Gedanken...

Tipps & Tricks wie es mir nicht passiert

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Candy
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Re: Gedanken...

Beitrag von Candy » 21.02.2014, 08:38

Lieber Strauss,

die Gedanken, die Fragen, die du hier aufwirfst, finde ich einfach genial, denn sie sprechen mir aus der Seele und müssen einmal angedacht werden.
Deine Gedanken sind wirklich völlig legitim, nur ich hätte es nicht so gut in Worte fassen können.

Auch ich habe mich schon sehr oft gefragt, wenn ich hier Beiträge lese, warum wird das überhaupt so gemacht? Warum lässt sich Frau/Mann auf alles Unmögliche ein?
Es ist ja wirklich kein Vorwurf, aber es sind Gedanken, die ich bereits schon seit längerer Zeit versuche für mich zu erklären.
Es ist einfach zu sagen, es sei Liebe, Liebe macht blind!
Das war natürlich auch einer meiner Anfangsgedanken hier im Forum.
Aber nein, dass wäre zu einfach, obschon es ein Teil des Ganzen ist.

Ein anderer Gedanke war, dass es vielleicht auch ein stückweit
unserer dtsch. Mentalität entspricht, immer alles gut,
immer alles perfekt, immer korrekt, immer gut dastehen, immer nur jedem gefallen -
ob diese Eigenschaften dem bereitwilligen Eingestehen all der Dinge,
die du beim Namen nanntest, auch zugrunde liegen?

Neulich sah ich eine interessante Reportage, da ging es um die psychologischen Aus-/Nachwirkungen des 2.Weltkrieges die bis in die heutige Zeit hineinreichend sind. Tatsächlich scheint es so zu sein, dass wir Deutschen aus anerzogenem Schuldgefühl dazu neigen es immer allem Recht machen zu wollen! Man nannte es in der Reportage den ewigen Bückling machen. Damit war die Verneigung aus Schuldgefühl gemeint, die uns (dem deutschen Volk) im gewissen Sinne und insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg, vornehmlich von anderen Nationen auferlegt und auch anerzogen wurde. Inzwischen scheint sich dieses Schuldgefühl so manifestiert zu haben, dass es ein Teil unserer Mentalität geworden ist, dessen wir uns aber nicht wirklich bewusst sind.
Dabei herrscht in keinem anderen Volk so eine Disziplin, Zuverlässigkeit, Sauberkeit etc. wie unter den Deutschen.
Ich möchte nun nicht daher kommen und sagen: "Aha, genau daran liegt es..." aber mir gingen schon nach der Reportage die Gedanken durch den Kopf, ob es tatsächlich ein stückweit daran liegt, dass die dtsch. Bevölkerung immer alles so mit sich machen lässt - im Kleinen wie im Grossen?

Du hast hier Deine Gedanken eingefügt und ich erlaube mir einfach mal meine Gedanken hier kundzutun.
Liebe Grüsse
Candy
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Hansueli
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Re: Gedanken...

Beitrag von Hansueli » 21.02.2014, 09:38

Tja, lieber Strauss
Einen ganzen Strauss() voller Anregungen und noch viel mehr Fragen hast du in Deinem Beitrag aufgeworfen, auf die es Antworten zu suchen gilt. Es sind übrigens genau solche Gedanken, die mich auch immer wieder beschäftigen und auf die ich Antworten suche. Diese habe ich auch schon in früheren Beiträgen genau hier im Forum versucht habe, zu geben. Wohl sind da welche ein bisschen missverstanden worden, da ich mich ein bisschen „unverständlich“ ausgedrückt habe.
Aber auf all diese Fragen hast du selbst, meiner Meinung nach, ganz zum Schluss eine von vielen möglichen, aber ganz treffende Antwort gegeben:

„Respekt und Rassimus kann man nämlich aus zwei Perspektiven betrachten, doch nur eine dieser ist die, die wir in unserem täglichen Lebensgebrauch eingeschlossen haben.“

Genau so denke ich auch. Es ist doch tatsächlich so, dass in der heutigen Zeit mit dem Wort „Rassismus“ rundumgeschlagen wird, ohne sich bewusst zu sein, wie, wo und unter welchen Bedingungen der Ausdruck angebracht ist. Für viele Mitmenschen ist es ganz einfach eine Bequemlichkeit, bei unterschiedlichen Ansichten in Bezug von Migration, Religion, Integration, Lebensgewohnheiten und vieles mehr mit diesem einen Wort zu be-, manchmal sogar zu verurteilen.
Hinzukommt noch das Probleme, das sich aufgrund der Vermischung von unterschiedlichsten Kulturen auch die Sprache darunter zu leiden hat. Man kann in Gesprächen zum Thema immer wieder feststellen, dass bei bestimmten Erklärungen nach Worten gesucht wird, die einem beim besten Willen ganz einfach nicht mehr einfallen. So entstehen dann auch die uns bestbekannten Lückenbüßer: “Ähm’s“ und „Eehms“, querbeet durch alle Bevölkerungsschichten, vom Spitzenpolitiker über Showstars bis zum Mann/Frau von der Straße.
Ich denke mal, es ist einerseits das Resultat unserer heutigen Multikultigesellschaft, andererseits vielleicht auch im Zuge unserer Evolution, in der unsere Gedanken schneller sind als wir sie mit Worten ausdrücken können.
Mit ein Grund dürfte sicher auch der sein, dass wir noch zu sehr mit der Vergangenheit behaftet sind, und die von Candy beschriebenen „Schuldgefühle“ zu unserer täglichen Gewohnheit, wenn nicht gar Bestandteil unserer Kultur geworden sind.
Es bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass wir trotz aller modernen Errungenschaften und trotz dem Wunsch, (von wem auch immer), der Globalisierung ein bisschen von unserer ursprünglichen Eigenständigkeit und Selbstbestimmung in allen Bereichen unsers täglichen Lebens bewahren können und dürfen.
Denn Selbstbestimmung, Menschenrecht, Toleranz, Respekt sind Grundrechte, die in jedem Land, überall auf der Welt in den Gesetzbüchern festgehalten sind, ob se jedoch eingehalten werden, ist leider ein ganz anderes Thema.

MfG
Hansueli
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Re: Gedanken...

Beitrag von Anaba » 21.02.2014, 10:18

Traurig finde ich das..Denn damit nehmen sich die deutschen ihre eigene spezielle Mentalität..immer schön mit der Heerde mitlaufen..
Ich finde nicht, dass es eine spez. Mentalität der Deutschen ist.
Wenn das so wäre, dann würden, um beim Thema zu bleiben, Frauen anderer Nationen nicht auf solche Männer reinfallen.
Aber es fallen auch Frauen anderer Nationalitäten auf Beznesser rein und machen ihnen alles recht.
Also kann man es m.M. nach nicht mit der deutschen Mentalität erklären.
Liebe Grüße
Anaba

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Nilopa
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Re: Gedanken...

Beitrag von Nilopa » 21.02.2014, 10:32

Hallo Hansueli,

Du hast geschrieben:
Denn Selbstbestimmung, Menschenrecht, Toleranz, Respekt sind Grundrechte, die in jedem Land, überall auf der Welt in den Gesetzbüchern festgehalten sind...
...tatsächlich?...überall auf der Welt? :o ...kannst Du das belegen?...oder träumst Du nur davon? :? :wink:

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Nilopa
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Re: Gedanken...

Beitrag von Nilopa » 21.02.2014, 10:44

Hallo Strauss,

Du hast geschrieben:
Ist es mit "Integration" gemeint, daß wir uns in der eigenen Kultur kulturfremd verhalten müssen, um Konfrontationen aus dem Wege zu gehen?
...müssen wir oder dürfen wir? ...uns so verhalten,
wenn wir "die Anderen" möglicherweise ganz einfach besser verstehen möchten?

8) LG Nilopa
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Hansueli
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Re: Gedanken...

Beitrag von Hansueli » 21.02.2014, 11:03

@Nilopa
Nilopa hat geschrieben:Hallo Hansueli,

Du hast geschrieben:
Denn Selbstbestimmung, Menschenrecht, Toleranz, Respekt sind Grundrechte, die in jedem Land, überall auf der Welt in den Gesetzbüchern festgehalten sind...
...tatsächlich?...überall auf der Welt? :o ...kannst Du das belegen?...oder träumst Du nur davon? :? :wink:

8) LG Nilopa
Entweder hast Du mich falsch verstanden oder aber du hast jetzt deinen Beitrag bewusst so gestaltet, wie es heute in den Massenmedien gang und gäbe ist.
Weil:
Du hast meinen Schlusssatz nur zum Teil interpretiert, und dieser Teil wurde aus dem Zusammenhang gerissen und vermittelt ein ganz anderes Bild, als wenn man ihn im gesamten Kontext liest. Denn genau der zweite Teil meiner Aussage relativiert doch den ersten Teil.
Auf Deine Fragen erübrigen sich Antworten, weil ich sie selbst bereits schon mit meiner Aussage gegeben habe.
Hier nochmals das ganze Zitat:
"Denn Selbstbestimmung, Menschenrecht, Toleranz, Respekt sind Grundrechte, die in jedem Land, überall auf der Welt in den Gesetzbüchern festgehalten sind, ob sie jedoch eingehalten werden, ist leider ein ganz anderes Thema."

MfG
Hansueli
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KungShanPing
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Re: Gedanken...

Beitrag von KungShanPing » 21.02.2014, 12:36

Mich haben diese Gedanken ganz schön zum Nachdenken angeregt. Ergänzend würde mich auch mal interessieren, warum Mann/Frau sich so oft auf einen Typen einläßt, den er/sie bei der eigenen Nationalität nicht mal im Traum in Erwägung ziehen würde. So z.B. Hilfsarbeiter, fast-Analphabeten, mittellose Schlucker :?:
Zusätzlich ist neben den Unterschieden in der Kultur oft nicht mal die Basis gleiche Sprache gegeben, da wird in Englisch geradebrecht. Und wenn so ein Typ gut Deutsch spricht, sollte man auch mal überlegen, wo diese Kenntnisse herkommen, ist sicherlich kein Lehrfach in der Schule in Bezzi-Land, höchstens in der Bezzness -Schule :mrgreen:
Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem die Gewissheit, und sei sie auch noch so schrecklich, besser ist als jede Hoffnung.

Nilopa
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Re: Gedanken...

Beitrag von Nilopa » 21.02.2014, 12:38

Hansueli, ich denke, dass es leider in manchen Ländern bereits an einer entsprechenden Gesetzgebung fehlt
und deshalb sich eh die Frage nach der Einhaltung/Umsetzung erübrigt. :idea:

mfG 8) Nilopa
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Silvia
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Re: Gedanken...

Beitrag von Silvia » 21.02.2014, 12:42

Ich denke, das zu den Schuldgefuehlen gegenueber den "unterpriviligierten" Nordafrikanern und dergleichen nicht nur speziell Deutsche, sondern generell Weisse neigen. An den US-Unis wird den weissen Studenten auch gern eingetrichtert, dass sie ungerechterwiesse priviligiert sind, anderen was wegnehmen und ueber diese Priviligien am Besten jeden Tag reflektieren sollen. Typisch "white guilt".

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Re: Gedanken...

Beitrag von Anaba » 21.02.2014, 12:56

Hallo KungShanPing,

willkommen im Forum.
Im Namen des Teams wünsche ich dir einen guten Austausch.
Liebe Grüße
Anaba

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Nilopa
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Re: Gedanken...

Beitrag von Nilopa » 21.02.2014, 13:00

@Hansueli:
Viele Beznessgeschädigte machen doch leider genau diesen Fehler, zu vermuten,
es gäbe die westlichen/europäischen Werte bereits auch in den Herkunftsländern der Beznesser/innen.

Falls Du also tatsächlich dieses Weltbild der "überall auf der Welt in den Gesetzbüchern festgehaltenen Werte"
Deiner Tochter so vermittelt haben solltest, war das eben auch Dein Fehler :shock: ,
dessen Folgen Du nun leider indirekt bereits ebenso zu spüren bekommen hast. :(
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kati3366
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Re: Gedanken...

Beitrag von kati3366 » 21.02.2014, 15:27

Africus hat geschrieben:
Silvia hat geschrieben: Das sind keine Schuldgefühle, sondern einfach in manchen Fällen eine Frage der Menschlichkeit.
Wenn deine Schwiegereltern in einem Land ohne soziale Absicherung und ohne Krankenversicherung leben, und dann doch schwer krank werden, was machst du dann? Schickst du Geld oder nicht?
Eine ganz einfache Frage, wo man nicht im Abstrakten über Rassismus, Schuldgefühle, usw. diskutieren muss.
Danke Africus für diese Antwort !
Das sehe ich ganz genau so.
Wenn jemand in Not ist und ich helfen kann, dann mache ich das auch.

Ebenso passe ich mich bis zu einem gewissen Grad bezüglich meiner Kleidung an.
Im Land des Partners ebenso wie hier in Deutschland.
Ich laufe dort nicht im Minirock durch die Gegend. Genauso wie ich hier nicht in Jeans auf einer Hochzeit aufkreuzen würde ( es sei denn das wäre ausdrücklich gewünscht ).
Ich würde auch im Dorf meiner Eltern nicht halbnackt durch die Gegend laufen. Weil ich da aufgewachsen bin weiß ich, WIE die Leute sich "das Maul zerreißen" sobald ich wieder weg bin.

Da ich meine eigenen Eltern nicht diesem Gerede aussetzen möchte, warum sollte ich das mit meiner Schwiegerfamilie tun ?

Das hat für mich nichts mit "Herdentrieb" oder übertriebener Anpassung zu tun. Es ist einfach nur Rücksichtnahme auf Menschen die mir lieb und wert sind.

Verbiegen lasse ich mich allerdings hier wie dort nicht. Ich habe meine ganz persönliche Schmerzgrenze bezüglich der Anpassung an mein Umfeld. Und die überschreite ich für niemanden.
Da muß man mich dann schon so nehmen wie ich bin. Oder es eben lassen.
Träume nicht Dein Leben sondern lebe Deine Träume !!

Hansueli
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Re: Gedanken...

Beitrag von Hansueli » 21.02.2014, 16:18

@ nilopa
Und hier noch eine Anmerkung
Nilopa hat geschrieben:@Hansueli:
Viele Beznessgeschädigte machen doch leider genau diesen Fehler, zu vermuten,
es gäbe die westlichen/europäischen Werte bereits auch in den Herkunftsländern der Beznesser/innen.

Falls Du also tatsächlich dieses Weltbild der "überall auf der Welt in den Gesetzbüchern festgehaltenen Werte"
Deiner Tochter so vermittelt haben solltest, war das eben auch Dein Fehler :shock: ,
dessen Folgen Du nun leider indirekt bereits ebenso zu spüren bekommen hast. :(
Ich habe doch nirgendwo in meinen Postings ein Weltbild aufgezeichnet, in dem Beznessgeschädigte vermuten, es gäbe keine Werte wie Menschenrechte in den „Herkunftsländern der Beznesser“.
Und vermittelt habe ich das schon gar nicht, auch nicht meiner Tochter.

Fakt jedoch ist, dass diese von mir angesprochenen Werte nicht nur westlich oder gar nur europäisch sind, sondern eine Konvention der UNO, der 193 Staaten weltweit angeschlossen sind und die sich unter anderem auf dieses Völkerrecht berufen.

Und jetzt sag mir mal, wo habe ich da meiner Tochter einen Fehler vermittelt und wo sollte ich weshalb was zu spüren bekommen?

Gruss
Hansueli
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kati3366
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Re: Gedanken...

Beitrag von kati3366 » 21.02.2014, 16:53

Strauss hat geschrieben:
kati3366 hat geschrieben: Ich laufe dort nicht im Minirock durch die Gegend. Genauso wie ich hier nicht in Jeans auf einer Hochzeit aufkreuzen würde ( es sei denn das wäre ausdrücklich gewünscht ).
Ich würde auch im Dorf meiner Eltern nicht halbnackt durch die Gegend laufen. Weil ich da aufgewachsen bin weiß ich, WIE die Leute sich "das Maul zerreißen" sobald ich wieder weg bin.
Das geht an der Diskussion vorbei, denn die aufgeworfene Frage war ja die, warum man HIER etwas tun würde, was WOANDERS üblich ist (nicht, warum man WOANDERS etwas tun würde, was DORT üblich ist). :)
Ich hoffe, Du hast den Rest meines Beitrages auch gelesen ?
Denn Du hast hier grade nur die Einleitung zitiert.

Ich wollte mit meinem Beitrag meine persönliche Einstellung mitteilen.
Ich tue HIER nichts, was WOANDERS üblich ist. Und ich will WOANDERS nicht auf Biegen und Brechen Dinge machen, die HIER üblich sind.
Ich passe mich soweit es geht ( persönliche Schmerzgrenze ) den jeweiligen Gepflogenheiten an um Menschen die mir lieb und wert sind keinem unnötigen Gerede auszusetzen.
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Bocanda
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Re: Gedanken...

Beitrag von Bocanda » 21.02.2014, 17:28

In allen Beziehungen muss man sich anpassen. Ob es im Job ist, mit Freunden im allgemeinen, oder mit dem Lebenspartner. Solange beide Betroffenen aufeinander zugehen, ist dagegen nichts einzuwenden, solange man sich selbst darüber nicht vergisst.

Selbstverständlich sind Telefonate nach Hause bereits kritisch, da man meist nicht versteht um was es geht und man sich nie sicher sein kann, ob der Allerliebste grad wirklich mit der Mutter oder mit der Ehefrau vor Ort telefoniert. Genauso sehe ich es mit regelmäigen Geldgeschenken in Richtung Heimat. Sollte tatsächlich ein Elternteil krankwerden, denke ich auch, dass es normal ist zu helfen. Selbst in unserer abgesicherten Gesellschaft gibt es notwendige Behandlungen, ich denke da z.B. an den Zahnarzt, die sich nicht jeder leisten kann.

Auch Gastgeschenke bringe ich hier gern mit, sollte ich übers Wochenende bei Freunden nächtigen.

Was aber letztlich stört, ist die Selbstverständlichkeit mit der finanzielle Zuwendungen, Geschenke und auch Telefonate usw. erwartet werden. I´Meist wird sich Anfangs noch zurückgehalten, später offen und direkt Forderungen ausgesprochen. Ich finde, es kommt immer auf den Fall an.

Ich kenne das Anspruchsdenken und die Maßlosikeit, die den europäischen Partnern auferlegt wird, das würde mich letztlich nerven und ist einer der Gründe, warum ein Partner mit Migrationshintergrund nicht mehr in Frage kommt.
Liebe Grüße
Bocanda



Der klügste Trick des Teufels ist, uns davon zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt (Baudelaire)

Nilopa
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Re: Gedanken...

Beitrag von Nilopa » 21.02.2014, 17:53

Hallo Hansueli,

Du hast geschrieben:
Und jetzt sag mir mal, wo habe ich da meiner Tochter einen Fehler vermittelt und wo sollte ich weshalb was zu spüren bekommen?
Deine Tochter glaubt vielleicht, ihr Verlobter sei mit dengleichen (UNO-)Wertvorstellungen wie sie selbst aufgewachsen,
und wenn Du an sein schlechtes Benehmen bei Dir daheim oder in der Kirche denkst, weißt Du, was ich mit "zu spüren bekommen" meinte.

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Franconia
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Re: Gedanken...

Beitrag von Franconia » 21.02.2014, 17:56

Eine Interessante Fragestellung.

Ein Aspekt mag sicher Liebe oder Verliebtheit sein. Man will den Menschen den man liebt glücklich machen und wenn es den Mann glücklich macht wöchentlich die Stimmen seiner Familie zu hören, wenn es ihn glücklich macht nicht mit ansehen zu müssen wie einem andere Kerle hinterher glotzen wenn Frau Mini trägt, wenn es ihn glücklich macht heimisches Essen auch hier auf dem Tisch zu haben, dann machen dies eben viele Frauen. Sie wollen nur das ihr Liebster glücklich ist, so fern der Heimat und ohne seine Familie, denn wenn er glücklich ist, dann sind sie es auch und damit ist die Beziehung (zumindest augenscheinlich) perfekt.
Für viele Frauen ist das ein kleiner Preis, den sie für einen glücklichen Mann (ihren Mann) und damit für eine glückliche Beziehung zahlen müssen (was auch immer die/der einzelne unter einer glücklichen Beziehung versteht) und den sie gerne bereit sind zu zahlen, da ihr Mann ja einen viel größeren Preis für ein gemeinsames Leben hier in D gezahlt hat (Familie/Freunde aufgegeben, etc).

Dazu kommen sicher auch Schuldgefühle, die auch vom Partner geschürt werden, denn er hat ja meinetwegen alles aufgegeben - sogar seine Heimat.
Das Bewusstsein, dass der Preis und das was der Partner aufgegeben hat gar nicht so groß war oder von diesem sogar gerne in Kauf genommen wurde, blenden viele aus und bringen dies sogar noch nach Jahren als Begründung vor um den Partner und dessen Verhalten in Schutz zu nehmen.

Wenn ich den Kontakt zur Familie oder auch den Wunsch ab und an mal heimische Küche auf dem Tisch zu haben noch nachvollziehen kann, so kann ich es bei Dingen wie Kleidung und Religion nicht mehr.
Mein Partner hat mich so kennengelernt wie ich bin. Mit meiner Religion und meinem Kleidungsstil. Er hat mich so akzeptiert, also warum sollte ich mich dann für ihn komplett verändern.
Wenn ich jemanden liebe, dann dafür weil er eben ist wie er ist.
Wenn ich mich gravierend verändern müsste, dann wüsste ich, die Person hat nicht mich geliebt sondern nur den Nutzen/Gewinn, den sie aus mir ziehen kann. Wenn ich einen Menschen nach meinen Vorstellung versuche zu ändern (z. B. Religion oder Kleidung), was bleibt dann noch von dem Menschen, den ich kennengelernt und von dem ich vorgegeben habe ihn zu lieben.
Das kann in meinen Augen daher keine Liebe sein, zumindest nicht von der Seite die diese bedingungslose Änderungen wünscht oder gar erzwingt.

Von einem Menschen, der sich seinem Partner in allen Dingen bedingungslos anpasst, bleibt irgendwann nicht mehr übrig als eine Hülle oder eine Spielfigur". Eine Figur in einer Schmierenkomödie, die nach belieben aus der Versenkung geholt, vorgeführt und benutzt werden kann um dann wieder unsichtbar zu werden bis der Partner wieder pfeift.
Das tragische ist, viele Frauen realisieren dies nicht (oder erst sehr spät), da so ein "Anpassungsprozess" oft langsam und schleichend vor sich geht und auch oft ohne konkret ausgesprochene Forderungen des Partners dies oder jenes zu tun oder zu lassen.

Der Umgang mit Geld ist in vielen Ländern sehr eigen, denn viele kennen z. B. das System "sparen" nicht, da einfach nie genug Geld vorhanden war um etwas zur Seite zu legen. Dagegen sind sie mit dem Bewusstsein aufgewachsen, irgendwer gibt mir schon zu essen wenn ich mal nichts habe, irgendwo kann ich schon schlafen wenn ich kein eigenes Bett habe. In vielen Kulturen ist es einfach selbstverständlich Essen mit den Nachbarn zu teilen wenn einer mehr und einer weniger hat. Man überlebt immer, auch ohne Geld und ohne Erspartes. Das es hier nicht so läuft wollen viele Ausländer nicht wahr haben und verhalten sich dann dementsprechend in Bezug auf Geld - und natürlich bleibt auch die Mentalität des "teilens" erhalten indem die Familie unterstützt wird. Warum Frauen dies bis zur Selbstaufgabe mittragen ist mir allerdings ein Rätsel.
Wenn die Guten nicht kämpfen, werden die Schlechten siegen. (Platon)

Elisa
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Re: Gedanken...

Beitrag von Elisa » 21.02.2014, 19:13

Ja, Strauss, wie immer hast Du alles gut durchdacht.

Aber ist es nur in Deutschland so ? Schau Dir Frankreich an. Es ist zum Teil noch schlimmer, obwohl sich die Franzosen viel mehr abgrenzen.

Hier bei uns kommen viele Faktoren zusammen, auch dieses ja nicht als Rassist zu gelten, obwohl die Ablehnungen mancher Dinge überhaupt nicht rassistisch ist.

Schau, wenn Freunde zu Besuch kommen, überlege ich, was sie gerne essen, und koche das dann, um ihnen eine Freude zu machen.
Freunde von mir sind Muslime , zum Grillen habe ich dann extra Putenschnitzel gekauft, die ich allesamt später entsorgen musste, weil ich selbst esse kein Geflügel.

Wenn meine jüdischen Freunde kommen, mache ich auch kein Schweinefleisch.

Ist das Mentalität oder Erziehung, ich weiss es nicht.

Meine Freunde egal welcher Herkunft machen das aber nicht anders.

Warum man diese Koffer mitschleppt, ist mir schleierhaft, aber nur weil ich inzwischen weiss, wie das gehandhabt wird. Früher hätte ich das vielleicht einmal aus Mitleid gemacht. Meine Freunde meiden eben wegen dieser Geschenke und den ganzen Ansprüchen damit Urlaub bei den Verwandten.

Ich habe die Schweiz als gastfreundliches Land kennengelernt, aber den Menschen dort sind wahrscheinlich die Massen nicht mehr recht. Die Umfragen hier zeigen ja auch ein deutliches Zeichen.

Und in einer Beziehung versucht jeder, Kompromisse einzugehen, und man merkt ja erst später, dass der andere keine eingeht.
Was allerdings die nicht vorhandene Ausbildung und Bildung angeht, kann ich mir das nur so erklären, dass man es aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse nicht merkt. Die meisten können aufgrund der Sprache keine wirklich eingehende Unterhaltung führen. Dass es an was anderem fehlt, wird dann erst später klar.

Es gibt noch viel mehr Antworten auf Deine Fragen.

LG Elisa

furiosa
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Re: Gedanken...

Beitrag von furiosa » 21.02.2014, 19:32

Strauss hat geschrieben:
kati3366 hat geschrieben:Ich tue HIER nichts, was WOANDERS üblich ist. Und ich will WOANDERS nicht auf Biegen und Brechen Dinge machen, die HIER üblich sind.
Ich passe mich soweit es geht ( persönliche Schmerzgrenze ) den jeweiligen Gepflogenheiten an um Menschen die mir lieb und wert sind keinem unnötigen Gerede auszusetzen.
Ja, aber darüber bestand doch gar kein Dissenz. :)
Doch, du hast unter anderem gefragt:
Strauss hat geschrieben:
, Warum ziehen wie es überhaupt in Erwägung, unseren Kleidungsstil, in unserem eigenen Land, den Sitten eines anderen Landes anzupassen?
und daraufhin hat dir Kati ihre Sichtweise dazu geschrieben.

Ich habe so meine Schwierigkeiten, wenn du von "wir" sprichst.

"Wir" nehmen Dinge als gegeben oder natürlich hin, obwohl sie es nicht sind...
"Wir" überlegen, ob wir unseren Kleidungsstil in unserem eigenen Land an ein anderes Land anzupassen...
"Wir" nehmen kostspielige Telefonate ins Ausland hin...
"Wir" nehmen es hin, dass größere Geldbeträge ins Ausland geschickt werden...
"Wir" nehmen es hin, dass beim "Heimaturlaub" wertvolle Geschenke mitgebracht werden...
"Wir" nehmen es hin, dass eine fremde Religion unser Leben beeinflusst

Ob und welche Dinge als gegeben oder natürlich gelten, hängt nun mal immer davon ab, aus welcher Perspektive man es betrachtet. Und unter Umständen kann man durchaus auch einmal seine Perspektiven wechseln.

ICH habe seit Jahrzehnten, also auch vor meiner Ehe mit einem Moslem, den gleichen Kleidungsstil, hier bei uns und in der Heimat meines Mannes.
MEIN Mann führt keine kostspieligen Telefonate ins Ausland (Hat nicht sowieso schon jede Telefongesellschaft für jedes Land irgendwelche besonderen Sparpakete?)
Die größeren Geldbeträge, die MEIN Mann in seine "Heimat" schickt, entsprechen in etwa dem, was ich für Konzerte ausgebe (und mein Mann mag nun mal einfach keine Konzerte) und die Geschenke, die sich alle 2 bis 3 Jahre in seinem Koffer befinden, entsprechen nicht mal dem Wert der Geburtstagsgeschenke, die es hier jedes Jahre bei unseren Familienfeiern gibt.
MEIN Leben wird durch seine fremde Religion nicht beeinflusst. Es sei denn du siehst meine Teilnahme am traditionellen Ramadan als Beeinflussung, aber so gesehen, wird mein Mann durch unser traditionelles Weihnachts- und Osterfest ja auch von einer fremden Religion beeinflusst.

Als es in MEINER Familie plötzlich anstand, eine Wohnung rollstuhlgerecht umzubauen, wären wir nie auf die Idee gekommen, dass sich ein Familienmitglied einen teuren Kredit nehmen muss, wenn andere in unserer Familie das Geld sowieso haben. Und ja, zum Glück gibt es ein regelmäßiges Einkommen, also hätten wir das Geld zurückbekommen. Aber wenn es nicht so gewesen wäre?? Wir hätten sie trotzdem nicht hängen gelassen und dann hätte ich auch erwartet, dass das mein Mann mit trägt und ein Urlaub oder eine (im Prinzip unwichtige) Anschaffung warten muss.
Wenn es angeblich egal ist, ob diejenigen, die finanzielle Hilfe brauchen, mit mir verwandt sind oder nicht, warum wird es dann als problematisch hingestellt, so bald es um Verwandte aus der Dritten Welt geht? Abgesehen davon, dass es nicht um das Prinzip geht, ob das Leben des armen Nachbarn oder das Leben des armen Verwandten in einem Entwicklungsland wertvoller ist. Und es geht auch nicht um "Statuspflege", sondern schlicht darum, dass man Menschen, die einem näher stehen, auch als wertvoller empfindet als Menschen, die ich kaum kenne.

Und wenn ich nicht will, dass finanzielle Hilfen ein Fass ohne Boden sind, muss man halt Grenzen setzen können. ICH lebe jedenfalls mit meinem Geld nicht anders, als ich mit jedem anderen Mann leben würde.

furiosa
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Re: Gedanken...

Beitrag von furiosa » 21.02.2014, 20:04

Achja, zur Frage, ob es normal ist, sich freiwillig ständig im "Kauderwelsch-Modus" zu unterhalten:

Erstens wird wohl oft geglaubt, dass "er" schon noch "ordentliches" deutsch lernen wird. Zweitens gibt es , wie von Strauss ja selbst bemerkt, durchaus auch Einheimische, mit denen eine gepflegte Unterhaltung schwierig ist. Und da, wo es nicht passt, sprich: wenn dann bemerkt, dass die Deutschkenntnisse nicht besser werden und aber durchaus darauf Wert gelegt wird, mit den PartnerInnen nicht im "Kauderwelsch-Modus" zu kommunizieren, da beginnt ja dann eh meist schon die Krise...

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