Zunächst: Es hat etwas gedauert bei mir – wenig Zeit zum einen und dann war auch noch mein Text weg, weil die online-Verbindung mal eben zusammenbrach. Jetzt schreibe ich offline, da kann nichts mehr schiefgehen.
soweit ich mich erinnere, hatten wir hier im Forum noch nie eine Mutter,
die die Ehe ihres Sohnes gerettet hat.
Oh, da möchte ich viel bescheidener sein, was meinen Anteil betrifft. Ich habe doch nur - und das ganz überwiegend telefonisch aus der Ferne - sehr , sehr viel zugehört, viel gefragt und am Ende verschiedenes argumentiert. Mein Sohn (S.) wohnt mit seiner Frau (St.) und deren Sohn mehrere hundert Kilometer von mir entfernt und ist überdies beruflich viel im In- und Ausland jeweils für Wochen oder Monate unterwegs.
Anfangs war für mich ganz und gar offen, wie ich die Angelegenheit beurteilen würde. Schließlich hätte es ja auch sein können, dass da nichts zu „retten“ gewesen wäre, wenn die ganz große reine Liebe urgewaltig zugeschlagen hätte. Ich war nicht angetreten, meinen S. zu verurteilen oder meiner St. beizustehen – ich wollte selbst erst einmal verstehen.
Im Verlauf der Gespräche wurde mir aber klar, dass bei S. (>30, groß, blond, gutaussehend)unbemerkt von mir und wohl auch von meiner Schwiegertochter eine mittelschwere Form von Midlife-crisis ausgebrochen war, als er während eines dreimonatigen TR-Einsatzes im Hotel auf diese wirklich sehr hübsche Türkin traf. Wie immer hatte seine Firma eine 5-*-Unterkunft gebucht, was vielleicht auch einen gewissen, wenn auch falschen Eindruck machte. Es folgten jedenfalls nach seiner Rückkehr viele SMS und Chats. Mein Sohn war verliebt und wusste erst einmal nicht, wie es weitergehen sollte. Meine Schwiegertochter litt wie ein Tier unter der Situation und rief mich an.
Weshalb ich glaube, dass es möglicherweise Bezness war? Meiner Ansicht nach gab es eine Reihe klassischer Anzeichen in einer Ansammlung von Ungereimtheiten. Verheiratete Türkin mit Kind, strenggläubigem Vater und unberechenbar gewalttätigem Ehemann will weg nach DE. S. soll helfen. Dann wird das Kind krank, muss operiert werden, in DE natürlich. Angeblich muss die Frau sowieso mit Mann und Kind erst einmal zurück nach DE, da sonst „der Aufenthalt abläuft“. Dann wurde ihr angeblich das Handy weggenommen, weshalb sie heimlich von dem ihres Mannes telefonierte oder schrieb.
Ehrlich, da passte doch nichts zusammen! Und S. wollte das nicht wahrhaben!
Ich habe meinem Sohn dann ganz ruhig von meinen häufigen und langen Gesprächen mit jungen Leuten muslimischen Glaubens berichtet. In den Jahren des Studiums kannte ich ja einige von ihnen, sehr nett und gebildet aus „besten Familien“, die sich gerne näher mit mir „angefreundet usw.“ hätten, was ich allerdings nie zuließ. Fremde Mentalitäten hatten mich zwar interessiert und fasziniert, aber eben nur kulturell sozusagen. Niemals wäre für mich eine Beziehung oder gar eine Ehe in Frage gekommen, die kulturellen Unterschiede hätte ich nicht überbrücken können und vor allem wollen. Auch später im Leben hat sich meine Resistenz nicht gemildert; mein Sohn war besonders in unseren Urlauben als Zeitzeuge oft genervt von lästigen männlichen Balzritualen.
Ich erzählte meinem vom türkisch-deutschen Ehefiasko einer ehemaligen Mitschülerin von mir, deren große Liebe an eben diesen anerzogenen Mentalitätsunterschieden scheiterte.
Einige Eurer Erlebnisse mit den dazugehörigen kulturellen und religiösen Hintergründen habe ich ganz ausführlich geschildert!
Und ich habe viele Fragen gestellt, auf die meinem Sohn oft die Antworten oft fehlten:
- Wo würdest Du mit der Türkin leben wollen? TR geht nicht, das würde die Familienehre nicht unblutig zulassen
strenggläubiger Vater). DE und Europa überhaupt geht auch nicht, siehe Vater und gewalttätiger Ehemann.
- Ist Dir klar, dass Du vielleicht mit Gewaltattacken rechnen müsstest?
- Würdest Du damit klarkommen, dass Du mit solch einer Beziehung auch Deine Familie und mich in Gefahr brächtest
und ich damit, also mit ihr nichts zu tun haben wollen würde?
- Wie würdest Du mit der Religion umgehen? Gläubige Muslima + Atheist geht gar nicht.
- Würdest Du Dich beschneiden lassen?. Es gibt bebilderte Erfahrungsberichte Erwachsener, schau sie Dir an.
- Was wirst Du sagen, wenn sie finanzielle oder andere Forderungen stellt?
- Wirst Du Deine Essgewohnheiten umstellen wollen?
- Und natürlich: Bist Du wirklich sicher, dass Du Deine Ehe wegwerfen willst?
- Was stört Dich in Deiner Ehe, was fehlt Dir?
- Was lässt Dich bei einer fast Unbekannten glauben, dass Dir nichts fehlen und Dich nichts stören wird?
Ich merke schon, es ist unmöglich, alles wiederzugeben. Aber das muss sicher auch nicht sein. In unserem Fall habe ich wohl das Glück gehabt, einen individuell passenden hilfreichen Ansatz
„Zuhören und fragen, nicht verurteilen“ gefunden und beide, meinen Sohn und meine Schwiegertochter, erfolgreich zum Nachdenken angeregt zu haben. Jedenfalls macht die Ehe- Reparatur große Fortschritte, weil beide sich mehrfach gründlich ausgesprochen haben und ehrlich bemühen.
Ich weiß nicht, ob diese Erfahrungen anderen helfen können, denn Rezepte gibt es sicher nicht.
Liebe Grüße
Leonessa