeste!

Alles, alles Gute, in jeder Lebenslage!
LG, Jakobs_Weg

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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Bessneztendenz

Beitrag von Jakobs_Weg » 13.04.2013, 12:21

Liebe Nilka, ich nehme deinen Beitrag als Gedächtnisstütze, wenn du erlaubst. :)
Das hatte ich nämlich vergessen zu erwähnen, weil ich zwischendurch in der Küche war.[/quote]
Nilka hat geschrieben:Bestimmt war die Zeit mit ihm nicht einfach und hat Narben hinterlassen, aber man kann heraushören, dass du dir die nötige Distanz erbarbeitet hast, um das abhacken zu können.
Stimmt! Die Zeit heilt alle Wunden. Auch wenn sie bei den Menschen unterschiedlich lange ist.
Der Pauly mit seinen drei gleichberechtigten Altaren hat mir sehr gefallen. Wären alle Religionsvertreter so drauf :!:
Ja, mir auch! Ich hat mich auch sehr berührt und mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert!
So einfach könnte es sein, wenn ein Glaube nicht fanatisch begangen wird, sondern dem liebevollen Herzen folgt.
LG, Jakobs_Weg

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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Bessneztendenz

Beitrag von Zwoelfe » 13.04.2013, 13:57

Bocanda hat geschrieben:Liebe Zwölfe,

eine gute und humorvoll geschriebene Geschichte. Dass nach Du nach so langer Zeit diese Zeit anders bewertest, als zu dem Zeitpunkt, als Du mitten drin warst, kann man lesen. Ich vermag mir gar nicht vorzustellen, wie Du Dich in dieser Zeit gefühlt haben musst. Sicherlich oft kraft und mutlos.
Nein , nicht mut- oder kraftlos , eher erschöpft und wütend . Das kennen hier die meisten Frauen : diese Diskussionen um wasauchimmer sind völlig sinnlos - so als wenn man einem Blinden die Farbe Rot erklärt . Letztendlich tut man genau das : einem Blinden die Farbe Rot erklären ...

Es gab mal einen Bericht über ein deutsches Ehepaar , dass in Sri Lanka im Urlaub eine sehr arme Familie kennen gelernt haben und denen hin und wieder größere Summen überwiesen haben . Die Deutschen waren erstaunt im nächsten Urlaub , dass sich außer einem Fernsehen dort nichts getan hatte . Wo das Geld denn sei ? fragten sie . Ja für dies und das ausgegeben ... Also gingen die Deutschen dazu über , monatlich eine kleine Summe zu überweisen und hatten ihnen ein Haushaltsbuch angelegt . Diese Menschen hatten noch nie ein geregeltes Einkommen oder gar ein Haushaltsbuch und wußten somit nichts damit anzufangen - mal abgsehen davon war die kleine Summe auch schon an jedem Ersten weg und die Familie beschwerte sich , dass ja jetzt keine größeren Dinge mehr beschafft werden können und na klar was das Haushaltsbuch leer ... aber von der Summe könne doch jeden Monat für eine Anschaffung etwas ansparen ... Drei geregelte Mahlzeiten am Tag und sogar das Schhulgeld sei damit finanzierbar ... die Familie kam auch mit drei ungerelten Mahlzeiten in der Woche klar und die kleine wie große Summe sofort ausgegeben wurde - ein Sack Reis , Oma zum Arzt , Nichte neue Schuhe ect . Man sah die Überforderungszeichen in den deutschen so wie sri lankischen Augen - i0 Jahre ging dieses Spiel , dann sagten die Deutschen , sie können das aus Altersgründen nicht mehr - sie hatten aufgegeben .

Ich bin ziemlich bald dazu übergegangen , keine Diskussionen mehr zu führen und die Erziehung aufzugeben . Die Konfontration mit seinen Handlungen und den daraus resultierenden Konsequenzen ist eben so nervenschonend wie wirksam - geht natürlich nur bei nicht gemeinsamen Konto Mietvertrag ect ... nur was für eine Beziehung ist das denn - will ich so leben ?

Jakobsweg ,der Krebs war nicht der einizige Knaller ... bein Bessie müßte ich nicht nur Alterszuschlag bezahlen , sondern auch für zu krank ... gnihihi

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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Bessneztendenz

Beitrag von Zwoelfe » 13.04.2013, 14:14

Nilka hat geschrieben:Bestimmt war die Zeit mit ihm nicht einfach und hat Narben hinterlassen, aber man kann heraushören, dass du dir die nötige Distanz erbarbeitet hast, um das abhacken zu können.
Stimmt! Die Zeit heilt alle Wunden. Auch wenn sie bei den Menschen unterschiedlich lange ist.
Der Pauly mit seinen drei gleichberechtigten Altaren hat mir sehr gefallen. Wären alle Religionsvertreter so drauf :!:
Ja, mir auch! Ich hat mich auch sehr berührt und mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert!
So einfach könnte es sein, wenn ein Glaube nicht fanatisch begangen wird, sondern dem liebevollen Herzen folgt.[/quote] :!:[/quote]

Nilka , ich zog meine Konsequenzen : keine Menschen aus sehr anderen Kulturen mehr in meinem privaten Umfeld . Ich will nicht ständig ergründen , ob ich grade belogen worde oder nicht . Nach ausgiebigen Erfahrungen im Arbeitsbereich mit Muslimen , sind auch die im privaten Bereich nicht mehr vorhanden - und nein , ich fühle mich nicht ärmer . Segration ist nervenschonend .

Das mit den drei Altären hat auch mich beeindruckt - später durfte ich lernen , dass "richtige Muslime" das nie zugelassen hätten . Der Hinduhimmel hat viele Götter und Mohi war durchaus durch hinduistisches Umfeld in der Kindheit hinduistisch angehaucht . Für meinen islamischen Singapurianer hätte es anders als mit drei Altären gar nicht ssein können : wer weiß schon , welcher von den Gottheiten da oben wirklich das Sagen hat . Da noch keiner zurück kam um Auskunft zu geben , sorgt der kluge Chinese vor - alle kriegen was .

Abgesehen davon : Auch Ihr seht das irgendwann gelassen , je jünger ihr nach dem Habibi Abenteuer seid , um so mehr pralles Leben habt ihr noch vor Euch !

:lol: Ihr habt doch jetzt ein leuchtendes Beispiel : mich :lol:

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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Bessneztendenz

Beitrag von Nilka » 13.04.2013, 15:32

[quote="Jakobs_Weg"]Liebe Nilka, ich nehme deinen Beitrag als Gedächtnisstütze, wenn du erlaubst. :)
Es ist mir eine Ehre Jacobs_Weg :D
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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Bessneztendenz

Beitrag von Nilka » 13.04.2013, 16:07

Zwoelfe hat geschrieben: Das mit den drei Altären hat auch mich beeindruckt - später durfte ich lernen , dass "richtige Muslime" das nie zugelassen hätten . Der Hinduhimmel hat viele Götter und Mohi war durchaus durch hinduistisches Umfeld in der Kindheit hinduistisch angehaucht . Für meinen islamischen Singapurianer hätte es anders als mit drei Altären gar nicht ssein können : wer weiß schon , welcher von den Gottheiten da oben wirklich das Sagen hat . Da noch keiner zurück kam um Auskunft zu geben , sorgt der kluge Chinese vor - alle kriegen was .
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Das finde ich sympatischer :D als dieses verkokstes Halten an diesen, ihr weißt schon, Unansprechlichen Gottheiten.
Ich habe gerade "Tai-Pan" von James Clavell gelesen. Es gibt dort wirklich goldige Stellen, wie die chinesische Konkubine dem Tai-Pan die Welt der Götter erklärt und welche Vorkehrungen sie trifft, um die Götter lieblich/gnädig zu stimmen. Ich habe sie mehrfach gelesen und viel damit Freude gehabt. :lol: Ich werde das mal rein tippen, wenn ich das Buch zurückbekomme (ist ausgelihen).
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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Bessneztendenz

Beitrag von Zwoelfe » 14.04.2013, 08:55

Ich leg`heute für meine Geschichte noch ein Berikett nach :

So wie ich gestern schrieb , dass der Grundstein für die Katastrofe schon in seiner Heimat gelegt wurde , so war mein Irrtum schon beim Kennenlernen einprogramiert .

Wie gesagt , in erster Ehe mit einem Singapurianer verheiratet , habe ich bei der zweiten Ehe Äpfel mit Birnen verglichen . Das heißt hier , ich habe mich nicht speziell über Land , Leute , Lebensumstände informiert - sondern aufgrund des ersten Ehemannes Rückschlüsse auf den zweiten gezogen .

Der Erste hat die Kindheit bis zur Einschulung in Malaysia beiden Großeltern gelebt und die Schulzeit in Singapur (schon damals eine Weltstadt mit europäischen Gesetzen) in einer englischen Schule gemacht - Abschluß ungefähr gleichwertig mit meinem . Da wir beide ausgezeichnet Englisch sprachen , war das zunächst unsere gemeinsame Sprache . - auf einem Niveau , das politische Diskussionen zuließ . Sein Freundeskreis Singapur , Malaysia , Indonesien - führte mit mir großartige Diskussionen über westliche/asiatische Lebessweise . Damasl haben die Jungs mir schon vorraus gesagt , wie die westliche Welt im Jahr 2000 aussieht und wieviel davon durch Verschulden der Frauen und lascher Gesetze sein würde . Und auch , dass sie mit ihren strengen Gesetzen und ebenso strengen Regeln für ihre Frauen nicht zulassen wurden , dass diese verwestlichen . Ich sehe das ist diesen Ländern gelungen . Eine gebildete Frau geniest da hohes Ansehen . Selbst wenn sie häßlich ist , kriegt sie eher einen Mann als die hübsche Doofe - wer will seine Kinder schon von einer doofen erziehen lassen . Ich bin hübsch - allein für meine schneeweiße Haut wurde ich verehrt - je heller die Haut , desto höher der Stand ... gnihihi ...

Ich erfuhr viel über das zwangsweise eingemeinden der Chinesen in Malaysia und Indonesien - wer nicht Malaysier oder Indonesier sein wollte - sprich indonesischen/malaischen Namen annehmen und zum Staatsislam konvertieren , mußte gehen . Das stieß zwar nicht auf ungeteilte Begeisterung , trotzdem gingen sie alle in ihre Heimat zurück - ihnen gefiel unser Wohlstand , aber nicht unsere Lebensweise - und sie hatten in den jeweiligen Ländern eine Zukunft , keiner zog eine Ehe zwecks Aufenthalt in Betracht .

Und mein Mann hatte eine eigenständige Aufenthaltserlaubnis , als wie uns kennen lernten , die auch nicht in absehbarer Zeit abgelaufen wäre . Innerhalb eines Jahres brachte er sich soviel Deutsch bei , dass er die Bildzeitung lesen konnte , nach zwei Jahren den Spiegel . Trotz aller Bemühungen faßte er hier arbeitsmäßig nicht so Fuß , wie es seinem Intellekt angemessen gewesen wäre . Es blieb eben nur der MäcJob . Dazu unsere (für beide Seiten) komplizierte Ehe und das Wissen , trotz aller Anstrengungen niemal den Status zu haben , der ihm in Singapur als Geburtsrecht zustand , ließen ihn nach der Scheidung wieder zurück gehen .

Also , wer hier keine Lust mehr hat , geht immer einfach nach Hause ? Das glaubte ich zumindest . Gegen Ende der Ehe lernte ich meine "Afrikanerinnen" kenne - also Deutsche mit afrikanischen Ehemännern . Diese Frauen hätten sich am liebsten schwarz angemalt um Mama Afrika zu verkörpern - die schwarzen Männer haben mich nie so interessiert , da das Englisch teilweise so grottig war , das eine Unterhaltung kaum möglich war . Da war die Gemengelage schon anders : der Aufenthaltsstatus war DAS Kriterium - Aber Meiner Ist Doch Ganz Anders - der ist doch Asiate !

Als Mohi mir erzählte , das er eine englische Schule besucht hatte , schloß ich draus , dass er so sein müßte wie der Erste . Mir fiel zwar auf , dass sein Englisch lange nicht so gut war und er bis zum Schluß ein schlechtes Deutsch sprach . Die intellektuellen Gespräche fühte ich mit Pauly . Der freute sich , wenn ich an seinen wenigen freien Tagen für ihn Zeit hatte und er sich mal gut unterhalten konnte . Er kochte dann immer für mich - Hauptzutat Chilli - und dazu gabs Arrack , ein hochprozentiges , rumähnliches Gesöff - Magenprobleme hab`ich heute noch davon !

Und Mohi log und beschiß , dass sich die Balken bogen - zwar (noch) nicht mich - aber jeden anderen , auch Pauly . Für den nahm die Geschichte ein böses Ende : die tolle Ehewohnung lief auf seinen Namen - nun war Mohi weg , ich zurück in meiner Wohnung und er konnte alleine die Miete nicht bezahlen - er sprach mit mir nie darüber . Ich traf ihn Jahe später zufällig mal wieder - auf der Strraße lebend , schwerste Alkoholkrankheiten - so gab ich ihm Geld für den "Klapperschluck" und als ich ihn wieder aufsuchen wollte mit Lösungen für seine Probleme , war er weg ...

Mohi belog und beschiß seine Landsleute - die belogen und beschissen ihn . Ausgleichende Gerechtigkeit ? Und selbst wenn eine Lüge aufgedeckt werden kann , wird die Wahrheit mit 10 weiteren Lügen gecancelt . Jetzt kann mann seine Lebenszeit damit verschwenden , diese Lügen alle aufzudecken - das tat ich während der gesamten Zeit nie . Denn was da so alles lief habe ich erst im Nachhinein begriffen . Daher ging der Warnschuß mit der gefälschten Dollarnote daneben - spätestens da hätte ich begreifen müssen ...

All diese Erfahrungen haben mich reif für meine geliebte dritte Ehe gemacht ...

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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Bessneztendenz

Beitrag von Zwoelfe » 14.04.2013, 09:13

Nilka hat geschrieben:
Zwoelfe hat geschrieben: Das mit den drei Altären hat auch mich beeindruckt - später durfte ich lernen , dass "richtige Muslime" das nie zugelassen hätten . Der Hinduhimmel hat viele Götter und Mohi war durchaus durch hinduistisches Umfeld in der Kindheit hinduistisch angehaucht . Für meinen islamischen Singapurianer hätte es anders als mit drei Altären gar nicht ssein können : wer weiß schon , welcher von den Gottheiten da oben wirklich das Sagen hat . Da noch keiner zurück kam um Auskunft zu geben , sorgt der kluge Chinese vor - alle kriegen was .
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Ich habe gerade "Tai-Pan" von James Clavell gelesen. Es gibt dort wirklich goldige Stellen, wie die chinesische Konkubine dem Tai-Pan die Welt der Götter erklärt und welche Vorkehrungen sie trifft, um die Götter lieblich/gnädig zu stimmen. Ich habe sie mehrfach gelesen und viel damit Freude gehabt. :lol: Ich werde das mal rein tippen, wenn ich das Buch zurückbekomme (ist ausgelihen).
LG Nilka

Liebe Nilka , bitte , bitte vergiß das nicht und schreib` es hier rein ... bis dahin eine kleine Geschichte extra für Dich .

Ein Chinese will seinem Flußgott ein Opfer bringen - ein Klumpen Gold solls sein , feinste Qualität . Er kauft also das teuerste rote Geschenkpapier , läßt von einem Kalligraphen Wert und Gewicht drauf schreiben und spart auch nicht an der Dekoration des Bootes , dass ihn zur Flußmitte bringt . Ein Mönch spricht endlose Gebete und der Geber murmelt leise seine Wünsche ...

Als nun das Opfer dem Fluß übergeben werden soll , wird nur das rote Geschenkpapier in den Fluß geworfen . Wieso denn das Gold nicht ? Aber das ist in der Welt des Flußgottes doch gar nichts wert , hier in dieser Welt würde aber gebraucht - und schließlich weiß der Flußgott doch was er ihm wert sei - stand doch groß genug auf dem Geschenkpapier ...

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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Bessneztendenz

Beitrag von Nilka » 14.04.2013, 20:04

Liebe Zwölfe, vielen lieben Dank für die schöne Geschichte! Das ist es! dieses entspannte Verhältnis zu den höheren Mächten: die werden geehrt und respektiert auf eine Weise die Niemandem weh tut. Die Götter bekommen geistige Zuwendung ( der liebervolle gedankliche Aufwand ), was sollen sie mit dem Gold. Dem Menschen bleibt dann das Materielle, womit er bestimmt besser umgehen kann und weiß wozu das ganze Gold gut sein kann :lol: :lol: :lol:

Ich werde bald aus dem Buch zitieren. Versprochen.

Ich habe auch heute mit großem Interesse die Ergänzungen zu deiner Geschichte gelesen. Schade, dass der friedvolle Pauly es nicht geschafft hat ein normales, entspanntes Leben zu führen.

LG Nilka
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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Bessnezten

Beitrag von Nilka » 22.04.2013, 19:30

Es ist so weit. :D Deine Geschichte, liebe Zwölfe, gehört bestimmt zu Stammgeschichten des chinesichen Volkes und so war sie warscheinlich die Vorlage für die Variation von James Clavell:


May-may trank einen Schluck Tee. „ Ich glaube, es wäre klug, jetzt … wie sagt ihr doch? … den Meeresgott auf unsere Seite zu ziehen. Ihn zu ´kaufen.´“
„Ihn bitten? Meinst du das?“ Sie nickte. “Ja. Klug, den Meeresgott zu besänftigen. Durch eine Art Bittschrift.“
„Wie macht man das?“ „ Es ist viel Silber unten. Ein Barren wäre schon sehr gut.“
„Das wäre sehr schlimm. Eine große Vergeudung von Silber. Dergleichen haben wir schon tausendmal gemacht. Es gibt keine Götter außer Gott.“
„Stimmt, aber bitte. Bitte, Tai-Pan. Bitte.“ Ihre Augen flehten ihn an. „Wir brauchen pfantastische Menge Hilfe. Ich rate, sofort besonderen Segen des Meeresgottes zu erbitten.“
Struan hatte den Versuch aufgegeben, ihr verständlich zu machen, daß es nur einen Gott gibt, daß Jesus der Sohn Gottes war und das Christentum die einzig wahre Religion. Vor zwei Jahren hatte er versucht, ihr das Christentum zu erklären.
„Du willst, ich soll Christin sein? Dann bin ich Christin“, hatte sie fröhlich erklärt.
„Aber so einfach ist es nicht May-may. Du mußt glauben“.
„Natürlich. Ich glaube woran ich nach deinem Willen glauben soll. Es gibt den einen Gott. Den christlichen barbarischen Gott, den neuen Gott“.
„ Er ist kein barbarischer und auch kein neuer Gott. Es ist …“
„Dein Herr Jesus war doch kein Chinese, heja? Dann ist er ein Barbar. Und für was erzählst du mir, dieser Herr Jesus ist nicht neu, wo er vor zweitausend Jahren nicht einmal geboren war, heja? Dann ist er eine Menge sehr neu. Ajii jah, unsere Götter sind fünf-, sind zehntausend Jahre alt.“
Struan fühlte sich verloren. Er war zwar Christ, ging in die Kirche, betete hin und wieder und kannte die Biebel ebenso gut wie die meisten anderen, doch fehlten ihm das Wissen oder die Fähigkeit, sie zu lehren. So hatte er Wolfgang Mauss damit beauftragt, ihr das Evangelium in der Mandarinsprache zu erklären.Aber nachdem Mauss sie unterrichtet und getauft hatte, mußte Struan feststellen, daß sie noch immer in die chinesische Pagode ging.
„Warum nur gehst du dahin? Damit bist du wieder Heidin. Du verneigst dich vor Götzen.“
„Aber für was ist die Holzschnitzerei des Herrns Jesus am Kreuz in der Kirche, ist das kein Götzenbild? Oder das Kreuz selber? Sind das nicht auch Götzenbilder?“
„Das ist nicht dasselbe.“
„Der Buddha ist nur Symbol von Buddha. Ich bete nicht Götzen an, mein Freund. Ich bin Chinesin. Chinesen beten keine Götzen an, nur die Idee einer Statue. Wir Chinesen sind nicht dumm. Wir sind furchtbar klug in diesen Gott-Dingen. Und wieso weiß ich, daß der Herr Jesus, der ein Barbar war, die Chinesen liebt, heja? (…)
„… du kümmerst dich sehr aufmerksam um deinen neuen Gott Jesus, und ich kümmere mich, so gut ich kann, um den Gott Jesus, aber gleichzeitig werde ich auch unsere eigenen chinesischen Götter für uns beide sehr aufmerksam beobachten.“
Sie hatte ihm sehr bestimmt zugenickt und ihn dann mit einem strahlenden Lächeln bedacht. „Welcher Gott der stärkste ist, wird dann für uns sorgen.“
„So etwas kannst du doch nicht tun. Es gibt nur einen Gott. Einen!“
„Beweis es!“ hatte sie gesagt.
„Das kann ich nicht.“
„Da siehst du es. Wie können sterbliche Menschen Gott beweisen, irgendeinen Gott? Aber ich bin Christ wie du. Glücklicherweise jedoch auch Chinesin, und in diesen Gott-Dingen ist es besser, ein wenig chinesisch zu denken. Sehr klug, nach allen Seiten in seinen Gedanken frei zu sein. Sehr klug. Für dich ist es ein Joss, daß ich chinesin bin; denn dann kann ich auch für uns chinesische Götter bitten.“ Hastig hatte sie hinzugefügt: „Die es natürlich nicht gibt.“ Sie hatte ihn angelächelt. „Ist das nicht schön?“
„Nein.“
„Selbstverständlich, hätte ich die Wahl – ich habe sie nicht, da es nur einen Gott gibt -, würde ich die chinesischen Götter vorziehen. Sie wollen nicht, daß ihre Gläubigen andere Götter schlachten oder alle Leute töten, die sich nicht beugen.“ Wieder war sie hastig fortgefahren: „Aber der christliche barbarische Gott, der allein ist und einzige Gott, erscheint mir, einer armen, einfacher Frau, sehr blutdürstig und schwierig, um mit ihm auszukommen, aber natürlich glaube ich an ihn. So ist es,“ hatte sie mit Nachdruck geendet.
„Das ist überhaupt nichts.“
„Ich glaube, eurer Himmel ist verdammt seltsamer Ort, Tai-Pan.
Alle fliegen herum wie Vögel und alle tragen Bärte. Kennt man im Himmel auch Liebesspiele?“
„Das weiß ich nicht.“
„Wenn wir uns nicht lieben können, gehe ich nicht in deinen Himmel. O nein, bestimmt nicht. Wahrer Gott oder nicht. Das wäre sehr schlimmer Ort. Das muß ich feststellen, bevor ich hingehe. Ja, bestimmt. (…)
Viele solcher Gespräche haben sie miteinander geführt, und jedesmal hatte er sich in eine Auseinandersetzung verwickelt gesehen, die kein Ende und keinen Anfang hatte, nur daß er wußte, es gäbe lediglich einen Gott, den wahren Gortt, und ebenso wußte er, daß May-may dies niemals verstehen würde. Er hatte gehofft, daß er vielleicht, wenn die Zeit gekommen sei, sich ihr verständlich machen würde…
„Bitte, Tai-Pan“, sagte May-may nochmals, „ein bißchen Sotun wird niemand schaden. Ich habe bereitsein Gebet zu dem Einem Gott gesprochen. Vergiß aber nicht, daß wir in China sind und dies ein chinesischer Flusß ist.“
„Aber es nützt ganz und gar nichts.“ „Ich weiß. O ja, Tai-Pan, ich weiß es bestimmt. Aber ich bin nur eine zweijährige Christin, und so müßt ihr etwas Geduld mit mir haben, du und Gott. Er wird mir ja vergeben“, schloß sie trumphierend.
„Also, meinetwegen“, sagte Struan.
Sie ging nach unten. Als sie zurückkam, hatte sie sich Gesicht und Hände gewaschen und das Haar aufgesteckt. In den Händen hielt sie einen in Papier gewickelten Silberbarren. Das Papier war mit chinesischen Schriftzeichen bedeckt.
„Hast du die Schriftzeichen geschrieben?
„Ja, ich habe einen Pinsel und Tinte gefunden. Ich habe ein Gebet an den Meeresgott geschrieben.“
„Wie heißt es?“
„O Großer, Weiser, Mächtiger Meeresgott, als Gegengabe für dieses sehr große Geschenk, das fast hundert Silbertaels wert ist, bring uns bitte sicher zu einem Barbarenschiff mit Namen China Cloud, das meinem Barbaren gehört, und von dort zur Insel Hongkong, die die Barbaren uns geraubt haben.“
„Ich halte nich viel von diesem Gebet“, sagte er. „Aber immerhin, meine Kleine, ist es mein Silber, und ich mag es nicht, wenn man mich einen Barbaren nennt.“
„Es ist ein höfliches Gebet und es sagt die Wahrheit. Es ist ein chinecischer Meeresgott. Für einen Chinesen bist du ein Barbar. Es ist äußerst wichtig, in gebeten die Wahrheit zu sagen.“
Sie ging mit Trippelschritten über das schräge Deck, hielt mit großer Mühe den schweren, in Papier gewickelten Silberbarren auf Armlänge von sich gestreckt, schloß die Augen und sprach das Gebet, das sie geschrieben hatte. Dann packte sie, die Augen noch immer geschlossen, den Silberbarren vorsichtig aus, ließ das Papier ins Wasser fallen und versteckte den Barren rasch in den Falten ihrer Jacke. Sie öffnete die Augen und beobachtete,wie das Papier vom Kielwasser des Schiffes in den Fluß hinabgesogen wurde. Dann arbeitete sie sich fröhlich wieder zurück, das Silber wohlbehalten in den Armen. „So. Jetzt können wir uns ausruhen.“
„Bei Gott, das ist doch ein Betrug!“ rief Struan empört.
„Was?“
„Du hast das Silber nicht über Bord geworfen.“
„Psst! Nicht so laut! Du uns alles verderben!“ Dann flüsterte sie ihm zu: „Natürlich nicht. Hälst du mich für wahnsinnig?“
„Ich habe geglaubt, du wolltest ein Opfer bringen?“
„Habe ich gerade getan“, flüsterte sie verwundert. „Du doch nich tetwa glauben, daß ich das Silber wirklich in den Fluß werfe, oder? Bei Gottes Blut, bin ich denn ein stück Hundefleisch? Bin ich verrückt?“
„Warum aber das ganze Theater?“
„Psst!“ machte May-may beschwichtigeng. „Nicht so laut! Der Meeresgott könnte uns hören.“
Dann ging sie wieder nach unten und murmelte im Dialekt von Sutschou vor sich hin: „Als ob ich so viel Silber vernichten würde! Bin ich eine Kaiserin, daß ich Silber wegwerfen kann? Ajiii jah“ rief sie und betrat den Gang, der zum Laderaum führte. „Nicht einmal die Teufelskaiserin würde so verrückt sein!“ Sie legte das Silber in die Bilge zurück, wo sie es weggenommen hatte, und stieg wieder an Deck. Struan hörte sie zurückkommen. Noch immer murmelte sie gereitzt etwas auf chinesisch.
„Was sagst du da?“ fragte er.
„Bin ich verrückt , so viel schwerverdientes Geld zu vergeuden? Bin ich eine Barbarin? Bin ich eine Verschwenderin?“
„Schon gut, aber ich verstehe immer noch nicht, wieso du glauben kannst, der Meeresgott würde auf deine Gebete eingehen, wenn er so offensichtlich betrogen wird. Das Ganze ist doch ungemein töricht.“
„Wirst du wohl so etwas nicht so laut sagen“, entgegnete sie.“ Er hat sein Opfer. Jetzt wird er uns schützen. Es ist doch nicht das echte Silber, das sich ein Gott wünscht, nur die Idee als solche. Und die hat er bekommen.“ Sie warf den Kopf zurück. „Die Götter sind wie die Menschen. Sie glauben alles, wenn man es ihnen nur richtig sagt.“

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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Bessnezten

Beitrag von Zwoelfe » 07.06.2013, 09:14

Nilkas Geschichte gefällt mir so gut , dass ich diesen Thread damit ausklingen lassen möchte . Für die "Nachlese" zu meinen Bezzie eröffne ich lieber einen neuen Strang .

Danke Nilka !

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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Bessnezten

Beitrag von Zwoelfe » 31.07.2013, 09:23

Liebe Moderatoren ,

jedesmal ärgere ich mich scheckig , wenn ich diesen Deppfehler in meiner Überschrift sehe - besteht die Möglichkeitaus diesen "Bezznestendenzen" richigerweise Beznesstendenzen zu machen ?

Ich leide schon genug unter den "Deppfehlern" in meinen Beiträgen - aber jedesmal , wenn ich in dieses Forum gehe , das sozusagen als "Visitenkarte zu sehen ... ich leide ... erlöst mich ...

Danke !

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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Beznessten

Beitrag von Nilka » 14.03.2014, 16:27

http://www.fotocommunity.de/pc/pc/chann ... y/33241310

:wink: ich bin wieder dabei, alles Versäumte gelesen und in freudiger Erwartung auf morgen. Noch einmal schlafen also und süß träumen...
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Re: Sri Lankanischer Ehemann in Deutschland - mit Beznessten

Beitrag von Nilka » 14.03.2014, 16:32

Nilka hat geschrieben:http://www.fotocommunity.de/pc/pc/chann ... y/33241310

:wink: ich bin wieder dabei, alles Versäumte gelesen und in freudiger Erwartung auf morgen. Noch einmal schlafen also und süß träumen...
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Uuuuups! Falsche Stelle, falsche Welle. Hilfe!!!
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