Ein Busfahrer aus Kerala

Austausch über gemachte Bezness - Erfahrungen in diesem Kontinent

Moderator: Moderatoren

gadi
Moderation
Beiträge: 5376
Registriert: 05.06.2014, 18:56

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von gadi » 10.02.2019, 13:53

Efendi II hat geschrieben:
10.02.2019, 13:16
Oftmals mache ich mir bei meiner Frau den Spaß, auf meine (nicht vorhandene) Kastenzugehörigkeit hinzuweisen, wenn sie etwas verlangt wozu ich momentan keine Lust habe. Wenn sie z.B. sagt: "Nimm doch gleich den Müll mit runter und bring mir dies oder jenes vom Einkaufen mit!" und ich antworte dann: "Nein, das geht nicht, das erlaubt meine Kaste nicht!". Dann lacht sie natürlich und tue es dann doch, aber sie hat längst begriffen, wie blödsinnig solche Kastenregeln und in einer modernen Gesellschaft schlichtweg unmöglich sind.
Das werd ich mir merken, Efendi, sag ich in Zukunft auch öfter :lol:
Moderatorin
gadi@1001Geschichte.de
...................................
Betrug entehrt, Irrtum nie. C.L.
من عاشر قوما اربعین یوما یا صار منھمیا رحل عنھم - Wer 40 Tage bei einem Volke weilt, wird einer von ihnen oder wandert weiter.

Atin
Beiträge: 1281
Registriert: 15.10.2014, 15:11

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Atin » 10.02.2019, 14:37

Der Antifa würde ich Indien schon als Urlaubsort empfehlen. :twisted:
Wissen ist Macht.

Nilka
Moderation
Beiträge: 6594
Registriert: 22.01.2012, 14:50

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Nilka » 10.02.2019, 16:30

Und die Inder/innen Kerle heiraten!
LG ♥ Nilka
Moderatorin
Nilka@1001Geschichte.de

Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt. Thomas Mann

Ponyhof
Beiträge: 878
Registriert: 24.01.2014, 10:52

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Ponyhof » 10.02.2019, 18:08

Naja, viele Antifanten sind ja eigentlich arme verwöhnte Gören, die aus ihrer pubertären Trotzphase noch nicht herausgefunden haben, und einfach nicht ausgelastet sind. Bei den Meisten würde vermutlich geregelte Arbeit verbunden mit der Erkenntnis, wieviele Steuern sie dann für ihre faulen Kameraden zu zahlen haben schon therapeutisch wirken. Für schwerere Fälle empfehle ich die Arbeit auf einem Bauernhof, gerne Hardcore-Bio, so mit ohne Maschinen und so. :mrgreen: Da kann man dann den Dreschflegel mal gehörig schwingen, und den ganzen jugendlichen Übermut herauslassen. Und seine politischen Vorträge kann man im Kuhstall auch von sich geben, solange man dabei brav ausmistet. :mrgreen:

Indisches Alltagsleben wünsche ich selbst den Antifanten nicht. :mrgreen:

Aber zurück zum Thema: Die Frage, was Du mit einem indischen Busfahrer willst, ist absolut berechtigt. Ausser Deinen Beteuerungen, wie schön er ist, lese ich da nix. Und da wirft man immer den Männern hierzulande vor, dass sie nur mit dem Unterleib denken... :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Mignon
Beiträge: 261
Registriert: 20.07.2015, 20:49

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Mignon » 10.02.2019, 18:16

Efendi II hat geschrieben:
10.02.2019, 13:16
In Indien ist das anders, da gibt es für jeden noch so banale Tätigkeit "spezialisierte Fachkräfte". Das war schon zur britischen Kolonialzeit so. Da gab es für jeden Furz einen Bediensteten. Bei den damaligen Lohnkosten war das für den Arbeitgeber kein großes Problem und die Arbeitnehmer konnten ihre Familien davon ernähren.
Auch in Pakistan, wo es angeblich keine Kasten gibt, ist es ganz genau so. Ich hatte bei einem Arbeitsaufenthalt ein Apartment gemietet und die Dienste eines "Cleaners" gleich dazu. Der Cleaner wischte täglich den Fußboden und reinigte die Toilette. Sonst tat er ganz genau - gar nichts. Die Krümel auf dem Tisch lagen auch abends noch da. Meine Beschwerde stieß beim Vermieter auf Unverständnis. Ein "Cleaner" könne doch unmöglich den Tisch säubern, von dem ich esse. Dafür müsse ich einen "Duster" anheuern, den er mir gern vermitteln könne...

Das ist natürlich Kastenwesen in Reinkultur, wobei viele "Unberührbare" in der Kolonialzeit zum Christentum konvertiert sind, aber nach wie vor wie Unberührbare behandelt werden. Dementsprechend gehören Christen in Pakistan zur untersten sozialen Schicht. Sie arbeiten als Reinigungskräfte, Gelegenheitsarbeiter, fahren Motorrad-Rikschas und oft schrottreife Kleinwagen-Taxis. Sie leben in ghettoähnlichen Ansiedlungen und müssen ständig Angst haben vor islamistischen Anschlägen und staatlicher Verfolgung. Insofern ähnelt ihre Situation der der "lateinischen" (d.h. durch westeuropäische Missionare christianisierten) Christen Indiens. Eine Gruppe vergleichbar den indischen "Thomaschristen" und orientalischen Christen gibt es in Pakistan nicht.

Ach ja: Den Tisch habe ich fortan lieber selbst abgewischt.

Thelmalouis
Moderation
Beiträge: 2937
Registriert: 28.08.2014, 13:20

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Thelmalouis » 10.02.2019, 19:50

Mignon hat geschrieben:
10.02.2019, 18:16
Der Cleaner wischte täglich den Fußboden und reinigte die Toilette
Sei doch froh, dass der Cleaner nicht den Tisch sauber gemacht hat.
Das hätte der vielleicht noch mit dem gleichen Lappen getan, mit er auch die Toilette schrubbte. :lol:

Du weißt gar nicht, was für ein Glück du hattest. :wink:
Gruß Thelmalouis

Moderatorin
_____________________________________________________________________________
Es gibt Berge über die man hinüber muss, sonst geht der Weg nicht weiter. (Ludwig Thoma)

gadi
Moderation
Beiträge: 5376
Registriert: 05.06.2014, 18:56

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von gadi » 10.02.2019, 20:19

:lol: :shock: :lol:
Moderatorin
gadi@1001Geschichte.de
...................................
Betrug entehrt, Irrtum nie. C.L.
من عاشر قوما اربعین یوما یا صار منھمیا رحل عنھم - Wer 40 Tage bei einem Volke weilt, wird einer von ihnen oder wandert weiter.

EmilyStrange
Beiträge: 1061
Registriert: 08.06.2017, 09:45
Wohnort: Südhessen

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von EmilyStrange » 11.02.2019, 14:06

Ponyhof hat geschrieben:
10.02.2019, 18:08
Für schwerere Fälle empfehle ich die Arbeit auf einem Bauernhof, gerne Hardcore-Bio, so mit ohne Maschinen und so. :mrgreen: Da kann man dann den Dreschflegel mal gehörig schwingen, und den ganzen jugendlichen Übermut herauslassen...
Hehe- erinnert mich an die Episode, als ein paar Freunde von mir sich gemeinsam bei Frankfurt einen Gemüseacker gepachtet hatten. Hochmotiviert und freudig erregt ob der Aussicht auf eigenes selbstgeerntetes Biogemüse ganz ohne böse Chemie und voll ökologisch.
Blöd nur wenn das mit dem Unkrauten und Gießen und Pflegen nicht in die Alltagsabläufe passt. Den Acker hatten sie glaub ich genau eine Saison - glaub gar nicht mal, dass sie was geerntet haben.

Meine Kürbissamen, die ich hierfür (aus eigenem Anbau, also auch absolut öko) gerne spenden wollte, wurden jedenfalls dankend abgelehnt :mrgreen:
Told you so - sincerely your intuition

brighterstar007

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von brighterstar007 » 11.02.2019, 16:11

Hi Mignon,

Na,das passt doch ( Zitat: " Indische Christen sind die niedrigsten Arbeiter, Reinigungskräfte etc...."). Auch JESUS ritt auf einem geborgten Esel nach Jerusalem - und nicht in seinem
Eigenen Porsche.
Hahaha, ich weiss, es gab damals noch keine Autos...und auch bedeutet meine kleine Spitze
NICHT, dass ich die unpopulären Jobs befürworte, ABER ich bin mir ziemlich sicher,
Dass die indischen Christen bei ihrer Tätigkeit so strahlen, als würden sie als wichtige Personen
In einer Botschaft wirken.

Liebe Grüße Brighterstar

chandu
Beiträge: 225
Registriert: 22.09.2010, 13:52

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von chandu » 11.02.2019, 17:53

Hallo,

jetzt möchte ich mich doch mal zu diesem Thema äußern. Indien ist zugegebenermaßen ein schwieriges, kompliziertes Land mit einer uralten Kultur. Trotzdem oder gerade deswegen hat diese uralte Kultur sehr viel Schönes und Großartiges zu bieten. Man denke an die Literatur, die Philosophie/Religionen etc. .

Jedenfalls denke ich, wenn man sich schon einen Partner in einer so unterschiedlchen Kultur sucht, sollte man wohl lieber nicht nach unten greifen, sondern nach oben. Ich kenne etliche indisch-europäische Ehen, die sehr gut funktionieren. Allerdings sind die Männer da keine Busfahrer, sondern kommen alle aus einer höheren Einkommens- und Gesellschaftsschicht, sie haben alle in Europa oder den USA studiert. Und es ist nicht so, dass jede Frau, die indischen Boden betritt, sofort vergewaltigt wird.

Allerdings muss man bei den weniger gut Verdienenden, einerlei ob Indien, Tunesien o.ä. eher annehmen, dass sie nicht "Liebe" im Kopf haben, sondern Verbesserung ihrer Lebensumstände. Dazu kommt, dass sie von Europa etc. kaum eine Vorstellung haben, denn wie kann sich ein Busfahrer in Kerala vorstellen, er hätte großartige Jobchancen in Deutschland oder anderen Ländern? Sie greifen einfach nach jedem/jeder in der Hoffnung auf den Sechser im Lotto.

Liebe Grüße
chandu

Qisma
Beiträge: 156
Registriert: 29.05.2014, 22:01

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Qisma » 11.02.2019, 18:53

chandu hat geschrieben:
11.02.2019, 17:53
Und es ist nicht so, dass jede Frau, die indischen Boden betritt, sofort vergewaltigt wird.
Ich war fuenfmal in Indien und habe dort insgesamt 8 Monate verbracht. Ich wurde nicht einmal vergewaltigt, obwohl ich meistens ohne Begleitschutz unterwegs war.

gadi
Moderation
Beiträge: 5376
Registriert: 05.06.2014, 18:56

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von gadi » 11.02.2019, 19:23

Qisma hat geschrieben:
11.02.2019, 18:53
chandu hat geschrieben:
11.02.2019, 17:53
Und es ist nicht so, dass jede Frau, die indischen Boden betritt, sofort vergewaltigt wird.
Ich war fuenfmal in Indien und habe dort insgesamt 8 Monate verbracht. Ich wurde nicht einmal vergewaltigt, obwohl ich meistens ohne Begleitschutz unterwegs war.
Es ist gefährlich dort, vor allem für Frauen.
Moderatorin
gadi@1001Geschichte.de
...................................
Betrug entehrt, Irrtum nie. C.L.
من عاشر قوما اربعین یوما یا صار منھمیا رحل عنھم - Wer 40 Tage bei einem Volke weilt, wird einer von ihnen oder wandert weiter.

chandu
Beiträge: 225
Registriert: 22.09.2010, 13:52

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von chandu » 11.02.2019, 19:48

Ich denke, wenn, ist es eher gefährlich für einheimische Frauen als für Touristinnen, es sei denn, sie sind irgendwo alleine in einer schlechten Gegend unterwegs.

Ponyhof
Beiträge: 878
Registriert: 24.01.2014, 10:52

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Ponyhof » 11.02.2019, 20:22

Der Punkt ist genau der mit der sozialen Schicht. Auch kenne zwei englisch-indische Ehen, und durfte mal eine Sikh-Hochzeit miterleben. Da aber die Sikh-Frau einen Nicht-Sikh (Engländer) geheiratet hat, musste die Hochzeit im Verborgenen stattfinden- die Sikh- Gemeinde hätte diese sonst versucht zu verhindern, auch wenn die Eltern absolut mit der Ehe einverstanden waren. Die Braut kam aus einer sehr hohen sozialen Schicht, und hatte in England studiert.

Das ist aber NICHT zu vergleichen mit einem Inder der unteren Schichten wie dem Busfahrer!

Dass die Christen "nach dem Vorbild Jesu" mit Drecksjobs und am unteren Ende der sozialen Skala glücklich sind, ist so ziehmlich der grösste Blödsinn, den ich hier gelesen habe :mrgreen: Sonst würden unsere Kardinäle ja in Sack und Asche gehen, und der Papst die Obdachlosenzeitung verkaufen und statt mit Papamobil auf der Eselstute durch Rom reiten. :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

brighterstar007

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von brighterstar007 » 12.02.2019, 00:05

Hi Ponyhof,

Ich habe mal gelesen, dass es in ausser-europaeischen Landen ( Amerika/ Kanada mal beiseite),
Nicht diese hierarchische Job Status Beurteilung gibt, wie bei uns. Sprich : es wird
Dort nicht oder kaum gewertet: einer ist halt Cleaner, der andere CEO...

Der amtierende Papst ist doch ein unerwartetes Beispiel von Dienen und Solidarität mit
Den Armen, auch wenn er statt auf einem Esel, im Papamobil fährt.
Ich könnte mir bei ihm vorstellen, dass er dem Beispiel Jesu folgen möchte, aber
In Bezug auf sein Alter und seine Sicherheit Grenzen gesetzt werden, aber wer weiß ???

Liebe Grüße Brighterstar

Julija
Beiträge: 583
Registriert: 19.05.2012, 13:17

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Julija » 12.02.2019, 03:21

Liebe Brighterstar,

weißt du noch, wo du das gelesen hast?
Mich würde es echt interessieren, in welchem Land nicht nach Status gewertet wird. Ich kann mir auch keinen Status vorstellen, der nicht den Beruf miteinfließen lässt. Die einzige Ausnahme, die ich sehe, ist Status Frau, die nach Rollenverständnis gar keinen Beruf außer Haus- und Ehefrau ausübt. Aber das meinst du bestimmt nicht, wenn es keinen Unterschied macht, ob jemand ein Großunternehmen leitet oder Putzkraft ist.

Mein Mann und ich suchen eh nach einem Fernreiseziel für in zwei, drei Jahren. So ein Land wäre sehr reizend für uns.

Über dein Jesus-Vergleich musste ich auch schmunzeln. Ich dachte, du meinst das als Witz.
Das Papamobil aus Sicherheitsgründen kannst du ausschließen. Wenn Gott eines seiner Kinder zu sich holen will, sollte man seinen Plan nicht mit Hilfe von Panzerglas boykottieren :wink:

Ponyhof
Beiträge: 878
Registriert: 24.01.2014, 10:52

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Ponyhof » 12.02.2019, 08:50

Brighterstar, GERADE in der 2./3. Welt wird der Status über den Job bestimmt. Hast Du Indien oder den fernen Osten jemals bereist, ausserhalb der Touristenressorts?

Weisst Du, warum alle Eltern dort versuchen, ihren Kindern ein Studium zu ermöglichen? Genau, um deren Status zu verbessern. Weisst Du, warum die Rate der Frauen, die im Nahen Osten und in Indien "was Vernünftiges" studieren (Informatik, Natirwissenschaften) viel, viel höher ist als bei uns? Genau, um den Status zu verbessern. Weil eine gute Ausbildung, mit der frau Geld verdienen kann, die Beste Möglichkeit ist, seinen Status zu verbessern. Studiengänge wie Kunstgeschichte, Geschwätz"wissenschaften" etc. können sich Frauen dort einfach nicht "leisten", das Studium dient dem Zweck, hinterher möglichst eine gute Arbeit zu finden um dem Elend zu entfliehen. Das gilt natürlich nur für "höhere Töchter"!

In allen Threads wird darauf hingewiesen, dass die Arbeit im Tourismus nicht hoch angesehen ist. Vielleicht hast Du das hier auch schon irgendwo mal gelesen, nicht nur das Andere, was Du auch irgendwo mal gelesen hast... :mrgreen:

Die Idee des absolut gleichwertigen Menschen ohne den "Jobstatus" wird am ehesten in den sozialistischen Diktaturen verwirklich, dort sind alle "nichts" ausser der Partei. Im Extrem natürlich unter den Roten Khmer, wo der einfache Arbeiter "vergöttert" und alle "Intelligenzia" samt Familie umgebracht wurde. Auch in der DDR wurde versucht, die "Klassenunterschiede" zu nivellieren, aber es gab sie dennoch.

In den USA ist es überhaupt nicht anrüchig, mehrere kleine Jobs zu haben, da wird der soziale Status meiner Erfahrung nach deutlich weniger über den Job bestimmt als in der 2./3. Welt. In den USA gilt das Ideal (das wird natürlich selten verwirklicht), dass sich JEDER auch aus den niedrigsten Job hocharbeiten kann, daher wird selbstverständlich auch "niedrigen Arbeitern" im Allgemeinen mit Respekt begegnet.

Deine Ansichten über die hehren, aber nicht verwirklichen Absichten des Papstes finde ich gelinde gesagt skurril. Vor allem angesichts der Tatsache, dass gerade ER immer was von Flüchtlingsliebe, Weltoffenheit und Teilen faselt, aber sowohl die Anzahl der im Vatikan aufgenommenen Flüchtlinge als auch die Menge der Spenden, die der Papst persönlich den Armen zugedenkt in Verbindung mit der Geldscheffelei durch hohe Eintrittspreise in die Vatikanischen Museen und die Abschottung des Vatikans eine deutlich andere Sprache sprechen. Auch die hiesigen Kirchenfürsten fallen nicht gerade durch Demut und Bescheidenheit auf.

Nilka
Moderation
Beiträge: 6594
Registriert: 22.01.2012, 14:50

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Nilka » 12.02.2019, 09:12

Julija hat geschrieben:
12.02.2019, 03:21
Das Papamobil aus Sicherheitsgründen kannst du ausschließen. Wenn Gott eines seiner Kinder zu sich holen will, sollte man seinen Plan nicht mit Hilfe von Panzerglas boykottieren :wink:
:lol: :lol: :lol:
Mein Lieblingspapst :wink:
LG ♥ Nilka
Moderatorin
Nilka@1001Geschichte.de

Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt. Thomas Mann

Ponyhof
Beiträge: 878
Registriert: 24.01.2014, 10:52

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von Ponyhof » 12.02.2019, 09:16

@Julija: Die wenigsten berufsbezogenen (dafür parteibezogenen!) Berufsunterschiede dürfte es derzeit in Nordkorea geben :mrgreen:

Wenn ein sozialer Status/das Ansehen durch eine bestimmte Eigenschaft steigt, so streben viele Leute diese an, ganz platt ausgedrückt. Das können Äusserlichkeiten sein (wie z.B. Schönheitsideale), oder Eigenschaften wie Intelligenz etc. Auch gesellschaftlich haben diese "Werte" als Pull-Faktoren einen Effekt.

In einer Gesellschaft, in der Intelligenz, Durchhaltevermögen, Leistungswille etc. hoch angesehen sind, sind insbesondere Berufe, die dies zum Ausdruck bringen, hoch angesehen. Durchhaltevermögen kann in Amerika z.B. auch jemand zeigen, der es "vom Tellerwäscher zum Millionär" gebracht hat. Diese Idee sorgt dafür, dass in Amerika -im Gegensatz zu Deutschland- die sozialen Grenzen oft deutlich durchlässiger sind, das variiert aber auch in den Bundesstaaten. Andererseits wird aber eben auch erwartet, dass jemand versucht, seinen Status durch Arbeit zu verbessern, weil es ja "jeder könnte".

In semi-sozialistischen Gesellschaften, in denen sehr stark "Gleichheit" gepredigt wird, und in denen es eine immer mehr ausufernde soziale Hängematte gibt, geht der Leistungswille verloren. Es macht einfach wenig Unterschied, ob man in einem niedrigen Job arbeitet, oder sich auf Kosten der Allgemeinheit "selbst verwirklicht". Es erodiert die Mittelschicht- denn entweder schafft man "den Sprung nach oben", oder aber man hat kaum eine Chance. Das ist das, was wir derzeit in Deutschland miterleben dürfen. Das ist jetzt alles sehr vereinfacht ausgedrückt, man könnte da eine Doktorarbeit drüber schreiben....

In sozialistischen Gesellschaften ist die "Gleichheit" komplett verwriklicht, das Ansehen bestimmt sich aber dann durch ein neues Regulativ, die Parteizugehörigkeit. Da jeder dort mitmachen kann ohne besonders fleissig, intelligent etc. zu sein, ist das am Ende ein Staatsgebilde, in dem nur noch verwaltet aber kaum noch produziert wird. Denn der, der was arbeitet und leistungswillig ist ist ja weniger angesehen als ein Parteifunktionär- mit dem Effekt,dass eigentlich jeder nur "Funktionär" werden will. Leistung lohnt in solchen Gesellschaften schon allein deswegen nicht, weil sämtliche "Produktionsmittel" nicht mehr in privater Hand sind, sondern "verwaltet" werden. Sprich, dem, der sich anstrengt, werden auch noch "Planerfüllungsauflagen" gemacht, während er von seiner Leistung selber direkt nix hat. Irgendwann dienen die Planerfüllungsauflagen nur noch dazu, dass überhaupt noch etwas produziert wird. "In die Partei" zu wechseln und nur noch zu schwafeln ist dann für ursprünglich Leistungswillige sehr attraktiv. Diesen Prozess konnte man in der UDSSR, der DDR und aktuell in Venezuela beobachten.

Klar spielen bei allen diesen Beispielen noch sehr, sehr viele andere Faktoren ein Rolle. Ich will nur sagen, dass es in allen Gesellschaften irgendeine "Rangordnung" gibt, die Menschen antreibt und/oder sortiert, und die unterschiedlich durchlässig ist. Das ist entweder eine wirtschaftliche (über Berufe), oder eine, die über eine Partei- oder Religionszigehörigkeit (oder im Falle Indiens: über eine Kaste) bestimmt wird.

EmilyStrange
Beiträge: 1061
Registriert: 08.06.2017, 09:45
Wohnort: Südhessen

Re: Ein Busfahrer aus Kerala

Beitrag von EmilyStrange » 12.02.2019, 09:49

Julija hat geschrieben:
12.02.2019, 03:21
Wenn Gott eines seiner Kinder zu sich holen will, sollte man seinen Plan nicht mit Hilfe von Panzerglas boykottieren :wink:
Welch ketzerischer Ausspruch*g
Told you so - sincerely your intuition

Antworten