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von ibnbattuta » 23.01.2014, 20:59
Ich bin schon lange Zeit stiller Mitleser in dem Forum und werde mich auch mal äussern, da unter anderem gefordert wird, was Männer zu diesem Thema denken oder zu sagen haben. Ich hoffe, dass ich dieses Thema so objektiv möglich abhandeln kann, werde aber wahrscheinlich kaum darum herum kommen, Abschweifungen subjektiver Art vorzunehmen.
Nun ja, ich verstehe dich Hansueli und deine Situation als Landmann gut und werde mich nach dem Vorstellen gerne mal allgemein äussern. Deine Geschichte habe ich mehr oder weniger mitgelesen, aber ich kann über die Motive deiner Tochter und des jungen Mannes nur Vermutungen anstellen. Aus der Sicht deiner Tochter ist er bestimmt attraktiver und aufregender als irgendein Landsmann, der jeden Tag bis um fünf im Büro sitzt und äusserlich nicht besonders auffallend ist. Für ihn eine Europäerin, die nicht mehr auf die eigene Familie hört (Sicht eines Tunesier) und im Moment gerade sehr gelegen kommt.
Ich, männlich, mitte 20 und Student (Psychologie) bin auf nach einem längeren Praktikum in Westafrika und im Maghreb in diesem Forum gelandet. Was mich dazu veranlasst war eigentlich pure Neugier zu einem Thema, dass meiner Meinung nach in der westlichen Kultur kaum Beachtung findet aber insgeheim immense Kosten verursacht und zehntausende Familien zu „Opfern“ macht. Westafrika ist wie der Maghreb und Ägypten auch ein Bezness-Ort, mit dem Unterschied, dass dort tausende junge Europäerinnen und mit ganz wenigen ausnahmen auch einige Europäer ein Volontariat machen und sich nebenbei auch noch gerne mit einem Einheimischen vergnügen wollen. Nach dem Vergnügen kommen aber auch schnell „materielle“ Forderungen und binationale Eheschliessungen, damit die AE in Europa gesichert ist.
Im Maghreb spielt sich das ganze auch ziemlich ähnlich ab, nur sind eher ältere Frauen betroffen und es vollzieht sich an Touristenorte und über das Internet. Ich bin oft in Nordafrika und habe, respektive hatte viele Freunde und Kollegen dort durch das Praktikum. Viele von denen sind jetzt nicht mehr dort und haben sich durch eine Heirat eine AE in Deutschland und Frankreich gesichert. Jedoch haben sich alle mittlerweile getrennt und ich wurde im Sommer auf eine „richtige Hochzeit“ eingeladen mit einer gleichaltrigen Landsfrau und allem was dazu gehört. Ausserdem wird auch schon den kleinen Immigrantenjungen aus dem Balkan, Türkei oder dem arabischen Raum, die hier leben beigebracht, dass Europäerinnen „leichte Mädchen“ sind und niemals geheiratet werden dürfen. Zum ausprobieren ja, aber niemals für eine richtige Beziehung. Ich wollte mal bei so einem Typen dagegen protestieren und dann kam die Antwort, dass er schon dutzende Mädchen hatte, aber noch nie eine Muslimin, da sich diese anständig verhalten und noch auf ihre Eltern hören. Mir fehlten dann schlicht die Argumente zum weiterdiskutieren. Dergleiche hat dann ein paar Wochen später im Ausgang ein Mädchen angemacht und als er nach ein paar Minuten später erfuhr, dass sie Muslimin ist, hat er sofort aufgehört und geschrieen, was sie denn hier mache, sie solle besser nach Hause gehen und anständig sein. Schliesslich sei sie ja keine Europäerin . Was für eine köstliche Doppelmoral, aber eben die eigenen Frauen sind tabu.
So viel zu meiner Person und meinem persönlichen Bezug zu diesem Thema. Ich werde jetzt gerne einen Versuch starten, Bezness aus der Sicht der Psychologie zu beleuchten und auch meine persönliche Meinung dazu abliefern.
Meiner Meinung nach handelt es sich beim Bezness in erster Linie um ein aufeinandertreffen von zwei Kulturen, die jeweils völlige andere Ansichten und Absicht mit dem Zweck einer Beziehung resp. Ehe verfolgen. Darüber hinaus ist Bezness ein Wohlstandphänomen und ist mit der ganzen Globalisation aufgekommen. Leute können vermehrt weit weg in den Urlaub und sich dort gute Hotels leisten, was in den Ländern Neid und Beachtung zu gleich weckt. Viele möchten auch so ein Leben führen, koste es was das wolle und Bezness ist da sehr einfach. Darüber hinaus ist es für die Männer auch ein Abenteuer und ein Spiel zu gleich, in dem sie nur gewinnen können und dass durchaus mit einem „Kick“ verbunden ist, sowie der Hoffnung auf viel Geld.
In der Psychologie gibt es verschiedene Modelle, die das menschliche Tun und Handeln zu erklären versuchen. Ein sehr berühmtes Modell ist die Maslowische Bedürfnishierarchie (kann man gerne googeln und einfach zusammengefasst nachlesen).
Maslow erklärt in seinem in Form einer Pyramide dargestellten Modell, dass der Mensch von Natur aus angetrieben wird, das höchste Ziel, nämlich die Selbstverwirklichung anzustreben. Damit dieses Ziel angestrebt werden kann müssen aber alle anderen Bedürfnisse, die sich im unteren Teil der Pyramide befinden abgedeckt sein.
Ich werde diese Bedürfnisse nun von unten nach oben darstellen:
1. Grundbedürfnisse:
-physiologische/ Körperliche Bedürfnisse: Essen, Trinken, Schlaf, Atmung und Wärme.
- Sicherheitsbedürfnisse: Unterkunft, Wohnung, Gesundheit und Schutz vor Gefahren (i.d.R GELD oder KRANKENKASSE), Ordung wie gewisse Gesetze oder Rituale
-Soziale Bedürfnisse: Fürsorge, Freundeskreis, Partnerschaft, Sexualität
2. erweitere Bedürfnisse
- Individualbedürfnisse: Der Wunsch nach Freiheit, Erfolg, Wertschätzung, Ansehen
- Selbstverwirklichung: Wunsch eigenes Potential auszuschöpfen und das zu werden, was einem anlagebedingt möglich ist (z.B attraktiver werden, gute Mutter sein etc.)
ERST WENN bis zu dieser Stufe alle Bedürfnisse befriedigt sind, wird nach Maslow eine neue Unruhe und Unzufriedenheit im Menschen erwachen: Er strebt nach SELBSTVERWIRKLICHUNG, anbei wird von ihm 1943 nur angenommen , dass ca. 2% der Weltbevölkerung diese Stufe erreichen. Heute sind es aber weit mehr, aber die meisten leben in der westlichen Welt, während in den Beznessländern oft diese Grundbedürfnisse kaum gedenkt werden können.
Als Kritikpunkt lässt sich weiter ansehen, dass Maslows Bedürfnispyramide ein westlich-industriell sozialisiertes Statusdenken und einen Individualismus voraussetzt, die in anderen Kulturkreisen nicht selbstverständlich sind. Die Bedürfnispyramide zeigt eine Hierarchie, die ohne diese kulturspezifischen Voraussetzungen nicht existiert. In Gesellschaften, für die die unteren Bedürfnisse besonders wichtig sind, streben die Menschen keineswegs danach, primär ihre körperlichen Grundbedürfnisse zu stillen, bevor sie nach Sicherheit und sozialen Beziehungen streben. Vielmehr sind die sozialen Beziehungen in Form des Aufgenommenwerdens und Verbleibens in einer Gruppe, Familie oder Stammesgemeinschaft die Voraussetzungen für Sicherheit und die Befriedigung der körperlichen Grundbedürfnisse. Dementsprechend steht auch das Wohl der Gruppe über dem eigenen. Man ist bereit, für die Gruppe zu sterben, denn ohne sie ist man ohnehin nicht lebensfähig. Die drei unteren Bedürfnisebenen dürfen demnach nicht als hierarchisch gegliedert angesehen werden, sondern bilden eher gemeinsam eine Vorstufe der materiellen Statussicherung für den darauf folgenden Bereich der sozialen Anerkennung.
Nun würde ich mal sagen, dass 95% aller westlichen Europäer die Grundbedürfnisse abgedeckt haben und förmlich Individualbedürfnissen und Selbstverwirklichung streben. Dies aber nur können, weil wir in einem reichen, westlichen Land aufgewachsen sind und oft mündet dieses Verhalten/ Streben in Unvernunft, dass in einem Wort beschrieben werden kann, nämlich: DEKADENZ
Wir können so viel im Alltag nach Lust und Laune tun, z.B jeden Tag wählen , ob wir Fleisch Essen wollen, wählen wo wir in den Urlaub fliegen, wählen wo wir im Urlaub hinfahren und wir können sogar unseren Partner/Partnerin wählen, respektive Abwählen. Warum also nicht, wenn man die Qual der Wahl hat einen attraktiven/-e Partner/ Partnerin wählen, der/die natürlich sich in der Regel in Form als Landsmann/Frau einfach so anbietet, um seinen individuellen Bedürfnissen Rechnung zu tragen?
Lieder ist es aber so, dass irgendwo auch dem Menschlichen Tun und der Vernunft Grenzen gesetzt werden und Grenzen gesetzt werden müssen. Der übermässige Fleischkonsum braucht Unmengen an Nahrungsmittel und zerstört das Ökosystem, das übermässige in die Ferien gehen/ fliegen führt zu Klimaerwärmung und der noch so attraktive Partner/ Partnerin entpuppt sich schnell als Katastrophe, zerstört unsere europäische Kultur noch schneller, indem ganze Familien zerstört werden und belastet zusätzlich noch die Staatskasten mit Unmengen an Sozialkosten.
Ich kenne einige Leute aus Freikirchen und diese würden nie so ein Abenteuer anfangen, denn für sie ist die Moral wichtiger als der Invidualismus und die Selbstverwirklichung. Ausserdem würden auch die ganz gläubigen Nordafrikanischen Muslime nichts so etwas tun, da eine andersgläubiger kaum respektiert würde in der Gemeinschaft.
Man muss nicht gläubig, um so etwas zu denken, aber ein bisschen mehr Moral würde uns allen gut tun. Wir müssen lernen mit unserer vielen Freiheit umzugehen, uns Grenzen zu setzen und zum Wohle der Allgemeinheit zu handeln, denn nur so wird dieses Europa in dieser Form auch wenn ich alt bin noch weiterexistieren können. Andererseits sehe ich schwarz für unsere Freiheit, Vernunft und demokratischen Werte. Individualbedürfnisse und Selbstverwirklichung bedeutet nicht, jegliche Grenzen zu überschreiten und alles rundherum zum persönlichen Lebensglück zu ignorieren.
Und all meinen Freunden, die selber Bezness betrieben haben, denen bin ich überhaupt nicht böse. Ich sage ihnen von Herzen: "Mabrouk Khouya". Sie haben lediglich das gemacht, was wir täglich unbewusst machen, nämlich Grundbedürfnisse decken, nur auf Kosten von anderen, so wie wir auch auf Kosten von anderen (z.B Fabrikarbeiter in Bangaldesch, China usw.) indirekt hier im Wohlstand leben... und zu guter letzt braucht es immer zwei Personen, die dieses "Spiel" mitspielen und nirgends auf der Welt kann man nämlich als Mann mit leeren Taschen heiraten, nirgends ausser in der westlichen Welt... und wenn diese Bedürfnisse gedeckt sind, ja dann geht es erst richtig los!!!
Wie sagt man so schön: „einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“. Das kann jeder auf seine Art interpretieren... Ich habe es schon gemacht.